Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Chinas IPO-Dürre: Wann endet sie?

This post is also available in: Englisch, Vereinfachtes Chinesisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch

Nach einer Flut von Börsengängen in den letzten Jahren herrscht auf dem chinesischen Markt für A-Aktien seit Ende letzten Jahres in Hinsicht auf Börsengänge Ebbe. Es gibt zwar Spekulationen, dass die chinesische Börsenaufsicht China Securities Regulatory Commission (CSRC) einige Börsengänge zulassen wird, die noch dieses Jahr in den Markt rieseln würden. Doch wir wissen noch nicht genau wann und in welchem Umfang. Ich habe meinen Kollegen Eddie Chow eingeladen, seine Ansicht,  warum Börsengänge in Chinas lokalem Markt zum Stillstand gekommen sind und wo wir im aktuellen Klima Chancen sehen, mit uns zu teilen.

Eddie Chow, Executive Vice President / Managing Director, Templeton Emerging Markets Group

Im vergangenen Jahr war die Entwicklung des chinesischen Markts für A-Aktien für viele Anleger ziemlich enttäuschend. Wir finden den Markt aber trotzdem immer noch attraktiv und sind der Ansicht, es gibt gute Gründe optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wir haben in den letzten Jahren eine Überfülle von Börsengängen in den lokalen Schanghai und Shenzhen (A-Aktien) Märkten erlebt. Wahrscheinlich hat dies zu der schwachen Performance auf den Zweitmärkten während dieses Zeitraums beigetragen. Im A-Aktien-Markt nahmen Börsengänge 2012 103,4 Mrd. RMB auf, 2011  282,4 Mrd. RMB und 2010 491,1 Mrd. RMB. Dies in einen Gesamtzusammenhang gesetzt ergibt: Die Gesamtmarktkapitalisierung im Markt für A-Aktien lag 2012 bei 22.877 Bio. RMB, 2011 bei 21.330 RMB und 2010 bei 26.322 Bio. RMB. 

Einige dieser Börsengänge wurden nicht so geprüft und untersucht, wie dies vielleicht nötig gewesen wäre. Gegen Ende letzten Jahres schritt dann die chinesische Börsenaufsicht CSRC ein und setzte Neuemissionen ein vorläufiges Ende. Alle Kandidaten für Börsengänge und deren Emissionshäuser wurden aufgefordert, eine Selbstprüfung durchzuführen und ihre Finanzberichte für 2012 neu einzureichen. Die CSRC verstärkte auch ihre Maßnahmen zur Betrugsvorbeugung und kündigte stichprobenartige Revisionen an, die immer noch laufen. Viele Kandidaten für einen Börsengang entschieden sich daraufhin ihre Anträge zurückzuziehen bzw. auszusetzen. 

Generell sind wir der Ansicht, dass die Bestrebungen der CSRC in die richtige Richtung gehen. Die jüngste Kampagne zielt darauf ab, dass IPO-Unternehmen bei der Veröffentlichung ihrer Informationen präziser vorgehen, damit Anleger ein vollständiges Bild von dem Unternehmen erhalten. Die Behörden nehmen viele Investmentbanken und sogar Wirtschaftsprüfer für die Genauigkeit und Beurteilung der Qualität und der Fundamentaldaten der Unternehmen persönlich in die Verantwortung. Dies fokussiert auf das Bestreben, bei Antragstellern hohe Qualität und gute Unternehmensstruktur zu gewährleisten. Die CSRC hat auch eine Reihe neuer Regelungen für ein Börsen-Delisting erlassen. Wir sehen dies als positiv an, entscheidend ist aber, wie es umgesetzt wird.

Im Zuge dieser Kampagne werden wir unserer Ansicht nach wahrscheinlich noch einige anhängige IPO-Kandidaten erleben, die es sich anders überlegen. Die CSRC hat mitgeteilt, dass sie zum 31. März Selbstprüfungsberichte von 610 Unternehmen erhalten hat. 107 Unternehmen hatten als Folge ihres Versäumnisses, die Selbstprüfung durchzuführen Anträge auf Aussetzung ihrer Börsenbestrebungen gestellt. 162 Unternehmen stellten Anträge auf Abbruch ihrer Vorhaben. Um diese Zahlen in einen Gesamtzusammenhang zu setzen: Ende 2012 gab es laut CSRC im chinesischen Wertpapiermarkt 2.492 im Inland börsennotierte Unternehmen. Die CSRC steht wegen der vielen Unternehmen auf der Warteliste ziemlich unter Druck. Dabei möchte sie sicherstellen, dass die Prüfung der Kandidaten ordentlich durchgeführt wird. Das wird nicht einfach und erfordert viele Ressourcen.

Die Staatsbetriebe verfügen im Allgemeinen über gute Unterlagen. Es dürfte daher für Wirtschaftsprüfer und Emissionshäuser möglicherweise leichter sein, diese zu bewerten und zu genehmigen als andere Unternehmen. Der CSRC Prozess könnte also zu einer Neigung des Marktes in Richtung Staatsbetriebe führen. Dies geschieht aber nicht aufgrund irgendeiner Voreingenommenheit. Wenn Unternehmen, die aus dem den Börsengang vorbereitenden Prozess herausfallen, über eine gute Qualität verfügen und im vergangenen Jahr einfach nur einen Abwärtstrend erlebten, können sie auch andere Finanzierungskanäle finden, zum Beispiel die Ausgabe von Anleihen oder eine Börsennotierung im Ausland oder sogar Private Equity. Der Kapitalmarkt dürfte Unternehmen mit besseren Dynamiken auch automatisch höhere Bewertungen zusprechen. Das öffentliche Vertrauen wurde erschüttert. Wir denken daher, dieser Prozess wird letztlich den Markt stärken und Anleger zurückgewinnen. 

Der Zusammenhang zwischen Börsengängen und der Entwicklung des Marktes

Eine neue Welle von Börsengängen könnte wiederum dazu führen, dass die Zweitmärkte leiden. Doch ist es so gut wie unmöglich vorauszusagen, wie der Markt sich entwickeln wird. Dies ist insbesondere der Fall, wenn man den chinesischen Markt für lokale A-Aktien mit dem für H-Aktien vergleicht. Diese Märkte divergieren zwar mitunter vorübergehend. Doch glauben wir nicht, dass einer der Märkte dauerhaft und radikal den anderen übertreffen wird solange ihnen die gleichen wirtschaftlichen Fundamentaldaten zugrunde liegen. Der Markt für A-Aktien entwickelte sich dieses Jahr aufgrund von Meldungen und Gerüchten (z. B. Genehmigungsstopp für Börsengänge) zwar zeitweise besser, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird es in beiden Märkten Phasen eines besseren bzw. schlechteren Verlaufs geben.

In einem Klima globaler quantitativer Lockerungen haben die Aktienmärkte sich in den vergangenen Monaten generell gut entwickelt. Das Anlegerinteresse an Werten mit höherem Risiko bzw. an Werten mit einer historisch höheren kurzfristigen Volatilität wurde geweckt. Wir können nicht sagen, wie lange dieser Trend noch andauern wird. Angesichts dessen, wie schnell die Anlegerstimmung sich ändern kann, erwarten wir jedoch einen volatilen Markt, obwohl die langfristigen Aussichten für die globalen und die chinesischen Aktienmärkte günstig bleiben. Ein konkreterer Ausblick durch das Unternehmensmanagement nach Bekanntgabe der Umsatzzahlen könnte zu einem Ausbruch nach oben führen. Wir sind allerdings der Ansicht, dass die chinesischen Aktienmärkte noch über die nächsten drei bis sechs Monate verwundbar bleiben. Grund sind die hohen Erwartungen auf eine schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft und der Erwartung, dass die Regierung nach dem Volkskongress im März schnell Reformen voran treiben wird.  

Die Bewertungen vieler Titel im Markt für A-Aktien erscheinen uns derzeit allerdings angemessen und werden unserer Ansicht nach gegenüber vergleichbaren H-Aktien mit einem Abschlag gehandelt, insbesondere in den Sektoren Banken und Fahrzeugbau. Während wir uns auch weiterhin auf die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen konzentrieren und unser Portfolio von Grund aus aufbauen, sehen wir derzeit Chancen in den Bereichen Bankwesen, Fahrzeugbau, Gesundheitswesen und Pharmazie, die wir für recht attraktiv halten.

Die Zukunft Chinas

Wir sind hinsichtlich der Aussichten für China auch weiterhin optimistisch und werden unsere Suche nach langfristigen Anlagemöglichkeiten aus einer Reihe von Gründen fortsetzen. Wir rechnen damit, dass mit steigendem verfügbarem Einkommen der chinesischen Mittelschicht mehr Privatvermögen in Spareinlagen und Kapitalanlagen fließen könnte. Viele chinesische Konsumenten profitieren von jährlichen Lohnsteigerungen um 20% oder mehr. Außerdem schreitet die Urbanisierung rasch voran. Die Regierung steckt mehr Ressourcen in Infrastruktur und sozialen Wohnungsbau, aber auch in den Ausbau von Sozialleistungen, Bildung und medizinischer Versorgung von Zuwanderern in die Städte.

Der chinesische Präsident Xi Jingping scheint außerdem ein umfangreiches Reformprogramm mit festen Zeitplänen und Zielen aufzulegen. Eine kürzlich gestartete Kampagne zur Korruptionsbekämpfung läuft auf vollen Touren. Wie es aussieht, müssen in manchen Regionen Staatsvertreter wohl in den nächsten ein, zwei Jahren ihre Vermögensverhältnisse offenlegen. Die neue Führung strebt auch effizientere Entscheidungsprozesse an. Die Umsetzung von Chinas 12. Fünfjahresplan sollte auch die Wirtschaft motivieren, denn er fordert ein ausgewogeneres Wirtschaftswachstum in China, das verstärkt auf Binnenkonsum und Reform des Finanz- und Sozialsystems setzt. Insgesamt sind wir der Ansicht, dass sich die Aussichten für Chinas Aktienmarkt, trotz der Herausforderungen und Schwankungsintensivität, positiv gestalten.

Twitter

Halten Sie sich auf dem Laufenden

Blog-Aktualisierungen direkt in Ihre Mailbox

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.