Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Halbjahres-Pulstest für die Schwellenmärkte

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Das globale Wirtschaftswachstum war im ersten Halbjahr 2013 bislang nicht besonders berauschend. Dennoch fühlten sich viele Anleger veranlasst, mehr Kapital auf die Aktienmärkte zu lenken, die zum Teil auf Rekordstände anzogen. Die Jahresmitte erscheint uns als geeigneter Zeitpunkt, den Schwellenmärkten den Puls zu fühlen und unsere Prognose zu überdenken.

Mehrere Schwellen- und Grenzmärkte – wie zum Beispiel die Philippinen, Indonesien, Thailand und Vietnam in Südostasien – haben in den letzten Monaten solide Gewinne verzeichnet. Weitere Schwellenmärkte, die ebenfalls bemerkenswerte Ergebnisse brachten, wiesen positive lokale makroökonomische Entwicklungen auf, die kräftige Kapitalströme anzogen. Während sich Renditen vermeintlich „sicherer“ Anlagen beinahe auf historischen Tiefstständen bewegen, nimmt das Interesse an potenziell höher rentierlichen risikoreicheren Anlageformen wie Schwellenländeraktien weiter zu.

Natürlich hat es auch Enttäuschungen gegeben. Verschiedene größere Schwellenmärkte wie Südafrika, Südkorea, Russland, China und Brasilien haben 2013 bis einschließlich April an Boden verloren. Herabgesetzte BIP-Wachstumsprognosen waren sicherlich von Nachteil, und rohstofflastige Märkte wurden doppelt beeinträchtigt, da verringerte Wachstumsprojektionen die Rohstoffpreise in einer Phase belasteten, als steigende Produktionskosten einzelne Minen- und Energieunternehmen unter Druck brachten. Zudem litt die Stimmung in Südkorea unter der Bedrohung durch Nordkorea und unter der Angst, die japanischen Maßnahmen zur Schwächung des Yen könnten südkoreanischen Exporteuren schaden. In China reagierte die Regierung mit Maßnahmen zur Straffung der Geldpolitik und zur Eindämmung von Immobilienkäufen auf steigende Immobilienpreise. Ferner sprachen verschiedene politische und marktbezogene Entwicklungen in Brasilien, Indien und Russland für einen politischen Kurs, der in eine weniger aktionärsfreundliche Richtung geht. So erhebt zum Beispiel die brasilianische Regierung hohe Steuerforderungen gegen mehrere Großkonzerne.

Nach Ansicht meines Teams dürften viele dieser Probleme, die die Performance größerer Schwellenmärkte in den letzten Monaten gebremst haben, langfristig nur geringe Auswirkungen zeigen. Auf der koreanischen Halbinsel verschärfen sich die Spannungen immer mal wieder. Dass die aktuelle Situation zu einem echten Konflikt eskaliert, halten wir für sehr unwahrscheinlich. Auch die Schwäche des Yen dürfte die Leistung der südkoreanischen Exportwirtschaft kaum dauerhaft beeinträchtigen. Chinas Schritte zur Abkühlung der Immobilienmärkte schließlich sind im Kontext das soliden anhaltenden Wachstums und der Maßnahmen zur Neuausrichtung der Wirtschaft auf nachhaltigere Wachstumsmodelle zu sehen. Diverse politische Entscheidungen, die kurzfristig belastend wirken, könnten langfristig am Ende Vorteile bringen, wie Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung, die während des chinesischen Neujahrsfests die Nachfrage nach Luxusgütern drosselten. In Russland stehen Problemen mit Aktionärsrechten unseres Erachtens außergewöhnlich niedrige Aktienbewertungen gegenüber. Währenddessen bleibt die Politik in Indien wie auch in Brasilien insgesamt marktorientiert. Vor allem aber dürfte die jüngste Schwäche der Rohstoffpreise unserer Überzeugung nach keinen langfristigen Trend darstellen.

Wachstumsargumente für die Schwellenmärkte

Obwohl die kurzfristigen Prognosen für das globale BIP-Wachstum unlängst rückläufig waren, rechnen wir für 2013 und die Folgejahre nach wie vor mit wieder anziehenden Wachstumsraten. 2012 sollte den Tiefpunkt darstellen. Ferner erwarten wir für die Schwellenmärkte 2013 und darüber hinaus auf längere Sicht ein deutlich kräftigeres Wachstum als für die Industrieländer, was unseres Erachtens nicht nur für steigende Rohstoffnachfrage sorgt, sondern mit der Zeit auch auf die Rentabilität von Unternehmen und auf die Bewertungen durchschlagen könnte. Industrialisierung und Urbanisierung dürften die Rohstoffnachfrage in Schwellenländern zusätzlich anheizen, was die Preise langfristig in die Höhe treiben könnte.

In vielen Schwellenländern könnten Rohstoffe, Exporte und Infrastrukturentwicklung auch künftig maßgebliche Wachstumstreiber abgeben, doch insgesamt dürfte das Wachstum unserer Ansicht nach immer stärker binnenwirtschaftlich begründet sein. Steigender Wohlstand der Verbraucher sorgt für eine wachsende und anspruchsvolle Mittelschicht in Schwellenländern, deren Nachfrage wiederum die Inlandskonjunktur spürbar belebt. Außerdem sind die Verbraucher in Schwellenländern lange nicht so hoch verschuldet wie in Industrieländern üblich, sodass die Kapazität für Nachfragesteigerung entsprechend größer ist. Auch die demografischen Voraussetzungen sind in vielen Schwellenländern günstiger als in den meisten Industrieländern. In den Schwellenländern tritt ein relativ hoher Anteil der Bevölkerung erst ins erwerbsfähige Alter ein und der Anteil von Unterstützung Abhängiger ist verhältnismäßig gering, sodass die demografischen Gegebenheiten die Verbrauchernachfrage noch beflügeln. Selbst auf Märkten wie China mit nicht so eindeutig positiven demografischen Rahmenbedingungen stellen Produktivitätssteigerungen durch die Umstellung von Landwirtschaft auf Produktion und Dienstleistungsgewerbe nach wie vor einen positiven Einfluss auf Wachstum und Inlandsnachfrage dar.

Die Grenzmärkte – die Schwellenländer von morgen

Diese sogenannten „Schwellenländer von morgen“ zeichnen sich durch starkes Wachstum aufgrund niedriger Basiseffekte, reichliches Angebot an Rohstoffen und Arbeitskräften und die Verfügbarkeit leicht erzielbarer Gewinne aufgrund von Marktreformen und Technologietransfer in Länder mit relativ niedrigen Lohnkosten aus. Verglichen mit reiferen Schwellenmärkten werden die Grenzmärkte vom Research vernachlässigt. Die mangelnde Vertrautheit mit diesen Märkten könnte zu Unterbewertungen und Preisanomalien führen, die wir durch unsere umfangreichen Research-Ressourcen ausnutzen könnten. Wir entdecken auf Grenzmärkten weltweit zahlreiche Chancen. Besonders dicht gesät sind sie allerdings in Afrika, das wir generell als eigenständiges Anlageziel betrachten und mit besonderem Interesse beobachten.

Wir bleiben uns auch weiterhin der Risiken aller Märkte bewusst, auch jener in Schwellenländern, die aus der Anfälligkeit des globalen Wirtschaftswachstums, der Verschuldung und einer Reihe geopolitischer Gefahren entstehen könnten, insbesondere in Korea, im Südchinesischen Meer und im Nahen Osten. Im Rahmen unseres Anlageverfahrens berücksichtigen wir zwar makroökonomische Überlegungen, doch unser zentrales Ziel ist der Aufbau von Portfolios, deren Aktien wir aufgrund unserer Research-Ergebnisse im Verhältnis zu ihrem langfristigen Potenzial für am stärksten unterbewertet halten.

Meine Prognose: Manche Märkte haben zurzeit allem Anschein nach einen schwachen Puls, könnten aber durch alle möglichen Katalysatoren in Schwung kommen.

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