Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Der beste Anlagezeitpunkt

This post is also available in: Englisch, Vereinfachtes Chinesisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch

Ich bin häufig als Redner auf Investmentkonferenzen in aller Welt unterwegs. Die Fragen, mit denen ich konfrontiert werde, reichen von meiner Prognose für einen bestimmten Markt bis hin zu komplexen Investmentkonzepten. Eine auf den ersten Blick banale Frage, gestellt vor Jahren von einer jungen Dame auf einer Konferenz in Kanada, die ich mit dem Gründer von Templeton Investments besuchte, dem verstorbenen Sir John Templeton,  war besonders zeitlos. Sie lautete: „Ich habe gerade ein bisschen Geld von meinem Großvater geerbt. Wann ist für mich der ideale Zeitpunkt, es anzulegen?” Sir John stand auf dem Podium. Er hielt kurz inne und gab dann eine nicht minder banale Antwort: „Junge Dame, der beste Zeitpunkt, Geld anzulegen, ist dann, wenn Sie Geld haben.” Dem Gelächter nach zu urteilen fand seine Antwort Anklang – beim Publikum ebenso wie bei mir. Mich interessierte aber, was er damit Tiefgründigeres sagen wollte, und daher forschte ich nach.

Nach Durchführung mehrerer Marktstudien auf der Basis historischer Daten stellte ich zwei maßgebliche Trends auf den Aktienmärkten der Schwellenländer fest: Traditionell war der Anstieg in Bullenmärkten prozentual höher als der Rückgang in Bärenmärkten, und Bullenmärkte waren von längerer Dauer als Bärenmärkte. Wenn Sie sich also an die Durchschnittskostenmethode halten und systematisch jeden Monat oder jedes Quartal über mehrere Jahre hinweg denselben Betrag investieren, würden Sie feststellen, dass Sie sich häufiger in einer Hausse als in einer Baisse befunden haben.[1] Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist zwar keine Garantie für die Zukunft, doch historische Studien belegen, dass Bullenmärkte prozentual stärker steigen, als Bärenmärkte fallen. Ferner gilt: Wenn Sie die Disziplin aufbringen, in Bärenmarktzyklen weiter zu investieren, bekommen sie für denselben Betrag mehr Aktien.

Die Bedeutung einer langfristigen Perspektive

In einem Bärenmarkt Kapital anzulegen, ist leichter gesagt als getan. Ich gebe offen zu, dass das psychologisch schwierig ist. Dazu müssen Sie über die unmittelbaren schlechten Nachrichten hinausblicken – auf eine potenzielle künftige Erholung. Wenn alle Freunde und Nachbarn ihre Aktiendepots auflösen, lässt man sich schnell ebenfalls dazu verleiten. In der Verhaltensökonomie heißt das „Herdentrieb“.

Berichten die Zeitungen, wie düster es auf dem Markt aussieht und dass alles noch schlimmer wird, sind Sie außerdem der Gefahr ausgesetzt, wiederholt zum falschen Zeitpunkt zu kaufen und zu verkaufen. Genau das passierte, als viele in der US-Subprime-Krise Ende 2008, Anfang 2009 in Panik auf dem Marktboden verkauften. Nachdem der Markt über 50% zugelegt hatte, bekamen viele Angst, den Zug zu verpassen. Sie dachten, sie müssten unbedingt einsteigen und kauften auf dem Marktgipfel! Wenn Sie sich so verhalten, verlieren sie mit ziemlicher Sicherheit Geld. Ohne langfristigen Horizont werden Sie es kaum fertigbringen, in der Baisse diszipliniert weiter zu investieren und den potenziellen Aufschwung abzuwarten.

Diversifizierung

Wenn Sie also Anlagekapital haben, und auch eine langfristige Perspektive, sodass Sie nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt erwischen müssen – wie und wo sollten Sie dann investieren? Eine weitere banale Antwort: Streuen Sie. Wir haben alle schon von Leuten gehört, die ein Vermögen verdient haben durch die Investition in nur ein Unternehmen. Das ist jedoch nicht die Regel. Mich erinnert das an den Spruch: „Wenn Sie alle Eier in einen Korb legen wollen, dann passen Sie bloß gut auf den Korb auf!“ Die wenigsten von uns sind in der Lage, Unternehmen ständig im Auge zu behalten. Selbst professionelle Investoren erkennen, dass sie nicht wirklich Einfluss haben auf das Unternehmen, in das sie investiert haben. Ein unbekanntes oder unerwartetes Ereignis kann sie vernichten. Diversifizierung garantiert zwar keine Gewinne und auch keinen Schutz vor Verlusten, kann aber dazu beitragen, die Volatilität etwas zu dämpfen.

Meines Erachtens ist es wichtig, nicht nur über verschiedene Unternehmen zu streuen, sondern auch über verschiedene Branchen, und vor allem über verschiedene Länder. Ein Grund für die große Popularität professionell gemanagter Strategien weltweit ist, dass sie den Anlegern eine breite Streuung über viele verschiedene Aktien ermöglichen, die sie in Eigenregie kaum richtig analysieren können und in die sie womöglich gar nicht investieren könnten. Leider sind die Portfolios vieler Anleger nur in ein Land investiert … in ihr eigenes. Das ist meiner Ansicht nach ein großer Fehler, denn sie verpassen damit potenzielle Chancen auf der ganzen Welt. Mein Team und ich haben die Aufgabe, diese zu entdecken.

Unser Research belegt, dass es in den von uns untersuchten 25 Jahren von 1988 bis 2012 und unter den von uns analysierten 72 internationalen Aktienmärkten nicht einen Markt gab, der zwei Jahre in Folge der ertragsstärkste war.[2] Und nur ein einziger Markt brachte in vier dieser 25 Jahre die höchsten Erträge: die Türkei. Lediglich zwei Märkte lagen in zwei Jahren an der Spitze: Russland und Argentinien.

 Türkei (4 Jahre: 2012, 1999, 1997 und 1989)

Russland (2 Jahre: 2001 & 1996)

Argentinien (2 Jahre: 2010 & 1991)

Von den verbleibenden 69 Ländern brachten nur 16 in einem Einzeljahr die beste Performance, wie die folgende Tabelle zeigt. Die übrigen 53 Länder lagen in keinem Jahr an der Spitze. China und die USA sind wohlgemerkt gar nicht auf der Liste. Das bringt mich auf eine weitere Binsenweisheit der erfolgreichen Kapitalanlage: anders sein. Wenn Sie dort investieren, wohin alle tendieren, legen Sie Ihr Geld womöglich falsch an. Im Investmentgeschäft glauben wir, dass es der Schlüssel zum Erfolg sein kann, manchmal unpopulär zu agieren, und das jeder Zeitpunkt der richtige sein kann, um Kapital anzulegen.

Markt Anzahl der Jahre, in denen der Markt die höchsten Erträge erzielte
Türkei 4
Russland 2
Argentinien 2
Brasilien 1
Kolumbien 1
Kroatien 1
Ägypten 1
Griechenland 1
Indonesien 1
Israel 1
Jordanien 1
Kenia 1
Mauritius 1
Pakistan 1
Polen 1
Südkorea 1
Sri Lanka 1
Schweiz 1
Trinidad und Tobago 1
Tunesien 1

Quelle: Franklin Templeton Investments; MSCI Indexes.

Für alle Märkte wurde der MSCI Gross Official Index (in US-Dollar) herangezogen.

 


[1] Die Durchschnittskostenmethode garantiert weder Gewinne noch eliminiert sie Risiken. Sie schützt den Anleger auch nicht vor Verlusten, wenn er seine Aktien in einem rückläufigen Markt oder auf einem Tief verkauft. Bevor ein Anleger diese Strategie einsetzt, sollte er sich über seine Fähigkeit im Klaren sein, auch in Zeiträumen mit niedrigem Preisniveau bzw. veränderlicher Wirtschaftslage weiter zu investieren.

[2] Quelle: MSCI Indexes. Alle MSCI-Daten werden „as is“ bereitgestellt. MSCI gibt keine ausdrücklichen oder stillschweigenden Gewährleistungen oder Zusicherungen und übernimmt keinerlei Haftung für hierin enthaltene MSCI-Daten. MSCI-Daten dürfen nicht weitergegeben oder als Grundlage für andere Indizes oder Wertpapiere oder Finanzprodukte herangezogen werden. Dieser Bericht wurde von MSCI weder genehmigt noch geprüft oder erstellt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit sagt nichts über künftige Ergebnisse aus. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren.

Twitter

Halten Sie sich auf dem Laufenden

Blog-Aktualisierungen direkt in Ihre Mailbox

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.