Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Tragödie in den Philippinen

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Der Taifun Haiyan hat den Philippinen einen ungeheuerlichen Schlag versetzt und ist wahrscheinlich die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes, wenn nicht sogar der gesamten Region. Unser Team beobachtet die Lage in den Philippinen genau. Wir wünschen den Menschen dort von ganzem Herzen das Beste und sind mit unseren Gedanken bei ihnen. Einige globale Anleger reagierten auf diese Situation mit dem Verkauf philippinischer Aktien. Dadurch wurde der Markt in den Tagen nach dem Sturm in den Keller getrieben. Wir glauben nach wie vor an das hervorragende Potenzial der Philippinen und sind überzeugt, die Nation kann sich erholen und wird dies auch tun. Auch wenn das nicht einfach wird.

Ich möchte Ihnen ein persönliches Erlebnis schildern, das ich in diesem Land erleben durfte und an das ich in diesen Tagen denken muss. Vor vielen Jahren, als ich einen entlegenen Teil der Insel Luzon erkundete, wurde ich aufgrund von Magenbeschwerden sehr krank. Ich befand mich in einem kleinen Dorf. Weit und breit gab es kein Krankenhaus. Die Dorfbewohner erkannten meine Notlage und bestanden darauf, dass ich mich in einer ihrer Hütten erholte. Dann holten Sie aus einem Nachbarort einen Arzt, der mich behandeln sollte. In dem Zustand, in dem ich mich befand, war an Arbeit nicht zu denken. Also begab ich mich in ihre Obhut und ruhte mich einen Tag und eine Nacht lang aus.  Als ich versuchte sie zu bezahlen lehnten sie dies kategorisch ab. Das ist natürlich typisch für die Filipinos. Ihre Großzügigkeit und Liebenswürdigkeit dürfte inzwischen weithin bekannt sein. Daher denken wir in diesen schweren Stunden an sie. 

Im Moment lassen sich die Auswirkungen des Taifuns Haiyan auf die philippinische Wirtschaft nur schwer abschätzen. Es war ein BIP-Wachstum von 6,8% erwartet, was über den Wachstumsprognosen[1] für Indonesien, Vietnam, Thailand oder Malaysia für dieses Jahr lag. Schätzungen zufolge belaufen sich die durch den Sturm verursachten Schäden auf zig Milliarden Dollar. Der Supersturm Sandy im Jahr 2012 im Nordosten der USA kostete das BIP nur etwa 1%. Angesichts der viel niedrigeren Wirtschaftsleistung werden die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Philippinen wahrscheinlich viel schwerwiegender sein als die von Sandy. Ich denke aber, die Auswirkungen des Taifuns auf das Wachstum dürften nur von relativ kurzer Dauer sein. Wir konnten Ähnliches auch in anderen Ländern beobachten. Thailand zum Beispiel konnte sich von dem zerstörerischen Tsunami 2004 und den Überschwemmungen 2011 erholen.

Die Philippinen müssten eigentlich auch in der Lage sein, sich zu erholen. Und damit lässt sich unserer Meinung nach dann auch das Wachstum wieder herstellen. Geldmittel, die von im Ausland vor allem in den USA, dem Nahen Osten und in Europa arbeitenden Filipinos nach Hause geschickt werden, sind für die Wirtschaft von großer Bedeutung und sollten auch bei der Erholung in Erwägung gezogen werden. Während der ersten acht Monate des Jahres 2013 schickten im Ausland Arbeitende mehr als 14 Mrd. US-Dollar in die Heimat.[2]

Ich denke aus geld- und finanzpolitischer Sicht dürften die Philippinen über ausreichend Flexibilität verfügen, um mit den Folgen des Taifuns umgehen zu können. Die Notenbank des Landes beließ ihren Leitzins im Oktober auf dem historischen Tiefstand von 3,5%. Es besteht da aber auch Raum nach unten, falls die Politik dies für angebracht halten sollte.

Als eine der führenden Nationen in der Region waren die Philippinen Gründungsmitglied des Verbandes Südostasiatischer Staaten (ASEAN). Dieser Verband wurde zur Förderung des Wirtschaftswachstums, des sozialen Fortschritts und der kulturellen Entwicklung in der Region durch gemeinsame Bestrebungen sowie zur Förderung von Frieden und Stabilität gegründet. Wir sind bereits seit einiger Zeit in Hinsicht auf die Perspektiven der Philippinen zuversichtlich und denken nach wie vor, sie verfügen über ein erhebliches Potenzial. Englischsprachige Arbeitskräfte mit engen Bindungen zu den USA verleihen dem Land nicht nur im Bereich Outsourcing von Unternehmensleistungen einen Wettbewerbsvorteil.

Die Regierung unter Führung von Präsident Benigno Aquinos hat in den letzten Jahren das Land reformiert, um es für ausländische Anleger attraktiver zu machen. So konnte das globale Kreditrating bis auf Investment Grade Standard steigen. Die jüngste Katastrophe und seine Fähigkeit, die Philippinen wieder auf die Beine zu bringen, stellen nun eine echte Herausforderung für Aquino dar. Sie könnte zu weiteren, umfassenden Reformen und Fortschritten führen, die sich letztendlich als nutzbringend für das Land erweisen könnten. Ich denke, er und sein Volk sind dieser Herausforderung gewachsen! 



[1] Quelle: „World Economic Outlook“, Oktober 2013. © Internationaler Währungsfonds. Alle Rechte vorbehalten.

[2] Quelle: Bangko Sentral NG Pilipinas. 

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