Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Geduld mit Asien

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Wer wie wir von der Templeton Emerging Markets Group auf vielen Märkten und in viele Unternehmen investiert, kann jederzeit bei manchen den Eindruck erwecken, er würde schlechter oder besser abschneiden als ein bestimmter Referenzindex oder Markt. Das liegt in der Natur der globalen Finanzmärkte. Natürlich hätten wir alle gern, dass unsere Anlagen stetig zulegen. Gleichzeitig versuchen wir aber laufend, neue Schnäppchen für Anleger aufzutreiben. Wenn alle Aktien auf einem bestimmten Markt steigen, ist das nicht unbedingt von Vorteil, wenn man Wertpotenzial ermitteln möchte. Außerdem ist uns klar, dass mitunter Überzeugung gefragt ist, um kurzfristige Rücksetzer zu verkraften – dann nämlich, wenn wir langfristige Gründe für die Anlage in einen bestimmten Titel erkennen. Wir begreifen solche Rücksetzer als Chancen, potenzielle Schnäppchen zu erwerben. Leider mangelt es heute vielen Anlegern an Ausdauer. So könnten sie dieses Jahr die Geduld mit manchen asiatischen Schwellenländern verlieren – insbesondere womöglich mit China. 

Aus makroökonomischer Sicht stützt sich unsere Zuversicht für das hohe langfristige Potenzial asiatischer Märkte hauptsächlich auf drei Faktoren. Erstens haben asiatische Schwellenmärkte im Vergleich zu Industrieländern in der Vergangenheit generell kräftigeres Wirtschaftswachstum verzeichnet, und auch die Wachstumserwartungen für das kommende Jahr sind allgemein höher. Der Internationale Währungsfonds (IWF) projiziert für asiatische Schwellenländer für 2014 ein Wachstum von 6,5%. Für die Industrieländer werden generell 2% angesetzt.[1] Seit 1999 hat die Region hohes Wachstum ausgewiesen – sogar 2009, als die Industrieländer in die Rezession abglitten, wie nachstehende Grafik zeigt.

Der zweite Faktor sind die hohen Devisenreserven, mit denen asiatische Schwellenmärkte allgemein aufwarten und Industrieländer generell in den Schatten stellen. Solide Finanzen von Staaten und Haushalten verstärken das Potenzial, das dem Wirtschaftswachstum zugrunde liegt. Der dritte Faktor ist, dass asiatische Schwellenländer gemeinhin deutlich geringer verschuldet sind als Industrieländer. 

Trotz der unseres Erachtens überwiegend starken Fundamentaldaten notieren Aktien aus Schwellenmärkten in letzter Zeit meist niedriger als Titel aus Industrieländern, bieten dabei aber ähnliche Dividendenrenditen. Zum 31. Oktober 2013 lag das prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI AC Asia ex-Japan Index für zwölf Monate bei 11, während es für den MSCI World Index 14 betrug.[2] Auf diesen asiatischen Schwellenmärkten können Anleger folglich mehr Ertragskraft billiger kaufen.

Hinzu kommt, dass die demografische Entwicklung in asiatischen Schwellenländern im Großen und Ganzen günstiger ist, da viele junge Leute in den Arbeitsmarkt eintreten. In den meisten Industrieländern steigt dagegen rasch der Anteil an der Bevölkerung, der sich im oder kurz vor dem Ruhestand befindet. Diese demografischen Vorteile könnten für konsumabhängige Sektoren besonders bedeutsam sein. So ist mit wachsendem Wohlstand asiatischer Verbraucher mit steigender Nachfrage nach Pkw und anderen Konsumgütern zu rechnen. Die Anzahl der Pkw pro Einwohner auf großen Märkten wie China und Indien liegt bei einem Bruchteil der Werte für Industriestaaten. Damit China und Indien den derzeitigen Pkw-Bestand der USA erreichen, müssten vermutlich fast eine Milliarde Neuwagen hergestellt werden. Das ist nur ein Beispiel für das erhebliche Potenzial, das wir für diese Märkte erkennen.

 Warum Geduld eine Tugend ist

Als Bottom-up-Stockpicker konzentrieren wir uns auf Einzelunternehmen. Wir haben viele Unternehmen ausfindig gemacht, die vielleicht aus schwächeren Märkten stammen, unseres Erachtens aber alles richtig machen – unter anderem durch Kostensenkung, Rationalisierung und Fusionen und Übernahmen. Viele Unternehmen aus Schwellenländern haben nicht nur auf anderen Schwellenmärkten interessante Zielunternehmen aufgekauft, sondern auch in Industrieländern. Weitere aktionärsfreundliche Maßnahmen sind unter anderem Aktienrückkäufe, Dividendenerhöhungen, Verbesserungen der Corporate-Governance-Standards und Ähnliches.

Wir sind langfristige Investoren mit fünfjährigem Horizont. Wir bringen die nötige Geduld auf, abzuwarten, bis der Markt den wahren Wert eines Unternehmens erkennt. Wir stoßen Positionen nicht ab, nur weil sie auf dem Markt vorübergehend unpopulär sind. Wir ziehen den Verkauf einer Aktie nur in Betracht, wenn eine der folgenden Voraussetzungen vorliegt:

• Der derzeitige Aktienkurs übersteigt unsere Schätzung des vollen Werts.

• Ein vergleichbares Wertpapier bietet deutlich mehr Wertpotenzial.

• Eine grundlegende Veränderung in einem Unternehmen lässt uns unsere Prognosen revidieren.

China

Ungeachtet der unserer Ansicht nach positiven langfristigen Fundamentaldaten entwickelte sich der chinesische Aktienmarkt in diesem Jahr enttäuschend. Viele schauen nur auf nachlassendes Wachstum. Dabei finden wir die für China erwartete Wachstumsrate von 7 bis 8%[3] für dieses Jahr auf jeden Fall nach wie vor eindrucksvoll, vor allem angesichts des drastischen Wachstums der wirtschaftlichen Basis in den letzten zehn Jahren. Außerdem ist im Zuge der Expansion der Wirtschaft und der Umstellung von dem früheren exportorientierten Modell auf ein künftig binnenwirtschaftlich geprägtes mit nachlassendem Wachstum zu rechnen.

Offenbar hat sich der Markt zu sehr auf die kurzfristigen Wirtschaftsmeldungen aus China konzentriert. Im September konnte der Fluss an Wirtschaftsdaten die ausgesprochen positiven Signale vom Juli und August nicht untermauern. Die Exportdaten gaben geringfügig nach, während Industrieproduktion und die Zunahme der Anlageinvestitionen leicht rückläufig waren. Ende Oktober entschied sich die chinesische Zentralbank erneut gegen eine Liquiditätsspritze, um die saisonbedingt angespannte Liquiditätslage auf dem Interbankenmarkt zu lockern. Die chinesischen Interbankensätze zogen an, was die Marktstimmung zusätzlich trübte. Der Inlandskonsum blieb aber rege. Gleichzeitig wiesen die Daten zu Stromverbrauch und Metallimporten auf weiter erhöhte Aktivität hin. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) fürs dritte Quartal wuchs mit 7,8% im Jahresvergleich stärker als im Vorquartal.

Die auf der Plenarsitzung vom November in China angekündigten Reformpläne hatten die Anlegerstimmung bereits gehoben, wie die anschließende Wertentwicklung chinesischer und chinaabhängiger Aktien zeigt. Zu den wesentlichen Entwicklungen gehören unter anderem die erwarteten Reformen bei staatseigenen Betrieben, die Landreform, die Steuerreformen, die Liberalisierung des Finanzmarktes, der Umweltschutz und die Lockerung der Ein-Kind-Politik. Die Reform des „Hukou“-Systems würde Chinas Meldewesen voranbringen, sodass Land- zu Stadtbewohnern werden können. Die Regierung sagte außerdem weniger Einmischung in Investitionszuflüsse und die Preisgestaltung für Ressourcen zu.

Indonesien und Indien

Diesen Sommer knickten fast alle Schwellenmärkte unter Spekulationen über eine bevorstehende „Drosselung“ des verlängerten Anlagenkaufprogramms durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ein, das viel Liquidität in die globalen Märkte eingebracht hatte. Zu dieser Rückführung der monatlichen Anleihenkäufe der Fed für 85 Mrd. US-Dollar muss man aber die Fakten kennen. Eine Drosselung ist keine Straffung der Politik. Die von der Fed zugeführte Liquidität fließt noch immer durchs System. Hinzu kommt, dass auch Zentralbanken in Japan und anderen Ländern der Welt Geld drucken und so für zusätzliche Liquidität sorgen.

Indonesien und Indien sind zwei Ländern, die stark unter den Sorgen um restriktive Fed-Maßnahmen litten, da diese Länder die Mittel brauchen, um ihre im Vergleich höheren Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Im Falle Indiens wurde die Anlegerstimmung außerdem durch verschiedene politische Fehlgriffe belastet. Wir sehen in Indien aber nach wie vor Potenzial und hoffen, dass seine Regierung das Ruder herumreißen kann. Das geht uns allerdings zu langsam. Unserer Ansicht nach gibt es zu viel Bürokratie, und die Barrieren für Investitionen in Indien sind noch zu hoch. 

Unsere Einschätzung zu Indonesien hat sich aber nicht verändert, obwohl es dort in diesem Jahr zu Panikverkäufen kam. Wir beurteilen den indonesischen Markt weiterhin positiv, weil wir ihn langfristig als fundamental stark erachten, und suchen weiter nach Chancen bei Einzeltiteln. Wir interessieren uns nach wie vor für unterbewertete indonesische Aktien. Die indonesische Führung hat die Notwendigkeit erkannt, die Konjunktur zu beleben, und Pläne für die Zulassung ausländischer Investitionen in Flughäfen und Häfen vorgestellt – ein positiver Schritt. Wir rechnen mit weiteren Schritten zur Erleichterung ausländischer Investitionen.

Wann und wie sehr der Markt nach oben und unten ausschlägt, können wir nicht sagen, doch eines wissen wir: Es wird weiter Volatilität geben. Unser Schwerpunkt liegt auf der Ermittlung von Wert, wo wir langfristiges Potenzial erkennen und andere womöglich Vertrauen verloren haben. An solchen Positionen halten wir dann fest, bis sie sich auszahlen.


[1] Quelle: „World Economic Outlook“, Oktober 2013. © 2013. By International Monetary Fund (IMF). Alle Rechte vorbehalten.

[2] Quelle: MSCI. MSCI gibt keine ausdrücklichen oder stillschweigenden Gewährleistungen oder Zusicherungen und übernimmt keinerlei Haftung für hierin enthaltene MSCI-Daten. MSCI-Daten dürfen nicht weitergegeben oder als Grundlage für andere Indizes oder Wertpapiere oder Finanzprodukte herangezogen werden. Dieser Bericht wurde von MSCI weder genehmigt noch geprüft oder erstellt. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

[3] Quelle: IWF, World Economic Outlook, Oktober 2013. BIP-Wachstum für China 2013 auf 7,6% geschätzt. Copyright © 2013 International Monetary Fund. Alle Rechte vorbehalten.

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