Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Chinas Markt für Börsengänge kommt wieder in Fahrt

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Willkommen im Jahr des Pferdes! Ob es für China ein wilder Galopp wird oder ein gemächlicher Trab, wird sich noch zeigen. Mein Team und ich sind aber schon auf die vielen Veränderungen, die im Land vor sich gehen werden, gespannt. Auf der Tagesordnung steht die Reform des chinesischen Finanzmarkts. Nach einem 14 monatigen Winterschlaf kommen nun auch die Börsengänge endlich wieder in Fahrt. Ich habe meinen Kollegen Eddie Chow eingeladen uns etwas darüber zu erzählen, was dies für Anleger bedeutet und uns generell seine Aussichten für China für das kommende Jahr zu schildern.

Meine Hoffnungen für den chinesischen Aktienmarkt im neuen Jahr – dem Jahr des Pferdes – sind groß. Das Pferd ist ein sehr intelligentes Tier. Es ist voller Energie, liebt den Wettbewerb und kann – wenn es richtig ausgebildet ist – dem Menschen ein wertvoller und gefälliger Partner sein. Es repräsentiert auch Würde und Erfolg. Der chinesische Markt hat in den letzten Jahren einige Höhen und Tiefen durchlebt, doch es gibt gute Gründe positiv in dieses Jahr zu gehen. Es bestehen aber auch Risiken, die wir im Auge behalten müssen. Die dritte Vollversammlung des 18. Zentralkommittees der Kommunistischen Partei Chinas stellte im vergangenen Jahr eine Blaupause für Reformen vor. Dem dürften nun detailliertere Pläne und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung dieser Reformen folgen. Ich erwarte eine wahrscheinliche Deregulierung von Branchen wie Finanzwesen, Gesundheitswesen und Infrastruktur. Es wird wohl zu einer stärkeren Beteiligung privaten Kapitals kommen.

Die Konjunkturerholung in den Industrieländern scheint Fahrt zu gewinnen. Wir denken, das ist ebenfalls positiv für den chinesischen Markt. Höheres Wachstum in diesen Ländern dürfte dazu beitragen den chinesischen Märkten neue Dynamik zu verleihen und die Wirtschaft insgesamt zu unterstützen. Was die Geldpolitik betrifft, gehen wir davon aus, die chinesische Regierung wird voraussichtlich eine leicht gelockerte Richtung beibehalten und die Ausgaben für soziale Infrastruktur moderat anheben, um so die Wirtschaft zu stimulieren. Zu den Risiken zählt generell ein möglicher Abfluss von Investitionen aus Schwellenmärkten, wenn die US-Notenbank (Fed) ihre mehrere Jahre lang währende lockere Geldpolitik weiter drosselt. Außerdem sind die Notwendigkeit, Umweltschutzmaßnahmen zu verstärken, sowie der mögliche Ausfall von Trust-Produkten im Rahmen der Umstrukturierung der Etats von Regionalverwaltungen Risiken. Wir müssen in dieser Hinsicht sehr aufmerksam sein.

Eine neuer Rahmen für Börsengänge in China

Neue Börsengänge waren in Chinas Inlandmarkt – dem sogenannten A-Aktienmarkt – seit Oktober 2012 auf Eis gelegt. Ende 2013 wurden jedoch vereinzelt neue Börsengänge zugelassen, die in den Markt sickerten. Für dieses Jahr werden mehr Börsengänge erwartet. Generell ist die Wiedereröffnung des Markts für Erstzeichnungen ein positiver Schritt, denn der Aktienmarkt ist für Unternehmen ein sehr wichtiger Kanal zur Aufnahme frischen Kapitals. Die Rolle des Marktes bei der Umwandlung von Ersparnissen in Investitionen kann nicht für immer aufgehalten werden. Wir dürfen uns auch über die Tatsache freuen, dass die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde (CSRC) neue Richtlinien zur Regulierung und Verbesserung des Prozesses für Börsengänge eingeführt hat. Wir erwarteten eigentlich, dass der Markt für Börsengänge noch längere Zeit gesperrt bleiben würde, und die Wiederaufnahme des Handels sich für Wertpapierunternehmen, die über größere Anlagen im Bankwesen verfügen, positiv erweisen würde. Wir denken aber, die Bewertungen dieser Unternehmen waren insgesamt hoch. Sie sind daher für uns derzeit nicht interessant. Wir werden allerdings das kurzfristige Angebot und die Nachfragesituation genau beobachten. Sollte es zu einem hohen Angebot an neuen Titeln im Rahmen neuer Börsengänge kommen, könnten die Bewertungen von Unternehmen in gleichen oder ähnlichen Branchen dadurch beeinträchtigt werden.

Anfangs werden die neuen Börsengänge wahrscheinlich zur einer gewissen Begeisterung unter Anlegern führen. Nach intensiven CSRC Prüfungen und großen Anstrengungen auf Seiten der Emittenten und Investmentbanken die Transparenz zu erhöhen, dürften die 700- 800 Unternehmen, die sich derzeit in der Pipeline für Börsengänge befinden, Anlegern qualitativ hochwertig erscheinen. Manche mögen sich sorgen, dass dies das Interesse im Sekundärmarkt ersticken wird. Das konnten wir bereits während den Booms bei den Börsengängen in der Vergangenheit beobachten. Ich denke aber, die neu börsennotierten Unternehmen bilden willkommene Ergänzungen des Marktes, denn sie schaffen mehr Chancen für Anleger. Aufgrund klarerer Regelungen für spätere Verkäufe im Sekundärmarkt durch Großktionäre, insbesondere Verkäufe, die unter den anfänglichen Ausgabepreis fallen, scheint man auf die Interessen von Kleinaktionären besser eingegangen zu sein. Was den Vermögensfluss betrifft, erwarte ich keine größere Verwässerung des Sekundärmarkts. Die Regierung schafft Anreize für eine stärkere Beteiligung institutioneller Anleger und von Pensionsfonds im Aktienmarkt. Diese Anreize erstrecken sich auch auf die Teilnahme am Markt für Erstzeichnungen. Das ist unserer Meinung nach generell für die langfristige Entwicklung des Gesamtmarkts positiv. Die Belebung des Markts für Börsengänge dürfte auch dem Markt für außerbörsliche Beteiligungen (Private Equity) neuen Schwung verleihen. Private Equity Anleger verfügen nun über ein klares Bild des aufsichtsrechtlichen Rahmens und darüber wie Geschäfte strukturiert werden können. Das ist für die Entwicklung des Privatsektors der Wirtschaft wichtig. In den letzten Jahren wurde die Kursfestlegung bei Neuemissionen von A-Aktien von Anlegern im Sekundärmarkt kritisiert, da die Bewertungen der Neuemissionen zu hoch waren und so die zukünftigen Aktienerträge nach dem Börsengang beeinträchtigten. Aufgrund der jüngsten Reformen der CSRC verfügt das neue System jetzt aber über ein auktionsähnliches System zur Festlegung des Ausgabekurses. Es gewährt Zeichnern und Emittenten auch mehr Mitsprache bei der Allokation. Wir denken, zukünftige Kurse bei Neuemissionen werden daher ein realistischeres Niveau haben. Die Erträge im Sekundärmarkt dürften sich dann verbessern.

Wiederherstellung des Anlegervertrauens in China

Die CSRC hat einen sehr wichtigen Schritt zur teilweisen Wiederherstellung des Vertrauens in den chinesischen Binnenmarkt geleistet. Dieses war in der letzten Zeit verlorgen gegangen. Ihr gelang dies durch die Änderung des Systems von einem, bei dem Börsengänge auf Genehmigungen basieren, zu einem, das auf Grundlage von Registrierungen erfolgt. Gleichzeitig verlangt die CSRC größere Transparenz bei der Offenlegung von Informationen und führt größere Beschränkungen bei den Aktienverkäufen an Großaktionäre ein. Unserer Meinung nach sind die Regelungen eine Verbesserung. Der Schlüsselpunkt bleibt aber nach wie vor ihre Durchsetzung, denn die ist für die Wiedererlangung des Anlegervertrauens wichtiger. Unserer Ansicht nach muss die CSRC sich auch noch mit anderen Unregelmäßigkeiten im Markt befassen, wie zum Beispiel Insidergeschäften und/oder der Manipulation von Marktkursen. Was das Fundamentale betrifft, dürften auch die Reform staatlicher Unternehmen und möglicherweise die Umstrukturierung des Vergütungssystems von Managern staatlicher Unternehmen – mit dem Ziel einer besseren Vertretung der Interessen von Aktionärsminderheiten – zur Wiederherstellung des Vertrauens beitragen.

Ich denke, China dürfte derzeit – und insbesondere angesichts der jüngsten Marktvolatilität – einen guten Wert für Anleger darstellen. Zu den Bereichen bzw. Themen im Markt, die wir derzeit spannend finden, zählen konsumorientierte Unternehmen, die zyklische und nicht zyklische Konsumgüter produzieren, und das Gesundheitswesen. Langfristig gesehen, glauben wir China verfügt über einige der besten Eigenschaften des Pferdes: Stärke, Ausdauer und Willenskraft.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Dr. Mobius dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie dürfen nicht als eine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung, in ein Wertpapier zu investieren oder eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen, aufgefasst werden. Da sich Markt- und Konjunkturbedingungen schnell verändern können, gelten Kommentare, Meinungen und Analysen nur für den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags. Sie können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Material soll keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Branche, eine Anlage oder Strategie darstellen.

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren.

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