Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Rumänien: Auf dem richtigen Weg

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In manchen Ländern brauchen Wandel und Reformen länger als uns lieb ist. Dazu gehört bisher auch Rumänien. Zurzeit nehmen wir aber Anzeichen für Veränderungen wahr, die uns als Investoren ziemlich begeistern. Das Wachstum zieht schon seit 2009 an, parallel zur Konjunktur im Allgemeinen. Nun wandeln sich auch die Kapitalmärkte, mit neuen Börsennotierungen und Teilnehmern. Ich habe meinen Kollegen Greg Konieczny aus Rumänien gebeten, uns seine Ansichten zur Situation des Landes im kommenden Jahr mitzuteilen – und auch, welche wirtschaftlichen Entwicklungen er im Moment besonders spannend findet. Wir glauben, Rumänien ist auf dem richtigen Weg!

Greg Konieczny
Executive Vice President, Templeton Emerging Markets Group

Grzegorz Konieczny

Für die rumänische Wirtschaft war 2013 ein erfolgreiches Jahr, das die ursprünglichen Erwartungen übertraf. Das rumänische BIP dürfte 2013 um 2,5% oder sogar mehr gewachsen sein,[1] und damit kräftiger als die vor zwölf Monaten prognostizierten unter 2%. Der Kapitalmarkt konnte das wohl beste Ergebnis der letzten fünf Jahre verbuchen, mit einigen Börsengängen mit rekordverdächtigem Volumen. Dieser Trend könnte sich unserer Erwartung nach 2014 fortsetzen. Auf der Grundlage der folgenden Fakten beurteilen wir das Wachstumspotenzial und die Aussichten auf entscheidende Kapitalmarktentwicklungen für dieses Jahr optimistisch.

Unserer Ansicht nach könnte sich die rumänische Wirtschaft positiv entwickeln und – neben dem auflebenden Welthandel – von einer Erholung des globalen Wachstums profitieren, das an Fahrt gewinnt. Wie die Weltbank rechnen wir für die Eurozone für 2014 potenziell mit einer beschleunigten Jahreswachstumsrate von durchschnittlich 1,1%.[2] In der Eurozone dürfte Deutschland 2014 unseres Erachtens aller Wahrscheinlichkeit nach der Wachstumsmotor für die Region sein. Für die Randstaaten und Zentral- und Osteuropa, Rumänien eingeschlossen, könnten sich positive Nebeneffekte ergeben.

Unseres Erachtens könnte die Konjunktur in Rumänien durchaus weiter anziehen. Die Weltbank prognostiziert für 2014 derzeit ein BIP-Wachstum von 2,5%,[3] doch es könnte auch mehr werden, wenn die Ernte in diesem Jahr ähnlich ausfällt wie 2013, das für Weizen, Mais und Gerste besonders vorteilhaft war und so zum Exportzuwachs beitrug.

Einer der potenziellen Wachstumstreiber für Rumänien dürfte nach unserer Einschätzung 2014 erneut vom Export ausgehen. Wir erkennen Chancen in den Sektoren Dienstleistungen, Energie und Autobau. Außerdem hat Rumänien Zugang zu Strukturfonds der Europäischen Union (EU), einem der wichtigsten Instrumente der EU zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftswachstums bei gleichzeitigem Abbau von Ungleichheiten zwischen den Regionen der EU. Impulse könnte die rumänische Wirtschaft durch die höhere Absorptionsgeschwindigkeit von Mitteln aus EU-Strukturfonds erhalten, aber auch durch das Aufleben des Baugewerbes (im gewerblichen ebenso wie im Wohnbausegment). Am stärksten zum Wachstum beitragen dürfte nach unserer Überzeugung überdies der Konsum. Die Inlandsnachfrage hat in den letzten Jahren in Rumänien sehr schleppend zugenommen, bei extrem niedriger Inflation, sinkenden Zinsen, geringer und stabiler Arbeitslosigkeit und einer tieferen Ausgangsbasis verglichen mit 2007/2008. Für 2014 versprechen wir uns Zuwächse.

Die Inflation dürfte in den nächsten zwölf Monaten kaum nennenswert steigen. Die Zinsen könnten nach Leitzinssenkungen der rumänischen Zentralbank in den ersten Wochen des Jahres auf ein Rekordtief von 3,50% unseres Erachtens weiter nachgeben. Die Inflationsrate war in Rumänien 2013 so niedrig wie zuletzt 1990: 1,55%.[4] Für 2014 setzt die Notenbank aktuell einen Wert von maximal 3% an. Weitere Leitzinssenkungen würden einen Trend fortführen, den die Zentralbank im letzten Jahr eingeleitet hat, als sie die Sätze schrittweise um insgesamt 1,25% reduzierte.

Dieses Jahr könnte ein weiteres Jahr des Wandels für die Kapitalmärkte des Landes werden. Das könnte Rumänien, das derzeit vom Indexanbieter MSCI als Grenzmarkt eingestuft wird, unserer Überzeugung nach näher an eine Aufwertung zum Schwellenland heranbringen. 2013 verzeichnete Rumänien kräftiges Kapitalmarktwachstum, mit zwei Börsengängen von Staatsbetrieben. Da sich die Regierung an den aktuell in der Pipeline befindlichen Neuemissionskalender halten will, könnte sich diese positive Tendenz 2014 fortsetzen. Damit ein Markt von MSCI als Schwellenland klassifiziert wird, muss er mehrere Kriterien in Bezug auf Kapitalisierung, Streubesitz und andere Faktoren erfüllen. Angesichts der anstehenden IPOs steigen Rumäniens Chancen auf Erfüllung dieser Kriterien.

Rumäniens derzeitiger Status als Grenzmarkt hat sich als ausgesprochen zuträglich erwiesen, da sich die Investoren im letzten Jahr rege für solche Märkte interessierten: Obwohl von den Schwellenmärkten allgemein per saldo Kapital abgezogen wurde, verbuchten die Grenzmärkte rekordhohe Zuflüsse. Nach derzeitiger Planung stehen 2014 möglicherweise wieder Neuemissionen und Zweitplatzierungen rumänischer Aktien in beispielloser Höhe ins Haus. Die wichtigsten Transaktionen werden wieder vom Staat erwartet, mit mehreren avisierten IPOs in den Sparten Versorgung/Strom. Doch auch privatwirtschaftliche Unternehmen könnten sich für den Gang an die Börse interessieren, da die Banken in Rumänien weiter eine sehr vorsichtige Kreditpolitik verfolgen. Der Markt für Unternehmensanleihen könnte wie schon 2013 ebenfalls erneut neue Transaktionen von zuversichtlich stimmendem Volumen verzeichnen. Die Auflegung von Unternehmensanleihen gehörte für verschiedene Unternehmen im letzten Jahr zu den bevorzugten Finanzierungsmethoden, da die Darlehenszinsen nach wie vor hoch sind.

Ein weiteres Schlüsselelement für die Entwicklung des rumänischen Markts könnte die verstärkte Beteiligung von Privatanlegern sein. Sie haben im letzten Jahr großes Interesse an den Emissionen staatlicher Unternehmen gezeigt, und wir rechnen mit steigender Aktivität bei IPOs und Zweitmarktplatzierungen, möglicherweise aber auch bei Vehikeln für Privatanleger, die ihrerseits an der Bukarester Börse investieren, der Bursa de Valori Bucuresti (BVB). Beflügelt werden dürfte dieser Trend durch den Umstand, dass die Einlagenzinsen im letzten halben Jahr auf ein unteres Extrem gefallen sind. Auch rumänische Pensionsfonds könnten sich unserer Ansicht nach vermehrt in Aktien engagieren. Auf sie entfällt bisher nur ein bescheidener Marktanteil.

Risiken und unerwartete Ereignisse, die den Ausblick verändern könnten, sind natürlich nie auszuschließen. Auf politischer Ebene wird es 2014 zwei Wahlkämpfe geben, die gewöhnlich viel Unruhe und Volatilität mit sich bringen. Das könnte sich kurzfristig auf die Entscheidungen der Anleger auswirken. Mit einem maßgeblichen anhaltenden Einfluss auf die Wirtschaft rechnen wir aber nicht. Rumäniens unseres Erachtens starke Fundamentaldaten und sein Festhalten an Vereinbarungen mit internationalen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) könnten größere Entgleisungen verhindern. Trotz wahlbedingter kurzfristiger Volatilität hoffen wir darauf, dass Rumäniens Wirtschaft und Kapitalmarkt weiter unbeirrt auf einem guten Weg bleiben.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Dr. Mobius und Herrn Konieczny dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie dürfen nicht als eine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung, in ein Wertpapier zu investieren oder eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen, aufgefasst werden. Da sich Markt- und Konjunkturbedingungen schnell verändern können, gelten Kommentare, Meinungen und Analysen nur für den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags. Sie können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Material soll keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Branche, eine Anlage oder Strategie darstellen.

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Dieser Rahmen ist in Grenzmärkten in der Regel noch geringer ausgeprägt und es liegen diverse Faktoren vor wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren.

 


[1] Quelle: Weltbank. 2014. Global Economic Prospects, Volume 8, Januar 2014, World Bank, Washington, DC. doi:10.1596/978-1-4648-0201-0 License: Creative Commons Attribution CC BY 3.0.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda.

[4] Ebenda.

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