Investmentabenteuer in den Emerging Markets

China bleibt trotz Marktabschwung ein Phänomen

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Vor etwa sechs Monaten sollte ich etwas über den damals rapide zulegenden chinesischen Markt sagen. Zu der Zeit hatte ich das Gefühl, es könne zu einer deutlichen Korrektur in dem scheinbar anhaltenden Bullenmarkt kommen, doch ein kurzfristiger Einbruch würde unserem langfristigen Ausblick auf China nicht sehr schaden. Seit Mitte Juni ist der chinesische Binnen-Aktienmarkt gemessen am Shanghai Composite Index (A-Aktie) um 30% zurückgegangen und der Hong Kong Hang Seng Index (H-Aktie) verlor 20% gegenüber den Höchstwerten im Mai.[1] Es stellt sich die Frage, wie weit diese Korrektur noch gehen wird. Obwohl ich angesichts all der aktuellen Unsicherheiten in den Märkten nicht vorhersehen kann, was als nächstes passiert, glauben wir bei der Templeton Emerging Markets Group, der Abschwung von Chinas Märkten führt bald zum Kapitulationspunkt und das Investmentphänomen China bleibt dennoch langfristig attraktiv.

Was führte zu dem Abverkauf?

Meines Erachtens trugen drei Entwicklungen zu dem jüngsten Anflug von Panik in Chinas Märkten bei. Erstens stieg der Markt letztes Jahr äußerst schnell und sprengte viele Bewertungsmaßstäbe. Einige Anleger verließen daraufhin den Markt. Zweitens führten die Börsengänge (IPOs) vieler sehr beliebte Unternehmen zu hohen Gewinnen Einige dieser Neuzugänge an der Börse stiegen um 40% und verursachten eine Flut neuer Aktienemissionen (Neuemissionen entziehen dem übrigen Markt Geld). Drittens ermöglichte der Start des Shanghai-Hong Kong Stock Connect Programmes Ende letzten Jahres grenzübergreifende Kapitalströme zwischen den Märkten auf dem chinesisch Festland und Hongkong. Das Problem in diesem Zusammenhang war, dass zwar Kapitalströme Richtung Süden nach Shanghai flossen, inländische Anleger in China ursprünglich jedoch keinen Anreiz hatten, sich nach Hongkong zu orientierten. Deshalb kam es zu einer Differenz zwischen Performance und Kapitalfluss in den beiden Märkten.

Meiner Ansicht nach ist die jüngste Korrektur im chinesischen Markt grundsätzlich nichts anderes als das Zusammenspiel von zu viel Euphorie und einer natürlichen Korrektur.

Die chinesische Regierung ist schon seit einiger Zeit beunruhigt aufgrund der großen Nachfrage auf dem Markt und versucht vor dem Hintergrund des zunehmenden Margenhandels, oder Handels mit geliehenen Mitteln, bei einigen Marktteilnehmern Hebelwirkungen einzuschränken und zu kontrollieren. Dem Aufstieg folgte ein schmerzhafter Fall und seit Kurzem versucht die chinesische Regierung den Markt zu stabilisieren und den Fall durch andere, anscheinend entgegenwirkende Maßnahmen abzufangen. Unter anderem dürfen Anleger mit einem Anteil von über 5% an einer Aktie nicht innerhalb von 6 Monaten verkaufen, große chinesische Broker machen koordinierte Kaufzusagen und geplante IPOs werden abgesagt. Diese Maßnahmen waren dem Anlegervertrauen nicht zuträglich und mit dem weiterhin rückläufigen Markt in dieser Woche stockte der Handel mit vielen Aktien in China.

Dadurch wurden Unsicherheit und Ängste weiter geschürt, denn viele Anleger denken scheinbar, wenn die Regierung solche Maßnahmen ergreift, muss die Lage ziemlich schlecht sein und ein Ausstieg angebracht sein. Meiner Meinung nach hätte die Regierung vielleicht den anfänglichen Abschwung seinen Lauf gehen lassen sollen ohne zusätzliches Eingreifen, das die Verluste möglicherweise verstärkt hat.

Ich denke, man darf auch die Situation in Griechenland nicht außer Acht lassen. Sie hat die Marktstimmung in China sicher beeinflusst, denn die Anleger in China sind nicht von den globalen Nachrichten abgeschottet und internationale Investoren dürften angesichts der Situation in der Eurozone äußerst nervös sein. Viele Anleger überdenken ihre Schritte zweimal, verharren inaktiv am Rande des Spielfelds bis die Schwankungen ihrer Meinung nach vorüber sind. Leider bleiben sie häufig zu lange am Rande des Spielfelds und verpassen die Gelegenheit auf dem Markt zu agieren. Sie müssen darauf achten, sich nicht von dieser negativen Atmosphäre vereinnahmen zu lassen.

Unsere Strategie: Warten auf den Wert

Obwohl wir bereits in China investieren, lautet unsere Strategie, abwarten bis die Kurse so attraktiv sind, dass sich die Suche nach weiteren langfristigen Anlagegelegenheiten lohnt. Wir glauben, dieser Zeitpunkt steht bei einigen Aktien kurz bevor, doch die Talsohle ist wahrscheinlich noch nicht erreicht. Die gute Nachricht ist, basierend auf Marktstudien aus der Vergangenheit sind derartige Bärenmärkte (und ich würde sagen, hier handelt es sich um einen solchen) von kurzer Dauer. Sie halten nicht sehr lange an und wenn der Aufschwung einsetzt ist dieser prozentual stärker.

Ich denke, wir nähern uns in China wahrscheinlich einem Kapitulationspunkt. Zumindest ein kurzfristiger Anstieg dürfte bald eintreten und viele Anleger könnten diesen als Gelegenheit zu Ausstieg nutzen, sofern nicht schon vorher geschehen. Wir erwarten dann eine Seitwärtsbewegung, bis der Markt sich hoffentlich erholt, vorausgesetzt die Bewertungen sind gut.

Unserer Ansicht nach ist China immer noch ein Phänomen. China wächst nach wie vor mit gutem Tempo und wir sehen darin einen wichtigen globalen Markt, in dem wir langfristig Engagements halten wollen. Der Rückgang der Wachstumsrate von ehemals über 10% in China ist uns bewusst. Dennoch ist China eine sehr große, schnell wachsende Wirtschaft und wir glauben an die Werte der Investitionen in chinesische Aktien. Können wir zu einem niedrigeren Kurs einsteigen, umso besser.


[1] Quelle: Bloomberg, LP. Stand Mittwoch, 8. Juli 2015. Indizes werden nicht verwaltet. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren.

 

Wichtige Hinweise:

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