Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Iran: Offen für Geschäfte?

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Nach Jahren der Verhandlungen zwischen dem Iran, den USA und anderen Weltmächten über das iranische Atomprogramm gab es kürzlich einen Durchbruch. Obwohl das Abkommen sicherlich umstritten war und in den USA immer noch für Diskussionen sorgt, halten wir es von einer reinen Anlegerperspektive aus betrachtet für eine aufregende Entwicklung, nicht nur für den Iran, sondern auch für die Region Nahost/Nordafrika (MENA). Viele Anleger in der Region erwarten mit Spannung die volle Entfaltung des Potenzials dieses neuen Marktes. Die Entwicklung des iranischen Kapitalmarkts und die potenzielle Öffnung für Anleger aus der ganzen Welt dürften zur wirtschaftlichen Entwicklung nicht nur im Iran, sondern auch in der Region, beitragen und könnten helfen, politischer Spannungen abzubauen.

Im Juli verkündeten die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen – die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien – zusammen mit Deutschland (als P5+1 bezeichnet) ein historisches Abkommen mit dem Iran, das den Weg für die Aufhebung der als Reaktion auf die Atompläne verhängten wirtschaftlichen Sanktionen ebnet. Die Sanktionen sollten bis zur Lösung des Atomkonflikts das Land isolieren und das wirtschaftliche Potenzial des Irans unterdrücken. Obwohl die Sanktionen noch nicht offiziell aufgehoben wurden, blicken wir mit Zuversicht auf die voraussichtliche Aufhebung und damit auf neue Gelegenheiten für Anleger, die uns bisher verwehrt waren.

Der Iran hat bereits einen großen florierenden Aktienmarkt mit über 400 börsennotierten Unternehmen und einer Börsenkapitalisierung von über 100 Mrd. US-Dollar.[1] Wir haben viele gute und unseres Erachtens gut geführte Unternehmen im Iran gefunden, die eine Vielfalt an Sektoren und Branchen repräsentieren. Beim Anlegen in den Iran ist nicht nur Öl interessant, auch Landwirtschaft, Fertigungssektor und Bergbau sind maßgebliche Treiber für das Wachstum.

Wir interessieren uns besonders für verbraucherorientierte Aktien als potenzielle Anlagegelegenheiten. Dazu gehören Unternehmen in Einzelhandel, Lebensmittelproduktion, Telekommunikation, Finanz- und Bankwesen. Besonders der Bankensektor des Iran könnte profitieren, da akuter Bedarf an Kapital im Iran bestehen dürfte. Wir glauben, beflügelt durch das inländische Bevölkerungswachstum, demographische Entwicklungen und das steigende verfügbare Einkommen dürfte diese Region als eine der ersten von der potenziellen Aufhebung der Sanktionen profitieren. Wir würden auch mit einer gewissen Reinvestition der Gewinne aus dem Ölgeschäft in die heimische Wirtschaft und in Nachbarländer rechnen, hauptsächlich in Form von dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen und Diversifizierungsprojekten mit dem Ziel, die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Öl zu verringern.

Mit Blick auf die Schwellenmärkte im Allgemeinen denken wir, dass auch die iranischen Aktienmärkte heute sehr attraktiv in Bezug auf Bewertungen aussehen. Außerdem glauben wir mehrere multinationale Unternehmen für Konsumprodukte dürften eine Expansion in den Iran anstreben. Also könnte auch dieser Sektor für Anleger interessant sein.

Es zeichnen sich Veränderung am Horizont ab und der Iran bereitet sich auf einen möglichen Ansturm neuer Anleger auf den Markt vor. Die Infrastruktur der iranischen Börse verbessert sich, die Chefs dort arbeiten an der Einhaltung internationaler Standards in Bereichen wie Aufsicht und Anlegerschutz.

Das stimmt uns zuversichtlich, aber unseres Erachtens muss noch mehr getan werden, um internationale Anleger anzulocken. Korruption ist immer noch ein Problem – wie in vielen Ländern der Welt – und wir sähen gerne einen Trend hin zu mehr Privatisierung, denn die Mehrheit der börsennotierten Unternehmen im Iran sind auf irgendeine Weise mit dem Staat verbunden.

Abbau der Sanktionen könnte Wachstum anregen

Iran hat einige wirtschaftlich und politische Rückschläge in den letzten zehn Jahren erlebt, die das Land von der Erreichung seines vollen Potenzial abgehalten hat. Wir denken, dass sich das bald ändern könnte. Die Wirtschaft des Iran – bei ca. 400 Milliarden US-Dollar – ist der zweitgrößte in der MENA-Region nach Saudi-Arabien. [2] Der Iran litt bisher unter hohen Inflationsraten und Arbeitslosigkeit, insbesondere unter den Jugendlichen. Wir glauben, der Abbau wirtschaftlicher Sanktionen könnte das Wachstum des Irans beschleunigen, weil dadurch Barrieren für den Ölexport des Landes beseitigt werden, mehr Kapital aus dem Ausland zufließt und die Isolation der Banken vom globalen Finanzsystem beendet wird. Als 2014 die Sanktionen vorübergehende und teilweise aufgehoben wurden, führte dies zu einem Wiederanstieg der Wachstumsrate auf 3% nach der Rezession 2012-2013.[3]

Iran verfügt über eine günstige demographische Entwicklung, mit einer gut ausgebildeten und jungen Bevölkerung (das Durchschnittsalter ist 28), [5] die, wie wir glauben, auch einen starken Rahmen für die Verbesserung des Wirtschaftswachstums schaffen kann.

Aus unserer Sicht können die Aufhebung der Sanktionen und die erwarteten neuen Investitionen, einen dramatischen Einfluss auf die Beschäftigung und den Inlandskonsum haben, weil neue Investitionen Arbeitnehmer erfordern wird, und diese Arbeitnehmer wiederum werden wahrscheinlich mehr Einkommen zur Verfügung haben. Pakistan, die Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und andere Ländern in der Region mit starken Handelsbeziehungen zum Iran könnten auch potenziell davon profitieren. Zwischen dem nahe gelegenen Dubai und dem Iran herrscht immer reger Verkehr, der auf tief in der Geschichte verankerte Handelsbeziehungen zurückgeht. Ein Flug von Dubai nach Teheran dauert nur etwa zwei Stunden. In Dubai gibt es iranische Schulen und Zweigstellen iranischer Universitäten, an denen Iraner und Iranerinnen studieren können. Ein in Dubai publiziertes iranisches Unternehmensverzeichnis führt über 7.000 in Dubai tätige iranische Unternehmen aus verschiedenen Bereichen auf, darunter Bankwesen, Immobilien, Handel etc. Geld fließt also vom Iran nach Dubai.

Natürlich führen politische Ereignisse typischerweise zu vielen Unsicherheiten und potenziellen Risiken, doch wir glauben unsere Präsenz vor Ort in der Region verschafft uns einen Vorsprung bei der Identifizierung und Analyse dieser Gelegenheiten.

Ein Impulsgeber für den Energiemarkt?

Von den Auswirkungen eines weniger Isolierten Iran auf den Ölpreis gehen meines Erachtens keine starken Impulse aus. Auch wenn ein erneutes Sinken der Ölpreise im Juli auf 50 Dollar pro Barrel teilweise dem Atomabkommen geschuldet ist, darf man nicht vergessen, dass der Iran nur ca. 10% der weltweiten Ölvorräte besitzt[7] und auch kein kompletter Neuling auf dem Markt ist. Das Land exportiert bereits Öl. Raffinerien in der Türkei beispielsweise kaufen Öl aus dem Iran. Aufgrund der Sanktionen musste der Iran einen niedrigeren Preis akzeptieren als angestrebt. Deshalb scheint die Chance auf mehr Ölexporte zu höheren Marktpreisen der iranischen Regierung logischerweise attraktiv. Man kann keineswegs sagen, mehr Ölexporte aus dem Iran drücken automatisch die Ölpreise. Die spekulative Komponente ist für die Bestimmung der Ölpreise entscheidend, bedenkt man, dass der Markt zeitweise heftigen kurzfristigen Schwankungen unterliegen kann und zwar unabhängig von den Fundamentaldaten Ölvorrat und Nachfrage.

Aus unserer Sicht dürfte der Ölpreis langfristig eher steigen als fallen, da die konstante Nachfrage weltweit wahrscheinlich anhalten wird. Seit der Ölpreis nach dem Höchststand von 100 Dollar pro Barrel im Jahr 2014 zu sinken begann, geht die Zahl der Bohrstellen in den USA zurück. Wir denken deshalb Schieferöl aus den USA könnte in Zukunft eine geringere Rolle spielen und somit iranischen Ölexporten zu einem Anstieg verhelfen.

Während das Sinken der Ölpreise für manche Öl- und Gasexporteure kurzfristig eine Herausforderung darstellt, konzentrieren wir uns von unserem Anlegerstandpunkt aus auf diversifizierte Unternehmen im Energiesektor, also nicht nur Unternehmen in der Exploration und Produktion, sondern auch im Einzelhandels- und Raffineriegeschäft. Wir glauben, die allgemeine Nachfrage nach Rohstoffe bleibt langfristig stabil. Es kommt darauf an, die richtigen Titel auszuwählen, das heißt die effizientesten Produzenten.

Unseres Erachtens ist der Ausblick für den Iran heute positiver als in der Vergangenheit und wir sehen mehr potenzielle Gelegenheiten in der Zukunft. Die Zukunft des Iran liegt natürlich in der politischen Entwicklung, die unsicher sein kann und sich möglicherweise langwierig gestaltet. Tatsächlich könnte die Integration des Iran in die internationale Gemeinschaft und eine vollständige Aufhebung der Sanktionen viele Jahre dauern, doch als Anleger mit Fokus auf langfristige Entwicklungen blicken wir optimistisch auf die Gelegenheiten, die sich daraus für die Region in den kommenden Jahren ergeben könnten.


[1] Quelle: Teheraner Börse, Juli 2015.

[2] Quelle: Weltbank, Stand: 2014.

[3]  IWF, World Economic Outlook Database, April 2015.

[4] Quelle: CIA World FactBook, Juli 2015.

[5] Ebd.

[6] Quellen: UNESCO, 2013; New York Times, „Single Women Gaining Limited Acceptance in Iran” Juni 2012.

[7] Quelle: US Energy Information Administration, 2014.

 

Wichtige Hinweise:

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