Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Brasilien im olympischen Rampenlicht

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Was Lateinamerika allgemein angeht, sind ein politischer Übergang hin zu marktfreundlichen Regierungen und die Beschleunigung des Reformtempos die wichtigsten Änderungen, die wir als Anleger in der Region sehen möchten. Sicherlich stehen diese Themen in Brasilien absolut im Zentrum, während es diesen Monat die Olympischen Sommerspiele 2016 beherbergt. Das Ereignis findet zu einer für Brasilien sehr herausfordernden Zeit statt und zweifellos wird es Kritiker geben, die dazu kommentieren möchten, wie Brasilien mit den Spielen wie auch mit seiner Wirtschaft zurechtkommt. Als häufig antizyklische Anleger sind wir eher geneigt, uns auf die langfristigen Chancen, die wir inmitten der Negativität sehen, sowie die positiven Veränderungen, die wir stattfinden sehen, zu konzentrieren. Hier habe ich meinen Kollegen Gustavo Stenzel, Executive Vice President, Managing Director Brazil mit Sitz in Rio de Janeiro, eingeladen, ein paar kurze aktuelle Infos zu Brasilien vom Team weiterzugeben.

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Gustavo Stenzel

Gustavo Stenzel, CFA
Executive Vice President, Managing Director Brazil
Director of Latin America Strategy
Templeton Emerging Markets Group

Wir glauben, dass Brasilien ein augenfälliges Beispiel dafür bietet, wie politische Veränderung eine Kehrtwende in einer Volkswirtschaft und an einer Börse beschleunigen kann. Brasilien hat aktuell eine Übergangsregierung, bis der Senat die ehemalige Präsidentin Dilma Rousseff des Amtes enthebt (womit noch diesen Monat gerechnet wird), und der politische Übergang hat neues Vertrauen und eine Reformagenda nicht nur in seiner Regierung, sondern auch in Brasiliens regulatorischem Umfeld mit sich gebracht, die darauf abzielt, mehr private Investitionen anzuziehen. Wir sehen viele interessante Privatisierungen, Zugeständnisse und eine neue marktfreundliche Agenda, die im Wesentlichen das Land öffnen. Inmitten des Optimismus, dass positive Änderungen bevorstehen, ist die brasilianische Währung, der Real, auf ihren höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen, und die brasilianischen Aktienkurse haben im bisherigen Jahresverlauf mehr als 30% zugelegt.[1]

Es besteht sicherlich ein Risiko, dass Brasiliens politische Herausforderungen länger anhalten könnten, aber die letzten paar Monate haben uns gezeigt, dass es im brasilianischen Parlament und in seiner Bevölkerung allgemein gewaltige Unterstützung für eine neue Art von Agenda zu geben scheint, eine Agenda, die nicht nur den Staat modernisiert, sondern auch die Wirtschaft.

Wenn man sich die mageren Bruttoinlandsprodukt-Zahlen für 2015–2016 ansieht, sieht man, dass Brasilien eine starke Rezession durchlaufen hat. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2016 einen BIP-Rückgang (-3,3%), aber rechnet dann damit, dass das BIP-Wachstum 2017 in den positiven Bereich zurückkehrt.[2] Wir rechnen damit, dass die Wirtschaft eine Talsohle erreichen dürfte, und haben vor Kurzem bei führenden wirtschaftlichen Kennzahlen einen Hoffnungsschimmer gesehen. Im Juni legte die Industrieproduktion den vierten Monat in Folge zu und die Verbraucherlaune stieg auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Hoffentlich wird das Wohlwollen, das durch die Olympischen Spiele diesen Monat erzeugt wird, noch lange anhalten und nachklingen.

Wenn wir uns die Situation beim Staat ansehen, hat es in Brasilien ein ziemlich starkes fiskalisches Ungleichgewicht gegeben. Zu den ersten Schritten der neuen Regierung gehörten die Deckelung der Ausgaben für die konsolidierten Schulden sowie das Angehen von Strukturreformen im Arbeitsmarkt, bei Renten und in anderen Bereichen, die erforderlich sind, um das Land zu modernisieren.   Es wird auch über eine weitere Privatisierung der Ölbranche sowie anderer Branchen und Sektoren gesprochen. Die Berufung eines sehr erfahrenen Teams in Schlüsselpositionen macht die brasilianische Übergangsregierung deutlich glaubwürdiger, nicht nur weil das Wirtschaftsressort mit einem starken Team besetzt wurde, sondern auch weil als Leiter vom Staat kontrollierter Unternehmen kompetente Personen eingesetzt wurden. Dies schafft einen unglaublichen Optimismus, und nachdem der brasilianische Aktienmarkt über die etwa fünf letzten schweren Jahre so im Keller war, sind wir der Ansicht, dass jegliche Verbesserung der Wirtschaft eine gewaltige Auswirkung auf die brasilianischen Unternehmen und das Geschäftsumfeld insgesamt haben könnte.

Im Frühjahr dieses Jahres sind Mark Mobius und Mitglieder unseres Teams zu mir nach Brasilien gekommen und haben ihre Ansichten zu einigen potenziellen Anlagechancen mitgeteilt. Nachstehend finden Sie einige Links zu früheren Blogeinträgen, von denen wir finden, dass es sich lohnt, sie erneut zu lesen.

Herausforderungen und Chancen für brasilianische Unternehmen

Mark Mobius berichtet über seine Beobachtungen bei einigen der vielen Unternehmen, die sein Team und er vor Kurzem in Brasilien besucht haben. Er schreibt über die Herausforderungen, die sich ihnen stellen, und über die Wege, mit denen sie diese angehen. Unsere Aufgabe ist es, Unternehmen zu finden und auszuwählen, die unserer Einschätzung nach überleben und florieren können, wenn sich die Lage in Brasilien bessert – was sie unserer Meinung nach irgendwann tun wird. Mehr…

Hat Brasilien den Boden gefunden?

Viele tun sich schwer, an einem stark geprüften Markt wie Brasilien an eine Wende zu glauben. Unserer Erfahrung nach ist eine Talsohle meist jedoch dann nah, wenn am Markt maximaler Pessimismus herrscht – und genau dann ist für uns die Zeit zum Investieren. Mehr…

 

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Wichtige Hinweise
Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quelle: Bloomberg LP, Stand: 4. August 2016. Vom Ibovespa Brasil Sao Paulo Stock Exchange Index gemessen. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein verlässlicher Indikator für die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung, noch stellt sie eine Garantie für die Zukunft dar.

[2] Quelle: Aktualisierung des Weltwirtschaftsausblicks des IWF, Juli 2016.  Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Prognosen, Schätzungen oder Hochrechnungen als richtig erweisen.

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