Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Rückblick auf die Schwellenmärkte im vierten Quartal 2017 : Die Schwellenmärkte beenden das Jahr mit einem Paukenschlag

Die Templeton Emerging Markets Group deckt ein großes Anlageuniversum ab – Zehntausende von Unternehmen aus nahezu allen Kontinenten. Grundsätzlich sind wir Bottom-up-Anleger, doch wir behalten immer auch die größeren Zusammenhänge im Blick. Stephen Dover präsentiert den Überblick des Teams darüber, was sich im Schwellenländeruniversum im vierten Quartal des Jahres 2017 abgespielt hat; um das Geschehen in einen breiteren Kontext zu stellen, berichtet er dabei auch über einige Schlüsselereignisse, Meilensteine und Datenpunkte.

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Drei Dinge, die uns heute beschäftigten 

  1. Die US-Notenbank erhöhte im Dezember ihren Leitzins um 25 Basispunkte. Dies war die dritte Anhebung im Jahr 2017 und entsprach den Markterwartungen. Für das Jahr 2018 wird allgemein mit drei weiteren Zinsanhebungen durch die US-Notenbank gerechnet. Trotz zunehmender Bedenken wirkten sich diese Zinsanhebungen bislang nur in geringem Maße auf die Schwellenmärkte aus. Dies ist zum Teil auf die erwartete Normalisierung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten zurückzuführen, aber auch auf die soliden Wachstums- und Fundamentaldaten in den wichtigsten Schwellenmärkten.

͏2. Im Dezember war die Politik angesichts der Wahlen in Südafrika, Indien und Chile, die von den Anlegern aufmerksam verfolgt wurden, ein zentrales Thema. Auch Anfang 2018 liegt unser Augenmerk auf politischen Ereignissen, da in drei großen Volkswirtschaften der Schwellenmärkte, d. h. in Brasilien, Mexiko und Russland, Präsidentschaftswahlen stattfinden werden. Es besteht wenig Zweifel, dass Präsident Wladimir Putin für eine vierte Amtszeit wiedergewählt wird; in Brasilien und Mexiko könnte sich jedoch eine Veränderung anbahnen. Angesichts der Tatsache, dass der Linkspopulist Andres Manuel Lopez Obrador bei den meisten Meinungsumfragen in Mexiko vorne liegt, erwarten wir eine höhere Marktvolatilität und werden die Situation weiterhin genau beobachten. In Brasilien gehen wir von einem positiven Ausgang aus, da auch der neue Präsident wahrscheinlich den Kurs der Umsetzung wichtiger Reformen fortsetzen wird.

  1. 2017 verzeichneten die Schwellenmärkte Zuflüsse in Höhe von etwa 80 Milliarden USD, während 2016 keine nennenswerten Beträge investiert wurden und von 2013 bis 2015 sogar Kapital abgezogen wurde. Absolut betrachtet war 2017 zwar nach 2010 und 2009 das drittbeste Jahr in mehr als 20 Jahren für Anlagezuflüsse in Schwellenmärkte, in Relation zur Marktkapitalisierung fiel die Erholung der Zuflüsse jedoch vergleichsweise schwächer aus. Es kann zu Volatilität kommen, insbesondere weil Investitionsströme häufig die sich ständig ändernden Einstellungen zum wahrgenommenen Risiko widerspiegeln können. Dies gilt vor allem für Mittelzuflüsse, wenn die Anlegerstimmung eine höhere Risikobereitschaft zulässt, und für Mittelabflüsse, wenn Anleger eine erhöhte Risikoaversion an den Tag legen. Dennoch haben globale Großanleger einen geringeren Anteil an dem Engagement in dieser Anlageklasse; der niedriger ausfällt, als wir angesichts des Anteils der Schwellenländer am globalen BIP und der Marktkapitalisierung annehmen würden. Dies könnte anhaltende Mittelzuflüsse unterstützen.

 Ausblick

Die Schwellenmärkte haben sich 2017 gut geschlagen und wir gehen angesichts der günstigen Lage mit einem robusten Wirtschaftswachstum, vermehrten Anlagezuflüssen, soliden Devisenreserven, starken Leistungsbilanzen und stabilen lokalen Währungen davon aus, dass sich dieser Aufwärtstrend auch im Jahr 2018 fortsetzen wird. Die Bewertungen in Schwellenländern sind im Vergleich zu denen der Industrieländer nach unserer Meinung unverändert attraktiv. Dabei ergibt sich für die Schwellenmärkte ein Abschlag im Vergleich zu den Peers in den Industrieländern. Auch die Gewinne zahlreicher Unternehmen der Schwellenmärkte verbessern sich bezüglich Rentabilität, Margen und Eigenkapitalrendite schrittweise.

Unserer Einschätzung nach bleibt Asien weiterhin die vielversprechendste Region der Schwellenmärkte. China, Südkorea, Taiwan, aber auch Länder wie Indien und Indonesien bieten eine Reihe von Chancen. Immer mehr asiatische Unternehmen beherrschen Branchen, in denen traditionell europäische Unternehmen marktführend waren. Dies gilt vor allem für die Automobilbranche und Branchen mit automobilnaher Technologie.

Auch in Lateinamerika eröffnen sich Chancen. Brasilien hat sich von einer langen Rezession erholt und musste einige Herausforderungen bewältigen, darunter die hohe Arbeitslosigkeit sowie Korruptionsskandale. Wir beurteilen die Möglichkeiten in diesem Markt angesichts des neuen Reformeifers jedoch allgemein positiv.

Da wir die Titel nach fundamentalen Aspekten auswählen, sind wir aber ebenso über einzelne Gelegenheiten in anderen Teilen der Welt erfreut, wie etwa in Russland, das kürzlich am Markt in Ungnade gefallen ist. In einem solchen Umfeld finden wir Unternehmen, die wir als außerordentlich gut geführt einschätzen, die rasant wachsen und ein Engagement in wichtigen Themen wie Wirtschaftswachstum, demographische Veränderungen und lokale Verbrauchertrends ermöglichen.


Regional Outlook

As at 31 December 2017

 

Die wichtigsten Bewegungen in den Schwellenmärkten während des Quartals

 Die asiatischen Märkte lieferten im vierten Quartal einige der größten Beiträge zur Wertentwicklung in den Schwellenmärkten, wobei Indien, Südkorea und Singapur Renditen in zweistelliger Höhe verzeichneten. Der Sieg der regierenden Partei bei zwei wichtigen bundesstaatlichen Wahlen und die Tatsache, dass für das im März 2019 endende Finanzjahr ein wachstumsförderndes Budget erwartet wird, wirkten sich überaus positiv auf die Anlegerstimmung in Indien aus. Die Aktienkurse in Südkorea wurden durch nachlassende geopolitische Spannungen, ein solides Wirtschaftswachstum und eine kräftige Aufwertung des Won beflügelt. Taiwan hingegen zählte zu den Verlierern. Dort beeinträchtigten Gewinnmitnahmen in der IT-Branche und eine Rotation hin zu Materialien und Finanzen die Renditen. Pakistan leidet nach wie vor unter den instabilen politischen Verhältnissen, die zu einem Fall der Aktienkurse führten.

Für Lateinamerika lässt sich feststellen, dass die schleppende Reform der Sozialversicherung die Anlegerstimmung in Brasilien nachhaltig trübte. Daran konnten auch der Wirtschaftsaufschwung, der schneller als erwartet verlief, und eine anhaltende geldpolitische Lockerung nichts ändern. Mexiko gehörte hingegen sowohl regional als auch global zu den Märkten mit der schlechtesten Wertentwicklung. Dies war durch die Fortsetzung der Zinsanhebungen im Dezember und die Unsicherheit hinsichtlich der Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) bedingt. Der zweistellige Zuwachs im Dezember nach der Wahl des Präsidenten Sebastian Pinera sorgte zusammen mit der Aufwertung des Peso und höheren Rohstoffpreisen für Gewinne auf dem chilenischen Markt.

Die mitteleuropäischen Märkte, einschließlich der Tschechischen Republik und Ungarn, wurden durch allgemein solide makroökonomische Fundamentaldaten getragen und schnitten gut ab. Der russische Markt profitierte vor allem von höheren Ölpreisen und einer Zinssenkung im Dezember, die höher als erwartet ausfiel. In der Türkei wurden die Renditen in US-Dollar hingegen aufgrund der abgewerteten Lira gedämpft.

Südafrika zählte zu den Märkten mit der besten Wertentwicklung in Afrika. Dies ist auf die Hoffnungen hinsichtlich eines Politikwechsels nach dem Sieg des wirtschaftsfreundlichen Kandidaten Cyril Ramaphosa bei den Präsidentschaftswahlen im regierenden Afrikanischen Nationalkongress sowie auf eine starke Aufwertung des Rand zurückzuführen. Der ägyptische Markt schwächte sich indessen trotz besserer makroökonomischer Fundamentaldaten ab.

Die Grenzmärkte insgesamt hinkten in dem dreimonatigen Berichtszeitraum anderen Schwellenländern hinterher. Vietnam und Kasachstan lieferten äußerst beachtliche Ergebnisse, und auch Argentinien und Kenia verzeichneten positive Renditen. Der vietnamesische Markt zählte weltweit zu den Märkten mit der besten Wertentwicklung. Er verdankt dies dem anhaltenden Interesse ausländischer Anleger und starken makroökonomischen Fundamentaldaten, in die unter anderem das solide Wirtschaftswachstum einfließt. Die Aktien in Kuwait und Sri Lanka mussten dagegen Verluste hinnehmen.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument spiegeln lediglich die Ansichten des Autors bzw. der Autoren wider, dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

 

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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1. Source: Based on the MSCI Emerging Markets Index versus the MSCI World Index, US dollar terms. The MSCI Emerging Markets Index captures large- and mid-cap representation across 24 emerging-market countries. The MSCI World Index captures large- and mid-cap performance across 23 developed markets. Indexes are unmanaged and one cannot directly invest in them. Past performance is not an indicator or guarantee of future performance.

2. Ibid.

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