Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Mark Mobius: Schwellenländer im Wandel der Jahre

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Viele von Ihnen wissen sicherlich bereits, dass ich beabsichtige, mich nach mehr als 30 Jahren bei Franklin Templeton Investments mit Wirkung zum 31. Januar 2018. zurückzuziehen. Bevor ich zum Abschied auf diesem Forum noch einige Worte an Sie richte, möchte ich darauf zurückblicken, wie die Schwellenländer sich seit dem Beginn meiner Tätigkeit in diesem Bereich verändert haben.

Ich konnte in den Schwellenländern einige beachtliche Veränderungen aus erster Hand durch meine Reisen beobachten – und auch Veränderungen in der Reisebranche selbst! Diese Märkte verändern sich nach wie vor und bieten Anlegern und Touristen gleichermaßen neue Möglichkeiten.

Die Geburt der Schwellenländer

Auch wenn sie zu Beginn meiner Tätigkeit formal nicht als Anlageklasse anerkannt waren, sahen viele Anleger sicherlich das Potenzial der Schwellenländer. Bei mir war das auf jeden Fall so, als ich in den 1970er Jahren und Anfang der 1980er in Asien als Analyst und Broker tätig war.

Die eigentliche, ganz formale Geburt und Einstufung der Schwellenländer als eigene Anlagekategorie dürfte mit einem Ereignis im Jahr 1986 verknüpft sein. Die Internationale Finanz-Corporation (IFC), eine Tochter der Weltbank, startete eine Kampagne zur Förderung der Kapitalmarktentwicklung in den weniger entwickelten Ländern. Damals investierten einige institutionelle Anleger im Auftrag der Weltbank-Tochter IFC 50 Millionen US-Dollar in einer Schwellenländer-Strategie. Ein Jahr später, im Jahr 1987, erstellte MSCI seine ersten Schwellenländer-Indizes.[1]

Zu dieser Zeit änderte sich auch für mich beruflich einiges. Ich hatte auf meinen Reisen den legendären Sir John Templeton kennengelernt, und 1987 bot er mir die spannende Chance an, einen neuen Schwellenländer-Fonds zu verwalten. Unser Fonds war der erste seiner Art, der an der New Yorker Börse notiert wurde, und öffnete die Welt der Schwellenländer für die Masse der Anleger. Damals gab es nur eine Handvoll Länder, in denen wir anlegten. Mittlerweile stehen dutzende Schwellenländer und Grenzmärkte zur Verfügung.

Herausforderungen der Vergangenheit – Chancen der Zukunft

Anfangs standen wir vor einigen Herausforderungen. Es gab nicht nur eine beschränkte Anzahl an Märkten, die für ausländische Investitionen offen waren, sondern auch strenge Devisenkontrollen und Beschränkungen. Es gab Probleme mit Marktliquidität, guter Unternehmensführung und Verwahrung von Wertpapieren. Und auch die Kommunikation und die Platzierung von Aufträgen waren viel primitiver: keine E-Mail, kein Internet, nicht einmal Mobiltelefone. Wir nutzten häufig Fax-Geräte.

Mittlerweile können wir in einer Vielzahl von Schwellenländern rund um den Globus sowie einigen weniger entwickelten „Grenzmärkten“ anlegen, die viele spannende Chancen bieten. Viele dieser Schwellenländer und Grenzmärkte wachsen mit raschem Tempo und übernehmen die neuesten technologischen Fortschritte schnell. Viele Unternehmen in den Schwellenländern setzen beispielsweise direkt auf E-Commerce- und Online-Banking-Modelle und setzen nicht auf herkömmliche Verkaufsstellen im Einzelhandel. Dieses „Überspringen“ technologischer Phasen ist wichtig – und nach meiner Auffassung dürfte dies weiterhin neue Anlagechancen eröffnen.

Zu meinen Anfängen in der Investmentbranche galten die Schwellenländer generell als rohstoffabhängig, da bei vielen von ihnen das Wachstum an Rohstoffexporte geknüpft war. Heute finden wir in den Schwellenländern quer durch viele Sektoren und Branchen viele hoch innovative Unternehmen. Viele sind weltweit äußerst wettbewerbsfähig und steigen mehr und mehr in Technologie und wertschöpfende Produktionsprozesse ein.

Im Jahr 2008 machten Aktien aus den Bereichen Rohstoffe und Materialien 50 % der Komponenten des MSCI Emerging Markets Index aus.[2] Mittlerweile entfallen nur noch rund 15 % der Aktien im Index auf diese Kategorie.[3]

Ende der 1990er Jahre machten technologieorientierte Unternehmen nur rund 3 % des Anlageuniversums der Schwellenländer aus. Daran änderte sich im folgenden Jahrzehnt nur wenig, doch heute entfällt rund ein Viertel des MSCI Emerging Markets Index auf den Sektor Informationstechnologie (IT), einschließlich Hardware, Software, Komponenten und Zulieferer.

Überdies erkennen wir in den Schwellenländern eine Ausweitung des Chancenspektrums im Konsumsektor, da die wachsende Mittelschicht mehr Geld für eine Vielzahl von Aktivitäten zur freien Verfügung hat. Der bemerkenswerte Aufschwung der Reisebranche in China ist ein Beispiel. Chinesische Urlauber verreisen nicht nur innerhalb Chinas, sondern besuchen in großer Zahl auch andere Länder. China ist bei Auslandsreisen weltweit mittlerweile führend. Die Ausgaben lagen bei rund 261 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016.[4]

Durch die Jahrzehnte

In den Jahren meiner beruflichen Tätigkeit kam es zu vielen spannenden Entwicklungen. In den vergangenen 30 Jahren endete die Apartheid in Südafrika, der Zugang zu den Ländern Osteuropas (einschließlich Russlands) wurde leichter, Indien öffnete sich für ausländische Investitionen und China übernahm den Kapitalismus und urbanisierte sich rasch. Ich erlebte auch viele Phasen mit Umwälzungen und Krisen, einschließlich der lateinamerikanischen und der asiatischen Finanzkrise in den 1990er Jahren, der globalen Finanzkrise 2008 und 2009 und des „Arabischen Frühlings“ 2010 und 2011.

Phasen der Krise bedingen Wandel – einen Wandel, der oftmals dringend erforderlich ist. Es ist auch äußerst interessant zu beobachten, wie die Ausbreitung von Smartphones und sozialen Medien den Wandel in den vergangenen Jahren erleichtert und beschleunigt hat. Korruption ist rund um den Globus – und nicht nur in den Schwellenländern – noch ein Problem, doch heute wird sie vor der Welt entblößt, und immer mehr Politiker werden für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen. (Brasilien ist ein aktuelles Beispiel.)

In diesen Phasen der Krise und Ungewissheit neigen die Anleger zu Panik und suchen den Ausgang. Das habe ich immer und immer wieder erlebt. Doch der Herde zu folgen hat sich in den meisten Fällen auf lange Sicht als schlechte Strategie erwiesen. Ich wäre lieber ein Hai als ein Schaf!

Ein unsicheres Umfeld, in dem Aktien abstürzen, kann die Gelegenheit für Schnäppchen bieten, falls man die Stärke besitzt, den Sturm in Ruhe auszusitzen. Insbesondere in schnell wachsenden Volkswirtschaften können sich die Märkte rasch erholen.

Nehmen Sie das Beispiel Argentinien. Das Land steckte noch vor wenigen Jahren in der Rezession und war vom Anleihenmarkt ausgeschlossen, doch 2017 erreichte sein Referenz-Aktienindex ein Rekordhoch, da die Wirtschaft nach der Präsidentschaftswahl 2015 ein Comeback hingelegt hatte. Auch Nigeria erlebte 2017 ein großes Comeback und war im vergangenen Jahr nach einer Phase wirtschaftlicher Schwäche und schlechter Entwicklung einer der besten Aktienmärkte weltweit.

Nach mehr als drei Jahrzehnten Anlagetätigkeit in den Schwellenländern bin ich sicher, dass ein freundlicher, aber auch zynischer Optimist die besten Aussichten auf langfristigen Erfolg hat. Denn trotz aller Stopps und Fehlstarts, Aufschwünge und Pleiten, Blasen und Abstürze über all die Jahre bin ich sicher, dass die Zeit die meisten Wunden heilt, besonders wenn es um die Schwellenländer geht. Natürlich hoffen wir, dass die Führer dieser Welt weise genug sind, aus der Geschichte zu lernen und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Auch wenn ich Franklin Templeton verlasse, werde ich nach wie vor als Anleger aktiv sein und reisen. Bleiben Sie am Ball und lesen Sie meinen nächsten Blog, in dem ich über meine Pläne und einige weitere Höhepunkte meines Berufslebens berichten werde.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Mark Mobius dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

 

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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[1]Quelle: MSCI.  Der MSCI Emerging Markets Index und der MSCI All Country World Index wurden am 31. Dezember 1987 aufgelegt.  Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 23 Schwellenländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondataservices.com.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Quelle: Weltorganisation für Tourismus, „World Tourism Highlights, 2017 Edition.“

Veröffentlicht in Allgemein

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