Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Saudi-Arabien auf dem Weg zum Schwellenmarkt

Dass Saudi-Arabien den Status als Schwellenmarkt erhalten könnte, wurde von Marktbeobachtern bereits aufmerksam registriert und dürfte auch von neuen Anlegern bemerkt werden. Bassel Khatoun, Direktor of Portfolio Management für Frontier- und MENA-Investmentstrategien bei Franklin Local Asset Management, untersucht die möglichen Folgen für die Aktienmärkte im Königreich selbst und in der Region.

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Der Indexanbieter MSCI wies letztes Jahr darauf hin, dass er eine eventuelle Hochstufung Saudi-Arabiens in den MSCI Emerging Markets Index in Erwägung zieht[1]. Sollte sich dies später im Jahr bestätigen, könnte Saudi-Arabien offiziell durch weitere Kreise der Investment-Community als Schwellenmarkt wahrgenommen werden, wenn diese mögliche Einstufung 2019 in Kraft tritt.

Unsere Analyse legt nahe, dass eine potenzielle Hochstufung Saudi-Arabiens zum Schwellenmarkt den Aktienmarkt des Königreichs grundlegend verändern würde. Ein solcher Schritt könnte unserer Meinung nach erhebliche Vorteile für Saudi-Arabien bringen. Er könnte wesentliche langfristige Chancen für solide Renditen und Kapitalwachstum im Königreich und in der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) signalisieren.

Wie in den meisten Fällen von Hochstufungen zum Schwellenmarkt hatten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar in den 12 Monaten vor der offiziellen Aufnahme als Schwellenmärkte durch MSCI eine Zunahme der Anlagegelder aus dem Ausland erfahren. Das gleiche könnte aus unserer Sicht auch mit saudischen Aktien geschehen.

Da aktiv und passiv verwaltete Anlagegelder von rund 1,6 Billionen US-Dollar den MSCI EM Index nachbilden, würden wir annehmen, dass erhebliche ausländische Anlagegelder fließen werden, wenn der Status Saudi-Arabiens als Schwellenmarkt bekannt gegeben würde. Wir würden auch erwarten, dass diese neuen Kapitalflüsse möglicherweise auch in die Nachbarmärkte sickern könnten.

Innerhalb der Region überragt die Wirtschaftsleistung Saudi-Arabiens und sein 450 Milliarden US-Dollar schwerer Aktienmarkt die übrigen MENA-Märkte. Wenn Saudi-Arabien mit 5 % im Index gewichtet wäre – was den geplanten Börsengang (IPO) des staatlichen Ölkonzerns Aramco enthalten würde – dann ließe sich die Gewichtung der MENA-Region mit derjenigen anderer Schwellenmarktländer im Index, etwa Indiens (8,4 %) oder Brasiliens (7,3 %), vergleichen.[2]

Anerkennung der Öffnung des saudischen Marktes

Aus unserer Sicht ist die Aufnahme Saudi-Arabiens in die MSCI-Beobachtungsliste für eine mögliche Hochstufung zum Schwellenmarkt eine Anerkennung der Fortschritte bei der Kapitalmarktliberalisierung im Königreich seit Mai 2015.

Besonders die saudische Kapitalmarktbehörde CMA und Saudi-Arabiens bedeutende Börse Tadawul haben sich dafür eingesetzt, dass der Aktienmarkt des Königreichs internationale Handelsstandards erfüllt.

Zu den Entwicklungen gehören ein zweitägiger Abrechnungszyklus, verpflichtende Barzahlungen bei Lieferung der Aktien (Lieferung gegen Zahlung), ein geordnetes Verfahren für nicht ordnungsgemäß ausgeführte Handelsaufträge, die Einführung von Leerverkauf sowie Möglichkeiten für Werpapierleihgeschäfte.

Ein neues Kapitel zum Thema Saudi-Arabien

Einiges spricht dafür, dass die Hochstufung Saudi-Arabiens schneller stattfinden könnte, als es in einigen Kommentaren zunächst erwartet wurde. Pakistan wurde nach nur einem Jahr auf der „Beobachtungsliste“ 2017 zum Schwellenmarkt hochgestuft. Wir gehen davon aus, dass Saudi-Arabien mit einem ähnlichen Tempo in den Index aufgenommen werden könnte.

Die Aufnahme des Königreichs wird in Abstimmung zwischen MSCI, den Eigentümern der Unternehmen, Anlageverwaltern und der Verkäuferseite festgelegt werden.

Bislang reagieren die Anleger positiv.  Wir würden erwarten, dass Saudi-Arabiens Weg durch den MSCI-Prozess sich etwa so darstellen könnte: Ankündigung der Aufnahme in den MSCI EM Index im Juni 2018 und effektive Indeximplementierung Anfang Mai 2019.

Angesichts der Größe des saudischen Aktienmarktes wären wir nicht überrascht, wenn das Land in zwei gleichen Phasen aufgenommen würde. So könnten für eine geschätzte Gewichtung von 5 % im Index 2,5 % im Mai 2019 und die restlichen 2,5 % im August 2019 implementiert werden. Voraussetzung für diesen Termin wäre es jedoch unserer Meinung nach, dass die Anleger prüfen, ob zur Marktinfrastruktur in Saudi-Arabien passen würde.

Für Saudi-Arabien wäre die Aufnahme in den Kreis der Schwellenmärkte nur ein erster Schritt. Die Regierung plant, die Anzahl der im saudischen Aktienmarkt notierten Unternehmen in den nächsten vier Jahren um nahezu 50 % von 170 auf 250 Unternehmen zu steigern. Außerdem befinden sich nicht weniger als 80 Börsengänge in der Vorbereitung. Diese Faktoren lassen uns vermuten, dass die Aktienmärkte des Königreichs sich mitten in einer Wachstumsphase befinden. Dies ist unserer Meinung nach ein erfreulicher Schritt auf dem Weg zur Anerkennung des Königreichs und der MENA-Region.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 24 Schwellenländern. MENA ist derzeit mit Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten vertreten. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind nicht berücksichtigt. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Eine Weiterverbreitung oder weitere Nutzung ist nicht zulässig. Dieser Bericht wurde von MSCI weder erstellt noch genehmigt. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

[2] Quelle: MSCI, Stand Januar 2018. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Eine Weiterverbreitung oder weitere Nutzung ist nicht zulässig. Dieser Bericht wurde von MSCI weder erstellt noch genehmigt. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

 

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