Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Konsequenzen des überraschenden Wahlausgangs in Malaysia

Die Parlamentswahlen in Malaysia haben ein Überraschungsergebnis geliefert und die Herrschaft der Regierungspartei beendet, die an der Macht gewesen war, seitdem das Land vor mehr als 60 Jahren seine Unabhängigkeit errungen hatte. Gerald Sheah von Franklin Templeton Emerging Markets Equity erörtert die Konsequenzen des Wahlsiegs der Oppositionspartei, der ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Malaysias darstellt.

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Seit sechs Jahrzehnten war in Malaysia die Barisan Nasional-Koalition an der Macht. Diese Herrschaft fand nun mit einer schockierenden Niederlage bei den am 9. Mai abgehaltenen Parlamentswahlen ein jähes Ende. Der 92-jährige ehemalige malaysische Premierminister Mahathir Mohamad war aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um noch einmal zu kandidieren, und hatte einen Sieg über den in einen Korruptionsskandal verwickelten Premierminister Najib Razak errungen. Es war ein bemerkenswerter Sieg der Koalition um Mahathir, deren Siegchancen zuvor noch als äußerst gering eingestuft worden waren. Der Machtübergang ist bislang reibungslos verlaufen, und der Regimewechsel fand über die Wahlurne und ohne Blutvergießen statt – aus unserer Sicht ein großer Gewinn für die demokratischen Werte Malaysias.

Mahathirs Wahlsieg beruhte auf einer Plattform, die vor allem auf eine ordnungsgemäße Regierungsführung ausgerichtet ist. Eines seiner Hauptversprechen betraf die Abschaffung der malaysischen Waren- und Dienstleistungssteuer (GST).Die GST war Teil des Steuerreformprogramms der Regierung gewesen, mit der sie die Steuerbasis des Landes verbreitern und so die Abhängigkeit von Öl sowie das Haushaltsdefizit des Landes verringern wollte. Steuern sind bei den Massen zwar nie sonderlich beliebt, einige fürchten jedoch, dass die Abschaffung der GST die seit ihrer Einführung im Jahr 2015 bei der Verringerung des Defizits erzielten Fortschritte zunichte machen könnte.

Anstelle einer kompletten Eliminierung hat die neue Regierung angekündigt, die GST abschaffen und stattdessen die vorherige Umsatz- und Dienstleistungssteuer (SST) wieder einführen zu wollen. Zudem wird spekuliert, dass die bei der Bevölkerung beliebten Benzinsubventionen wieder eingeführt werden könnten. Malaysia ist ein Nettoexporteur von Öl und Gas. Daher würde ein solcher Schritt aus unserer Sicht nicht unbedingt in einem fiskalpolitischen Desaster enden.

Letzten Endes geht es darum, wie sich die Gesamtauswirkungen auf die Finanzlage Malaysias gestalten werden. Wenn der Wahlsieg Mahathirs auf der Überzeugung beruhte, dass das System Ineffizienzen und Undichtigkeiten aufweist, die sich beheben lassen, könnten Reformmaßnahmen die Finanzlage des Landes unter dem Strich verbessern.  Der Umgang mit diesem Kernthema könnte dem Land selbst nach Berücksichtigung von Subventionen höhere Nettoeinnahmen bescheren.

Die derzeit starken globalen Öl- und Gaspreise sind für die Einnahmen Malaysias ebenfalls ein Segen, da sie ein weiteres Finanzpolster schaffen. Malaysia weist bereits seit mehreren Jahren ein Haushaltsdefizit auf, und die Auslandsverschuldung lag Ende 2017 bei 215 Mrd. USD, was 65 % des Bruttoinlandsprodukts entspricht.[1] Die neue Regierung hat erklärt, sie wolle hierauf eingehen und die Verschuldung in den kommenden Jahren senken.

Wie geht es mit Malaysia weiter?

Mahathirs Pakatan Harapan-Koalition wird nun eine neue Regierung bilden, nachdem sie im malaysischen Parlament die einfache Mehrheit errungen hat.

Wir gehen davon aus, dass der Übergang womöglich nicht ganz reibungslos verlaufen wird, was ein gewisses Maß an Marktvolatilität nach sich ziehen dürfte. Fürs Erste scheint es jedoch ein allgemeines Gefühl der Ruhe und Hoffnung auf einen Neuanfang für das Land zu geben.

Dem Manifest von Pakatan Harapan zufolge kommen der Rechtsstaatlichkeit, dem Wiederaufbau der malaysischen Institutionen und der Aufhebung der Machtkonzentration auf Führungsebene die höchste Priorität zu. Wir sind der Ansicht, dass es innerhalb der Koalition politische Führungskräfte gibt, die sich stark für eine Reform des aktuellen Systems einsetzen.

Als Anleger gehen wir davon aus, dass kurzfristige Unsicherheit zu einem reflexartigen Abverkauf am Markt führen könnte. Wir würden uns bei Kursrückgängen allerdings nach attraktiven Einstiegschancen umsehen. Mittelfristig könnten sich aus unserer Sicht die hieraus ergebenden strukturellen Veränderungen in der Regierungsführung und der Wirtschaft für die Währung Malysias, den Ringgit, sowie für malaysische Vermögenswerte als günstig erweisen.

Eine Entflechtung des malaysischen Patronatssystems dürfte sich zwar schwierig gestalten, aus unserer Sicht liegt hierin jedoch der Schlüssel für eine Entfaltung des vollen Potenzials und der Produktivität der Bevölkerung. Unseres Erachtens wird der Erfolg an dieser Front das langfristige Wachstumspotenzial dieses ressourcenreichen Landes bestimmen.

Banken dienen normalerweise als gute Stellvertreterwerte für die Realisierung der Vorteile aus verbessertem Wirtschaftswachstum. Die Bemühungen um eine bessere Regierungsführung könnten sich auch bei staatlichen Unternehmen bemerkbar machen, und die sich hieraus ergebenden Verbesserungen könnten zu einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität führen. Wir sind der Ansicht, dass die Schaffung eines wirtschaftsfreundlichen Umfelds es den auf globaler Ebene wettbewerbsfähigen Fertigungs- und Technologieunternehmen Malaysias in Kombination mit Rechtsstaatlichkeit ermöglichen sollte, sich weiter zu verbessern.

Auf der anderen Seite wird es unweigerlich zu Ungewissheiten kommen, die mit einem Regierungswechsel einhergehen.  In diesem Szenario könnten vor allem der Bausektor sowie Unternehmen, von denen angenommen wird, dass sie eng mit dem alten Regime verknüpft sind, einem Abverkauf am Markt zum Opfer fallen.

Angesichts seines Alters wird erwartet, dass Mahathir nur für kurze Zeit Premierminister sein dürfte, bis der ehemalige Regierungschef Anwar Ibrahim aus dem Gefängnis entlassen und vom König begnadigt wird. Die Begnadigung würde es Anwar erlauben, sich erneut an der malaysischen Politik zu beteiligen und für einen Sitz im Parlament oder ein Senatorenamt zu kandidieren. Viele gehen davon aus, dass Mahathir dann zurücktreten und Anwar die Macht übernehmen würde. Für diejenigen, die die malaysische Politik schon seit längerem beobachten, scheint sich mit dieser Entwicklung dann der Kreis zu schließen.

Malaysia begibt sich zu einem kritischen Zeitpunkt seiner sechs Jahrzehnte währenden Geschichte auf eine neue Reise. Einige Facetten des Populismus können den wirtschaftlichen Fortschritt zwar untergraben, wir hoffen jedoch, dass in Malaysia weitreichende, positive Reformen folgen werden, wodurch das Vertrauen der Investoren gestärkt werden sollte. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass unter der neuen Regierung Fortschritte erzielt werden, was die Chancen für Malaysias Wirtschaft erhöht, der Falle des mittleren Einkommens zu entkommen.

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[1] Quelle: Bank Negara Malaysia

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