Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Rückblick auf die Schwellenländer: Ein Blick hinter die Schlagzeilen

Manraj Sekhon, CIO von Templeton Emerging Markets Equity, und Chetan Sehgal, Director of Portfolio Management, geben einen Überblick über die Entwicklungen in den Schwellenländern im April und gehen dabei auf einige Ereignisse, Meilensteine und Datenpunkte ein. Ihnen zufolge mangelte es während des Monats nicht an geopolitischen Schlagzeilen. Allerdings weisen sie darauf hin, dass solide Unternehmen über Potenzial verfügen, sich unter verschiedensten Bedingungen gut zu entwickeln.

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Drei Dinge, die uns heute beschäftigten:

  1. Im April überschritt der Nordkoreaner Kim Jong Un die Grenze zu Südkorea, um den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in zu treffen, und war damit der erste nordkoreanische Staatschef seit mehr als einem halben Jahrhundert, der diesen Schritt tat. Die beiden Regierungschefs kündigten Pläne zur offiziellen Beendigung des militärischen Konflikts für 2018 an und vereinbarten, eine vollständige Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel anzustreben. Für Mutmaßungen mag es zu früh sein, aber aus unserer Sicht könnte eine wirtschaftliche Kooperation zwischen dem Süden und dem Norden für südkoreanische Unternehmen erhebliche Chancen bieten, insbesondere könnten die Bau- und Stahlbranche von Infrastrukturentwicklungen profitieren. Langfristig könnte sich dies auf fast alle Branchen einschließlich Telekommunikation, Banken, Lebensmittel, Automobilindustrie und Einzelhandel, positiv auswirken.
  2. China kündigte kürzlich Pläne zur Aufhebung von Beschränkungen für Auslandsinvestitionen im Automobilsektor für die kommenden fünf Jahre an. Daraufhin korrigierten die Aktienkurse bestimmter chinesischer Automobilhersteller, die Joint Ventures mit ausländischen Partnern betreiben. Wir sehen den Sektor jedoch weiterhin positiv und glauben, dass der Ausverkauf Anlegern einen attraktiven Einstieg ermöglicht. Aus unserer Sicht dürfte die Fahrzeugnachfrage in China, gestützt durch den anhaltenden Aufstieg der oberen Mittelschicht, weiterhin stabil bleiben und eine solide Gelegenheit zur Beteiligung am Trend für Premium-Konsum bilden. Darüber hinaus bleibt die Marktdurchdringung mit Fahrzeugen in China im Vergleich zu den entwickelten Märkten nach wie vor recht niedrig.
  3. Analysen zu den Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance, ESG) sind in Schwellenmärkten besonders wichtig, wo sich die Vorschriften in Bezug auf diese Faktoren stets entwickeln und wo Unternehmen mit robusten ESG-Standards für die Zukunft besser aufgestellt sind. Aus unserer Sicht trägt die ESG-Analyse zu einer ganzheitlicheren Bewertung von Anlagerisiken und -renditen bei, da die ESG-Standards von Unternehmen deren finanzielle Aussichten beeinflussen können. So ist Corporate Governance beispielsweise ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Shareholder Value, daher beziehen wir bei der Bewertung von Unternehmen die Qualität der Geschäftsführung, Eigentümerstrukturen und das bisherige Geschäftsgebaren mit ein. Wir nehmen proaktiv Kontakt zur Geschäftsleitung von Unternehmen und zu anderen Stakeholdern auf, um die Praktiken der Unternehmensführung zu beobachten und bei Bedarf positive Veränderungen zu fördern.

Ausblick

Anleger hatten viele geopolitische Nachrichten zu verarbeiten, darunter vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China, das historische Treffen zwischen den Regierungschefs von Nord- und Südkorea, das Gipfeltreffen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem indischen Premierminister Narendra Modi und die anstehenden Präsidentschaftswahlen in Brasilien und Mexiko. Aber wenn man weltweit Geld anlegt, insbesondere in Schwellenmärkten, sind geopolitische Herausforderungen eine Standardaufgabe. Aus unserer Sicht müssen kompetente Anleger über aktuelle Unsicherheitsfaktoren hinausschauen, um überzeugende langfristige Gelegenheiten zu finden, gleichzeitig aber die wahrscheinlichen Auswirkungen laufender politischer Entwicklungen auf Investitionen erkennen.

Das protektionistische Hin und Her aus Maßnahmen und und Vergeltungsmaßnahmen zwischen den Vereinigten Staaten und China sollte man zwar im Auge behalten, wir erwarten jedoch keinen veritablen Handelskrieg. Aus unserer Sicht dürfte die Bedeutung bilateraler Handelsbeziehungen für beide Seiten insgesamt stabile Beziehungen sicherstellen. Der Streit könnte sogar Chinas Bemühungen zur Öffnung seiner Wirtschaft beschleunigen – ähnlich wie wir dies bei den jüngsten Finanzreformen gesehen haben – und ein Upgrade für die verarbeitende Industrie und die Dienstleistungsbranche des Landes bedeuten. Diese Entwicklungen könnten interessante mehrjährige Anlagechancen schaffen.

Geopolitische Risiken müssen genau beobachtet werden, sie stellen jedoch nur einen unter vielen Faktoren dar, die Anleger mit einem fundamentalen Ansatz wie wir berücksichtigen. Wir suchen Unternehmen mit nachhaltiger und langfristiger Ertragskraft und die Erfahrung sagt uns, dass solide Unternehmen über das Potenzial verfügen, sich in unterschiedlichen Umgebungen gut zu entwickeln. Um solche Unternehmen zu finden, prüfen wir viele verschiedene Faktoren wie beispielsweise die Stärke des Geschäftsmodells, Kapitalströme, Bilanzen, Unternehmensführung, ESG-Standards und mehr. Durch umfassende Bewertung von Anlagerisiken und -renditen streben wir den Aufbau stark diversifizierter Portfolios an, die exzessive Risiken vermeiden.

Wichtigste Trends und Entwicklungen in den Schwellenländern

Insgesamt verzeichneten Aktienmärkte in den Schwellenländern im April einen marginalen Rückgang und blieben infolge uneinheitlicher Trends hinter den Märkten der Industrieländer zurück. Einerseits drückten Spannungen im Handel zwischen den USA und China sowie zusätzliche US-Sanktionen gegen Russland auf die Stimmung, andererseits gab das historische Gipfeltreffen zwischen Nord- und Südkorea in Anlegern Hoffnung. Die Preise für Öl und andere Rohstoffe stiegen auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren, während die Währungen der Schwellenländer gegenüber dem stärker werdenden US-Dollar abwerteten. Der MSCI Emerging Markets Index verzeichnete im Monatsverlauf einen Rückgang um 0,4 % gegenüber einer Rendite von 1,2 % des MSCI World Index, jeweils in US-Dollar.[1]

Die wichtigsten Bewegungen in den Schwellenländern im April 

Asiatische Märkte verzeichneten im April einen Anstieg, der von Indien und Südkorea angeführt wurde. Indien profitierte von starken Aktien in nicht zyklischen Konsumgütern, da Prognosen für eine normale Monsun-Saison den Ausblick für die Nachfrage auf dem Land verbesserten. Südkorea stieg nach einem historischen Gipfeltreffen zwischen den Regierungschefs von Süd- und Nordkorea, die zusagten, einen Friedensvertrag auszuhandeln und die koreanische Halbinsel zu denuklearisieren. Im Gegensatz dazu waren Pakistan, Taiwan und Indonesien am stärksten rückläufig. Anfängliche Gewinne wurden in Pakistan ausgeglichen, weil die Regierung ein Programm zur Steueramnestie ankündigte, um die Repatriierung von im Ausland angelegten Geldern zu fördern. Nachdem Bedenken wegen geringer Nachfrage nach dem iPhone X aufgekommen waren, litt Taiwan unter der Schwäche von Apple-Zulieferern. Indonesien kam unter Druck, weil die Rupiah ein neues Zweijahrestief gegenüber dem US-Dollar erreichte.

Brasilianische Aktien verzeichneten im Monatsverlauf Verluste, da im April veröffentlichte weiche gesamtwirtschaftliche Daten Bedenken aufkeimen ließen, der heimische Wirtschaftsaufschwung könnte langsamer als erwartet ausfallen. Der Internationale Währungsfonds hob seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2018 jedoch von 1,9 % auf 2,3 % an.[2] Auch die Märkte in Mexiko und Chile verzeichneten zum Monatsende Kursrückgänge. Am anderen Ende des Spektrums erwies sich Kolumbien als Top-Performer der Region, getrieben durch höhere Ölpreise und steigende Erwartungen, dass der den Märkten wohlgesonnene Kandidat Ivan Duque Ende Mai die Präsidentschaftswahlen gewinnen könnte.

Russland und die Türkei verzeichneten im April die schwächste Wertentwicklung unter den Schwellenländern, wobei der Rückgang durch einen starken US-Dollar verstärkt wurde. Zusätzliche US-Sanktionen belasteten russische Aktien und machten einen Großteil der soliden Renditen aus dem ersten Quartal trotz einer Rallye bei Ölpreisen zunichte. In der Türkei forderte der Präsident Recep Tayyip Erdogan vorgezogene Wahlen, gleichzeitig hob die Zentralbank einen ihrer Leitzinsen stärker als erwartet um 75 Basispunkte (Bp) an, um angesichts höherer Inflationsraten die Preisstabilität zu stützen. Demgegenüber schloss der griechische Markt den Monat nach einem schwachen März mit zweistelligen Zuwachsraten während das Land einem Ende seines Rettungsprogramms näher kam.

Der südafrikanische Markt ging vor allem aufgrund einer Schwäche des Rand zurück. Präsident Ramaphosa plant die Einführung von Anreizen, um in den kommenden fünf Jahren Neuinvestitionen in Höhe von 100 Mia. USD anzuziehen und die heimische Wirtschaft zu stimulieren. Der Präsident versprach auch, die Korruption zu bekämpfen und die politische und regulatorische Unsicherheit anzugehen. Ägypten beendete den Monat mit positiven Renditen, da Anleger die Wiederwahl von Präsident Abdul Fattah al-Sisi als ein Zeichen der Stabilität deuteten und hofften, er werde weiterhin wichtige Reformen umsetzen.

Grenzmärkte blieben in diesem Monat hinter den Schwellenländermärkten zurück; Vietnam, Kenia und Argentinien entwickelten sich am schlechtesten. Nach starken Zuwächsen im letzten Quartal wurden in Vietnam und Kenia Gewinne mitgenommen. Pläne der vietnamesischen Regierung, die Privatisierung staatseigener Unternehmen zu beschleunigen, führte zum Aufbau von Liquiditätsreserven bei Anlegern in Vorbereitung auf kommende Gelegenheiten bei Börsengängen (IPO). In Argentinien sollte eine überraschende Anhebung der Zinsen um 300 Basispunkte (3 %) die Abwertung des Peso eindämmen, während Inflationsängste den dortigen Markt belasteten. Nigeria und Bangladesch schlossen den April jedoch mit positiven Renditen.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument spiegeln lediglich die Ansichten des Autors bzw. der Autoren wider, dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 24 Schwellenländern. Der MSCI World Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Industrieländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Eine Weiterverbreitung oder weitere Nutzung ist nicht zulässig. Dieser Bericht wird von MSCI weder erstellt noch genehmigt. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

[2] Quelle: Internationaler Währungsfonds. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

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