Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektive

Mexikos Präsident AMLO: Eine neue Art von Populist

Der Wahlsieg des Linkskandidaten Andrés Manuel López Obrador bei den mexikanischen Präsidentschaftswahlen zeigt, dass Populismus unterschiedlichste Formen annehmen kann. Gustavo Stenzel und Santiago Petri von Franklin Templeton Emerging Markets Equity schildern ihre Einschätzung dessen, was nun auf Mexiko und seinen neuen Präsidenten zukommen dürfte.

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Die Linkskoalition unter der Führung von Andrés Manuel López Obrador (auch als AMLO bekannt) hat bei den am 1. Juli abgehaltenen mexikanischen Parlamentswahlen einen erdrutschartigen Sieg errungen. Dies stellt einen dramatischen Wendepunkt in der politischen Entwicklung des Landes dar. Er und seine Partei konnten bei der Wahl die (ehemals) vorherrschende Partei der institutionalisierten Revolution (PRI), die Mexiko mehr als 75 Jahre lang als Einheitspartei regiert hatte, vom Thron stoßen.

Die Linkskoalition sicherte sich insgesamt fünf der neun zur Wahl stehenden Gouverneursposten (Chiapas, Tabasco, Veracruz, Morelos und Mexiko-Stadt).

Während des Wahlkampfes hatte AMLO gelobt, zahlreiche Aspekte der mexikanischen Gesellschaft zu verändern. Unter anderem versprach er, die Korruption im Land zu bekämpfen und das Sozialhilfesystem zu verbessern. Während die Position AMLOs in Bezug auf Korruption von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurde (dies war einer der Hauptgründe, warum die traditionellen Regierungsparteien bei der Wahl so schlecht abschnitten), reagierten die Märkte zurückhaltend auf das Wahlergebnis, da einige Anleger eine weniger wirtschaftsfreundliche Regierung befürchteten.

In seiner ersten Ansprache an die Finanzgemeinde war Carlos Urzua, der wohl künftig das Amt des Finanzministers bekleiden dürfte, bestrebt, die Märkte zu beruhigen.

Wirtschaftspolitik

Urzua erklärte, die Regierung unter AMLO werde auf den Grundsätzen einer verantwortlichen Makroökonomie, einer Steuerung der Haushalts- und Verschuldungslage, einer unabhängigen Zentralbank und einer freien Konvertierbarkeit der Währung aufbauen. Zudem versprach er, eine demokratische Kommunikation mit allen im Kongress vertretenen politischen Parteien aufrecht zu erhalten, und erklärte, die neue Regierung werde sich vor allem durch Transparenz auszeichnen.

Die Tatsache, dass die neue Regierung versucht, die Sorgen der Märkte bezüglich des ersten ausgereiften linkpolitischen Experiments in Mexiko zu dämpfen, hat uns nicht sonderlich überrascht. Derzeit ist es unserer Einschätzung nach jedoch noch zu früh, um den voraussichtlichen Kurs der neuen Regierung zu bewerten.

Die neue Regierung erwartet, durch politische Maßnahmen, die unter anderem eine Zentralisierung der Beschaffung vorsehen, Einsparungen in Höhe von 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erzielen. In seiner Zeit als Bürgermeister von Mexiko-Stadt hatte AMLO auch dort eine ähnliche Politik umgesetzt.

Die Beschaffung betrifft den Kauf von Waren, Dienstleistungen und Bauleistungen durch öffentliche und staatseigene Unternehmen, und eine Reform dieses Bereichs könnte sowohl eine Kostensenkung als auch eine Verminderung der Korruption nach sich ziehen.

Eine weitere mögliche Kostensenkungsmaßnahme, die sich die neue Regierung auf die Fahnen geschrieben hat, zielt darauf ab, sämtliche sozialen Programme zu einem einzigen, umfassenden Programm zusammenzuführen, das die vielen kleineren Sozialprogramme ersetzt.

Ein wichtiges Merkmal der von AMLO verfolgten Politik ist Transparenz, und er rechnet damit, dass sein Erfolg im Kampf gegen die Korruption fiskalpolitische Einsparungen liefern wird.

Sozialpolitik

Unterdessen hat AMLO erklärt, sich im Bereich der Sozialpolitik vor allem auf die folgenden drei Hauptmaßnahmen konzentrieren zu wollen: a) eine Verdopplung der Renten für ältere Menschen; b) ein Stipendienprogramm für Jugendliche und c) Medikamenten- und Lebensmittelpakete für die Armen.

Die Zukunft ist zwar weiterhin ungewiss, es erscheint jedoch wahrscheinlich, dass AMLO stark am Status quo rütteln dürfte. Er hat ein starkes Mandat zur Umsetzung von Veränderungen erhalten und scheint entschlossen, seine Wahlversprechen einzulösen.

Seine Plattform wird zwar als populistisch gesehen, in seinen jüngsten Erklärungen hat sich AMLO jedoch für einen freien Handel offener gezeigt. Daher brauchen die Märkte im Fall Mexikos womöglich nicht ganz so große Angst vor dem Begriff „Populismus“ zu haben. Wir gehen nicht davon aus, dass der Wahlsieg AMLOs eine radikale Veränderung der Haushaltslage oder der Zentralbankpolitik Mexikos nach sich ziehen wird.

Mögliche Auswirkungen der Wahl auf die Reform des Energiesektors

Seit der Verstaatlichung von Kohlenwasserstoffressourcen im Jahr 1938 war das Schicksal der Energiebranche stets eng an die Finanzlage des öffentlichen Sektors geknüpft. Die von der nationalen Ölgesellschaft Pemex an die Bundesregierung gezahlten Lizenz- und Steuergelder machten bis 2014 bis zu einem Drittel der Einnahmen des Landes aus. Die Belastung der nationalen Ölgesellschaft durch die Regierung hatte zur Folge, dass die Produktion zurückging. Pemex musste zwischen 50 % und 60 % seines Umsatzes als Lizenzgebühren und Abgaben abführen, wodurch die Generierung liquider Mittel stark beeinträchtigt wurde. Hierdurch sah sich das Unternehmen gezwungen, zur Finanzierung seiner Investitionspläne seine Verschuldung zu erhöhen.

Um die mexikanische Regierung und die Öl- und Gasbranche des Landes aus ihrem finanziellen Engpass zu befreien, wurde Ende 2013 eine umfassende Energiereform verabschiedet, um privaten Anlegern Zugang zum mexikanischen Energiesektor zu bieten. Die Reform ermöglichte neue Vertragsvereinbarungen, darunter auch Gewinnbeteiligungen, Produktionsbeteiligungen und Lizenzen, die die möglichen Alternativen zu den bis dahin geltenden restriktiven reinen Dienstleistungsverträgen ausweiteten. Die Reform bot Pemex mehr Unabhängigkeit in Bezug auf strategische Investitionen und Investitionspläne.

AMLOs Wahlsieg bringt Pläne mit sich, neue Angebote für Öl- und Gasexplorationsliegenschaften erneut zu überprüfen und möglicherweise zu vertagen. Hinzu kommen Pläne zur Erweiterung der Raffineriekapazitäten und zur Entwicklung der inländischen Gasversorgung. Einige dieser Vorschläge könnten aufgrund der Tatsache gerechtfertigt sein, dass die USA drohen, die Handelsbeziehungen zu ihren NAFTA-Partnern zu vernachlässigen, was sich negativ auf die Verlässlichkeit der Energieversorgung aus den USA auswirken könnte.

Der neu gewählte Präsident sollte jedoch einsehen, dass seine Versuche, der nationalen Ölgesellschaft erneut mehr Ressourcen zukommen zu lassen, seine Pläne zur Reform der Einkommens- und Sozialpolitik, mit denen er eine ausgewogenere Einkommensverteilung wiederherstellen möchte, schwächen könnten.

Die 2013 eingeleiteten Reformen des Energiesektors haben Mexiko Auslandsinvestitionen in Höhe von 200 Mrd. USD für neue Produktionskapazitäten beschert. Im Downstream-Sektor beabsichtigen 30 neue private Betreiber, mehr als 1.700 Tankstellen zu eröffnen, was die Entwicklung eines konkurrenzstarken Markts für Endkunden ermöglichen würde. Diese Reformen wurden in die mexikanische Verfassung aufgenommen und werden durch vom Kongress verabschiedete Umsetzungsgesetze gestützt.

Unserer Meinung nach sollte AMLO erkennen, dass die Energiereform für das Land positiv ist und produktive Kräfte freisetzen kann, die es Mexiko erlauben werden, seine Produktionsniveaus wiederherzustellen.

Ausblick für die mexikanische Wirtschaft

Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren zeigen insgesamt eine solide Dynamik der mexikanischen Wirtschaft. Im Juni erreichte der Konsumklimaindex mit 88,0 Punkten den höchsten Stand seit sechs Monaten und markierte damit den elften jährlichen Anstieg in Folge. Ein hohes Verbrauchervertrauen sollte in Kombination mit einem allmählichen Desinflationsprozess, einem robusten Arbeitsmarkt und der Verfügbarkeit von Krediten dazu beitragen, in diesem Jahr ein solides privates Konsumniveau zu stützen. Die positive Verfassung der Wirtschaft signalisiert in unseren Augen, dass das Wahlergebnis nicht durch den (günstigen) Konjunkturzyklus beeinflusst wurde, sondern eher Ausdruck des Willens ist, die Kriminalität und Korruption im Land unter Kontrolle zu bekommen.

Wenn die neue Regierung ihre Versprechen einlösen und dabei gleichzeitig die soliden wirtschaftlichen Fundamentaldaten aufrecht erhalten kann, sind wir optimistisch, dass Mexiko in diesem Jahr sowie 2019 ein robustes BIP-Wachstum erzielen dürfte.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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