Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Einschätzungen zu Schwellenländeraktien und ausgewählten Schwellenländern

Angesichts des Verfalls der türkischen Lira und des argentinischen Peso scheint die Angst vor einer Ansteckung anderer Schwellenland zu wachsen und sind einige Schwellenländerwährungen unter Druck geraten Nachfolgend gibt das Franklin Templeton Emerging Markets Equity-Team seine Einschätzung zu einigen Ländern ab, die in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt haben, namentlich Argentinien, Türkei, Südafrika und Indonesien. Das Team hält es für unwahrscheinlich, dass die Marktschwäche in ausgewählten Ländern zu einer gesamtwirtschaftlichen Ansteckung oder größeren Krisen in der Anlageklasse führen wird.

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Franklin Templeton Emerging Markets Equity 

Aus unserer Sicht sollten Anleger bedenken, dass die Schwellenmärkte keine homogene Gruppe darstellen. Die derzeit die Schlagzeilen beherrschenden Länder sind lediglich ein kleiner Teil des EM-Universums. So sind beispielsweise mehr als 20 Unternehmen im MSCI EM Index[1] jeweils einzeln größer als der gesamte türkische Aktienmarkt. Die Schwierigkeiten dieser Länder sind daher nicht repräsentativ für die EM-Anlageklasse insgesamt.

Insgesamt schätzen wir Schwellenländer unverändert positiv ein – die meisten scheinen sich in einem Umfeld mit sich erholendem Wirtschaftswachstum zu bewegen, die Rohstoffpreise sind stabil, die Währungen im Allgemeinen unterbewertet und die Inflation ist unter Kontrolle.  Als Stockpicker können wir die jüngste Volatilität nutzen, um solide Unternehmen zu finden und um zu attraktiven Kursen anzulegen.

Argentinien

Seit Mitte August gibt es erneut Angriffe auf den argentinischen Peso und es wird eine höhere Inflation erwartet. Die Regierung reagiert mit einer aggressiveren Haushaltspolitik, die bisher auf Skepsis im Markt getroffen ist. Besonders im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2019 ist das von der argentinischen Regierung festgelegte Finanzprogramm sehr ehrgeizig. Die amtierende Regierung ist jedoch fest zum Durchhalten entschlossen. Argentinien erhält weiterhin Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die internationale Gemeinschaft. Allerdings verbleiben bis zu den Wahlen 2019 noch erhebliche politische Unsicherheiten und der derzeitige Wirtschaftsabschwung dürfte mindestens noch mehrere Monate anhalten.

Wir beobachten die Nachhaltigkeit der amtlichen Richtlinien und die Aussichten einer wirtschaftlichen Erholung des Landes sehr genau. Angesichts der aktuellen Volatilität und Unsicherheit ziehen wir derzeit Unternehmen mit an den US-Dollar gekoppelten Erlösen vor.

Türkei

Bei der Türkei bleiben wir vorsichtig. Politische und institutionelle Unsicherheiten, eine strukturell schwache Leistungsbilanzposition, höhere Ölpreise, eine kräftige Abwertung der türkischen Lira und eine Inflationsrate im hohen zweistelligen Bereich in einem schwierigen geopolitischen Umfeld dämpfen das Vertrauen der Anleger. Nach Jahren starken Wirtschaftswachstums bestand bereits vor der jüngsten Volatilität das Risiko für einen Wirtschaftsabschwung, das sich nun verstärkt.

Südafrika

Aufgrund einer höheren EM-Risikoaversion erlebt der südafrikanische Rand zwar einen Ausverkauf, jedoch hängt das eher damit zusammen, dass der Rand zu den liquideren führenden EM-Währungen zählt. Auf die Binnenwirtschaft bezogen, herrscht in Südafrika generell ein positives politisches Umfeld. Der neue Präsident zeigt sich wirtschaftsfreundlich und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte sich nach dem schwächeren ersten Halbjahr erholen. Dafür sprechen eine kräftigere Agrarproduktion, steigende Konsumausgaben und die Bauwirtschaft.

Wir gehen von einer Erholung des Rand aus, wenn sich die Risikoaversion legt und das Inlandswachstum zunimmt. Dementsprechend schauen wir uns die Konsumgütersektoren an.

Indonesien

In Indonesien stürzte die Rupiah auf ihren tiefsten Stand in mehr als 20 Jahren, teils bedingt durch die Ausweitung des indonesischen Leistungsbilanzdefizits. Die Bank Indonesia hat ihre Maßnahmen zur Währungsstabilisierung durch direkte Marktintervention gestärkt, unter anderem durch vier Zinsanhebungen seit Mai 2018. Die Regierung hat neue Regulierungen angekündigt, darunter höhere Einfuhrzölle auf nicht wesentliche Konsumgüter, um das Leistungsbilanzdefizit abzubauen. Derweil sind wir der Meinung, dass Unternehmen mit hoher Dollar-Verschuldung am stärksten betroffen sein werden, ebenso wie diejenigen mit hohem Importkostenanteil wie etwa Pharma, Geflügel und ausgewählte Konsumgütermarken. Die andere Seite der Medaille ist, dass Unternehmen mit US-Dollar-Erlösen (oder an den US-Dollar gekoppelten Erlösen) von einer schwachen Rupiah profitieren würden, wie etwa der Kohle-, Metall- und andere exportorientierte Sektoren.

Aus unserer Sicht sind die Fundamentaldaten des Landes weitgehend intakt. Indonesien hat eine anhaltende Widerstandskraft gegenüber externen Schocks bewiesen. Dabei profitiert es von den Reformen der letzten zehn Jahre, die auf einen Ausgleich seiner Wachstumstreiber und eine Beschleunigung der Inlandsentwicklung abzielten.

In vielen Sektoren, die von der bestehenden demografischen Entwicklung und erwarteten Reformen profitieren könnten, finden wir potenzielle Investmentchancen. Dazu zählen Banken, die Kredite an wachstumsstarke Unternehmen ausreichen und Hypotheken, Kreditkarten- und andere Privatkundenprodukte für Konsumenten anbieten, sowie Unternehmen in den Sektoren Konsumgüter, Bodenschätze und mit Bezug zu Infrastruktur.

Unser Fazit

Bei der Beurteilung der Situation der EM-Aktien sollte bedacht werden, dass die Schwellenmärkte unterschiedliche Länder mit verschiedenen Wachstumstreibern und wechselnden politischen Risiken enthalten. Wir halten das Risiko einer breit angelegten Ansteckung für begrenzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die aktuellen Schwächen in ausgewählten EM-Ländern zu einer gesamtwirtschaftlichen Ansteckung oder größeren Krisen in der Anlageklasse führen, ist gering.

Sicher gibt es bestimmte EM-Länder mit schwierigen Fundamentaldaten, die wahrscheinlich den Gesamteindruck belasten, jedoch ist die EM-Anlageklasse als Ganzes aus unserer Sicht nach wie vor in guter Verfassung.

Für Aktien in Schwellenmärkten sprechen weiterhin positive globale Makrofaktoren, ein höheres BIP-Wachstum sowie eine Verbesserung wirtschaftlicher Fundamentaldaten dank laufender Reformen. Die Cashflow-Generierung hat sich in den letzten Jahren deutlich beschleunigt. Einhergehend mit höherer Disziplin beim Kapitaleinsatz, kann dies dazu beitragen, das langfristige Potenzial für die Aktionärsrendite zu verbessern und führt typischerweise zu geringerem Fremdkapital in den Unternehmensbilanzen. Schließlich hat sich auch das Ertragswachstum bei EM-Unternehmen in diesen Zeiten volatiler Märkte als belastbar erwiesen.

Zu unseren wichtigsten Investmentthemen in Schwellenländern zählen das strukturelle Wachstum im Technologiesektor, steigender Konsum sowie Wirtschaftsreformen. Wir konzentrieren uns nach wie vor auf die Auswahl fundamental solider Unternehmen, die nach unserer Einschätzung gut aufgestellt sein sollten, um von diesen langfristigen Trends zu profitieren.

 

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quelle: FactSet, Stand 31. August 2018. Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 24 Schwellenländern. Indizes werden nicht gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Eine Weiterverbreitung oder weitere Nutzung ist nicht zulässig. Dieser Bericht wurde von MSCI weder erstellt noch bestätigt. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen der Datenanbieter verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.

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