Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Ein Rezept für Innovation

Das Wort „Innovation“ wird in der Regel mit Technologie in Verbindung gebracht. Aber Innovation kann viele Formen annehmen und ist in unterschiedlichsten Branchen anzutreffen. Krzysztof Musialik von Templeton Emerging Markets Equity beobachtet Innovationen in den Gesundheits- und Pharmasektoren der Schwellenländer, die sogar Veränderungen in den Industrieländern vorantreiben.

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Wir halten die Aussichten für die Pharmabranche in den Schwellenländern für äußerst attraktiv – insbesondere im Hinblick auf kleinere Unternehmen. Der Sektor erscheint uns vor allem aufgrund von drei zentralen Faktoren vielversprechend.

Demografische Entwicklung

Nicht nur in den Industrieländern wird die Bevölkerung immer älter – auch in einigen Schwellenländern ist diese Entwicklung inzwischen zu beobachten. Angesichts der medizinischen Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden, sehen wir nun, wie sich demografische Veränderungen, die zunächst in den Industrieländern begonnen hatten, allmählich auch auf die Schwellenländer ausbreiten, wo einige Länder nun eine immer höhere Zahl älterer Einwohner verzeichnen. Vor dem Hintergrund dieser demografischen Verschiebungen führt eine alternde Bevölkerung in den großen Pharmamärkten (insbesondere in China) zu einer strukturellen Steigerung der Nachfrage. Es ist offensichtlich, dass die Nachfrage nach Medikamenten und medizinischer Versorgung zunimmt, je älter die Menschen werden.

Umweltaspekte und Lifestyle-Veränderungen

Mit zunehmender Langlebigkeit hat auch die Verbreitung der Krebs- und Diabetesepidemien in den Schwellenländern zugenommen. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung hat eine immense Belastung der Umwelt nach sich gezogen, wobei Luftverschmutzung wohl die gravierendste Folge ist. Es besteht der Verdacht, dass Luftverschmutzung die Krebsraten in zahlreichen Schwellenländern wie etwa China, wo die Häufigkeit dieser Krankheit exponentiell zugenommen hat, in die Höhe treibt.

Seit 2010 ist Krebs in China die häufigste Todesursache, wobei Lungenkrebs in der Statistik ganz vorne steht. In dem Land werden jährlich schätzungsweise 4,3 Millionen neue Krebsfälle verzeichnet (dies entspricht fast 12.000 neuen Krebsdiagnosen pro Tag).[1]

Der wirtschaftliche Erfolg hat auch den Lebensstil in vielen Schwellenländern verändert – und nicht unbedingt immer zum Guten. Ungesunde Lebensweisen, die sich unter anderem durch einen Mangel an körperlicher Aktivität und einem vermehrten Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln auszeichnen, haben zu einem Anstieg von Übergewichtigkeit, der Hauptursache für Diabetes, beigetragen. Diabetes und onkologische Erkrankungen, die einstmals als typische Krankheiten der wohlhabenden Industrieländer in Europa und Nordamerika galten, werden in Schwellenländern bis 2030 voraussichtlich um 20 % oder mehr zunehmen.[2] Dies sind natürlich keine positiven Ereignisse, sie stellen jedoch Entwicklungen dar, mit denen man sich heute befassen muss. Glücklicherweise stehen heute bessere Behandlungsoptionen mit höheren Erfolgsaussichten zur Verfügung als in der Vergangenheit.

Innovationskraft

Das rasante Innovationstempo im Pharmabereich in den Schwellenländern ist vielleicht der überraschendste Wachstumstreiber für diese Art von Unternehmen. Wir glauben, dass Innovationen auf mehrere Faktoren zurückzuführen sind:

  • Die Rückkehr von Auswanderern aus dem „Westen“ zurück nach China/Taiwan.
  • Etwas tolerantere ethische Anforderungen in Bezug auf klinische Studien, die jetzt, in der Ära der Genomik-Revolution, besonders wichtig sind. So erzielt beispielsweise China bei Genomik-Studien derzeit rapide Fortschritte.
  • Viele Schwellenländer verfolgen ein systematisches Ziel, sich in der Wertschöpfungskette nach oben zu bewegen, von einer kostengünstigen Fertigung von Billigwaren hin zu innovativen, marktführenden Branchen. Regierungen in Ländern wie China, Südkorea und Taiwan haben Innovationsinitiativen zuletzt vermehrt unterstützt.

Diese Trends sind nicht unbemerkt geblieben. Große Pharmakonzerne in den Industrieländern haben das Wachstum asiatischer Pharmaunternehmen genau beobachtet. In den letzten Jahren sind viele von ihnen Partnerschaften mit Pharmafirmen aus den Schwellenländern eingegangen.

So hat Johnson & Johnson beispielsweise ein neuartiges Molekül von einem chinesischen Unternehmen im Bereich der CAR-T-Therapie lizenziert.

Die CAR-T-Therapie ist eine Behandlungsform, bei der die weißen Blutkörperchen (T-Zellen, eine Art Immunsystemzelle) eines Patienten entnommen und dann modifiziert werden, um einen speziellen Rezeptor (einen chimären Antigenrezeptor bzw. „CAR“) in das Gen einzufügen, der sich an bestimmte Proteine der Krebszellen des Patienten bindet. Im Rahmen der Krebsbehandlung werden diese dem Patienten dann wieder injiziert. Bislang gibt es nur zwei solche Therapien, die beide von großen Biotechnologieunternehmen aus Industrieländern zu Behandlungskosten von 500.000 USD angeboten werden und im vergangenen Jahr zugelassen wurden. Unternehmen aus Schwellenländern sind in den Wettlauf um die CAR-T-Therapie eingestiegen, wobei die Zahl der klinischen Studien in China die Zahl entsprechender Studien in den USA inzwischen überschritten hat.

Ein weiteres interessantes Beispiel für Innovationen in Schwellenländern, die von Unternehmen in den Industrieländern nicht unbemerkt geblieben sind, ist der Bereich der Genomchirurgie. So hat ein südkoreanisches Biotechnologieunternehmen kürzlich beispielsweise eine Partnerschaft mit einem US-amerikanischen Agrochemie- und Biotechnologie-Giganten geschlossen, um eine CRISPR-Technologieplattform für die Entwicklung von Agrarprodukten zu nutzen.

Die Technologie, die der Transaktion zugrunde liegt (CRISPR), wird zahlreiche Anwendungsbereiche in verschiedensten globalen Sektoren bieten, von der Lebensmittelindustrie bis hin zu Pharmazeutika. CRISPR steht für Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats. Hierbei handelt es sich um eine Technologie zur Genbearbeitung bzw. Genomchirurgie. Gen-Bearbeitungstechnologien wie CRISPR bieten Agrarforschern aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Effizienz erhebliche Vorteile gegenüber bestehenden Pflanzenzüchtungs- und Biotechnologieverfahren und sollten es Landwirten theoretisch ermöglichen, mit weniger Aufwand mehr zu produzieren.

Während zunehmender Wohlstand die Nachfrage nach Gesundheitsversorgung und einem gesünderen Lebensstil antreibt, entwickeln sich die Schwellenländer nicht nur zu Quellen erheblichen Wachstums für die Pharmaindustrie, sondern auch zu einem Zentrum für Innovationen innerhalb der Branche selbst. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Bereich spannendes Potenzial für Anleger bietet und in den kommenden Jahrzehnten einen wichtigen Motor für den gesellschaftlichen Fortschritt darstellen wird – sowohl in den Schwellen- als auch in den Industrieländern. Wir sind der Ansicht, dass die Gesundheits- und Pharmasektoren in den Schwellenländern gerade erst in die Anfangsphase der Entwicklung eintreten.

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CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quelle: Cancer Statistics in China 2015, CA: A Journal for Clinicians.

[2] Quelle: American Diabetes Association, Diabetes Care, „Global Prevalence of Diabetes: Estimates for the year 2000 and projections for 2030“ Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

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