Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektive

Warum die Sorgen im Vorfeld der Wahlen über das langfristige Potenzial Indiens hinwegtäuschen

Während sich Indien auf die im Frühjahr anstehenden Parlamentswahlen vorbereitet, dürfte die zunehmend populistischen Rhetorik der politischen Parteien des Landes den ein oder anderen Anleger abschrecken. Sukumar Rajah, Portfolio Management bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity, sieht die Lage gelassener. Er ist der Ansicht, dass das Positionsgerangel Teil der indischen Politik ist und dass die soliden Fundamentaldaten des Landes auch weiterhin überzeugende Argumente für eine Anlage liefern.

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Die zunehmend populistische Rhetorik seitens der politischen Partien, die im Vorfeld indischer Parlamentswahlen um die Macht kämpfen, sind nichts Neues für uns.

Dieses Jahr bildet keine Ausnahme. Die Parlamentswahlen sollen im April und Mai 2019 stattfinden, und wir haben in den Wahlprogrammen bereits eine ganze Reihe von Versprechungen gesehen, die auf die Gunst der breiten ländlichen Bevölkerung Indiens abzielen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen unter anderem eine Befreiung von landwirtschaftlichen Krediten, Subventionen, eine Senkung der Steuer auf Waren und Dienstleistungen (GST) und Arbeitslosenunterstützung.

Mehrere dieser Maßnahmen könnten erhebliche fiskalpolitische Konsequenzen für die indische Wirtschaft haben. Unter zahlreichen Anlegern hat dies Skepsis ausgelöst.

Wir haben jedoch eine pragmatischere Sichtweise. Wir sind der Ansicht, dass der Wachstumspfad, den Indien durch die seit 2014 von Premierminister Narendra Modi umgesetzten Maßnahmen eingeschlagen hat, inzwischen ausreichend gefestigt ist, um kurzfristige Schwierigkeiten zu überwinden.

Dank dieser politischen Maßnahmen, zu denen unter anderem die Einführung der GST, eine Überarbeitung des Konkursgesetzes, eine Rekapitalisierung der Banken, eine sektorübergreifende Anhebung der Grenzen für ausländische Direktinvestitionen und nicht zuletzt auch die „Make in India“-Initiative zählen, war Indien 2018 mit einem BIP-Wachstum von 7,3 % das am schnellsten wachsende größere Schwellenland[1].

Wenn Modi wiedergewählt wird, erwarten wir kaum wesentliche Änderungen am wirtschaftlichen Kurs Indiens.

Selbst wenn Modi nicht direkt gewinnt, halten wir es für wahrscheinlich, dass seine Partei, die Bharatiya Janata Party (BJP), bei der Bildung der neuen Regierung eine Rolle spielen wird, möglicherweise im Rahmen einer Koalition.

Gründe für Optimismus

Wir gehen davon aus, dass wir uns hinsichtlich des Gewinnwachstums an einem Wendepunkt befinden. In den letzten Jahren hat sich das Gewinnwachstum schwierig gestaltet, was vor allem auf die Auswirkungen der Geldentwertung, der Einführung der GST und der negativen Schlagzeilen aufgrund von Kreditausfällen zurückzuführen war. Wir halten eine allmähliche Verbesserung des Gewinnwachstums für wahrscheinlich, und eine solche Entwicklung würde wiederum den Aktien des Landes Unterstützung bieten.

Langfristig glauben wir, dass weiterhin gute Gründe für eine Anlage in Indien bestehen, da die Fundamentaldaten solide sind und die langfristigen Wachstumstreiber geben Anlass, die Aussichten für Indien positiv einzuschätzen. Für 2019 wird nach wie vor mit einem relativ robusten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 7,5 % gerechnet, die Schätzung für 2020 beläuft sich auf 7,7 %.[2] Im Vergleich dazu wird für die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr sowie 2020 ein geringeres Wachstum von 6,2 % erwartet.[3]

Indien profitiert von langfristigen Wachstumstreibern, darunter eine günstige demografische Entwicklung, Investitionen in die Infrastruktur, Konsumwachstum in den Städten und steigende Einkommensniveaus. Aus aktueller Sicht sind wir der Meinung, dass der Konsum zur positiven Entwicklung Indiens beitragen dürfte. Bis 2030 könnten die Chancen im inländischen Konsumsektor auf 6 Bio. USD anwachsen.[4]

Eine umsichtige Kombination aus niedrigeren Steuern und einer Anhebung der Staatsausgaben dürfte dem Wachstum weitere Unterstützung bieten – insbesondere, wenn gleichzeitig die Investitionsausgaben des privaten Sektors anziehen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir davon überzeugt sind, dass auch weiterhin gute Gründe für eine Anlage in Indien vorliegen – auch wenn sich die Risikobereitschaft und die Stimmung in Bezug auf indische Aktien im Vorfeld der Wahlen ein wenig eingetrübt haben. Selbst bei einem überraschenden Wahlergebnis würden sich die Auswirkungen der Unsicherheit unseres Erachtens nur kurzfristig bemerkbar machen, da die Fundamentaldaten weiterhin robust sind.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte dieser Länder entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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[1] Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook Update, Januar 2019.

[2] Quelle: World Economic Outlook, Internationaler Währungsfonds, Januar 2019. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[3] Ebd.

[4] Weltwirtschaftsforum, Future of Consumption in Fast-Growth Consumer Markets: India, Januar 2019.

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