Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Chinas Gratwanderung

Angesichts der Abkühlung des Wirtschaftswachstums scheinen die chinesischen Behörden handlungsbereit zu sein. Sukumar Rajah und Jason Zhu von Franklin Templeton Emerging Markets Equity erklären, wie die beim 13. Nationalen Volkskongress angekündigten Maßnahmen die Wachstumsaussichten Chinas stärken sollen.

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Die beim 13. Nationalen Volkskongress Chinas angekündigten Maßnahmen legen nahe, dass die chinesischen Behörden die Gefahr einer konjunkturellen Abkühlung ernst nehmen und bereit sind, entsprechend zu reagieren.

Während sich China einer Verlangsamung des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIP), einem Handelskonflikt mit den USA und Streitigkeiten über die Gewährung eines Marktzugangs für ausländische Unternehmen als Gegenleistung für Technologietransfers ausgesetzt sieht, lässt sich beobachten, dass die politischen Entscheidungsträger bereit sind, ihre Ziele anzupassen und neu auszurichten, um die Nachhaltigkeit der Wirtschaft zu stärken.

Angesichts einer konjunkturellen Abkühlung haben die chinesischen Funktionäre die Prognose für das BIP-Wachstum des Landes im Jahr 2019 vom Vorjahresziel von 6,5 % auf eine Spanne von 6 % bis 6,5 % gesenkt. Wir sind jedoch der Ansicht, dass eine Abschwächung noch keine Krise ist. Wir glauben, dass Chinas Institutionen und Wirtschaft über ausreichende Stärken verfügen, um eine harte Landung zu verhindern.

Vor diesem Hintergrund ist unsere kurzfristige Einschätzung für China ein wenig vorsichtiger. Wir gehen davon aus, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren abschwächen wird, da sich das Land auf die Lösung verschiedenster Probleme konzentrieren muss.

Chinas Stärken dürfen keinesfalls unterschätzt werden

Trotz dieser Hürden untermauert die in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellte Fähigkeit der chinesischen Behörden, ihre Richtlinien effizient und effektiv umzusetzen,  die potenziellen Stärken des Landes. Eine starke Präsenz staatlicher Stellen auf den chinesischen Märkten ist nichts Neues.

Die Fähigkeit Chinas, beschlossene politische Maßnahmen umzusetzen, beruht auf einem System der Zentralregierung, das es dem Land ermöglicht, Probleme in einer Geschwindigkeit und einem Ausmaß zu lösen, die für andere große Entwicklungsländer wie Indien praktisch unerreichbar sind.

Denken wir nur einmal an die Maßnahmen, die China ergriffen hat, um Überkapazitäten, hohe Verschuldung und andere wirtschaftliche und finanzielle Risiken zu beseitigen. In der Kohleindustrie zum Beispiel schloss die Regierung Tausende von Kohleproduktionsstätten und legte zahlreiche Kohlekraftprojekte auf Eis, um Überkapazitäten abzubauen.

Der hohe Grad an Compliance unterstrich die Fähigkeiten der Regierung in der Umsetzung neuer Richtlinien. Dies führte zu einer deutlichen Erholung der Kohlepreise, was die Cashflows und die Schuldentilgungsfähigkeit vieler Unternehmen im Kohlesektor stärkte.

Solche Strategien, die in mehreren Branchen umgesetzt wurden, haben dazu beigetragen, eines der wichtigsten systemischen Risiken in China zu bewältigen – die Konzentration der Verbindlichkeiten von staatlichen Unternehmen der „Old Economy“. Wichtiger noch: Diese Politik ist Teil eines größeren Reformpakets, das von den Regierungsbehörden eingeführt wurde – und all dies gelang, ohne dem BIP-Gesamtwachstum insgesamt einen größeren Schlag zu versetzen.

Externer Druck beschleunigt den nächsten Schritt Chinas

Der Übergang Chinas von einer fertigungsorientierten Wirtschaft hin zu einer Wirtschaft, die vor allem auf Dienstleistungen und Konsum ausgerichtet ist, war alles andere als einfach. Allerdings haben die Handelsspannungen mit den USA Steine in den Wachstumspfad Chinas gelegt und die Binnennachfrage in wichtigen Sektoren des Landes geschwächt.

Dies hat den Handlungsdruck auf die chinesische Regierung erhöht. Die zuständigen Staatsorgane haben beim Nationalen Volkskongress Steuersenkungen in Höhe von 2 Bio. chinesischen Yuan (298 Mrd. USD) angekündigt, von denen die chinesische Regierung hofft, dass sie den Druck im Produktions-, Transport- und Bausektor verringern werden.

Wir gehen davon aus, dass eine Senkung der aktuellen Mehrwertsteuersätze eine willkommene Erleichterung für Industriezweige darstellen sollte, die derzeit vom Handelskonflikt mit den USA betroffen sind, unter anderem im Bereich der Baumaterialien, die Stahl und Aluminium enthalten.

Der Handelsstreit hat auch das Bekenntnis Chinas zur Öffnung seiner Märkte auf den Prüfstand gestellt. So wurden beispielsweise Fragen zum Marktzugang, zum Schutz von geistigem Eigentum und zum erzwungenen Technologietransfer aufgeworfen. Die im Rahmen des Nationalen Volkskongresses geführten Diskussionen über Gesetze zur Regelung ausländischer Investitionen legen nahe, dass die chinesischen Funktionäre bereit sein könnten, die aktuellen Gesetze zu überarbeiten und ausländische Unternehmen ihren inländischen Pendants gleichzustellen.

Unserer Ansicht nach sind die langfristigen Aussichten für China nach wie vor vielversprechend, falls die chinesischen Bemühungen um eine Neuausrichtung in einer stabileren und nachhaltigeren Wirtschaft resultieren. Dennoch glauben wir, dass sich eine Strategie, die auf aktive Titelauswahl setzt, gerade in einer so komplexen Anlagelandschaft ausgezeichnet entwickeln kann.

Unser Ansatz für eine aktive Titelauswahl

Unserer Einschätzung nach haben das lebhafte Wirtschaftswachstum und die lockere Liquidität bestimmten Unternehmen in der Vergangenheit geholfen, sich in einer schnell wachsenden Wirtschaft gut zu entwickeln. Aber angesichts der Abkühlung des Wachstums, der abnehmenden Liquidität und der zunehmenden branchenübergreifenden Konsolidierung rechnen wir damit, dass sich die Gewinner deutlicher von den Verlierern abheben werden. Und die Erfahrung hat uns gelehrt, dass ein solides grundlegendes Research erforderlich ist, um solche Unternehmen zu finden.

Die ermutigende Nachricht ist, dass diese Hindernisse für ein Land, das über eine Reihe von bewährten Taktiken und neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten verfügt, nicht unüberwindbar sind.

Der uralte Wunsch nach Fortschritt ist eine starke Kraft, und wir erwarten, dass er China zu einer soliden Politik führt, die höhere Einkommen und einen bessere Lebensstandard für seine Bürger fördert. Unserer Einschätzung nach verheißt das Gutes für das nächste Kapitel seiner langfristigen Wachstumsstory.

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