Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Afrika: Chancen im nächsten Schwellenmarkt

Viele Anleger konzentrieren sich auf die Entwicklungen in Asien und Lateinamerika und übersehen dabei Chancen in anderen Regionen, erklärt David Haglund von Franklin Templeton Emerging Markets Equity. Er stellt fest, dass Afrika bei der Betrachtung der Schwellenländer häufig übersehen wird, und erklärt, warum die jüngsten Investitionen aus China das Wachstumspotenzial insbesondere in Ländern wie Kenia und Nigeria widerspiegeln.

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Während die namhaften Schwellenländer in Asien und Lateinamerika erhebliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, betrachten wir auch andere Regionen, wozu auch Afrika zählt.

Wir sehen insbesondere drei Themen in Schwellenländern, die sich in Afrika als langfristige Wachstumstreiber herausbilden könnten: Die demografische Entwicklung, technologische Innovationen und internationale Investitionen.

Viele Anleger sehen Südafrika als den einzigen wichtigen Markt auf dem Kontinent. Wir sind jedoch der Ansicht, dass andere Länder wie Kenia und Nigeria noch spannendere langfristige Anlageperspektiven aufweisen.

Die demografische Entwicklung: Ein grundlegender Wachstumstreiber

Mit einer großen, jungen und schnell wachsenden Bevölkerung wird die demografische Entwicklung in Afrika einen wichtigen, grundlegenden Wachstumstreiber darstellen. Von den 2,45 Milliarden Menschen, um die die Weltbevölkerung zwischen 2017 und 2055 voraussichtlich anwachsen wird, werden mehr als 1,4 Milliarden (57 %) in Afrika erwartet.[1]

So ist Nigeria in puncto Bevölkerungswachstum beispielsweise weltweit ganz vorne mit dabei: Die Einwohnerzahl des Landes dürfte Prognosen zufolge bis 2050 von derzeit 196 Millionen auf 410,6 Millionen anwachsen[2], womit das Land dann unter den bevölkerungsreichsten Ländern auf Rang 3 liegen würde.[3] Derweil dürfte sich die Bevölkerung Kenias – im Zentrum der ostafrikanischen Gemeinschaft, die Kenia, Tansania, Uganda, Ruanda, Burundi und den Südsudan umfasst – von 50,9 Millionen auf 95,5 Millionen Einwohner verdoppeln.[4] Einige Experten gehen davon aus, dass die Größe, das Bevölkerungswachstum und die zunehmende Zahl an Arbeitskräften in Nigeria und Kenia die weitere Ausdehnung der afrikanischen Mittelschicht vorantreiben dürfte. In Nigeria liegt das Durchschnittsalter bei 18,3 Jahren, während der Mittelwert in Kenia bei 20 liegt.[5]

Der Kontinent weist zudem eine der höchsten Urbanisierungsraten der Welt auf.[6] Infolge des massiven Bevölkerungswachstums richten verbraucherorientierte Tochtergesellschaften multinationaler und lokaler Unternehmen ihre Produkte nun zunehmend auf eine wachsende afrikanische Mittelschicht aus. Anbieter von Lebensmitteln sowie Körper- und Haushaltspflegeprodukten und sogar Brauereien sehen Chancen, die Marktdurchdringung in unterversorgten Märkten zu erhöhen.

Viele dieser Unternehmen verlagern die afrikanischen Verbraucher in den Bereich des organisierten Einzelhandels und bieten hierfür kostengünstige und maßgeschneiderte inländische Produkte als Ersatz für importierte Waren an. Diese Unternehmen arbeiten zudem aktiv daran, ihre Produktionsmittel zu lokalisieren, um die Währung ihrer Umsatzerlöse besser an die ihrer Umsatzkosten anzugleichen. Eine ganze Reihe afrikanischer Länder, die zuvor stark auf den Export von Rohstoffen angewiesen waren, durchlaufen derzeit einen Wandel und erzeugen immer mehr Fertigwaren. Allerdings ist dieser Prozess bisweilen langsam und nicht ohne Schwierigkeiten abgelaufen.

Gleichzeitig sehen wir angesichts des zunehmenden Wohlstands in den afrikanischen Märkten Anzeichen auf eine Premiumisierung, wodurch der Konsum weiter zunimmt. So stellen Spirituosen in Afrika beispielsweise ein Premiumprodukt dar, und in Ostafrika haben Bevölkerungsschichten mit mittlerem/höherem Einkommen diesem Segment ein zweistelliges Wachstum beschert. Selbst bei gesamtwirtschaftlichen und konsumbezogenen Abschwüngen hat sich das Wachstum bei Spirituosen als relativ belastbar und weniger preisempfindlich erwiesen, als bei Premiumprodukten normalerweise üblich ist. Afrikanische Verbraucher sind allgemein recht ambitioniert. Dementsprechend beobachten wir ein schnelleres Konsumwachstum in den Bevölkerungsschichten mit mittlerem/höherem Einkommen.

Technologie: Eine Hochburg der Innovation

Die Geschwindigkeit und die Verfügbarkeit von Technologie legen nahe, dass für einige afrikanische Länder enorme Chancen bestehen, sich Technologie schneller zunutze zu machen als weiter entwickelte Wirtschaftsräume.

Das Überspringen mehrerer Entwicklungsstufen ermöglicht die Einführung neuer Technologien, die etablierte Modelle oder Systeme übergehen. Afrikanische Unternehmen überspringen derzeit veraltete Technologien und setzen direkt auf moderne Lösungen, die häufig günstiger und nachhaltiger sind als ältere Technologien.

Potenzielle Branchenführer

Das enorme Tempo der technologischen Entwicklung deutet darauf hin, dass einige Länder in Afrika in ihren jeweiligen Branchen künftig ganz vorne stehen könnten. So wurde beispielsweise das weltweit erste nationale Dronen-Liefersystem in Ruanda eingeführt. Es liefert allerdings weder Lebensmittel noch Online-Bestellungen, sondern vielmehr Blut für Patienten in abgelegenen Regionen.

In anderen Sektoren, beispielsweise im Bankgeschäft, ist die Marktdurchdringung in Afrika weiterhin sehr gering, so dass diese Wirtschaftszweige naturgemäß vom Wachstum in zahlreichen afrikanischen Ländern profitieren. Lokale, etablierte Banken können auf einen wachsenden Pool kostengünstiger Einlagen zurückgreifen und sind in der Lage, Kredite an etablierte, hochwertige, lokale und multinationale Unternehmen zu vergeben.

In bestimmten Märkten wie etwa Kenia sind zahlreiche Bankangebote für kleine bis mittlere Unternehmen zu finden, und dies hat das Wachstum auf einer niedrigeren Ebene angekurbelt, da Kleinunternehmen hierdurch auf Kapital zugreifen können, das ihnen anderenfalls niemals zur Verfügung gestanden hätte.

Wir haben erstmalig in Kenia beobachtet, wie sich ein Großunternehmen als Pionier für mobile Zahlungen und damit verbundene Dienstleistungen positioniert hat, und stellen heute fest, dass dieses Modell inzwischen von anderen Unternehmen in weiteren Regionen Afrikas kopiert wird.

Unter Telekommunikationsunternehmen sehen wir ein Wettrennen darum, als erste den nächsten großen Schritt zu vollziehen: sie beantragen Bankenlizenzen, um einer Bevölkerung, die nach wie vor hauptsächlich Bargeld einsetzt, mobile Zahlungen anzubieten. Dies ist insbesondere in Ländern wie Nigeria zu beobachten. Dies ermöglicht eine Einbindung der Massen in das Finanzsystem – selbst innerhalb der ländlichen Bevölkerung.

Das Wachstum mobiler Zahlungslösungen ist in mehreren afrikanischen Märkten explodiert. Berichten aus der Mobilfunkbranche zufolge findet sich etwa die Hälfte der weltweiten Nutzer mobiler Zahlungen inzwischen in Afrika. Dies bildet ein digitales Fundament für eine Vielzahl weiterer Dienstleistungen.

Die Telekommunikationsunternehmen gehen Partnerschaften mit Banken ein, die es Mobilfunkkunden erlauben, ein Bankkonto zu eröffnen und digitale Transaktionen durchzuführen. Hierdurch haben sich Telekommunikationsunternehmen eine weitere Ertragsquelle geschaffen, während Banken ihren Kundenstamm vergrößern und ihre mit physischen Filialen verbundene Kostenbasis verringern. Verbraucher profitierten unterdessen von einem günstigeren und bequemeren Erlebnis.

Solarstromlösungen tragen dazu bei, ländliche Regionen mit Strom zu versorgen. Unabhängige Solaranbieter und Telekommunikationsunternehmen bieten vom Stromnetz unabhängigen, vorab bezahlten Strom, so dass Kunden, die bisher überhaupt keine Stromversorgung hatten, direkt zu Ökostrom übergehen.

Internationale Investitionen aus China

Chinesische Investitionen in Afrika haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Hierdurch wurden im Zuge der chinesischen „Belt and Road“-Initiative Investitionen in die Entwicklung dringend benötigter Infrastruktur wie Eisenbahnen, Autobahnen, Flughäfen und Seehäfen finanziert. Während des Zeitraums von 2003 bis 2014 erhöhten sich die ausländischen Direktinvestitionen Chinas in Afrika deutlich, von 491 Mio. USD auf 32,4 Mrd. USD.[7] Interessanterweise erhöhte sich während des gleichen Zeitraums auch die Zahl der afrikanischen Länder, die ausländische Direktinvestitionen erhielten.[8]

Chinesische Investitionen haben Nigeria beim Aufbau von Industriegebieten geholfen, indem sie die bisher fehlende Infrastruktur geschaffen haben. Hierbei wurden erdgasbetriebene Generatoren und Allwetterstraßen eingesetzt, um den Weg für die weitere Entwicklung zu ebnen. Infolgedessen haben sich diese Gebiete, die zuvor aufgrund fehlender Infrastruktur nur schwer zugänglich waren, zu einem Fertigungszentrum mit Fertigungswerken für Baumaterialien, Druckereiprodukte und Möbel entwickelt.

In Kenia stellt ein von China finanziertes Eisenbahnprojekt, das die Küstenstadt Mombasa mit der Hauptstadt Nairobi verbindet, das größte jemals in dem Land umgesetzte Infrastrukturprojekt dar. Die Strecke wurde Mitte 2017 eröffnet, 18 Monate früher als geplant, und verkürzt die Reisezeit gegenüber der vorherigen Eisenbahnverbindung um 7,5 Stunden. Ein ähnliches Eisenbahnprojekt wird von einem türkischen und portugiesischen Konsortium in Tansania umgesetzt: hier soll in einer ersten Phase Dar Es Salaam an die Hauptstadt Dodoma angebunden werden.

China ist jedoch nicht nur im Bereich der Infrastrukturinvestitionen tätig. Ein Großteil der Investitionen wird von privaten Unternehmen im Fertigungsbereich getätigt. Es gibt in Afrika Zehntausende von chinesischen Privatunternehmen, die einen Zustrom von Chinesen nach Afrika mit sich bringen. Viele von ihnen sind Kleinunternehmer, die in Geschäftsbereichen vom Einzelhandel bis hin zur Landwirtschaft tätig sind.

Gute Gründe für lokalen Einfluss

Unserer Erfahrung nach dürfte uns dieses wachsende Anlageuniversum, mit so vielen neuen Unternehmen in boomenden Ländern wie Kenia und Nigeria, Chancen bieten, um fehlbewertete Unternehmen aufzuspüren.

Kleinere, schnell wachsende Unternehmen befinden sich in der Regel überproportional im Besitz inländischer Privatanleger mit kürzeren Anlagehorizonten. Auf der anderen Seite würden ausländische institutionelle Anleger aller Wahrscheinlichkeit nach häufiger handeln. Dies wirkt sich dann in der Regel positiv auf die Liquidität aus.

Natürlich gehen Anlagen in Afrika auch mit Risiken und Herausforderungen einher, von denen sich einige nur schwerlich überwinden lassen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass der afrikanische Kontinent für geduldige, aktive Manager wie uns fruchtbaren Boden bieten könnte. Unsere Rolle besteht darin, anhand unseres vor Ort tätigen Teams Unternehmen mit langfristigem Potenzial zu identifizieren – eine Kompetenz, die in diesem aus unserer Sicht relativ unerschlossenen Segment des Marktes von besonderem Nutzen ist.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument spiegeln lediglich die Ansichten des Autors bzw. der Autoren wider, dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte dieser Länder entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quellen: UK Research for Evidence Division, UK Department for International Development, Mai 2018.

[2] Quelle: Population Reference Bureau, 2018.  Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[3] Quelle: Vereinte Nationen, World Population Prospects 2017. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[4] Quelle: Population Reference Bureau, 2018.  Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[5] Quelle: CIA World Factbook, Schätzung 2018. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

[6] Quelle: Weltbank, Opening Doors to the World, 2017.

[7] Quelle: U.N. Habitat, State of African Cities, 2018.

[8] Ebd.

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