Investmentabenteuer in den Emerging Markets

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Bullen kehren im 1. Quartal 2019 in die Schwellenländer zurück

Nach einem herausfordernden Jahr 2018 konnten Anlagen in Schwellenländer im ersten Quartal 2019 inmitten stützender Fundamentaldaten und einer gemäßigten US-Notenbank wieder zulegen. Das Franklin Templeton Emerging Markets Equity Team beschreibt, was die Marktbewegungen im Quartal und im Monat März angetrieben hat und warum insbesondere Asien nach wie vor von Interesse ist.

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Drei Themen, die uns heute beschäftigen:

  1. Ende März wurden in Thailand  die ersten Parlamentswahlen seit 2014 abgehalten. Die amtlichen Ergebnisse werden zwar erst im Mai erwartet, die vorläufigen Ergebnisse deuten jedoch auf eine Koalitionsregierung unter der Leitung der pro-militärischen Palang Pracharat Party (PPRP) hin. Zudem dürfte General Prayuth als Premierminister im Amt bleiben. Die PPRP-Partei hat ein Bekenntnis zu wirtschaftlicher Stabilität abgegeben und könnte populistische politische Maßnahmen umsetzen, beispielsweise eine Erhöhung der Sozialausgaben und eine Anhebung des Mindestlohns. Solche Maßnahmen können zwar den Konsum beleben, sie bergen jedoch auch das Risiko einer Lohnkosteninflation. Wir sind der Ansicht, dass politische Kontinuität eine Beschleunigung der Reformmaßnahmen nach sich ziehen könnte, unter anderem auch eine weitere Entwicklung der Infrastruktur. Dies wiederum kann der inländischen Wirtschaft weitere Unterstützung bieten. Thailändische Aktien könnten zudem im Nachgang einer Änderung der MSCI-Kriterien für ausländische Beteiligungen zunehmende Kapitalzuflüsse verzeichnen.
  2. Im Vorfeld der im kommenden Quartal anstehenden indischen Parlamentswahlen könnte die Volatilität zunehmen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass der Wachstumspfad, den Indien durch die seit 2014 von Premierminister Narendra Modi umgesetzten Maßnahmen eingeschlagen hat, inzwischen ausreichend gefestigt ist, um kurzfristige Schwierigkeiten zu überwinden. Dank dieser Maßnahmen war Indien 2018 mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 7,3 % das am schnellsten wachsende größere Schwellenland1. Selbst bei einem überraschenden Wahlergebnis würden sich die Auswirkungen der Unsicherheit unseres Erachtens nur kurzfristig bemerkbar machen, da die Fundamentaldaten weiterhin robust sind. Aus längerfristiger Perspektive profitiert Indien nach wie vor von langfristigen Wachstumstreibern, darunter eine günstige demografische Entwicklung, Investitionen in die Infrastruktur, Konsumwachstum in den Städten und steigende Einkommensniveaus.
  3. Die US-Notenbank (Fed) bestätigte bei ihrer Märzsitzung ihre gemäßigte Haltung und signalisierte, dass im weiteren Jahresverlauf keine weiteren Zinserhöhungen mehr erfolgen dürften. Für 2020 wird mit einem einzigen Zinsschritt gerechnet. Darüber hinaus verpflichtete sich die Fed darauf, die Kürzung ihrer Bilanz bis September einzustellen. Angesichts der Aussetzung der Zinsanhebungen erhöhte sich die Risikobereitschaft in Bezug auf die Schwellenländer, was zu der im ersten Quartal verzeichneten Rallye beitrug. Auch wenn die Erwartungen der Fed bezüglich des BIP-Wachstums in den USA im weiteren Jahresverlauf gesunken sind, wird allgemein davon ausgegangen, dass die Schwellenländer nicht nur 2019 sondern auch darüber hinaus auf absehbare Zeit ein stärkeres Wirtschaftswachstum erzielen dürften als die Industrieländer. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit, dass die Schwellenländer 2019 um 4,5 % wachsen werden. Damit ist die Wachstumseinschätzung mehr als doppelt so hoch wie die Prognose für die Industrieländer, die bei 2,0 % liegt. Wir sind bezüglich der Aussichten für die Schwellenländer weiterhin optimistisch, insbesondere in Anbetracht des aktuellen Bewertungsniveaus.

Ausblick

Ein solides Wirtschaftswachstum, eine zunehmende Risikobereitschaft und die Verfügbarkeit attraktiver Anlagechancen in den Schwellenländern haben zuletzt erheblich zu Kapitalströmen hin zu dieser Anlageklasse beigetragen. Anzeichen darauf, dass die US-Notenbank 2019 keine weiteren Zinserhöhungen durchführen wird, legen nahe, dass sich dieser Trend fortsetzen könnte. Zudem sind die Bewertungen in den Schwellenländern im Vergleich zu entsprechenden Werten in Industrieländern nach wie vor niedriger. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China stellen jedoch immer noch ein erhebliches Risiko dar. Sollten die Gespräche scheitern, könnte dies die Zuversicht der Anleger dämpfen.

Nach unserer Ansicht ist Asien nach wie vor von besonderem Interesse. Zu den wichtigsten Trends, die wir in der Region beobachten, zählen unter anderem die besser werdende Corporate Governance in Südkorea, die technologische Führungsposition Taiwans, der Premiumisierungs-Trend in China und die zunehmende Marktdurchdringung in Indien. Unter asiatischen börsennotierten Unternehmen finden sich zahlreiche attraktive Chancen, wobei sich die Länder jeweils in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden.

Abgesehen von idiosynkratischen Aspekten bestehen gleichzeitig jedoch auch länderspezifische Risiken, die Anleger im Auge behalten müssen. Entwicklungen an den Devisenmärkten, politische Ereignisse, die Entwicklung der Wirtschaftspolitik und Regulierung sind einige der breiteren Risiken, denen sich viele asiatische Länder ausgesetzt sehen.

Wir sind der Ansicht, dass die Schwellenländer eine Kernanlage für globale Anleger darstellen sollten, da sie eine umfangreiche und breite Anlagechance bieten. Einige der überzeugendsten Gründe für eine Erwägung von Aktien aus Schwellenländern sind nach wie vor der wachsende Verbrauchermarkt, die technologischen Fortschritte und die attraktiven Bewertungen.

Wichtigste Trends und Entwicklungen in den Schwellenländern

Die globalen Aktienmärkte setzten während des ersten Quartals zu einer Rallye an, da abklingende Handelsspannungen zwischen den USA und China und ein Umschwung hin zu einer gemäßigteren Geldpolitik in den USA die Sorgen über einen weltweiten konjunkturellen Abschwung linderten. Starke Portfoliozuflüsse verliehen den Aktien der Schwellenländer Auftrieb, mit ihren Pendants in den Industrieländern konnten sie jedoch nicht mithalten. Der MSCI Emerging Markets Index legte während des Quartals um 10,0 % zu, während der MSCI World Index eine Rendite von 12,6 % erzielte (jeweils in US-Dollar).

Die wichtigsten Bewegungen in den Schwellenmärkten in diesem Quartal

  • Die stärkste regionale Wertentwicklung unter den Schwellenländern erzielten asiatische Aktien. Die Zugewinne in Asien wurden auf breiter Basis erzielt, wobei China, Taiwan und Pakistan die stärksten Renditen verzeichneten. Hoffnungen auf ein Handelsabkommen zwischen den USA und China boten chinesischen Aktien sowie exportorientierten Märkten wie Taiwan erhebliche Unterstützung. Auch wenn China sein BIP-Wachstumsziel für 2019 senkte, begrüßten die Anleger die Zusage Beijings, weitere Konjunkturmaßnahmen zur Stützung der Wirtschaft umsetzen zu wollen.
  • In Lateinamerika wurde die stärkste Wertentwicklung in Kolumbien und Peru erzielt: beide Märkte konnten während des Quartals zweistellig zulegen. Brasilien und Mexiko erzielten zwar positive Renditen, konnten jedoch weder mit den Schwellenländern insgesamt noch mit den übrigen Ländern der Region mithalten. Robuste makroökonomische Daten, einschließlich starker BIP-Wachstumsdaten für 2018 und besser werdender Handelszahlen, erhöhten die Zuversicht der Anleger in Bezug auf Peru. Der brasilianische Markt wurde durch langsame Fortschritte bei der Sozialversicherungsreform und enttäuschende BIP-Wachstumsdaten für 2018 gebremst. Die internationale Rating-Agentur Standard & Poor’s senkte den Ausblick für mexikanische Staatsanleihen von stabil auf negativ, was vor allem Sorgen über das Wachstum und die Energiepolitik der Regierung zuzuschreiben war.
  • Die europäischen Schwellenländer hinkten den übrigen Schwellenländern insgesamt hinterher. Russland und Griechenland konnten sich dem Trend allerdings mit starken Renditen widersetzen. Türkische und polnische Aktien gaben nach, während in Ungarn und der Tschechischen Republik relativ geringe Zugewinne zu Buche standen. Höhere Ölpreise und eine Aufwertung des russischen Rubels belebten die Anlegerstimmung in Bezug auf diesen Markt. Höhere Metallpreise führten zwar zu besseren Renditen bei Stahl- und Platinunternehmen in Südafrika, die Abwärtskorrektur der Zentralbankprognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 versetzte dem Optimismus jedoch einen Dämpfer.
  • Die Grenzmärkte schlossen den Monat mit Zugewinnen ab, entwickelten sich jedoch schlechter als ihre globalen Pendants. Die stärksten Renditen wurden in Kenia, Kuwait und Vietnam verzeichnet, während sich Argentinien und Nigeria unterdurchschnittlich entwickelten. Die Aktienkurse in Kuwait profitierten von zunehmenden Erwartungen einer Heraufstufung auf Schwellenlandstatus durch MSCI. In Kenia legten Aktien des Bankensektors zu, nachdem ein Gericht ein Bankengesetz, das eine Obergrenze für Kreditzinsen vorgegeben hatte, gekippt hatte. Die Abwertung des argentinischen Pesos und Sorgen über Sparmaßnahmen dämpften die Zuversicht der Anleger in diesem Markt.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument spiegeln lediglich die Ansichten des Autors bzw. der Autoren wider, dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte dieser Länder entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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