Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektive

Wahlausgang in Indien: Sieg der BJP ebnet den Weg für Infrastrukturschub

Nach Ansicht von Sukumar Rajah von Franklin Templeton Emerging Markets Equity könnte der Sieg der Bharatiya Janata Party (BJP) bei den Wahlen in Indien den Weg für höhere Infrastrukturausgaben ebnen. Er erläutert, was dies für Anleger bedeutet.

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Nach monatelangem Wahlkampf ist die Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi siegreich aus den Parlamentswahlen in Indien hervorgegangen und beschert ihm eine zweite Amtszeit. Erneut sicherte sich die BJP im indischen Parlament die absolute Mehrheit.

Wir erwarten, dass die positive Reaktion des Marktes größtenteils moderat sein wird, da der Sieg der BJP weitgehend eingepreist schien. Obwohl nach unserem Dafürhalten den von Modi versprochenen Wirtschaftsreformen einige Hindernisse im Wege stehen, dürfte er mit seinen Initiativen für politische Kontinuität sorgen.

Wir erwarten, dass die BJP sich an die Umsetzung ihrer Wahlversprechen macht, sobald sich der Staub in Neu-Delhi gelegt hat. Das Wahlprogramm Modis sah u. a. Infrastrukturausgaben von 1,44 Billionen US-Dollar und Finanzhilfen von 10,5 Milliarden US-Dollar für die Landwirtschaft vor. Er versprach, die Einkommen der Bauern bis 2022 zu verdoppeln, und reagierte hiermit auf den wachsenden Unmut über die niedrigen Getreidepreise und deren negative Auswirkungen.

Er verkündete überdies Pläne, die Umsatzsteuer (GST) weiter zu vereinfachen, bestimmte Produkte von der Liste der Artikel zu streichen, für die der höhere Steuersatz von 28 % gilt, und die Investitionen in die Infrastruktur zu erhöhen, was neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Aus unserer Sicht sind die in seiner letzten Amtszeit umgesetzten politischen Maßnahmen so weit etabliert, dass sie etwaigen kurzfristigen Herausforderungen standhalten werden. Dieses Wahlergebnis könnte der Wirtschaft nach unserer Ansicht helfen, auf dem Weg der fiskalischen Stabilität zu bleiben.

Wahlgetöse ignorieren

Unserer Meinung nach sollten sich Anleger auf die Fundamentaldaten und die steigenden Gewinne konzentrieren – Aspekte, die uns mit Zuversicht auf die langfristigen Aussichten Indiens blicken lassen.

Eine weltweite Verlangsamung des Wachstums könnte Teile der indischen Wirtschaft treffen, die eher exportabhängig sind. Allerdings hat der steigende Binnenkonsum die Abhängigkeit der indischen Wirtschaft vom Exportsektor verringert. Nach unserer Auffassung dürfte Indien für negative globale Faktoren weniger anfällig sein.

Fundamentale Aspekte wie z. B. eine günstige demografische Entwicklung, Investitionen in die Infrastruktur, Konsumwachstum in den Städten und steigende Einkommen treiben das Wachstum in Indien weiter an.

Schub durch Infrastruktur hält an

Viele der von Modi seit seinem Amtsantritt im Jahr 2014 umgesetzten politischen Maßnahmen stützten das indische Wirtschaftswachstum, und wir erwarten einen fortgesetzten Schub durch die Infrastruktur. Viele Initiativen liegen auf Ebene der Bundesstaaten, wo für das ehrgeizige Infrastrukturprogramm Modis insbesondere im Verkehrswesen Ressourcen zum Bau von Straßen, Schienen, Wasserwegen und Flughäfen eingesetzt werden.

Modis Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung der Wasserbewirtschaftung stellen auch eine entscheidende Stufe in der Entwicklung einiger Städte dar. Hierzu zählt der Bau von Infrastrukturanlagen, die mithilfe großer Staudämme Wasserkraft erzeugen und für eine zuverlässige Landbewässerung sorgen können.

Wir sehen zudem Anzeichen, die zu einem Anstieg der Unternehmensinvestitionen durch bessere Kapazitätsauslastung führen könnten. Dies deutet auf Nachfrage in der Wirtschaft hin. Höhere Kapazität führt in der Regel zur Vergrößerung von Unternehmen, um steigende Nachfrage zu decken.

Eine steigende Anzahl ausländischer Unternehmen hat die Fertigungskapazitäten in Indien erhöht oder beabsichtigt dies. Dies ist teilweise ein Ergebnis von Modis „Make in India“-Initiative, aber auch eine Möglichkeit, die Lieferketten von den Handelssorgen um Produkte aus chinesischer Produktion zu entkoppeln. Die höhere Kreditnachfrage dürfte manche Banken stützen, insbesondere, da sich der Finanzdienstleistungssektor von einer Phase fauler Kredite und übermäßiger Verschuldung erholt.

Günstiges Umfeld für indische Aktien

In den vergangenen Jahren war ein struktureller Wandel bei der Einstellung der privaten Haushalte zum Thema Sparen und Investments zu beobachten. Viele verlassen sich nicht mehr ausschließlich auf physische Vermögenswerte wie Gold und Immobilien.

Wir beobachten als direkte Folge dieses Wandels höhere Kapitalzuflüsse in inländische Aktien. Wir erwarten keine Fortsetzung dieser Entwicklung mit hohem Tempo, sind jedoch der Auffassung, dass viele Menschen in andere Vermögenswerte als Gold und Immobilien investieren werden, da sie beim Thema Finanzen und Investments nun besser informiert sind.

Überdies hat die wachsende Mittelschicht mehr verfügbares Einkommen, und der Zugang zu Finanzprodukten ist einfacher als vorher. Nach unserem Dafürhalten könnte die Finanzialisierung des Sparens für inländische indische Aktien ein günstiges Umfeld fördern.

Neben Konsumwachstum und Verbesserung der Infrastruktur erkennen wir weitere strukturelle Chancen. Wir beobachten zudem eine Umwälzung in wichtigen Sektoren wie etwa Telekommunikation, nachdem eine Konsolidierungswelle kleine Unternehmen vor die Wahl stellte, entweder zu fusionieren, oder die Branche zu verlassen. Gleiches gilt für die großen Zementunternehmen, bei denen lediglich eine Handvoll großer Akteure am Markt übrig blieb. Nach unserer Ansicht könnte die Reichweite und Größe dieser privaten Akteure die Unternehmensmargen stützen und diesen inländischen Aktien Auftrieb verleihen.

In den letzten fünf Jahren hat Modi das Umfeld in Indien umgestaltet. Für die neue Amtszeit Modis erwarten wir eine Fortsetzung der Entwicklung Indiens als eines der am schnellsten wachsenden Schwellenländer der Welt.

Der vorliegende Kommentar beruht auf den Analysen und Einschätzungen der Autoren zum 23. Mai 2019 und weicht möglicherweise von den Einschätzungen anderer Portfoliomanager, Investmentteams oder Anlageplattformen bei Franklin Templeton ab. Da sich die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnell ändern können, gelten die Analysen und Einschätzungen nur per 23. Mai 2019 und können sich ohne Ankündigung ändern. Die beschriebenen Sachverhalte stammen aus Quellen, die als zuverlässig betrachtet werden. Dennoch kann nicht zugesichert oder garantiert werden, dass diese vollständig oder korrekt sind.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte dieser Länder entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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