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Schwellenländer: Überraschende Steuersenkung in Indien zum richtigen Zeitpunkt

Eine aktuelle fiskalische Anpassung könnte die Wettbewerbsfähigkeit Indiens in der Region verbessern. Lesen Sie die Einschätzungen von Sukumar Rajah.

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Angesichts des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums in Indien kam die überraschende Senkung der Körperschaftsteuer durch die Regierung Modi nach Ansicht von Sukumar Rajah von Franklin Templeton Emerging Markets Equity zum richtigen Zeitpunkt. Er erläutert, warum die fiskalische Anpassung die Wettbewerbsfähigkeit Indiens in der Region verbessern könnte.

Die vorgeschlagene Senkung der Körperschaftsteuer in Indien, durch die der Basissatz für heimische Unternehmen von 30 % auf 22 % gekappt wird, ist eine begrüßenswerte Überraschung.

Die erhebliche Verringerung der Steuersätze sendet an die Investoren ein starkes Signal aus, dass die indische Regierung das Erfordernis erkennt, das indische Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmenssektors zu steigern.

Diese fiskalische Änderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich das annualisierte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verlangsamt. Im zweiten Quartal 2019 wuchs das BIP um knapp 5 %. Dies war das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigem Wachstum.[1] Das Wachstum in Indien fiel hinter China zurück, dessen Wirtschaft im zweiten Quartal um 6 % wuchs.[2]

Im unmittelbaren Nachgang dieser Steuerankündigung vom 20. September reagierte der indische Aktienmarkt positiv auf die Neuigkeiten, und die indische Rupie legte zu. Wir rechnen auch auf kurze Sicht mit einer Steigerung der Gewinne. Die Anleihenmärkte hingegen verloren an Boden, weil befürchtet wird, dass die indische Regierung sich jetzt mehr Geld leihen muss, um die zusätzlichen Ausgaben zu decken.

Aus makroökonomischer Sicht könnten die vorgeschlagenen Anreize die Regierung nicht so viel kosten, wie es den Anschein hat. Die Steuersenkungen würden die Regierung nach Schätzungen rund 20 Milliarden US-Dollar kosten. Allerdings hätten Unternehmen, die den neuen Steuersatz nutzen möchten, keinen Anspruch auf andere Befreiungen. Daher dürfte sich der Nettobetrag der wegfallenden Steuereinnahmen eher auf rund 10 Milliarden US-Dollar belaufen.

Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Indiens

Nach unserer Einschätzung dürfte die Senkung der Körperschaftsteuer die Investitionstätigkeit ankurbeln und Indien so von ausländischen Investitionen profitieren. Der indische Körperschaftsteuersatz liegt nun gleichauf mit Ländern der Region wie etwa Kambodscha, Taiwan, Thailand und Vietnam, wo es Fertigungszentren gibt. Zudem ist der indische Körperschaftsteuersatz nun wettbewerbsfähiger als der chinesische Satz von 25 %.

Die neuen, niedrigeren Körperschaftsteuersätze betreffen auch neue Fertigungsunternehmen. Betriebe, die ihre Tätigkeit zwischen Oktober 2019 und März 2023 aufnehmen, sind berechtigt, einen Körperschaftsteuersatz von 15 % anzuwenden. Dies ist mit der „Make in India“-Initiative von Premierminister Narendra Modi verknüpft.

[Blaues Feld: Vision „Globaler Hersteller“ des „Make in India“-Programms]

Das „Make in India“-Programm der Regierung, das Indien in einen globalen Fertigungsstandort verwandeln soll, gewinnt zunehmend an Fahrt. Mehrere Wirtschaftszweige dürften hiervon profitieren, insbesondere der Sektor für Herstellung von Elektronikwaren.

So hat Samsung beispielsweise zu Beginn des Jahres die weltweit größte Telefonfabrik in der Nähe von Neu-Delhi eröffnet, um Telefone kostengünstig herstellen und seine Wettbewerbsfähigkeit am riesigen indischen Smartphone-Markt steigern zu können. Langfristig könnten wir einen erheblichen Anstieg des Anteils lokal hergestellter Produkte verzeichnen, was auch für die Leistungsbilanz Indiens Gutes verheißen sollte.

[Ende]

Branchenauswirkungen

Die Auswirkungen werden von Branche zu Branche unterschiedlich stark sein und vor allem die Branchen mit den höchsten Effektivsteuersätzen betreffen.

Auf Unternehmensebene dürfte eine Verringerung des Steuersatzes die Liquiditätsbestände und die Rentabilität der Unternehmen erhöhen. Wir erwarten, dass die Geschäftsleitungen der Unternehmen Schulden abbauen, Kosteneinsparungen über niedrigere Preise an die Verbraucher weiterreichen oder über Aktienrückkäufe Dividenden an Aktionäre ausschütten.

Unternehmen mit hoher Liquidität könnten zudem erwägen, neue Investitionen zu tätigen. Dies hätte aus unserer Sicht mittel- bis langfristig einen positiven Multiplikatoreffekt auf die breitere Wirtschaft.

Daher bevorzugen wir Unternehmen, die hohe Steuern zahlen und die potenziell vom Strukturwandel der indischen Wirtschaft profitieren könnten.

Unternehmen mit vorhandenen Plänen für Kapazitätserweiterungen würden direkt profitieren, aber die Steuersenkung allein dürfte keine Welle an Neuinvestitionen seitens ausländischer Unternehmen auslösen. Nach unserer Auffassung muss die indische Regierung weitere Reformfortschritte unternehmen. Dies umfasst Änderungen an den Gesetzen zum Grundstückserwerb, an Arbeitsgesetzen und schnellere Genehmigungsverfahren, um den Investitionszyklus wieder in Gang zu setzen.

Überdies könnte die indische Regierung aus unserer Sicht mehr sektorspezifische Anreize schaffen. Sie könnte beispielsweise mehr immobilienbezogene Leistungen anbieten, um die Nachfrage nach Wohnimmobilien zu steigern. Diese Maßnahmen werden die Regierung nicht viel kosten, könnten jedoch das verfügbare Einkommen erhöhen und die Verbrauchernachfrage und somit die Konjunktur beeinflussen.

Insgesamt hat das globale Industrieuniversum ungenutzte Kapazitäten und mit einer rückläufigen Nachfrage zu kämpfen. Allerdings hat Indien das Potenzial, eine nachhaltige Alternative für Unternehmen zu werden, die ihre Herstellungsprozesse von China lösen wollen.

Wir erwarten auch, dass Bankaktien durch Unternehmen, die infolge des gestiegenen Kapitals ihre Schulden zurückzahlen können, einen Schub erhalten.

In der Finanzbranche könnten die Vorteile eines niedrigeren Steuersatzes auf mittlere Sicht auch an die Verbraucher weitergereicht werden. Banken mit alternativen Geschäftssegmenten wie z. B. privaten Krediten, Kreditkarten oder Goldkrediten könnten von der Steueranpassung am stärksten profitieren.

Als langfristig orientierte Anleger sind wir der Auffassung, dass die Senkung der Körperschaftsteuer in Indien die Investitionen ankurbeln dürfte. Indien ringt mit einem schwächelnden BIP-Wachstum. Daher hat die indische Regierung Maßnahmen getroffen, um Unternehmen einen Schub zu verleihen und so Investoren anzulocken und das Vertrauen in die Dynamik der Wirtschaft wiederherzustellen.

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Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie wirtschaftliche Unsicherheit und politische Veränderungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte dieser Länder entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Investitionen in schnell wachsende Branchen wie den Technologiesektor (der erfahrungsgemäß eine hohe Volatilität aufweist) können zu größeren Kursschwankungen führen, insbesondere kurzfristig, da technologische Produkte schnell verändert und entwickelt werden. Außerdem können sich die Vorschriften für wissenschaftlich oder technologisch fortschrittliche Unternehmen ändern.

 

 

 

 

Intro:

[1] Quelle: Indisches Ministerium für Statistik und Programmumsetzung, Juni 2019.

[2] Quelle: Nationale Statistikbehörde, Juli 2019.

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