Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Es lebe die Reform in Mexiko

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Wahlen kommen und gehen, aber die wirkliche Prüfung für einen Kandidaten dürfte sein, ob er seine Versprechen der Wahlkampagne tatsächlich hält. Enrique Peña Nieto und seine Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) erzielten am 1. Juli den Wahlsieg in Mexikos Präsidentschaftswahlen auf der Grundlage von Reformversprechen, den alten „undemokratischen“ Methoden den Garaus zu machen. Auf das Wahlergebnis reagierte die Börse zunächst positiv. Der IPC Index (Indice de Precios y Cotizaciones) kletterte im Juni auf ein Allzeithoch und der Anstieg dauerte bis Juli an.1Während das endgültige Wahlergebnis immer noch angefochten wird, ermutigt mich der wirtschaftliche Fortschritt des Landes und seine Stärke, vorausgesetzt natürlich, dass Mexiko nicht in kontraproduktive Politik und Strategien abfällt.

Die Zeit wird uns lehren, ob die „neue“ PRI sich wirklich verändert hat. Die Wahl (und die anschließenden Auswirkungen) hat immerhin den drängenden Wunsch der Mexikaner nach Wandel bewiesen. Wenn Nieto allen Anfechtungen nach der Wahl standhält und im Dezember sein Amt antritt, benötigt er die Unterstützung der Verbündeten im Abgeordnetenhaus und Senat, den beiden Kammern des Kongresses, um seine ehrgeizige Agenda durchzusetzen. Nieto versprach eine Reihe von Strukturreformen des Arbeitsmarkts, im Steuerwesen, der Unternehmenspolitik und der Sozialversicherung.

Die wichtigen Reformen, die Mexiko meiner Meinung nach benötigt, um die globale Konkurrenzfähigkeit zu verbessern und die Volkswirtschaft zu stärken, sind die geplante Steuer-, Arbeitsmarkt- und Energiereform. Mithilfe der Steuerreformen sollen die Staatseinnahmen steigen, um Mexikos Infrastruktur auszubauen, um Investitionen zu ermöglichen, um qualitativ hochwertige Dienstleistungen bereitzustellen und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Steuersenkungen und eine Ausweitung der Anzahl der Steuerpflichtigen sind das Ziel der Planumsetzung. Mexiko hat einen großen informellen Wirtschaftssektor (einen Wirtschaftsbereich, der generell unüberwacht ist bzw. unterstützt wird), der häufig keine Steuern abführt. Die Ziele der Arbeitsmarktreform umfassen die Produktivitätssteigerung durch verbesserte Arbeitsbedingungen, die Förderung der Leistungsgesellschaft innerhalb von Unternehmen, die Unterstützung der Gleichberechtigung unter Arbeitnehmern und die Einführung von Streikbeschränkungen.

Reichhaltige Ölvorkommen sind der größte Vermögenswert Mexikos. Um allerdings dem Produktionsrückgang entgegenzuwirken, benötigt die Branche eine Steigerung der Produktionseffizienz und neue Explorationsvorhaben. Das Ziel von Nietos „Signaturpolitik“ ist die Öffnung der staatlich kontrollierten Mineralöl- und petrochemischen Industrie für private Investitionen. Ich denke, ein Plan könnte sich herausbilden, der es privaten Unternehmen mittels Jointventures erlaubt, sich an Ölfeldern zu beteiligen. Das wäre eine Kompromisslösung für die ehrgeizigeren Privatisierungspläne. Damit ebnet Nieto zugleich den Weg zur Bekämpfung von Monopolen und Duopolen in anderen mexikanischen Branchen.

US-Beziehungen – ein zweischneidiges Schwert

Die engen Beziehungen Mexikos zu seinem Nachbarn im Norden können sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Mexiko exportiert rund 80% seiner Gesamterzeugnisse in die USA und ist ihr größter Öllieferant. Daher profitiert die mexikanische Volkswirtschaft von einer wachsenden US-Nachfrage. Die Kehrseite der Medaille ist, dass eine Wirtschaftsflaute in den USA sich gleichzeitig auf Mexiko auswirkt. Die Finanzmarktkrise von 2008-2009 in den USA griff auf Mexikos Volkswirtschaft über und verursachte 2009 einen BIP-Rückgang von über 6%. Das war die stärkste Abnahme seit Jahrzehnten.2

Mexiko gelang es jedoch, die Lage schnell in den Griff zu bekommen. Die haushaltspolitische Maßnahme hieß: Ausgabenkürzungen. Laut IWF betrug Mexikos BIP-Wachstum 2010 5,6% und 2011 3,9%. In diesem Jahr ist es für viele Länder schwierig, die konjunkturelle Dynamik aufrechtzuerhalten. Der IWF-Bericht zur Jahresmitte erhöhte jedoch das BIP-Wachstum von Mexiko für 2012 auf 3,9%.3 In diesem Jahr hat es den Anschein, dass die Wachstumsrate Mexikos möglicherweise die der USA übersteigt. Außerdem ist die Arbeitslosenquote des Landes niedriger. Die Devisenreserven Mexikos haben in diesem Jahr einen Rekordstand von 150 Mrd. US-Dollar erreicht.4 Die Verschuldungsquote lag 2011 bei 37,5% und bewegte sich unter der anderer Länder Lateinamerikas (einschließlich Brasilien).5 Nach meiner Ansicht scheint die Volkswirtschaft Mexikos in einem recht guten Zustand zu sein, um die derzeitigen globalen Herausforderungen zu überstehen.

Risiko und Potenzial

Einige betrachten Mexiko als Außenseiter in Lateinamerika. Es gibt zwar viele Wenn und Aber, ich halte es jedoch für möglich, dass Mexiko eines Tages Brasilien als größte Volkswirtschaft Lateinamerikas übertreffen könnte. Die Verbesserung der Sicherheitslage, die erfolgreiche Umsetzung der oben erwähnten Reformen und natürlich das Leistungsergebnis der US-Volkswirtschaft spielen insgesamt eine wichtige Rolle. Derzeit kann man aus mehreren Gründen behaupten, Mexiko sei in einer besseren Verfassung als Brasilien. Die Verschuldung Mexikos ist niedriger, der Staat spielt eine kleinere Rolle in der Wirtschaft (auf der Grundlage der BIP-Prozentzahl) und die Inflation scheint in Mexiko eher unter Kontrolle zu sein, ist aber stets im Auge zu behalten.

Im Juni kletterte die mexikanische Inflationsrate auf 4,3%, den höchsten Stand seit 18 Monaten (abgebildet vom Verbraucherpreisindex).6 Das finde ich etwas besorgniserregend, aber deshalb hat die Bank of Mexiko im Juli den Tagesgeldsatz von 4,5% nicht geändert. Das kurzfristige Inflationsrisiko hätte sich beschleunigt, aber die jährliche Kerninflation sei im Einklang mit den Erwartungen unverändert geblieben, berichtete die Zentralbank bei ihrer Sitzung. 20-30% des Bedarfs an Mais importiert Mexiko. Der heiße, trockene Sommer in den USA hat die Maisernte beeinträchtigt und könnte ein Risiko darstellen. Die Verbraucherstimmung reagiert empfindlich auf Preiserhöhungen für das Nationalgericht Tortillas. Ein Eingreifen des Staates würde mich nicht überraschen. Zudem glaube ich, dass die Inflationsprognosen leicht nach oben revidiert werden könnten. Mais ist derzeit jedoch nicht der alleinige Faktor, der das Risiko erhöht. Die Preise für Eier und Geflügel sind erheblich gestiegen, weil einige Hühnerfarmen in Mexiko von einem Virus heimgesucht wurden. Das Virus greift jedoch nicht auf den Menschen über.

Produktion und Handel

Mexiko unterzieht sich einem interessanten Wandel. Ich habe selbst gesehen, wie sich Mexiko aus einer “Maquila”-Volkswirtschaft, die Produkte mit niedriger Wertschöpfung fertigte, zu einem technologisch modernen Hersteller entwickelte. Große Hersteller, die billige und hoch qualifizierte Arbeitskräfte suchen, lassen sich in Mexiko nieder. Dazu gehören beispielsweise die Luftfahrt- und Kfz-Branche, was man eigentlich nicht erwarten würde. Kürzlich besuchte ich ein Gewerbegebiet in Queretaro, in dem Zulieferer und F&E-Unternehmen untergebracht sind. Es gibt andere ähnliche Zentren im nördlichen Teil des Landes.

Mexikos geografische Nähe zu den USA ermöglicht vielen amerikanischen Unternehmen, Waren billiger herzustellen als in China. Ein weiterer Pluspunkt sind logistische Vorteile. Amerikanische Hersteller haben schon seit einiger Zeit ihre Produktion nach Mexiko verlagert. Steigende Löhne in China könnten noch mehr dazu bewegen, von den niedrigen Lohnkosten Gebrauch zu machen.

Der Großteil der mexikanischen Exporte geht in die USA. 90% des mexikanischen Handels erfolgen unter dem Freihandelsabkommen, dem über 50 Länder, u. a. Kanada, Guatemala, Honduras, El Salvador, die Eurozone und Japan, angehören.1 Mexiko wurde ebenfalls aufgefordert, der „TransPacific Trade Partnership“ beizutreten, einer ehrgeizigen neuen Handelspartnerschaft im pazifischen Raum, die die Exportbasis diversifizieren könnte.

Die in den vergangenen Jahren weitläufig veröffentlichten Gewalttaten hat sich auf Mexikos Image negativ ausgewirkt. Außerdem sah das Wirtschaftswachstum verglichen mit einigen anderen Ländern Lateinamerikas düster aus. Es kommt jetzt darauf an, wie Nieto und die PRI mit dem Erbe von Korruption und Kriminalität umgehen, der Bevölkerung wieder Vertrauen einflößen und das angeschlagene Image des Landes in der Welt wieder aufbauen. Ungeachtet der schlechten Presse hat sich dank einer aggressiven Public Relations-Kampagne7 der Tourismus gut gehalten. Das mexikanische Fremdenverkehrsamt schätzt, dass die Zahl der internationalen Besucher wahrscheinlich den Rekord von 22,67 Mio. des Vorjahrs durchbrechen wird. Zwar kommen die meisten Besucher des Landes aus den USA, aber die zunehmende Anzahl der Touristen aus Schwellenländern weiß die herrlichen Strände und die kulturellen Reichtümer Mexikos zu schätzen.

Anlage in Mexiko

Auch Investoren haben mittlerweile den Reiz Mexikos als Investmentland erkannt. Meinem Team gefällt vom Investmentstandpunkt der Energiesektor, denn der dürfte potentiell von den Reformbestrebungen profitieren. Die Kfz-Verkäufe in den Schwellenländern, wie Indien und China, werden weiter steigen. Daher dürfte auch die weltweite Nachfrage nach Erdöl, das zwar kurzfristigen Preisschwankungen ausgesetzt ist, selbstverständlich aufgrund seines überall vorhandenen Einsatzes in der Industrie langfristig zunehmen. Wir sind aber auch am Konsum interessiert. In diesen Bereich fallen nichtzyklische Konsumgüter, Banken und Telekommunikation. Ihre Attraktivität, denken wir, sollte sich wegen der vermehrten Privatisierung und der ausländischen Investitionen erhöhen. Die Krise in der Eurozone hat vielen Unternehmen in den Schwellenländern ermöglicht, europäische Marken zu günstigen Preisen zu erwerben – und hierzu gehören auch mexikanische Firmen.

Ohne die Zustimmung der Parteimehrheit im Kongress könnte es für Nieto einigen parteilichen Hickhack geben, um seine Wahlversprechen zu halten. Ich bin allerdings ein Optimist, denn selbst wenn der Erfolg eingeschränkt ist, ist Mexikos Zukunft vielversprechend.

 


1. Die vergangene Wertentwicklung ist keine Garantie für künftige Ergebnisse.  Ein Index wird nicht gemanagt und man kann nicht direkt in einen Index investieren.

2. Quelle: CIA World Factbook, Juli 2012.

3. Quelle: IWF, „World Economic Outlook Database“, Juli 2012.

4. Quelle: Banco de México, Juni 2012.

5. Quelle: CIA World Factbook, Juli 2012.

6. Quelle: Banco de México, Juli 2012.

7. Quelle: Mexican Ministry of Tourism, PRNewswire, Februar 2012.

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