Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Johan Meyer: Überschatten Südafrikas Probleme das Potenzial des Landes?

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Der Kontinent Afrika wird von vielen Investoren umgangen. Von meinem Standpunkt als langfristiger Investor halte ich das für einen Fehler. In jüngster Zeit musste sich Südafrika einigen Herausforderungen stellen, die meiner Ansicht nach zu bewältigen sind. Und auf seine Bevölkerung könnten bessere Zeiten warten. Südafrika ist nicht nur die größte Volkswirtschaft Afrikas, sondern meiner Meinung nach ist es auch das einzige Land des Kontinents, auf das die Bezeichnung „Grenzmarkt“ nicht zutrifft. Einige haben der Abkürzung „BRIC“ ein „S“ hinzugefügt, um Südafrika in der Gruppe der Volkswirtschaften der Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China aufzunehmen. Dann gibt es wieder solche, die Südafrika in der neueren Gruppierung jüngerer, unterschiedlicher Schwellenmärkte einordnen, die sich aus Kolumbien, Indonesien, Vietnam, Ägypten und der Türkei (die sogenannten „CIVETS“) zusammensetzen. Ganz gleich, welche Bezeichnung Sie verwenden, viele Anleger haben den Einfluss und das Potenzial Südafrikas in der Welt der Schwellenländer erkannt.

Ich habe Johan Meyer, unseren SVP und Managing Director für Südafrika in Kapstadt eingeladen, um uns seine Einschätzungen zu den Herausforderungen und Möglichkeiten des heutigen Südafrikas zu erläutern.

Johan Meyer

Im Verlauf der Geschichte sah sich Südafrika mit einigen außergewöhnlichen und oftmals polarisierenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Das Land hat aber auch seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich politisch und wirtschaftlich neu zu definieren. Nach wie vor gibt es große soziale und wirtschaftliche Probleme, aber meiner Meinung nach ist das Potenzial für Land und Leute auf lange Sicht einen höheren Wohlstand zu erlangen gut.

Rohstoffe, vor allem Metalle und Mineralien, sind für die südafrikanische Volkswirtschaft besonders bedeutend. Südafrika zählt weltweit zu den Ländern mit den führenden bergbaulichen und Mineralaufbereitungsanlagen: Rund Dreiviertel der globalen Platinproduktion und ein erheblicher Anteil anderer Bodenschätze, inklusive Palladium, Gold, Mangan und Diamanten, werden abgebaut.[1] Die Presse berichtete unlängst ausführlich über die Streiks in der südafrikanischen Bergbauindustrie. Dazu gehörten auch die Ereignisse in den größten Platinminengesellschaften der Welt. Auf diese Weise gelangten die harten Arbeitsbedingungen, die die Bergleute ertragen, erst ans Tageslicht. Es haben sich Fortschritte zur Beilegung der Streitigkeiten abgezeichnet, wie beispielsweise Lohnerhöhungen, die hoffentlich den gewalttätigen Protesten den Garaus machen werden. Von jetzt an erwarten wir, dass sich die Investoren verstärkt auf die Arbeitsbeziehungen fokussieren werden. Dabei berücksichtigen sie insbesondere die Ausweitung der Streiks auf andere Branchen sowie deren potenzielle Folgen auf die Wirtschaftsaktivität des Landes. Die Streiks haben sich zwar insgesamt nicht auf die Börsen ausgewirkt, wir sind jedoch überzeugt, dass es wichtig ist, ein Gleichgewicht zwischen Unternehmensergebnis, Vergütung leitender Angestellter und der Löhne herzustellen. Je länger die Streiks andauern, desto größer die Auswirkungen auf die Unternehmensergebnisse. Dies könnte mögliche Folgen für die Staatseinnahmen (Steuereinnahmen) und die Verbraucherausgaben haben. Es ist daher notwendig, so schnell wie möglich eine Lösung für dieses Problem zu finden.

Auswirkung der Preisschwankungen von Rohstoffen

Wer mit unserer Anlagephilosophie vertraut ist, weiß, dass wir bei der Bewertung unserer Anlagen immer den langfristigen Standpunkt beziehen. Wir überwachen eng die Bewertungen und Wachstumsaussichten, und wenn wir etwaige Verzerrungen des Preises im Verhältnis zu unseren langfristigen Erwartungen feststellen, würden wir wahrscheinlich unsere Positionen ausbauen.

Wir bevorzugen generell Unternehmen, die einen bestimmten Vorteil haben, was Kosten angeht. Wir sind nämlich davon überzeugt, dass es sich dabei um Unternehmen handelt, die harte Zeiten gut überstehen und in guten Zeiten solide Gewinne erzeugen können. Einen Bereich der südafrikanischen Bergbaubranche, den wir derzeit nicht favorisieren, sind Goldminen. Die steigenden Kosten für Löhne und Gehälter, Ausrüstung sowie für Versorger, wie Strom und Wasser, vor allem in Anbetracht der Schachttiefen der Minen im Land, geben uns Anlass zur Sorge.

Angesichts der Abhängigkeit der Volkswirtschaft von Rohstoffexporten (der Bergbau machte 2010[1] 8,6% vom BIP aus) könnten höhere Rohstoffpreise bei einer verbesserten Weltwirtschaftslage der südafrikanischen Wirtschaft zugutekommen. Die Inflation könnte weltweit in der Folge der geldpolitischen Expansion und der Maßnahmen der Zentralbanken (vor allem in den Industriestaaten) ansteigen. In Südafrika ist momentan der Inflationsdruck gebannt, denn höhere Preise für Lebensmittel und Kraftstoff wurden größtenteils durch den im Verhältnis zum US-Dollar und anderen Währungen kräftigen Rand kompensiert. Falls die jüngste Abschwächung des Rand nachhaltig sein sollte, wird die Inflation der Warenimporte zunehmen.

Die jüngste Senkung der Leitzinsen auf 5% – den niedrigsten Stand – durch die South African Reserve Bank spiegelt die Sorge um die potenziellen Auswirkungen einer Abschwächung des weltweiten Wachstums auf die südafrikanische Volkswirtschaft wider. Wir sind der Auffassung, dass mit dieser Zinssenkung ein potenziell nachhaltiges Wachstum der Verbraucherausgaben erzielt wird. Daher bevorzugen wir weiterhin Anlagechancen im Konsumsektor. Nach unserer Einschätzung sind derzeit die Bewertungen einiger Unternehmen recht teuer. Deshalb warten wir in einigen Fällen auf einen attraktiveren Einstiegspunkt. Generell erfolgen unsere Anlageentscheidungen auf der relativen Bewertung, den Wachstumsaussichten und Risiken.

Wirtschaftsrisiken

Die Verschlechterung der Ausbildung und die nachhaltig hohe Arbeitslosigkeit sind heute zweifelsohne die bedeutendsten Probleme des Landes. Im zweiten Quartal 2012 blieb die Arbeitslosenrate hartnäckig bei 24%.[2] Dies führt zu anderen Problemen, wie hoher Kriminalität und einer höheren steuerlichen Belastung für den Einzelnen, um die Sozialausgaben zu finanzieren. Eine kohäsive Zusammenarbeit von Staat, Unternehmen und Einzelpersonen ist angesagt, wenn sie dieses enorme Problem bewältigen wollen.

Wie erwähnt, sind die Steuersätze für Unternehmen und Einzelpersonen recht hoch, vor allem im Vergleich zu vielen anderen Entwicklungsländern in der Welt. Ich meine es wäre positiv für Investoren, wenn die Steuersätze gesenkt und mehr Anreize für die Entstehung von Arbeitsplätzen geschaffen würden. Eine erhöhte Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt dürfte ebenfalls Unternehmen dazu bewegen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Dadurch würde sich die Steuerbasis ausdehnen, die Abhängigkeit von der Sozialhilfe abnehmen und die Ausgaben der Verbraucher steigen.

Trotz dieser Herausforderungen wird Südafrikas Finanzsystem als hoch entwickelt eingeschätzt. Es ist relativ liquide und die Börse belegt nach ihrer Größe den 18. Platz weltweit.[3] Über viele dort amtlich notierte Unternehmen ist die Nutzung des Wachstumspotenzials des afrikanischen Kontinents möglich. Zudem blieb in diesem Jahr das südafrikanische BIP-Wachstum positiv. Die Wachstumsprognose des IWF beträgt 2,6% für 2012 und er sieht eine weitere Verbesserung für 2013.[4] Die Corporate Governance in Südafrika wird von vielen in der globalen Investmentgemeinschaft hoch angesehen. Aus diesen Gründen meine ich, haben wir eine gute Position, um Chancen des langfristigen Wachstumspotenzials Südafrikas und innerhalb dieses großen und sich entwickelnden Kontinent zu nutzen.


[1] Quelle: U.S. Geological Survey, 2010 Datenreihe.

[2] Quelle: Statistics South Africa.

[3] Quelle: CIA World Factbook, 2012.

[4] Quelle: © Internationaler Währungsfonds. Alle Rechte vorbehalten. Mittwoch, 1. August 2012.

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