Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Die Volkswirtschaften der Welt werden erwachsen

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Mit zunehmendem Alter verändern sich oftmals unsere Bedürfnisse und Gewohnheiten. Das Gleiche trifft auf Volkswirtschaften zu, die mit ihrer Bevölkerung wachsen und sich verändern. Kurzfristige Statistiken, die sich auf die Wachstumsrate der Volkswirtschaft eines Landes auswirken, wie zum Beispiel Konsumausgaben, Exporte und Ähnliches sind wichtig, doch auch die langfristigen Veränderungen können die künftige Konjunkturlage maßgeblich beeinflussen. Eine Statistik ist der demografische Wandel. Als langfristiger Investor muss ich mir nicht nur die heutigen Anlagechancen ansehen, sondern auch für die Entwicklungen von morgen planen.

In vielen Teilen der Welt nimmt die Anzahl der Rentner und Pensionäre zu, weil die Lebenserwartung gestiegen ist und die erwerbstätige Bevölkerung schrumpft. In den Vereinigten Staaten von Amerika und in Europa treten die Legionen der Babyboomer, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, das Rentenalter an. In den USA macht diese Generation fast ein Drittel aus, und täglich feiern rund 10.000 von ihnen ihren 65. Geburtstag.[1] Das bedeutet, es dürfte künftig eine schwerere Last auf den Schultern weniger jüngerer Arbeitnehmer ruhen. Ähnlich verhält es sich heute in der EU: Auf vier Berufstätige (im Alter zwischen 15 und 64 Jahre) entfällt ein nicht Erwerbstätiger. Das Statistische Amt der Europäischen Union geht davon aus, dass 2060 das Verhältnis auf 2:1 gefallen ist.[2]

Staaten mit älteren Bevölkerungsschichten benötigen in der Regel verstärkt soziale Dienste, inklusive Gesundheitswesen. Auch das Konsumverhalten dürfte sich ändern, was die besonderen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe widerspiegelt. Die demografischen Kennzahlen weniger Arbeitnehmer sowie einer alternden Bevölkerung können zu einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums führen, aber einige Volkswirtschaften werden sich tatsächlich mit der gegenteiligen Dynamik auseinandersetzen. Während sich einige Nationen damit schwer tun, die älteren Bevölkerungskreise zu versorgen, müssen andere mit einer hohen Anzahl junger Arbeitnehmer zurechtkommen. Dies führt potenziell zu interessanten langfristigen weltweiten Wachstumsveränderungen und Wirtschaftsentwicklungen.

Auch die BRIC-Länder werden älter

Einer der Gründe, aus denen ich bezüglich der Schwellenländer enthusiastisch bin, ist generell die jüngere Bevölkerung und die höheren Wachstumsraten, verglichen mit den meisten Industriestaaten. Nicht alle Schwellenländer sind jedoch gegen den Trend einer alternden Bevölkerung immun. Laut den Prognosen der Vereinten Nationen wird die Anzahl der Menschen im Alter von 65 Jahren oder darüber in Brasilien, Russland, Indien und China („BRIC“-Länder) voraussichtlich um 46% auf 295 Millionen im Jahr 2020 steigen und 2030 412 Millionen betragen, während die Anzahl der 15-24-jährigen voraussichtlich zurückgeht. 2

Die Geburten- und Sterblichkeitsraten sind die wesentlichen Impulse für die demografischen Entwicklungsmuster. Die 1979 in China offiziell geschaffene Ein-Kind-Politik wirkt sich auf die erwerbstätige Bevölkerung mit interessanten Ergebnissen aus. Laut der Prognose der Vereinten Nationen wird in China die Anzahl der Personen über 65 Jahre 2015 um 78% auf 195 Millionen anwachsen.[3] Mit einer zunehmend alternden Bevölkerung könnte sich Chinas vergangene Herausforderung, eines Überangebots von Arbeitnehmern, zu einem anderen Problem verwandeln – ein Arbeitskräftemangel.

Gleichzeitig unterzieht sich die Familienstruktur in China einem Wandel. Heutzutage setzen sich Haushalte gegebenenfalls aus mehreren Generationen unter einem Dach zusammen, Doppelverdiener-Paare ohne Kinder oder in zunehmendem Maße Singles, die allein leben. Ein Beispiel, was diese Veränderung für die konjunkturelle Landschaft bedeuten kann, ist ein Anstieg der Bevölkerungsschicht, die sich aus Singles und Doppelverdiener-Paaren zusammensetzt, was zu einer wachsenden Nachfrage nach Häusern und Wohnungen führen kann. Sie benötigen in der Regel mehr private oder staatliche Unterstützung, als diejenigen, die im Familienverband leben. Langfristig gesehen sollten wir deshalb die potenziellen Möglichkeiten in den Sektoren Gesundheitswesen, Immobilien und Konsumgüter untersuchen. Diese Sparten könnten nämlich diese Dynamik unterstützen und von ihr profitieren.

 Sparen und Anlegen für die Zukunft

Wir wissen, dass derzeit viele Schwellenländer eine geringere Verschuldung und höhere Spareinlagen haben als viele Industriestaaten. Beitragszahlungen an offizielle Pensionskassen oder in Rentenversicherungspläne sind in Schwellenländern gering. Zudem dürfte es weniger soziale Netze geben. Aus diesem Grund dürften die Spareinlagen von Privatpersonen höher ausfallen als in den Industriestaaten. Die Spareinlagen in China und Indien sind beispielsweise ca. fünf bis acht Mal höher als in den Vereinigten Staaten.[4] Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt betrachtet hat dies Vor- und Nachteile. Mit hohen Spareinlagen von Privatpersonen gehen geringe Konsumausgaben einher. Diese von den Banken gehaltenen Spareinlagen können jedoch als Kredite für Investitionen in Anlagen, Maschinen und die Infrastruktur ausgeliehen werden. Bei einer geringen Fremdverschuldung der Konsumenten sowie auf nationaler Ebene sind des Weiteren die Bilanzen in solchen Situationen häufig solider. Mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung stehen Regierungen vor der Herausforderung, wie sie die begrenzten öffentlichen Mittel an jene zur Verfügung stellen, die kein ausreichendes angespartes Vermögen haben, während die Steuerbasis von einer immer geringeren Anzahl von Arbeitnehmern unterstützt wird.

Die Schwellenländer haben generell ein niedrigeres Medianalter als die meisten Industrienationen. Dabei handelt es sich natürlich nicht um den einzigen Faktor, der zu berücksichtigen ist. Ich glaube, daran sollte man denken, wenn nach weltweiten Anlagenchancen gesucht wird. Unter den BRIC-Ländern hat Indien heute mit einem Medianalter von 26,2 die jüngste Bevölkerung.[5] Dies ist einer der Gründe, aus denen ich glaube, dass Indien gute langfristige Wachstumschancen verspricht. Die junge und wachsende Arbeiterklasse könnte die Volkswirtschaft vorantreiben. Ihnen steht ein höheres verfügbares Einkommen bei gleichzeitig steigendem Lebensstandard zur Verfügung.

Deutschland hat vergleichsweise ein Medianalter von 44,9.[6] Eurostat prognostiziert, dass das europäische Medianalter im Jahr 2060 voraussichtlich auf 47,6 steigen wird und die Anzahl der 65-jährigen und darüber ca. 29,5% der Bevölkerung ausmacht. Das entspricht einem Anstieg von 17,4% gegenüber 2010. Gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung zu und die Anzahl der Personen im Alter von 80 Jahren und darüber wird sich voraussichtlich verdreifachen [während des gleichen Zeitraums].[7]

Grenzmärkte haben im Allgemeinen ein junge Bevölkerung

Vom Standpunkt der Anlage sind die Grenzmärkte, die eine Unterordnung der Schwellenmärkte darstellen, für mich noch interessanter, wenn Sie die demografischen Faktoren berücksichtigen. Die jungen Bevölkerungen und die kräftigen Wachstumsraten – die generell höher sind als die der Schwellen- oder Industrienationen – vieler Grenzmärkte machen sie zu reizvollen Anlagechancen. Insbesondere Afrika ist durch eine der höchsten Wachstumsraten in der Welt gekennzeichnet und verfügt über die jüngsten Bevölkerungen. Dies sind die Gründe, aus denen ich hinsichtlich des Kontinents enthusiastisch bin. Ich habe selbst das Potenzial gesehen.

In den Volkswirtschaften der Industriestaaten, der Schwellenländer und der Grenzmärkte ist es meiner Meinung nach für Entscheidungsträger absolut wichtig, die Produktivität in Anbetracht dieser Trends zu steigern, inklusive der Bestrebungen, die Anzahl der hoch qualifizierten Arbeitskräfte zu erhöhen. Nach meiner Auffassung – und was wir unlängst in der entwickelten Welt gesehen haben –, ist eine Überschuldung der Volkswirtschaft und von Einzelpersonen nicht der Weg, den man langfristig für die Prosperität einschlagen sollte. In vielen Ländern kann man sich allem Anschein nach nicht mehr auf die großen sozialen Netze der Vergangenheit verlassen, genau aus diesem Grund müssen Einzelpersonen mehr Verantwortung für ihre Altersversorgung und Altersplanung übernehmen. (Übrigens: Es ist nie zu spät, damit anzufangen.)



[1] Quelle: ©Pew Research Center, Social and Demographic Trends Project. „Baby Boomers Reach 65 – Glumly“. Dezember 2010. Pewresearch.org/pubs/1834/baby-boomers-old-age-downbeat-pessimism.

[2] Quelle: Statistisches Amt der Europäischen Union, Eurobarometer, „Active Ageing“, Januar 2012.

[3]  Barry Mirkin und Mary Beth Weinberger, Population Division, United Nations Secretariat, „The Demography of Population Ageing“, 1998.

[4] Quellen: OCED Library, Household Savings Rates – Forecasts, 2006 – 2013; © 2009 International Monetary Fund. Alle Rechte vorbehalten.

[5] Quelle: CIA World FactBook, Juni 2012.

[6] Quelle: CIA World FactBook, Juni 2012.

[7] Quelle: Eurostat. „Population Structure and Aging“, Oktober 2011.

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