Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Nadeln im Emerging-Markets-Heuhaufen finden

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch, Vereinfachtes Chinesisch, Spanisch

Betrachtet man die enorme Menge an investierbaren Aktien, die in den weltweiten Emerging Markets zur Auswahl steht, stellt man folgendes fest:  Eine ausreichend attraktive Aktie zu entdecken, die eine  Investition an Vertrauen und Kapital  rechtfertigt,  ist eine genauso gewaltige Aufgabe wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Zum Glück  ist die Recherche nach Investmentgelegenheiten deutlich interessanter als nach Nadeln in Heuhaufen zu suchen. Ich glaube fest an den Wert von Informationen aus erster Hand.  Deshalb reise ich über 250 Tage im Jahr rund um den Globus, um  nach Unternehmen auszuspähen, die unsere Qualitätskriterien erfüllen. Weiterhin schaue ich stets, Aktien zu einem Preis zu kaufen, der uns angemessen erscheint. Allerdings habe ich bei diesem großen Unterfangen viel Unterstützung – ein Team aus 53 Investmentexperten verteilt auf 18 Büros weltweit, was uns eine solide Vor-Ort-Präsens in den Emerging Markets verschafft. 

Als wir 1987 erstmals in Emerging Markets investierten, gab es nur eine Handvoll Plätze, in die wir investieren konnten, und eine begrenzte Anzahl an Unternehmen. Heute 25 Jahre später können wir im Universum der Emerging Markets in über 60 Ländern investieren  und müssen Zehntausende von Unternehmen berücksichtigen. Wo und wie treffen wir unsere Investmentwahl?

Erst kommt die Recherche

Egal wo wir nach Investitionen suchen, der erste Schritt ist die Recherche und die betreiben wir sehr gründlich. Wir müssen sicherstellen, dass ein Devisenverkehr möglich ist und nach einer guten globalen Depotbank schauen.

Unsere Recherche beginnt mit einem Bottom-up-Ansatz und jede einzelne Aktie wird analysiert. Wer besitzt und kontrolliert das Unternehmen, wie operiert es und in welchen Märkten?  Die Jahresabschlüsse müssen geprüft werden. Wir schauen uns gerne die Abschlüsse der letzten fünf Jahre an, sodass wir sie analysieren und unsere Fünfjahres-Prognosen frühzeitig aufstellen können. Hier sind einige Faktoren, die wir bei der Analyse der Aufstellungen berücksichtigen:

  • Tendenzen der Profitmargen
  • Kennzahlen-Analyse, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Dividendenrendite und Verschuldungsgrad
  • Bei Unternehmen mit Herstellung und Vertrieb überprüfen wir Lagerbestand, Forderungen und  Tendenzen des Auftragsbestands. Dies können aussagekräftige Indizien für potentielle Probleme sein. Sie stehen unserer Meinung nach häufig eher im Einklang  mit der Aktienrendite als dem ausgewiesenen Betriebsgewinn.

Von den Unternehmen, in die wir investieren, besuchen wir so viele wie möglich. Wir versuchen, nicht nur das Management kennen zu lernen,  sondern auch die Mitarbeiter. Wir machen auch viele Werksbesichtigungen, damit wir sehen, was sich außerhalb der Vorstandsetagen abspielt und bekommen ein besseres Verständnis für die Produktionsprozesse. Auch spreche ich gerne mit den  Menschen, die in dem Land leben und arbeiten, um einen Eindruck von deren Leben und Ansichten der Wirtschaft zu bekommen. Einheimische können oft Einblicke zu einem Unternehmen — oder einem Land — geben, die man  in Hochglanzbroschüren nicht findet.

Bedeutung der Corporate Goverrnance

Corporate Governance ist für uns ein sehr sehr wichtiger Punkt, denn wir wollen die Wahrung der Interessen unserer Aktionäre sicherstellen.  Eine solide Unternehmenskultur und ein ethischer Verhaltenskodex sind daher die ersten Dinge, auf die wir schauen; wir investieren nicht, wenn wir irgendwelche Unregelmäßigkeiten oder Hinweise auf Korruption bemerken. Wir analysieren Eigentumsstrukturen, Bilanzen des Managementteams, die Historie der Corporate Governance und das Engagement, Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen. Wir halten nach Managern Ausschau, die ihr Geschäft verstehen und in dem betreffenden Bereich Erfahrung haben. Durch Schaffung von Anreizen, wie Aktienoptionen auf Aktien des Unternehmens, sollten sie angemessen motiviert sein. Auch achten wir auf die Fähigkeit des Managements, einen raschen Wechsel des Geschäftsumfeldes zu meistern.

Beispiele dafür haben wir in Zeiten von Finanzmarktkrisen gesehen. So waren wir Mitte bis Ende der 1990-iger Jahre in Thailand investiert, als die Märkte schwer gebeutelt und das Investorenvertrauen getrübt war. Wir konnten sehen, wie wichtig die Stärke des Managements eines Unternehmens war und welche Schritte zum Überleben — oder Nichtüberleben — in der Krise unternommen wurden. Wir hatten auch Gelegenheit, in unserer Meinung nach aussichtsreiche Unternehmen zu investieren, die aber unserer Auffassung nach vom Markt unterbewertet waren.

Natürlich gibt es immer Risiken und nicht alle Unternehmen können Krisenzeiten überleben. Wir tun unser Bestes zu erkennen, ob die vom Unternehmen eingegangen Risiken rational sind und das Potential haben, entsprechend belohnt zu werden — derselbe Risikomanagement-Ansatz, den wir bei den Überprüfungsverfahren von Franklin Templeton anwenden. Diese sind nicht perfekt,  doch mit Erfahrung versucht man, den gleichen Fehler kein zweites Mal zu machen. Ein letzter erwähnenswerter Punkt sind die Dividenden. Sie stellen unserer Ansicht nach normalerweise ein  Zeichen guter Corporate Governance dar. Zur Beurteilung eines Investments sind Dividenden eine wichtige Überlegung.

Werteermittlung

Erfolgreiches Investieren heißt nicht nur, die richtigen Aktien auszuwählen, sondern auch Werte zu finden, die andere vielleicht nicht erkennen. Wir meinen, bei der Entscheidung, ob eine Aktie einen Wert darstellt, dreht sich alles um Wachstum. Während einer Aktienbaisse können viele Kurse günstig sein. Ist aber kein Wachstumspotential da, sollte die Aktie als Value-Falle angesehen werden. Wenn ein Unternehmen günstig ist und  wächst (und unsere Ergebnisprognosen gut aussehen), kann einiges für eine Investition sprechen.

Verkennt der aktuelle Markt dieses Potential und können wir die Aktie zu einem niedrigeren Kurs kaufen als zu dem, von dem wir denken, wie er in fünf Jahren sein wird, dann ist das etwas, was wir als Wert ansehen. In einer starken Aktienbaisse muss man bereit sein, in den  Markt zu gehen und dann warten. Die globale Baisse 2008 bis 2009 ist ein gutes Beispiel dafür. Geduld und die Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen ist für die meisten Investoren sehr schwer, doch ist beides unserer Meinung nach für einen langfristigen Investor ausschlaggebend.

Liquidität

Liquidität ist ein Thema, das ich oft gefragt werde. Besondere Bedeutung hat Liquidität bei Investitionen in den Frontier Markets, die eine weniger entwickelte Stufe der Emerging Markets darstellen. In den Frontier Markets ist die Liquidität häufig sehr gering und der Kauf von Aktien zum allmählichen Aufbau einer Position kann lange dauern.

Der Nachteil: Einen Titel kann man vielleicht nicht abstoßen, wenn man möchte. Der Vorteil: Ist es ein gutes Unternehmen  und  haben andere Käufer Interesse, sind sie mitunter bereit, ein Aufgeld zu zahlen. Das Thema Liquidität ist daher gleichsam ein zweischneidiges Schwert –  in manchen Fällen vielleicht vorteilhaft, in anderen dagegen nicht nicht. 

Die Bedeutung, Menschen zu verstehen

Die Welt ist groß und es gibt eine Vielzahl an Ländern, Kulturen, Sprachen und Industrien. Aber Menschen sind  Menschen und einander nicht so unähnlich, wie man vielleicht erwartet – egal wo sie leben. Einen Einblick zu bekommen in die Hoffnungen und Wünsche der Menschen, die in dem Land leben und arbeiten, in dem wir investieren, ist unserer Meinung nach wirklich das Geheimnis weltweiter Investitionen. Durch eine Prüfung nicht nur der Statistiken, sondern auch der Motivation des Managements und der Eigentümer von Unternehmen, können wir dann gemeinsam die gewünschten Ziele zu erreichen. Das trifft auf China zu, auf Indien, auf Thailand und auch auf die Türkei —  aber auch überall sonst auf der Landkarte.

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.