Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Auf ein Neues

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Das „Jahr des Drachens“ 2012 war gewiss nicht enttäuschend, denn die globalen Finanzmärkte kämpften gegen einen finanziellen Drachen nach dem anderen: Staatsschuldenkrise in der Eurozone, anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA und SOS-Rufe derer, die befürchteten, Chinas Wachstumsrate stehe eine „harte Landung“ bevor. 2012 war jedenfalls interessant. Während wir im Kalender auf 2013 umblättern, scheint die Lage der Eurozone weniger bedenklich und Chinas wirtschaftliches Wachstum scheint nach wie vor zu fliegen. Doch während ich dies schreibe, sind die Schuldenprobleme der USA noch nicht gelöst.  Aus meiner Sicht könnten die Unsicherheiten um die US-Wirtschaft nur die Spitze des Eisberges sein – und eine Gefahr für die Weltwirtschaft des kommenden Jahres. Doch trotz Schreckensmeldungen aus der Wirtschaft haben die weltweiten Börsenplätze 2012 sich nicht von ihrem Kurs ablenken lassen.

Die Sogwirkung

In dieser miteinander verbundenen Welt werden dieses Jahr Ereignisse in den wichtigsten Volkswirtschaften USA, Eurozone und Japan fast sicher Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben. Doch verlagern sich Ebbe und Flut aus Aktion und Reaktion. Schwellenmärkte verringern gerade ihre Handelsabhängigkeit von den USA und von Europa. Und es gibt andere Länder, die das globale Wachstum antreiben können – manch eines wird 2013 vielleicht für Überraschungen sorgen. Zudem könnte die zu erwartende Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in den entwickelten Märkten in diesem Jahr zu vermehrten Dollar-Investitionen in die globalen Aktienmärkte führen – Schwellen- und Grenzmärkte eingeschlossen.

Schwellenländer weisen generell drei Merkmale zu ihren Gunsten auf: allgemein hohe Wirtschaftswachstumsraten, viele Devisenreserven und geringe Auslandsverschuldung. Viele Schwellenländer scheinen an der Schwelle eines Konsumbooms zu stehen sowie vor Produktivitätssteigerungen, was für das künftige Wachstumspotential viel Gutes verheißt.

Wenngleich die USA und die Eurozone von Schuldenproblemen geplagt sind bin ich als Langfristinvestor bezüglich der globalen Aussichten optimistisch. In vielen Schwellenländern wächst der Mittelstand und damit das Potential, einen Boom an Verbraucherausgaben anzuheizen. Die Anzahl der Entwicklungsländer Asiens und Südostasiens sieht für uns besonders verlockend aus. Jüngste Schätzungen des Internationalen Währungsfonds errechnen für 2012 für die Industrienationen zusammengenommen ein erzieltes  BIP-Wachstum von nur 1,2% und für 2013 eine Wachstumserwartung von 1,5%. Für die Schwellenländer Asiens wird dagegen im Jahr 2012 von einem BIP-Wachstum von 6,1% und im Jahr 2013 von 6,8% ausgegangen.[1]

Grenzmärkte

Bezüglich des Investmentpotentials in den Grenzmärkten, den weniger entwickelten Schwellenmärkten, bin ich besonders optimistisch. So aufregend sie auch sein mögen, bei Investitionen in diese Märkte muss man selektiv vorgehen und Geduld haben. Wir bei Templeton schauen auf einen Zeitrahmen von gut einem oder zwei Jahren und haben im allgemeinen einen Fünfjahres-Zeithorizont. 2012 lagen die Wachstumsraten vieler Grenzmärkte deutlich über denen der Industriestaaten, und meiner Meinung nach wird sich dies wahrscheinlich fortsetzen. Der IWF hat prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren 10 der 20 am schnellsten wachsenden Wirtschaften in Afrika südlich der Sahara gelegen sein werden und zwei in Nordafrika. Keine in der westlichen Hemisphäre. [2]

Ich erwarte Wachstum auch in vielen Kapitalmärkten der Frontier Markets. Einige dieser Märkte bewegen sich von klein und nicht flüssig hin zu groß und liquide.

Insgesamt haben die so genannten Frontier Markets (Grenzmärkte) im Zuge ihrer Expansion kontinuierlich vermehrt in die Infrastruktur investiert, was Investmentmöglichkeiten in Industrien wie Bau, Transport, Bank und Finanzwesen und Telekommunikation bietet. Viele Grenzmärkte sind führende Produzenten wichtiger Rohstoffe wie Öl, Gas und Edelmetalle. Dies positioniert sie sehr gut, um von der zu erwartenden wachsenden globalen Nachfrage nach diesen Rohstoffquellen potentiell zu profitieren. Steigender Verbrauch kann diesen Wirtschaften starke Kaufkraft verleihen und die Fähigkeit, ihren Weg des Wachstums zu beschreiten.

Viele Grenzmarktländer haben weiterhin die positiven Auswirkungen substanzieller Investitionen durch große Schwellenländer wie China, Indien, Russland und Brasilien zu spüren bekommen. Die wirtschaftlichen Triebfedern innerhalb der Grenzmärkte sind unterschiedlich. Botswana, einer der weltgrößten Diamant-Exporteure, führt gerade Call Center und Rechenzentren ein. Kasachstan ist reich an Öl und anderen natürlichen Ressourcen und investiert in den Ausbau der Infrastruktur.

Niedrige Zinsen … und Inflation

Angesichts der derzeitigen instabilen Lage vieler entwickelter Märkte kann davon ausgegangen werden, dass Zentralbanken weiterhin Geld in diese Systeme pumpen werden. Aus Investmentsicht ist es auch möglich, dass Investoren auf der Suche nach Rendite in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld so reagieren, dass sie mehr Geld in Aktien fließen lassen. Ich glaube, eine „quantitative Lockerung“ könnte insbesondere für die Schwellenländer gut sein, zumindest kurzfristig, denn es bedeutet, es ist viel Cash in ihrem System. Dieser Trend war 2012 offensichtlich, als die Zuflüsse von Investitionskapital in Schwellenländer in den ersten 11 Monaten des Jahres 2012 zusammengerechnet fast 35 Mrd. US-Dollar ausmachten.[3] Ich erwarte, dass sich dieser Trend 2013 fortsetzen könnte. Bei weiterhin sehr niedrigen Zinsen können Aktien für viele Investoren attraktiver sein.

Die Kehrseite der Cashflut-Medaille ist natürlich die Inflationsgefahr. In Schwellenländern ist der größere Teil der Bevölkerung in den unteren Einkommensschichten.  Preisanstiege lebensnotwendiger Güter wie Essen und Treibstoff können schwerer zu verkraften sein. Eine gesteigerte Produktivität verhilft zu einer geringeren Auswirkung einer Inflation. Ich glaube, um dies zu erreichen, müssen Wirtschaften mit einer schwerfälligen Regierungspolitik den Einfluss der Regierung beschneiden. Als Investoren ist unsere Aufgabe, diese Länder nach einzelnen Unternehmen abzusuchen, die potentiell überleben oder sogar angesichts dieser Herausforderungen florieren können.

Risiken – und Impulsgeber für Veränderungen

Für mich ist eine der größten Risiken des kommenden Jahres die Fähigkeit von Politikern in Schwellenmärkten rechtzeitig sinnvolle Maßnahmen zur Steuerpolitik zu ergreifen. Wenn Politiker nicht zusammenarbeiten können und konkretes Handeln hinauszögern, besteht die Gefahr, dass sowohl die USA als auch Europa in eine Rezession rutschen und so viele allgemeine Kursgewinne der globalen Aktienmärkte von 2012 auslöschen. Mittlerweile glaube ich, im kommenden Jahr wird ein Gleichgewicht zwischen Wachstum, Inflation und globaler Wettbewerbsfähigkeit auf der Agenda vieler Schwellenländer stehen.

Wie die Ereignisse des vergangenen Jahres gezeigt haben, wird es immer unerwartete Faktoren oder Umstände geben, die zu Impulsgebern für größere Veränderungen in der globalen Landschaft werden können. Wir können nicht voraussagen, wann die nächste Marktkorrektur uns trifft oder wissen, wie groß oder klein diese sein wird. Aber wir erwarten, dass die Marktvolatilität anhalten wird. Doch kommen mit jeder Krise, jeder politischen Veränderung oder Umwälzung auch potentielle Chancen. Daher investieren wir nach wie vor mit einem Langfristhorizont in Unternehmen, die unserer Meinung nach unterbewertet, fundamental stark und wachsend sind, und in solche, von denen wir denken, dass sie schwierigen oder sich wandelnden Zeiten widerstehen können.

 Allen ein schönes Neues Jahr!



[1] Copyright © Internationaler Währungsfond. Alle Rechte vorbehalten. “Regional Economic Outlook Update, Asia and Pacific Department,” Oktober 2012. Die Schwellenländer Asiens sind vom IWF definiert als Ostasien, Indien, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam.

[2] Quelle: Copyright © Internationaler Währungsfonds. “World Economic Outlook” Oktober 2012.

[3] Quelle: EPFR Global.

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