Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Investieren in Afrika: Falsche Vorstellungen und Realitäten

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch, Spanisch

Bei Orten, die wir nie gesehen haben, verfällt man leicht falschen Vorstellungen und Verallgemeinerungen:  Annahmen, wie „Jeder in den USA fährt ein Auto“, „Alle Franzosen lieben Croissants“ und „Alle Kanadier spielen Hockey“. Bei Investitionen in  Entwicklungsmärkten kursieren viele falsche Vorstellungen – und Afrika hat gewiss seinen Teil abbekommen. Pauschale Verallgemeinerungen sind aber gefährlich. Unmöglich kann man alles über diesen riesigen und vielfältigen Kontinent wissen (an Landfläche und Bevölkerung weltweit der zweitgrößte). Aus diesem Grund musste mein Team eine unvoreingenommene Haltung für Wachstumschancen haben, während wir gleichzeitig wegen potenzieller Risiken die Augen offen halten.  

Afrika ist nicht gleich Afrika

Mark Mobius in Libyen

Oftmals herrscht die Vorstellung „Afrika ist Afrika“, als ob jedes Land dem anderen gleiche. Die meisten Menschen realisieren nicht, wie groß die Unterschiede der Landschaften, Wirtschaften und Menschen sind. Auf diesem Kontinent werden über 1.000 Sprachen gesprochen und das Klima reicht von heißen Wüsten über tropische Regenwälder bis hin zu  Gletschern.

Nach einer gängigen falschen Vorstellung ist Afrika geplagt von sozialen Missständen. Wir leugnen nicht, dass in Teilen Afrikas Gewalt, politische Unruhen und Armut herrschen. Dieser ernsthaften Probleme müssen wir uns bewusst sein. Das ist aber nicht alles. Es gibt landschaftliche Schönheiten, kulturelle Vielfalt und es finden Geschäftsentwicklungen statt. Oft wurde ich gefragt, ob ich mich bei Reisen in unterentwickelte Länder unsicher fühle. Glücklicherweise kann ich sagen, meine erschreckendste Erfahrung in Afrika war in einem Fahrstuhl festzusitzen!

Sehen ist Glauben

Eingehende Recherchen jedes Unternehmens, das wir in Betracht ziehen, sind ein wichtiger Teil unseres Investment-Auswahlprozesses. Wir machen Langzeitprognosen auf Basis der Unternehmensmerkmale und des Umfeldes, in dem sich das Unternehmen befindet. Langfristige Perspektiven können in Frontier-Märkten zu kurzfristigen werden – aufgrund des generell schnelleren Wachstums und der dramatischen Veränderungen, die als Folge rascherer Kommunikation und umfangreicher ausländischer Investitionen stattfinden. Dennoch müssen wir in vielen Fällen Geduld haben und der Langzeitperspektive Zeit geben, sich zu entfalten. 

Ich glaube fest an den Wert von Informationen aus erster Hand. Daher besuchen mein Team und ich so viele Länder wie möglich. Persönliche Gespräche mit Menschen liefern wertvolle Einblicke in reale Schwierigkeiten, die sie zu bewältigen haben. Ein Problem, dem sich viele Unternehmen in Afrika konfrontiert sahen, war:  Wie erfolgreich Agieren  in einem Umfeld mit staatlichen Restriktionen und leider auch Korruption? Wir wissen, Korruption gibt es überall, doch in Afrika ist sie sicherlich hervorstechend. Wenn wir dort ein Unternehmen besuchen, können wir nicht davon ausgehen, dass der Steuersatz auf dem Papier dem tatsächlichen Steuersatz entspricht, den das Unernehmen zahlen muss. Verborgene „Schwarz-„Kosten  können vorhanden sein. Die gute Nachricht ist meiner Meinung nach, dass viele Regierungschefs zunehmend bereit sind, offen über das Problem zu sprechen, und daran zu arbeiten scheinen, es auszurotten.

Infrastruktur, oder eher fehlende Infrastruktur mancher afrikanischer Länder ist ein weiteres Problem. Wir haben gelernt, dass ein Unternehmen mit Fabrikbetrieb nicht unbedingt Zugriff auf das öffentliche Stromnetz hat und daher eigenen Strom erzeugen muss. Wir schauen nach spezifischen Erschwernissen wie diese, die Auswirkungen auf die Unternehmensaktivitäten haben können und deren Kosten. Solche Dinge lassen sich eher nicht durch einen Blick lediglich auf die Bilanzen oder die Gewinn- und Verlustrechnungen ermitteln. 

Nicht alle Wege führen zu einem “Ja”

Auf den ersten Blick mag man denken, Infrastruktur, die in vielen Gebieten unterentwickelt ist, präsentiere einen verlockenden Investmentfall. Doch in Afrika sind die Chancen aufgrund staatlicher Monopole oder Subventionen mitunter limitiert. Elektrizität wird in Nigeria beispielsweise subventioniert und unterliegt Beschränkungen. Das macht das Geschäft in der Stromerzeugung dort im allgemeinen unprofitabel. Ähnlich schwierig kann das Betreiben einer Raffinerie sein, wenn die Regierung den Benzinpreis subventioniert. Derartige Details müssen wir in jedem Land, das wir besuchen, berücksichtigen.  

Diese potenziell problematische Politik scheint sich in ganz Afrika vielerorts zu verändern. Wir meinen, das ist gut so. Mit Unterstützung der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen internationalen Organisationen sehen wir in vielen afrikanischen Ländern ein zunehmend geschäftsfreundlicheres Klima.

Eine andere verlockend falsche Vorstellung ist die, nach der Afrikas Zukunft von  Rohstoffen wie Öl, Kakao und Bodenschätzen abhänge. Natürliche Ressourcen und Bergbau sind sehr wichtig und für uns Investoren von Interesse, doch die Triebfedern für Wirtschaftswachstum sind so unterschiedlich wie Informationstechnologe, Solarstrom, Bier und Schnittblumen. Vermutlich realisieren viele Europäer nicht, wie leicht es sein könnte, dass die schmückenden Rosen auf ihrem Tisch in Afrika gezüchtet und mit Düsenflugzeugen als Teil eines komplexen und effizienten Distributionssystems eingeflogen wurden.

Uns interessieren auch Industrien und Sektoren, die mit der wachsenden Kaufkraft von Verbrauchern zusammenhängen. Es besteht ein Bedarf an Bankdienstleistungen (insbesondere mobiles Banking) und in vielen afrikanischen Ländern ist die Durchdringung der Telekommunikation sehr gering. Dort gibt es also gute Wachstumschancen. Auch Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmen haben unser Interesse geweckt. In Afrika wächst eine Mittelschicht heran, die Vorlieben entwickelt. Nigerianer beispielsweise haben speziellen Durst auf ein inländisches Kultbier aus Irland – es wird mehr davon konsumiert als in Irland!

Afrika scheint sehr viel Wachstumspotenzial bereitzuhalten und wir glauben, viele Länder dort könnten in den kommenden Jahren nach wie vor Spitzenreiter für globales Wachstum sein. Der IWF hat prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren 10 der 20 am schnellsten wachsenden Wirtschaften in Afrika südlich der Sahara und zwei in Nordafrika sein werden. Wachstum ist natürlich wichtig, aber es ist nicht nur die Wachstumsrate, sondern die Qualität, die für die Realisierung von Afrikas langfristigem Potenzial wichtig ist. Die aufsteigende Mittelklasse muss mit etwas Hilfe durch eine umsichtige Politik und einem konstruktiven wirtschaftlichen Umfeld gefördert und unterstützt werden. Für den geduldigen Investor scheint Afrika eine Story zu sein, die noch lange Zeit lohnenswert sein wird zu überdenken.

Twitter

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.