Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Wie man sich unentdeckte Unternehmen heranzieht

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Schwellenmärkte können höhere Wachstumsraten und mehr Dynamik verzeichnen als reifere Industrieländer. Infolgedessen ist der Anteil kleinerer, wachstumsstärkerer Unternehmen in Schwellenländern oft höher. Wir erkennen eine potenzielle Fülle unerschlossener Gelegenheiten bei solchen kleinen bis mittelgroßen Unternehmen, die sich oft in der Expansionsphase oder vor einem Börsengang (IPO) ergeben – also noch vor der öffentlichen Notierung an einer Börse. Als langfristige Emerging-Markets-Investoren betrachten wir dieses Reservoir an kleineren (häufig nicht börsennotierten) Unternehmen als Revier für die Jagd nach oft unentdeckten Unternehmen, die unseres Erachtens mit ein wenig Unterstützung Potenzial entfalten könnten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Eigenkapital zu investieren

Private Equity hat bislang auf den Schwellenmärkten eine wichtige Rolle gespielt, vor allem in wirtschaftlichen Krisenphasen. Wenn traditionelle Finanzierungsquellen (wie Bankkredite) versiegen, können private Investoren einspringen und klammen Unternehmen die benötigte Liquidität zuführen. Unseres Erachtens handelt es sich dabei vielfach um gut geführte Unternehmen, die gefragte Waren und Dienstleistungen liefern. Sie brauchen lediglich eine helfende Hand, manchmal in Form einer Liquiditätsspritze, manchmal auch nur, um besser wahrgenommen zu werden. Manche Unternehmen können ihr Potenzial nur deshalb nicht richtig realisieren, weil sie in der Finanzwelt unbekannt sind. 

„PIPE“-Transaktionen (Private Investment in Public Equity) sind in Schwellenmärkten (vor allem in Indien) weiter verbreitet als in Industrieländern. Streubesitz (Aktien, die tatsächlich zum öffentlichen Handel zur Verfügung stehen) und Börsenumsatz sind bei kleineren börsennotierten Unternehmen häufig geringer, was den Aufbau größerer Positionen über die öffentlichen Märkte erschwert. So erzielen von den rund 5.000 an den beiden Hauptbörsen Indiens notierten Unternehmen nur 300 einen monatlichen Aktienumschlag im Volumen von rund 1 Mio. US-Dollar und stellen zusammen rund 85% der gesamten Marktkapitalisierung.[1] Unter diesen Umständen können PIPE-Investments für kleine und mittlere – aber noch wachsende – Unternehmen eine attraktive Möglichkeit zur Einwerbung von Kapital darstellen.

Chancen bei kleinen und wachsenden Unternehmen

Zu den positiven Aspekten der Anlage in kleine und wachsende Unternehmen und der Chance, als Aktionär auf Verwaltungsratsebene gehört zu werden, zählt unserer Ansicht nach, dass wir so größeren Einfluss auf Unternehmensentscheidungen und Geschäftsgebaren erhalten – vor allem wenn Entwicklungen nach unserem Dafürhalten in die falsche Richtung gehen. Entscheidend ist die Zusammenarbeit mit dem Management. Aus solcher Nähe können wir ein Unternehmen oft besser durchschauen und verstehen und so leichter positive Veränderungen veranlassen, die auch künftigen Aktionären zugutekommen. Das gehört zu unserer übergreifenden Investmentphilosophie bei der Templeton Emerging Markets Group, ganz gleich wo oder wie wir investieren. Wir sind seit jeher bemüht, „aktivistische“ Fondsmanager zu sein. Wir besuchen häufig Jahreshauptversammlungen, stimmen bei wichtigen Entscheidungen ab und wenn uns Vorgänge in einem Unternehmen nicht zusagen (insbesondere im Hinblick auf Corporate-Governance-Fragen), haben wir keine Scheu, das anzusprechen.

Manche der interessantesten Chancen zur Anlage in kleine und wachsende Unternehmen, die nicht unbedingt vom Radar erfasst werden, erkennt unser Team derzeit in China, Südostasien (insbesondere Vietnam) und Brasilien. Pauschal können konsumabhängige Branchen und Titel aus dem Gesundheitswesen, der Industrie und der leichten Infrastruktur aktuell reizvolle Gelegenheiten bieten. Doch wie bei jeder Anlage prüfen jedes einzelne Unternehmen und jedes Land für sich gründlich auf Herz und Nieren. Einzelne Anlagechancen hängen weitgehend vom Entwicklungsniveau im Land ab, und von den Branchen, auf die sich die wirtschaftliche Entwicklung konzentriert. So liegt der Schwerpunkt in Brasilien beispielsweise derzeit auf dem Bau neuer Straßen und Transportwege, während wir in Indien eine rasche Expansion des Gesundheits- und Pharmasektors beobachten. In Indonesien nimmt währenddessen die Zahl der Konsumenten rasch zu.

Eine riskante Angelegenheit

Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen können vor allem kurzfristig stark schwanken. Kleinere, relativ neue oder unerfahrene Unternehmen können besonders empfindlich auf konjunkturelle Veränderungen reagieren. Ihre Wachstumsaussichten sind unsicherer als die größerer, besser etablierter Unternehmen. Die größten Risiken, die es unseres Erachtens bei kleineren, wachsenden Unternehmen aus Schwellenländern im Auge zu behalten gilt, sind Liquiditätsrisiken beim Ausstieg, Corporate-Governance-Probleme, politische Risiken und Wechselkursrisiken, aber auch wirtschaftliche und politische Risiken, wie sie allgemein alle Arten von Anlagen betreffen. Manche dieser Risiken lassen sich verringern. So sind auf den Kapitalmärkten die im Vergleich zu Industrieländern bestehenden Risiken durch besseren Schutz der Aktionäre zurückgegangen, wenn auch noch einiges zu tun bleibt. Um Corporate-Governance-Risiken abzubauen, ist eine sorgfältige Due-Diligence-Prüfung von Unternehmen und Managementteam vor der Anlage unerlässlich, was ungeachtet des Entwicklungsstadiums eines Unternehmens gilt. Fremdwährungsrisiken lassen sich nach unserer Erfahrung durch Ausrichtung auf export- oder importorientierte Unternehmen abfedern – als Gegenmaßnahme gegen eine Ab- oder Aufwertung der Lokalwährung.

Durch die Anlage in kleine, in der Entwicklung befindliche Unternehmen erhalten wir nach unserer Überzeugung aufschlussreiche Einblicke in ganze Branchen, Sektoren und das Geschäftsklima, die im Großen und Ganzen auch auf andere Unternehmen zutreffen können, die in einem bestimmten Land oder Markt tätig sind. Auch wenn sich das nicht zahlenmäßig in einem Geschäftsbericht niederschlägt, verschafft es doch eine ganz eigene Befriedigung, mitzuerleben, wie manche der von uns begleiteten Unternehmen ihren Weg an die Börsen machen.



[1]  Quelle: Bloomberg LLC, Dezember 2012.

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