Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Indien – Einblicke in ein Land der Widersprüche

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Die moderne Technik macht es unserem Schwellenländerteam leicht, aus fast jedem Winkel der Erde in Kontakt zu bleiben. Elektronische Kommunikation kann zwischenmenschliche Interaktion durch persönlichen Gedankenaustausch aber nicht ersetzen. Zweimal im Jahr treffen unsere über 50 Analysten daher an einem Ort zusammen, um sich über Unternehmen auszutauschen, globale Entwicklungen zu besprechen und sich der Beurteilung und Bewertung durch Kollegen zu unterziehen.  Für die halbjährliche Sitzung der Templeton Emerging Markets Group im März war Indien als Veranstaltungsort ausgewählt worden. Ich habe meinen Kollegen Chetan Sehgal gebeten, seine Ansichten über Indien niederzuschreiben – und die Gründe für unsere Entscheidung, die letzte Konferenz in Indien abzuhalten.

Chetan Sehgal, Executive Vice President, Managing Director India und Chief Investment Officer

Chetan Sehgal

Die Templeton Emerging Markets Group hat schon an vielen Standorten Schwellenländerkonferenzen veranstaltet. Erstaunlicherweise gehörte Indien, in vieler Hinsicht als letzte Bastion, bislang nicht dazu. Wir fanden, dass sich Indien gerade jetzt als Gastgeberland für diese Veranstaltung anbot, da es viele mutige Initiativen zur Steigerung des Wachstumspotenzials einleitet – zu einer Zeit, in der das globale makroökonomische Umfeld insgesamt eher schwierig ist. Was in einem Land wirklich passiert, erkennt man am besten bei einem persönlichen Besuch vor Ort, und wir waren der Ansicht, dass unsere Analysten die Herausforderungen und Chancen für Indien besser verstehen würden, wenn sie sie mit eigenen Augen sehen und in der Gruppe darüber diskutieren könnten.

Als ich 1995 zu Templeton kam, sah der indische Markt ganz anders aus als heute. Damals gab es noch physische Aktienzertifikate und Unternehmensergebnisse wurden jährlich vorgelegt. Orders wurden seinerzeit per Fax platziert, und Unternehmen verwendeten nur wenig Zeit auf die Anwerbung von Investoren. Corporate Governance steckte noch in den Kinderschuhen.

Seither hat sich diesbezüglich viel getan. Die Finanzindustrie hat Indien im Großen und Ganzen als Musterbeispiel für Corporate Governance im Schwellenländeruniversum anerkannt und die Transparenz hat sich bei vielen Aktiengesellschaften drastisch verbessert. Derzeit gibt es eine Bewegung, die Minderheitsaktionären mehr Stimme verleihen soll. Zu diesem Zweck wurde ein elektronisches Abstimmsystem eingeführt. Für den Schutz von Minderheitsaktionären, vor allem vor Geschäften mit nahestehenden Parteien, muss unseres Erachtens aber noch viel getan werden.

Indien verfügt über einen dynamischen Aktienmarkt mit einer großen Zahl börsennotierter Unternehmen und einer von Unternehmergeist und Investition geprägten Kultur. Wir bei Templeton sehen uns als interessierte Teilhaber an Indiens Wachstum und Erfolg auf der Suche nach Chancen in vielen indischen Unternehmen und Sektoren.

Teilnehmer unserer Emerging Markets Konferenz in Goa, bei einem Dinnern im indischen Stil

 Herausforderungen und Chancen

Indien hat zweifellos seinen Anteil an den jüngsten Wirtschaftsproblemen abbekommen und war 2012 belastet durch die unglückliche Mischung aus nachlassendem Wachstum und steigender Inflation, die der indischen Zentralbank quasi die Hände gebunden hat. Außerdem zeigte sich der indische Aktienmarkt in den letzten Monaten recht volatil. Dringend notwendig ist mehr Klarheit über Eigentumsrechte und Steuersystem in Indien. Es gibt zu viele gerichtliche Auseinandersetzungen, die das Anlegervertrauen untergraben.

In einer wahrhaft globalisierten Welt ist eine Abkoppelung von globalen Entwicklungen nicht möglich. Unseres Erachtens liegt der Schlüssel zur Freisetzung von Indiens potenziellem Wohlstand in mehr Beschäftigung, Produktivität und Innovation. Das ist ein ehrgeiziges Unterfangen, doch es besteht Anlass zu Optimismus. Die Regierung hat inzwischen Schritte eingeleitet, um das Wachstum durch effektivere Politik wiederzubeleben. Unlängst versprach Indiens Finanzminister P Chidambaram, das Leistungsbilanzdefizit des Landes einzudämmen und gleichzeitig verstärkt in Sozialhilfeprogramme zu investieren.  Eine weitere erklärte Priorität ist ein freundlicheres Klima für ausländische Investoren.

Indien steht angesichts historisch hoher Energiepreise und allgemein geringer Unterstützung durch die Weltwirtschaft ganz klar vor großen Aufgaben. Wie es scheint, muss das Land letztlich aus eigener Kraft Lösungen finden. Wir haben jedoch miterlebt, dass viele indische Unternehmen entgegen allen Erwartungen Erfolg hatten. Wenn sich dieser Geist potenziert, könnte er die indische Wirtschaft beflügeln.

Indien bleibt ein Land der Widersprüche und ein Land der Chancen. In unseren Augen sollte die gesunde Diskussion, die derzeit in dieser jungen Demokratie stattfindet, am Ende mehr Wachstumspotenzial herbeiführen.

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