Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Loslassen – Entscheidungsdisziplin beim Kauf und Verkauf

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Der Gedanke, einen einmal als kostbar empfundenen Besitz aufzugeben, ist für jeden ein emotionales Manöver, auch wenn der heiß begehrte Gegenstand seinen Zweck nicht mehr erfüllt. Als Anleger kann es schwierig sein, einen einmal favorisierten Titel zu verkaufen – jedoch noch schwieriger ist es mitunter, sich zu dessen Verkauf zu entscheiden. Manchmal muss man einfach loslassen.

Häufig werde ich über den Entscheidungsprozess meines Teams befragt. Das betrifft nicht nur die Auswahl potenzieller Einstiegsmöglichkeiten. Es geht auch um die Entscheidung, wann und wie ein bestimmter Titel im Portfolio gehalten werden soll bzw. was den Ersatz eines Werts mit einem anderen rechtfertigt, den wir für eine bessere Anlagechance halten. Gefühle sind bei unseren Entscheidungen fehl am Platz. Stattdessen verbinden wir Bottom-up- und gründliches Research mit einer schrittweisen Analyse. Zunächst stellen wir günstige Gelegenheiten innerhalb eines Datensatzes von über 25.000 Wertpapieren fest. Anschließend führen wir eine akribische quantitative und qualitative Analyse durch, um das langfristige Wertpotenzial jedes Unternehmens zu beurteilen.

Unsere quantitativen Analysen umfassen ein Audit der historischen Finanzausweise der vergangenen fünf Jahre sowie der Prognosen für die kommenden fünf Jahre – basierend auf projizierten künftigen normalisierten Erträgen, Cashflows oder Substanzwertpotenzial. Mit der qualitativen Analyse haben wir Einblick in das Business des Unternehmens, die Qualität des Managements, die Eigentumsverhältnisse, die Corporate Governance und die Verpflichtung zur Schaffung von Shareholder Value. Dies umfasst das Verständnis, wem das Unternehmen gehört bzw. wer es kontrolliert, wie es betrieben wird und in welchen Märkten es operiert. Wie Sie sehen, ist unser Research-Ansatz weitreichend.

Ich wiederhole stets und immer unsere feste Überzeugung, dass nur durch die Vor-Ort-Präsens lokale Einblicke aus erster Hand in die Anlagechancen zu gewinnen sind. Unser Templeton Emerging Markets Team besteht derzeit aus 53 Investmentexperten, verteilt auf 18 weltweite Niederlassungen. Wir suchen so viele Unternehmen wie möglich auf – ca. 1.500-2.000 Firmen pro Jahr –, um Anlagen anzusehen und Gespräche mit dem Management zu führen. Ich selber reise über 250 Tage im Jahr.

Deal Breakers

Sämtliche Kauf- und Verkaufsentscheidungen werden durch fundamentales Research geleitet. Unsere Analysten legen den Zielpreis für einen bestimmten Wert an der Schnittstelle ihres Research und unserer gesamten Anlagephilosophie fest. Durch die regelmäßige Überprüfung unserer Bestände erarbeiten unsere Analysten Empfehlungen, die die Änderungen der Fundamentaldaten des Unternehmens möglichst aktuell und genau widerspiegeln. Als Value-Manager suchen wir die Anlage in Unternehmen, die im Vergleich zu unserer fünfjährigen Bewertungsprognose derzeit zu einem Abschlag gehandelt werden. Anhand von Bewertungsschwellen halten wir uns an eine strenge Verkaufsdisziplin. Einer der folgenden Auslöser kann zum Aktienverkauf führen:

• Der derzeitige Aktienkurs übersteigt unsere Schätzung des Gesamtwerts.

• Wir sind überzeugt, dass ein erheblich größeres Wertpotenzial in einem anderen Wertpapier besteht.

• In einem Unternehmen tritt eine wesentliche Veränderung ein, die zu einer Überarbeitung unserer Prognosen führt.

Einer unserer Deal Breakers ist eine ungesunde Corporate Governance. Die Corporate Governance ist für uns ein äußerst wichtiges Thema. Wir wollen sichergehen, dass auf die Aktionärsinteressen eingegangen wird. Deshalb suchen wir als erstes nach solider Kultur und ethischem Handeln.

Um das Innerste der Governance zu verstehen, analysieren wir Eigentumsverhältnisse, Erfolgsbilanzen des Managementteams, die Corporate-Governance-Historie des Unternehmens und sein Engagement zur Schaffung von Shareholder Value. Wir suchen gezielt Manager, die ihr Geschäft kennen und in diesem Bereich Erfahrung haben. Wir überprüfen die Fähigkeit der Geschäftsleitung, sich den Herausforderungen der schnell wandelnden Geschäftswelt zu stellen. Wir bewerten, ob die von einem Unternehmen eingegangenen Risiken rational sind und über ein richtiges Gewinnpotenzial verfügen.

Das Verständnis für das Risiko ist der Kern unseres Prozesses. Das dafür bestimmte Performance Analysis and Investment Risk Group (PAIR) Team überprüft regelmäßig unsere Portfolios und analysiert die Risiken.

Zusammenarbeit ist ganz wesentlich. So können die Mitglieder unserer Anlageteams täglich miteinander kommunizieren. Zudem halten wir wöchentliche Peer Reviews ab, in denen die Gewichtungen von Unternehmen, Bewertungen und Kursziele erörtert werden, um die Einhaltung der Anlageziele eines Portfolios sicherzustellen. Das Templeton Emerging Markets Group veranstaltet zudem halbjährliche Meetings. Man bespricht die Anlagenmethodik und die Wertentwicklung des Portfolios, die Optimierung der Ressourcen und die portfoliobezogenen Themen, wie z. B. unternehmensspezifische Probleme, länderspezifische Sachfragen und globale Branchentrends.

Volatilität und Bewertung

Die Schwellenmärkte sind traditionell volatil und können durch die Zuflüsse der Privatanleger und Stimmungswandel beherrscht werden. Wir nutzen allerdings diese Volatilität zur Feststellung potenzieller Transaktionen. Wir glauben, starke Wachstumsaussichten werden in vielen Schwellenländern in den Aktienbewertungen oft nicht erfasst. Sie können um eine beträchtliche Marge hinter denen der Industriestaaten liegen. Innerhalb eines Monats oder Jahres kann es vorkommen, dass bestimmte Unternehmen oder Sektoren in unserem Portfolio sich nicht so entwickeln, wie wir es gern gesehen hätten. Wir sind jedoch langfristige Investoren, keine kurzfristigen Händler, und deshalb halten wir uns an unsere Verkaufsdisziplin.

Mitunter erschüttert ein Kurseinbruch selbst die Grundfesten solider Unternehmen. In diesem Augenblick entstehen günstige Kaufmöglichkeiten. Doch bisweilen ist der Kurs eines Papiers günstig, weil die Gesellschaft in eine Schieflage geraten ist. Wir investieren, wenn wir davon überzeugt sind, dass solche Unternehmen in der Lage sind, sich nach einiger Zeit wieder zu erholen. Selbst gute Unternehmen können vorübergehend schlechte Zeiten erleben.

Ein gutes Indiz, ob eine Aktie einen guten Wert verspricht oder seinen Glanz völlig verloren hat (auch „Value-Falle“ genannt – oder der Kursrückgang ist im Verhältnis zum Substanzwert immer noch zu teuer), hängt aus unserer Sicht vom Wachstum ab. Lässt sich kein künftiges Wachstumspotenzial feststellen, dann ist die Anlage in ein Unternehmen nicht gerechtfertigt. Ist dagegen der Kurs günstig und sind die Ertragsprognosen gut, dann hat man ggf. einen Investment-Case. Sollte ein bestimmter Börsenplatz schnell ansteigen, dann ist es selbstverständlich schwierig, einzelne Werte festzustellen. Sollte ein Titel den von uns erachteten Fair Value erreichen, können wir den Positionsabbau erwägen.

Ich sollte hinzufügen, dass wir bei jeder Aktienauswahl auch makroökonomische Faktoren eines bestimmten Landes untersuchen, das unsere Anlagenthemen unterstützt; tendenziell sind wir aber nicht optimistischer bezüglich eines Landes oder einer Region, da wir uns auf einzelne Unternehmen konzentrieren. Wir glauben, weltweit gibt es in allen Ländern großartige Unternehmen und die meisten Finanzplätze haben zumindest einige attraktive Titel.

Seit über 25 Jahren halten wir an der gleichen Anlagestrategie fest und rechnen diesbezüglich mit keiner Änderung. Unser Team hat die Anlagephilosophie und -methodik unseres Gründers, Sir John Templeton, übernommen, der seine Auffassung mit diesen Worten zusammenfasste: „Zu kaufen, wenn andere verkaufen, und zu verkaufen, wenn andere kaufen – das verlangt großen Mut, macht sich aber bezahlt.“

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