Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Recife, Brasilien – Vorsicht vor Fußbällen und Haien

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Recife in Brasiliens nordöstlichem Bundesstaat Pernambuco ist wegen seiner zahlreichen Wasserläufe und Brücken vielen als „brasilianisches Venedig“ bekannt. Für unser Emerging Markets Team war die Stadt mit ihrem tropischen Klima – so warm und freundlich wie ihre Einwohner – ein reizvolles Winterziel. Die in dieser Gegend ansässigen Brasilianer gelten zwar wegen der milden Witterung als ausgesprochen entspannt, sind aber sehr fleißig, wie wir feststellen konnten. So erzählte uns unser einheimischer Taxifahrer, er arbeite etwa zwölf Stunden täglich – sechs Tage die Woche! Wir erlebten die geschäftige Hafen- und Küstenstadt nicht nur als Tummelplatz für Touristen, sondern auch als potenziell chancenreichen Investmentstandort.

König Fußball

Recife gehört zu den zwölf Gastgeberstädten der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014. Entsprechend hart wurde dort an Infrastruktur- und Bauprojekten gearbeitet. Wie ganz Brasilien sind auch die Bürger Recifes heillos fußballverrückt. Als Viermillionenstadt hat Recife seine Probleme. So steht es im Ruf einer Stadt mit hoher Gewaltkriminalität, obwohl die Zahl der Tötungsdelikte niedriger ist als in vielen anderen Metropolen, unter anderem Detroit und New Orleans in den USA.[1]

Größere Gefahr lauert womöglich im Wasser, in Gestalt aggressiver Haie vor Recifes Küste mit ihren herrlichen Stränden, die viele Touristen anlocken. Recife ist nach dem Riff benannt, das die Strände streckenweise umgibt, doch mit der Flut dringen trotzdem Haie ein, sodass Schwimmer und Surfer auf der Hut sein müssen. Seit 1992 hat es über 50 Haiangriffe gegeben, zum Teil mit tödlichem Ausgang. Das Surfen vor den Stadtstränden wurde 1995 verboten, und die Behörden haben versucht, Haiattacken durch Warnschilder am Strand zu verringern, und durch Patrouillenboote, die Haie in Küstennähe einfangen. Recife zählt zwar weltweit zu den zehn Orten mit den meisten Haiunfällen, ist aber beileibe nicht die einzige Region der Welt mit diesem Problem. Auf der Liste stehen auch Ortsnamen aus Australien und Südafrika sowie Hawaii, Kalifornien und Florida in den USA. Die gute Nachricht ist, dass die Stadtverwaltung in Recife viel tut, um solche Übergriffe zu verhindern.

Von weichem Sand zu hartem Beton

Wir sind aber natürlich nicht wegen seiner Sandstrände nach Recife gefahren, sondern zur Bewertung eines Produzenten von Spannbeton-Fertigteilen. Daher mussten wir etliche Baustellen zur Errichtung von Fabrikgebäuden und anderen Tragkonstruktionen mit hohen Spannweiten aufsuchen. Spannbeton ist ein stabiler Baustoff, der durch hochfeste Spannstahleinlagen höhere Zugspannungen aufnehmen kann als herkömmlicher Beton und auf dem Bau für verschiedene Konstruktionen eingesetzt wird, von Unterzügen über Decken bis hin zu Brücken.

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für den Einsatz von Spannbeton war für uns die gerade fertiggestellte Rio Mar Mall, ein imposantes, modernes, formschönes – und enorm großes – Bauwerk.

Wir schauten uns aber auch im Hafen- und Industriekomplex Porto de Suape um. Dank staatlicher Steueranreize wurden in Brasilien in den 1970er/80er-Jahren viele Industrieunternehmen gegründet. Das Porto de Suape-Areal ist heute Standort von Firmen aus verschiedenen Branchen wie Brauereien, Konservenherstellern, Autoelektronik- und Textilunternehmen. Es gibt dort auch eine große Werft, auf der bei unserem Besuch gerade an zwei hoch komplexen Ölförderschiffen gebaut wurde – im Rahmen der staatlichen Bestrebungen, die heimische Offshore-Ölindustrie im eigenen Land mit Bohrschiffen, Förderschiffen und Offshore-Plattformen zu versorgen.

Außerdem besichtigten wir ein Bauprojekt auf 13.500 Hektar im Hafengebiet, das neben vielen Projekten für Neben- und Zulieferindustrie auch eine Ölraffinerie und einen Petrochemiekomplex umfasst. Im Rahmen dieses Joint Ventures von Brasilien und Venezuela soll Schweröl aus Venezuela und Brasilien zu Diesel und anderen petrochemischen Produkten verarbeitet werden, um die steigende Nachfrage aus dem Nordosten Brasiliens zu befriedigen. Die Kosten für das Projekt wurden ursprünglich auf 2,5 Mrd. US-Dollar beziffert, doch das Budget soll gewaltig angeschwollen sein – auf über 16 Mrd. US-Dollar. Die Partnerschaft bekam durch Probleme auf finanzieller und politischer Ebene Risse, doch die China Development Bank sprang mit 75% der zur Weiterführung benötigten Kreditgarantien ein. Im Gegenzug sollen künftig Öllieferungen erfolgen. Der Bau begann 2006 und ist noch nicht abgeschlossen. Aus der Vogelperspektive nahmen wir auf der riesigen Baustelle rege Aktivität wahr, doch eine Fertigstellung in diesem Jahr erscheint angesichts der noch anstehenden Arbeiten ehrgeizig.

Ist Recifes Petrochemiekomplex erst in Betrieb, könnte die brasilianische Bevölkerung profitieren. Zucker ist ein Hauptanbauprodukt des Landes, und die Herstellung von Ethanol aus Zucker ein wichtiger Industriezweig. Aufgrund dieser Projekte boomt in Recife nicht nur die Tourismusbranche. Angesichts einer wachsenden Bevölkerung floriert der Einzelhandel, wie die belebten Einkaufsmeilen zeigen. Wir entdecken in Nordostbrasilien eine Reihe potenzieller Anlagegelegenheiten und wollen mehr Zeit in der Region verbringen – und Surfen steht dabei sicher nicht auf dem Programm!  

Blick von oben auf eine Baustelle im sonnigen Recife, Brasilien



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