Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Fragen & Antworten: China und Indien – Motoren der Schwellenmärkte

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In Anbetracht ihres Gewichts unter den Schwellenmärkten gehören China und Indien zu den Ländern über die ich am häufigsten befragt werde – insbesondere auch immer dann, wenn ihre Märkte, z. B. aufgrund eines Konjunkturrückgangs, Notsignale aussenden. Vergangene Woche waren das Templeton Schwellenmarktteam und ich im Rahmen einer umfangreichen Recherchereise in China. Ziel war es, den Markt und viel versprechende Unternehmen eingehender zu analysieren. Ich denke diese Reise bietet einen guten Anlass Ihnen einige Antworten auf die Fragen, die mir in letzter Zeit zu China und Indien gestellt wurden, mitzuteilen.

CHINA

Erwarten Sie eine weitere Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft?

Die chinesische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2013 gegenüber dem Vorjahr um 7,5%. Das entspricht dem von der Regierung gesetzten Wachstumsziel. Auch wenn die chinesische Wirtschaft nur noch langsamer wächst als im ersten Quartal – das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorjahr betrug da 7,7% – ist das BIP-Wachstum in China immer noch höher als in vielen anderen führenden Märkten. Und wir denken, das wird noch einige Zeit so bleiben. Auf der positiven Seite löst China sich langsam aber sicher immer mehr von der Abhängigkeit von Exporten. Das Land richtet sich auf nachhaltigeres Wachstum aus.

Es gibt mehrere Gründe dafür, warum mein Team und ich glauben, China verfügt über Potenzial für starkes, langfristiges Wachstum. Ein Beispiel: Das verfügbare Einkommen der chinesischen Mittelklasse steigt. Viele chinesische Verbraucher profitieren von Lohnsteigerungen um 20% und mehr pro Jahr. Persönliche Vermögen könnten verstärkt in Ersparnisse und Investments fließen.

Außerdem schreitet die Urbanisierung rasch voran. Die Regierung steckt mehr Ressourcen in Infrastruktur und sozialen Wohnungsbau. Aber auch in den Ausbau von Sozialleistungen, Bildung und der medizinischen Versorgung von Zuwanderern in die Städte.

Außerdem erwarten wir eine Neupositionierung der chinesischen Wirtschaft. Ziele sind die Reduzierung der Abhängigkeit von Exporten und Investitionsausgaben und die Steigerung der Binnennachfrage. Bestrebungen zur Abkehr von arbeitsintensiven Industrien mit geringer Wertschöpfung und Zuwendung zu hochtechnologischen Aktivitäten dürften das Lohnniveau anheben. Denn dann steigt auch der Bildungsstand der Erwerbsbevölkerung in China.

Was denken Sie über die Schwäche des Markts für die im Inland gehandelte A-Aktien im Juni?

A-Aktien sind Aktien einheimischer, chinesischer Unternehmen, die im Renminbi notiert sind. Sie werden vorwiegend unter einheimischen Anlegern an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gehandelt. Wir halten die jüngsten Kursschwächen der A-Aktien für eine Überreaktion auf die Ereignisse in letzter Zeit. Hinweise auf eine Drosselung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen in den USA können durchaus als Zeichen eines zunehmenden Vertrauens in die Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung in den USA gewertet werden. Das wäre für den chinesischen Export positiv. Außerdem werden wohl auch die japanischen Maßnahmen zur Schaffung geldpolitischer Anreize in den kommenden Quartalen zum Ausgleich einer möglichen Drosselung der US-Liquidität beitragen. Auch die Maßnahmen der People’s Bank of China zur Beeinflussung der Interbankzinsen könnten gesündere und somit nachhaltigere Finanzmärkte schaffen. Sie wurden ergriffen, um die unmäßigen „Schattenbank“-Aktivitäten einzuschränken. Wir konnten bereits eine Erholung beobachten. Seit Ende Juni bis Mitte September verzeichneten die Märkte für A-Aktien einen Aufwärtstrend.[1] 

Ein Markt von der Größe Chinas ist nicht einfach nur gut oder schlecht. Es wäre daher falsch den Markt zu verallgemeinern. Unserer Ansicht nach dürfte sich langfristig bei den Aussichten für den A-Aktienmarkt eine steigende Tendenz abzeichnen. Chinas Wirtschaftswachstum ist nach wie vor hoch und Marktreformen scheinen in die richtige Richtung zu gehen. Laut unserer Analysen liegen die Aktienbewertungen derzeit insgesamt nicht weit über den Tiefständen von 2008. Wir glauben daher, viele der chinesischen A-Aktien sind momentan attraktiv bewertet.

INDIEN   

Die Rupie fiel im August auf einen historischen Tiefstand. Somit ist sie eine der im bisherigen Jahresverlauf am schlechtesten abschneidenden Währungen. Wie sehen Sie diese Schwäche?

Das stimmt, die Rupie hat in letzter Zeit Wert verloren. Die Schwäche ist bezeichnend für die schlechte politische Lage im Land und das Investmentklima. Wird dies erst einmal korrigiert, wird unserer Meinung nach die Rupie auch wieder an Stabilität gewinnen. Die Währungsschwäche kann sich aber für bestimmte Investments positiv erweisen. Eine schwache Rupie ist zum Beispiel hervorragend für die indische Outsourcing-Branche. Deren Kosten werden in Rupien, die Einnahmen in US-Dollar gerechnet. Unser Interesse an solchen Unternehmen ist also gestiegen.

Es gibt Befürchtungen über eine Herabstufung des Kreditratings Indiens. Was denken Sie, wie wahrscheinlich ist das? 

Ratingagenturen schauen sich im Allgemeinen den aktuellen Zustand eines Landes an und lassen sich von den aktuellen Aussichten für das Land leiten. Es liegt an der Regierung zu zeigen, dass die langfristigen Fundamentaldaten der Wirtschaft stimmen.

Erwarten Sie angesichts des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums, der schwächer werdenden Währung, der steigenden Zinsen und gestiegener Rohstoffpreise einen steigenden Inflationsdruck in Indien?

Mein Team und ich glauben, die Regierung muss der Inflation mit erhöhter Produktivität begegnen. Das ist eine fortwährende Aufgabe. Es gibt keinen Grund dafür, dass ein Land, das einige der billigsten und qualitativ hochwertigsten Medikamente herstellt und Software- und Dienstleistungsfabrik der Welt ist, nicht dazu in der Lage sein sollte, Waren zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen.

Was kann die indische Regierung gegen die Verluste der indischen Rupie in diesem Jahr, die hohen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite und das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum tun?

Wir sind der Ansicht, die Nutzbarmachung des erheblichen Potenzials, das Indien bietet, muss der wichtigste Schritt der indischen Regierung sein. Tatsächlich ist Indien nach wie vor mit Ausnahme seines Energiebedarfs Nettoexporteur.  Wir sollten uns über das Leistungsbilanzdefizit nicht zu viele Gedanken machen. Und wir müssen Kurzschlussreaktionen vermeiden. Es muss unserer Ansicht nach sicher gestellt werden, dass die vielen indischen und internationalen Unternehmen, die aufrichtig bestrebt sind Investitionen zu tätigen und in Indien etwas bewegen wollen, dies auch in angemessener Höhe tun. Wir meinen, die Regierung muss das Ausmaß der Beeinflussung der Wirtschaft durch den öffentlichen Sektor allmählich reduzieren. Privatunternehmen muss die Möglichkeit geboten werden, Investitionen zu tätigen. Das könnte zu einer erhöhten Produktivität führen. Dann dürfte sich unserer Ansicht nach auch das Wachstum verbessern und die Währung würde stärker werden. Es ist ermutigend, dass die Regierung endlich Maßnahmen zur Liberalisierung von Investitionen ergreift. Das darf aber nicht nur sein, um Kapitalzuflüsse zu erhöhen, sondern auch um Effizienz und Produktivität zu verbessern.



[1] Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Entwicklungen.

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