Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Werden die Probleme der USA Anleger in die Schwellenmärkte treiben?

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Der Regierungsbetrieb in den USA war mehr als zwei Wochen lang eingestellt. Anleger in der ganzen Welt, auch jene in den Schwellenmärkten, beobachteten gespannt die verfahrene Situation und begannen für den Fall eines Zahlungsausfalls der USA zu planen. Spät am Mittwoch einigte sich der US-Kongress dann auf eine kurzfristige Anhebung der Schuldenobergrenze bis Februar. Somit wurde Regierungsstellen ermöglicht, ihren Betrieb wieder aufzunehmen. Eine definitive, langfristige Lösung für die Schuldenprobleme des Landes war damit aber noch nicht gefunden. Wir erlebten nur wieder einmal die Wiederholung einer politischen Betriebsstörung.

Die Schuldenobergrenze ist die absolute Höchstgrenze für die Schulden, die das US-Finanzministerium öffentlich und bei Bundesbehörden aufnehmen kann. Diese Obergrenze – und somit die Ermächtigung der USA zur Aufnahme weiterer Schulden – wäre am 17. Oktober erreicht worden, sofern keine Maßnahmen zu ihrer Erhöhung ergriffen worden wären. Hätte der Kongress dieses Limit nicht angehoben, wären die USA zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit ihren Zahlungsverpflichtungen in Verzug geraten. Dies auch gegenüber internationalen Anlegern wie China und Japan. Laut dem Congressional Budget Office, dem Haushaltsamt des Kongresses, hätte das Land wahrscheinlich schon vor Monatsende nicht mehr genug Geld gehabt um seine Rechnungen bezahlen zu können, sofern diese Woche keine Einigung erzielt worden wäre. Davon wären Sozialleistungen, Gehälter und Zinsen betroffen gewesen.

Die unmittelbare Gefahr eines Zahlungsausfalls konnte zwar abgewendet werden, die Finanzprobleme der USA wurden dadurch jedoch nicht gelöst. Natürlich würde ein größerer Schuldenschock in den USA die Märkte in der ganzen Welt erschüttern. Aber ich denke, das wäre nur vorübergehend. Wie das bei Marktkrisen eigentlich immer der Fall ist, dürften sich meiner Meinung nach einigen Anlegern Chancen eröffnen, während anderen Verluste drohen.

Ich meine, es aber sehr unwahrscheinlich, dass die USA gerade mit ihren ausländischen Schulden in Verzug geraten werden. Zunächst gibt es möglicherweise noch weitere Mittel im Haushalt, die zur Deckung fälliger Zinsen gefunden werden könnten. Außerdem würde es wohl der Führung beider Parteien widerstreben, einen Ausfall zuzulassen. Das würde das Ende billiger Kredite an die USA bedeuten. Darüber hinaus handelt es sich hierbei auch um eine Frage der nationalen Sicherheit der USA: Der US-Dollar ist die wichtigste Reservewährung der Welt und Haupthandelswährung. Daher wird der globale Einflussbereich der USA und ihre Sicherheit durch ihre Fähigkeit internationale Geldflüsse einzuschränken und zu überwachen gefestigt. Hierzu gehört auch die Möglichkeit Sanktionen gegen Länder zu verhängen.

Falls die US-Regierung zukünftig in eine Schuldenkrise (Zahlungsausfall) geraten würde, wäre die unmittelbare Reaktion aller Wahrscheinlichkeit nach eine hohe Volatilität der Märkte weltweit. Ich glaube aber, die Vorhersagen eines „Zusammenbruchs“ sind höchstwahrscheinlich übertrieben. Die Welt ist heutzutage einfach äußerst diversifiziert. Auch wenn der US-Dollar wichtigste globale Währung ist, werden viele Transaktionen in Euro und zunehmend auch im chinesischen Renminbi ausgeführt. Ich denke auch, diese fortwährenden Probleme in den USA werden aller Voraussicht nach die Investmentallokationen in der ganzen Welt verändern. Dies führt wahrscheinlich zu weniger Gewicht auf dem US-Dollar und einer stärkeren Diversifikation, also Streuung, in andere Währungen und Vermögenswerte. Der globale Handel könnte sich verändern. Ein größerer Anteil am Handel könnte in anderen Währungen, wie dem Euro oder Renminbi, abgewickelt werden.  Außerdem könnte der Wert in US-Dollar von Edelmetallen und anderen seltenen Sammlerstücken steigen. 

Aus meiner Sicht könnten die Probleme, denen die USA sich derzeit mit ihrem Haushalt gegenüber sieht, und die Diskussionen über die (äußerst unwahrscheinliche) Möglichkeit eines Zahlungsausfalls unweigerlich eine langfristig positive Entwicklung für einige Schwellenmärkte darstellen. Der Grund: Abflüsse aus US-Schatzanleihen könnten in andere Märkte fließen. Das könnte Anleger, die stark in US-Anleihen investiert sind, und auch den breiteren US-Markt veranlassen, sich Gedanken darüber zu machen, ob man nicht zu viele Eier in einem unsicheren US-Korb hat. Das wiederum könnte sie veranlassen, ihre Anlagen global stärker zu diversifizieren, also zu streuen. Zu solch einem Portfolio könnte durchaus auch ein verstärktes Engagement in Schwellenmärkten gehören. Die USA haben eine hohe Verschuldungsquote[1], ein langsames Wachstum und nur begrenzte Devisenreserven. Demgegenüber verfügen Schwellenmärkte im Vergleich zu den USA im Allgemeinen über eine viel niedrigere Verschuldung, höheren Devisenreserven und ein viel höheres BIP-Wachstum. 

Wenn man das gesamte Universum der Schwellenmarktaktien zusammen nimmt und nicht nur die indexgeführten Titel betrachtet, machen die Schwellenmärkte inzwischen 35% der weltweiten Marktkapitalisierung aus[2].

Wie Sir John Templeton zu sagen pflegte: „Um zu vermeiden, dass man alle Eier zum falschen Zeitpunkt im falschen Korb hat, sollte man diversifizieren[3].“



[1] Die öffentliche Verschuldung des Bundes beträgt inzwischen 73 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Quelle: Haushaltsamt des US-Kongresses (US Congressional Budget Office), September 2013

[2]Stand: 31. Dezember 2011. Quellen: Bloomberg LLP, FactSet. © 2013 FactSet Research Systems Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind Eigentum von FactSet Research Systems Inc. und/oder deren Content-Providern, (2) dürfen nicht kopiert oder verbreitet werden und (3) gelten ohne Gewährleistung von Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität. Weder FactSet Research Systems Inc. noch deren Content-Provider haften für etwaige Schäden oder Verluste, die aus Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für künftige Ergebnisse.

[3] Diversifizierung (Streuung) ist keine Garantie für Gewinne und schützt nicht gegen Verluste.

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