Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Kleines ist von großem Interesse

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch, Vereinfachtes Chinesisch, Holländisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch

 

In den USA gibt es eine populäre Redensart: „Good things come in small packages“. Sinngemäß bedeutet dies „Klein aber fein“ und bezieht sich in der Regel auf Schmuckgeschenke. Mein Team und ich finden, diese Redensart lässt sich auch hervorragend auf die Investmentwelt anwenden. Denn wir treffen oft auf Unternehmen, die zwar klein sind, aber über ein großes langfristiges Potenzial verfügen.

Die Schwellenmarktindizes werden häufig von einer Handvoll großer Unternehmen dominiert, normalerweise aus den Sektoren Energie, Banken, Telekommunikation, Schwerindustrie und Bergbau. Diese Unternehmen werden oft von politischen oder globalen makroökonomischen Faktoren stärker beeinflusst als ihre jeweiligen Volkswirtschaften. Unser Team trifft Entscheidungen nicht auf Grundlage von Benchmarks. Wir verfolgen bei unseren Anlagen einen Bottom-up Ansatz. Dadurch stoßen wir immer wieder auf günstige Gelegenheiten unter einzelnen klein- und mittelständischen Unternehmen. Diese finden sich in der Regel in stärker unternehmerisch ausgeprägten Sektoren, wie den zyklischen Konsumgütern und in der Leichtindustrie. Viele dieser Unternehmen sind stärker binnenmarktorientiert als die größeren Akteure. Sie können daher besser auf die Faktoren ausgerichtet werden, die das Wirtschaftswachstum in dem jeweiligen Land bzw. Markt, in dem sie tätig sind, bestimmen.

Einfluss der Mittelklasse

Solche Unternehmen sind in der Regel auch verbraucherorientierter als größere Firmen. Dadurch sind sie Teil einer Entwicklung, die wir als potenziell wichtigsten Treiber der Rentabilität von Schwellenmarktunternehmen sehen: Die derzeit stattfindende Verschiebung der Märkte in einer Vielzahl von Schwellenmärkten von export- und investitionsorientiertem Wachstum zu einem Wachstum auf Grundlage steigender Verbrauchernachfrage. Die Mittelklasse wächst in der ganzen Welt. Das hat einschneidende Auswirkungen auf das Konsumverhalten in Schwellenmärkten. Mit höheren verfügbaren Einkommen erheben viele Menschen in Schwellenländern Anspruch auf Konsumgüter – von Bier über Kleidung bis zu Mobiltelefonen. Diese Bevölkerungsgruppe gewinnt im positiven Sinn auch zunehmend Status und somit Einfluss auf die Politik und das politische Geschehen.

Die Definition von „Mittelklasse“ unterscheidet sich von Land zu Land – je nachdem, ob es sich um ein Schwellen- oder ein Industrieland handelt.Insbesondere in Afrika definiert die Afrikanische Entwicklungsbank „Mittelklasse“ im Großen und Ganzen als Bevölkerungsgruppe mit überdurchschnittlichem Einkommen. Dieser Durchschnitt ist in Afrika natürlich niedriger als in Industriestaaten. Schätzungen der Bank zufolge traf diese Definition von Mittelklasse 2011 auf 34% der afrikanischen Bevölkerung zu (annähernd 350 Millionen Menschen). Ein Anstieg von 27% im Jahr 2000.[1] Die Konsumkultur wächst hier ganz eindeutig parallel zum verfügbaren Einkommen – eine Tatsache, die ich persönlich erleben durfte.

 

Bedienung der Nische

Viele kleinere Unternehmen befinden sich oft noch in einer frühen Phase ihrer Entwicklung. Sie können daher potenziell schneller wachsen als der breitere Aktienmarkt. So konnten wir mehrere relativ kleine Unternehmen in Märkten wie Südkorea und Hongkong ausfindig machen, die durch Produktionsstärke, Marketing und ihre Managementsysteme im lokalen Konsumsektor eine Reihe von Nischen beherrschen. Global betrachtet sind sie aber nach wie vor klein. Wenn diese Unternehmen zur Expansion in benachbarte Schwellenländer Kompetenzen einsetzen, die sie in ihren heimischen Märkten gewinnen konnten, verzeichnen sie oft ein beschleunigtes Wachstum. 

Die Untersuchung des Segments für kleinere Unternehmen ist ein wichtiger Aspekt unserer Research-Tätigkeit, denn manch ein Titel mit geringer Kapitalisierung kann sich potenziell zu einem zukünftigen Riesen entwickeln. Manche Unternehmen, die uns zuerst im Rahmen unserer Recherche kleinerer Unternehmen auffielen, z. B. in den Bereichen Pharma oder Basiskonsumgüter, sind inzwischen zu Large-Caps herangewachsen. Die Daten, die wir im Rahmen unserer Recherche kleinerer Unternehmen gewinnen, können außerdem erheblich zu unserem Verständnis der Rahmenbedingungen in den jeweiligen Schwellenmärkten beitragen.

Unserer Ansicht nach sind die potenziell negativen Aspekte von Anlagen in kleinere Unternehmen steuerbar. Zu diesen zählen der kostenintensivere Research, Informationsmangel, eine höhere Volatilität (insbesondere kurzfristig) und eine beschränkte Liquidität. Die Investments erfordern manchmal etwas Geduld. Wir denken aber, unsere langfristige Perspektive hilft diese Risikofaktoren unter Kontrolle zu halten.

Davon abgesehen ermöglicht allein die Zahl und Vielfalt der Möglichkeiten eine Diversifizierung[2]. So konnte unser Research-Team (Stand: September 2013) etwa 21.500 Firmen in unserem Thema kleinere Unternehmen in Schwellenmärkten identifizieren. Das Informationsdefizit sehen wir eher als Vorteil, denn als Problem. Sind Fakten knapp und schwer zugänglich, können Bewertungsanomalien entstehen. Wir meinen aber, mit unserer Research-Methodik gut aufgestellt zu sein, um solche Chancen zu finden. Wir sind der Ansicht, die starke Präsenz unseres Schwellenmarkt-Teams vor Ort ist ebenfalls von hohem Wert. Das Team hat derzeit Standorte in 18 Städten in Asien, Zentral- und Südamerika, Europa, dem Nahen Osten und in Afrika.

Angesichts dieser Faktoren meinen wir, dass Anleger, die sich ausschließlich auf größere Marktteilnehmer konzentrieren, die Chance von einigen der dynamischsten Segmenten der Schwellenmärkte zu profitieren verpassen. Eine ausführliche Einzeltitelrecherche zur Ermittlung der Ertrags- und Rentabilitätstreiber eines Unternehmens ist unter diesen Bedingungen unserer Ansicht nach jedoch beim Anlageprozess ein grundlegendes Erfordernis. Wir glauben, kleinere Unternehmen stellen eine klare Anlagechance dar – insbesondere für langfristige Anleger, die aus dem dynamischen Wachstum vieler Schwellenmärkte Kapital schlagen möchten.

 


[1] Quelle: Afrikanische Entwicklungsbank, „Die Mitte der Pyramide – Dynamiken der Mittelklasse in Afrika“ , April 2011.

[2] Diversifizierung ist keine Garantie für Gewinne und gewährt keinen Schutz vor Verlusten

Twitter

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.