Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Vereinigte Arabische Emirate: Schmelztiegel der Schwellenmärkte

Dieses Posting steht Ihnen in den folgenden Sprachen zur Verfügung: Englisch, Vereinfachtes Chinesisch, Holländisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch

Die Region Naher Osten/Nordafrika, auch „MENA“ genannt, besteht aus 11 Ländern. Sie reicht von Oman bis Marokko. Zu ihr gehören auch Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Libanon, Katar, Saudi-Arabien, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Vor kurzem durfte ich wieder einmal Dubai besuchen. Dubai ist die größte Stadt der VAE und wirklich beeindruckend und kosmopolitisch mit seiner bunt gemischten Bevölkerung aus der ganzen Welt. Einige MENA-Länder waren in den letzten Jahren von geopolitischen Problemen geplagt. Doch die VAE fanden im Gegensatz zu einigen anderen Grenzmärkten der Region aufgrund ihrer relativen Stabilität – und den generell guten Wirtschaftsaussichten – durchaus Interesse unter Anlegern. Die VAE sind ein interessantes Anlageziel. Und sie sind Beleg dafür, dass man die Region nicht pauschal bewerten darf.

Die Aussichten für die VAE sind gut – und das nicht nur von den Wolkenkratzern aus, die sich aus dem Wüstensand erheben. Der Anbieter internationaler Aktienindizes MSCI kündigte an, er werde die VAE (zusammen mit Katar) ab Mai diesen Jahres vom Grenzmarkt-Status auf Schwellenmarkt-Status heraufstufen. Der wohl signifikanteste Aspekt dabei dürfte das zusätzliche Vertrauen sein, das dieser Schritt unter Anlegern schafft. Wir denken, dies könnte zu höheren Portfoliozuflüssen führen. Da sind zum Einen ausländische institutionelle Anleger, aber auch passive Anleger bzw. Anleger, die einen Index nachbilden. Diese Aussicht auf zusätzliche Liquidität könnte die Politik veranlassen, die Märkte weiter zu reformieren – eine Entwicklung, deren Beginn wir bereits beobachten konnten. Zu den Reformen, die diskutiert werden, gehört auch die mögliche Verschmelzung der beiden Börsen der VAE – Abu Dhabi Securities Exchange Market (ADX) und Dubai Financial Market (DFM).

Ich denke, die Zukunft der VAE sieht aus vielerlei Gründen rosig aus. In der „Ease of Doing Business“ Rangliste der Weltbank schneiden die VAE in der Region mit am besten ab – 2014 nahmen sie den 23. Platz unter 189 Ländern ein.[1] Die VAE sind, zusammen mit Bahrain, Saudi-Arabien, Oman, Katar und Kuwait, Mitglied des Golf-Kooperationsrats (GCC). Das ist eine Gruppierung die meiner Meinung nach, was ihr Wachstum betrifft, in den nächsten Jahren noch positiv überraschen wird. Für 2014 prognostiziert der Internationale Währungsfonds für die VAE ein BIP-Wachstum von 3,9%.[2] Steuern sind in den GCC-Staaten generell niedrig. Die VAE stechen in dieser Hinsicht noch hervor. Die Einkommen sind in Dubai steuerfrei. Gewinne werden ebenfalls nicht versteuert. Das ist nicht nur für die Menschen, sondern auch für Unternehmen äußerst attraktiv. Alle diese Länder haben ihre Währungen an den US-Dollar gekoppelt. Ausnahme ist Kuwait, das seine Währung an einen Korb bzw. eine Gruppe von Währungen gekoppelt hat. Die Auswirkungen einer Reduzierung oder Einstellung des langjährigen Anlagenankaufprogramms der US-Notenbank Federal Reserve auf diese Währungen dürfte daher moderater ausfallen als in einigen anderen Schwellenmärkten. Dubai hat auch zum Ziel, globales Zentrum für islamisches Finanzwesen zu werden, das sich durch schariakonforme Anlageformen auszeichnet. Ich denke, diese Entwicklung steht noch ganz am Anfang, denn es besteht weltweit großes Interesse an diesen Produkten.

Der Immobilienboom in Dubai

Der Immobilienmarkt in Dubai hat sich nach dem Boom 2008 und dem Crash 2009 wieder erholt. Die Zahl der Bauvorhaben steigt parallel zu den Immobilienpreisen. Die Eigenheimpreise stiegen im dritten Quartal um 21% gegenüber dem Vorjahr nachdem sie bereits um 18% im zweiten Quartal und um 18% im ersten gestiegen waren.[3] Bildet sich im Immobilienmarkt in Dubai eine Blase? Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Derzeit sehe ich immer noch eine hohe Nachfrage von Anlegern aus Saudi-Arabien, Iran, Ägypten, Indien, Pakistan und anderenorts im Nahen Osten und der Welt. Die Regierung ist sich über die Möglichkeit einer Blase bewusst. Sie ist daher vorsichtig. Im Vergleich zu 2008 erscheint der Immobilienboom in Dubai heute solider. Dies u.a. auch, weil Maßnahmen zur Einschränkung von Spekulationen ergriffen wurden, z. B. durch die Begrenzung von Hypotheken. Beim letzten Crash waren die meisten Käufe bankfinanziert und erfolgten noch vor Baubeginn. Es handelte sich nicht um fertige Gebäude. Heute werden die meisten Transaktionen in bar abgewickelt. Wohnungen werden gebaut und sind bezugsfertig. Wer kauft? Die meisten Käufer stammen aus anderen GCC-Ländern. Das lässt sich leicht an den Nummernschildern vor den Einkaufs- und anderen Zentren in Dubai erkennen. Nach den GCC-Käufern stammt die nächstgrößte Käufergruppe vom indischen Subkontinent, aus Indien und Pakistan, gefolgt von Jordanien, dem Libanon und Syrien sowie Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern. Russen und Iraner sind ebenfalls aktive Investoren. Auch die Chinesen haben sich zu starken Immobilienkäufern in Dubai entwickelt.

Die ständige Bevölkerung der VAE beläuft sich derzeit auf etwa neun Millionen. Davon leben zwei Millionen Menschen in Dubai. Aber es kommen jährlich 11 Millionen Besucher nach Dubai. Die ständige Bevölkerung ist also in der Minderheit. Heute leben in Dubai Menschen aus Hunderten verschiedenen Länder. Während wir in einem französischen Restaurant speisten, erfuhren mein Team und ich, dass unsere Bedienung aus Guinea stammte, aber in Frankreich aufgewachsen war. Bei anderen Gelegenheiten trafen wir Beschäftigte aus Usbekistan, Russland, Brasilien und der Ukraine. Der Betreuer im Fitness-Club unseres Hotels stammte aus Indien. Das ist das Dubai von heute – eine wirklich kosmopolitische Stadt mit Menschen aus aller Welt. Ich werde bei jedem Besuch von neuem inspiriert!

Dubai richtet den Blick auf die Welt

Dubai, VAE. Im Hintergrund das Burj Khalifa

Während unseres Aufenthalts in Dubai wurde auf äußerst beeindruckende Weise bekannt gegeben, dass die Stadt zum Gastgeber der Weltausstellung World Expo 2020 erkoren worden war und somit Izmir (Türkei), Sao Paulo (Brasilien) und Jekaterinburg (Russland) geschlagen hatte. Ich hörte ein lautes Knallen und sprang von meinem Stuhl. Überall am Burj Khalifa, dem höchsten – und meiner Meinung nach – schönsten Gebäude der Welt, brannten Feuerwerke ab. Vom Erdgeschoss bis ganz nach oben flogen Feuerwerkskörper von den Balkonen jeder Etage. Was für eine Show! Dann wurde das Gebäude in blaues Licht gehüllt – die Farbe des Expo-Themas Dubais. Berichten zufolge investiert Dubai viel Geld und Mühe, damit die Veranstaltung ein großer Erfolg bei den internationalen Besuchern wird.

Am Neujahrsabend begrüßte das gleiche Gebäude das neue Jahr 2014 mit einem noch beeindruckenderen Feuerwerk. Besucher aus aller Welt waren gekommen, um es zu sehen und viele sahen es von zu Hause aus.

Ich denke, dieser globale Schmelztiegel Dubai dürfte sogar noch mehr Besucher – und Anleger – anlocken, denn seine Bedeutung auf der Weltbühne wird in den kommenden Jahren noch zunehmen.

 


[1] Quelle: Weltbank. 2013. „Doing Business 2014: Understanding Regulations for Small and Medium-Size Enterprises“. Washington, DC: Weltbankgruppe. DOI: 10.1596/978-0-8213-9984-2. Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0.

[2] Quelle: IMF World Economic Outlook, Oktober 2013. Copyright © 2013. Internationaler Währungsfonds. Alle Rechte vorbehalten.

[3] Quelle: Global Property Guide, 16. Dezember 2013.

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.