Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Verbraucherdienste in Schwellenländern

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Das Templeton Emerging Markets Team betrachtet die steigende Verbrauchernachfrage schon länger als wichtiges Thema für die Entwicklung der Volkswirtschaften und Aktienmärkte von Schwellenländern und geringer entwickelten Grenzmärkten. Besonders interessant finden wir diesbezüglich nicht nur die steigende Nachfrage nach Produkten, sondern auch nach Dienstleistungen für Verbraucher. Unsere Research-Kriterien haben eine wachsende Kategorie schwellenländerbasierter Dienstleistungsunternehmen ermittelt, und wir erkennen beträchtliches Wachstumspotenzial für den Service-Sektor auf Schwellen- und Grenzmärkten.

Nach Angaben der Weltbank entfielen über 70% der Wirtschaftsaktivität „einkommensstarker“ Länder 2012 auf Dienstleistungen.[1] Für Länder mit „niedrigen und mittleren Einkommen“, also Schwellen- und Grenzmärkte, betrug der Wert 53%.[2] Dienstleister in Schwellenländern könnten daher unseres Erachtens nicht nur vom zugrunde liegenden Wirtschaftswachstum profitieren, sondern auch von der Angleichung ihres Anteils an der Wirtschaft an die Industrieländer.

PeopleworldIn China ist der Dienstleistungsanteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) besonders gering – mit 45% für 2012, was in etwa dem dortigen Industriesektor entsprach –, doch damit steht das Land nicht alleine. In Indonesien machten Dienstleistungen 2012 beispielsweise nur 39% des BIP aus, während die Zahl für den afrikanischen Grenzmarkt Nigeria lediglich bei 26% lag.[3] Wir erkennen für diese Märkte Anlagechancen in einem breiten Spektrum von Dienstleistungsaktivitäten. Ein typisches Beispiel ist der Einzelhandel. Minimärkte und Supermarktketten expandieren in vielen Ländern, indem sie Einzelgeschäften Marktanteile abnehmen und durch inoffizielle Handelsgeschäfte. Sie genießen Vorteile durch Skaleneffekte und effiziente Führung.

Konjunkturabhängige Ausgaben können unverhältnismäßig rasch anziehen, wenn Verbraucher wohlhabender werden. Wir haben Nischenunternehmen in Bereichen wie Schmuck und Kosmetik ausfindig gemacht, deren Umsätze und Gewinne deutlich stärker gestiegen sind, als es ihre vergleichsweise moderaten Bewertungen nach unserem Dafürhalten vermuten lassen. Auch wachsende Pro-Kopf-Vermögen in Schwellenländern liefern vermehrt die Ressourcen für zunehmende Freizeitausgaben. Wir entdecken dazu Gelegenheiten in verschiedenen Unterhaltungsunternehmen.

So verzeichnete die chinesische Sonderwirtschaftszone Macau 2013 einen drastischen Umsatzzuwachs in der Unterhaltungs- und Freizeitindustrie. Verbesserte Anbindung an das übrige Land führte im Zusammenspiel mit dem Bau neuer Hotel- und Freizeitanlagen auf dem dem Meer abgewonnenen „Cotai Strip“ zu einem kräftigen Anstieg der Touristenzahlen. Auch der Tourismus auf dem chinesischen Festland nimmt zu. Organisierte und geregelte Pauschalreisen werden dabei zunehmend von Individualreisen verdrängt, was frischen Wind in die Branche bringt.

Ein weiterer potenziell großer Wachstumsbereich ist in unseren Augen der Finanzdienstleistungssektor. Verbraucher dürften bald verstärktes Interesse an Sparprodukten und Krediten zeigen. Wir nehmen auf Schwellen- und Grenzmärkten ein übergreifendes Muster wahr, nämlich die Umorientierung gut geführter Banken im Kreditgeschäft von Staatsbetrieben und Behörden auf Verbraucher und Kleinunternehmen. Unseres Erachtens versprechen wachsender Wohlstand und alternde Bevölkerungen auch der Versicherungsbranche mehr Geschäft, da Nachfrage nach Produkten wie Renten- und Krankenversicherungen entstehen sollte. Nach unserer Auffassung könnten Schritte zur Stärkung sozialer Sicherungssysteme, wie sie in Chinas jüngsten Reformvorschlägen vorkamen, die Nachfrage nach Versicherungsprodukten durchaus kräftig anheizen.

Telekommunikations-Unternehmen haben auf Schwellen- und Grenzmärkten hohes Wachstum verzeichnet, allen voran Mobilfunk-Dienstleistungen. Kunden aus vielen solchen Ländern, vor allem in Afrika, haben die mobile Technik begeistert angenommen. Sie spielt heute de facto schon eine größere Rolle als das traditionelle Festnetz.

Das spannendste Dienstleistungssegment zeichnet sich in unseren Augen aber womöglich im Zusammenhang mit der Entwicklung des Internets ab. Da traditionelle konventionelle Geschäfte auf vielen Schwellenmärkten rar gesät sind, hat sich der Online-Handel in vielen Dienstleistungsbranchen rasch durchgesetzt.  Lateinamerikanische Internet-Handelsplattformen, chinesische Online-Reisebüros und Ticketanbieter sowie afrikanische Dienste für mobilen Geldtransfer sind Beispiele für traditionelle Dienstleister, die sich an die Online-Ära angepasst haben. Chinesischsprachige Internetportale verzeichnen enormes Wachstum, aber auch Suchmaschinen und andere wertsteigernde Dienstleister profitieren vom Widerwillen der chinesischen Regierung, die US-Konkurrenz zuzulassen. Chinesische Verbraucher nehmen mobile Internetdienste und Spiele rege an, was den betreffenden Unternehmen unserer Ansicht nach potenziell hohe Umsatzströme beschert.

Wir sehen erwartungsvoll der nächsten Welle potenzieller künftiger Chancen für die Dienstleistungsindustrie entgegen, denn die Macht der Verbraucher aus Schwellenländern dürfte unserer Einschätzung nach weiter zunehmen.



[1] Quelle: Weltbank: World Development Indicators: Daten der Weltbank zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und Dateien der OECD National Accounts, 2012.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda.

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