Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Indische Investoren äußern Zuversicht

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In Indien strömen diesen Monat rund 800 Millionen Wähler an die Urnen. Das Wahlverfahren wird sich über mehrere Wochen hinziehen. Auf dem indischen Aktienmarkt zeigt sich in letzter Zeit Optimismus bei den indischen Anlegern. Nach einer Phase des Politikstaus und brachliegenden Potenzials in Indien sind wir ebenfalls zuversichtlich.

Wahlprognosen stellen wir zwar gewöhnlich nicht, doch diese Wahl könnte für Indien historische Bedeutung haben. Seit Indien 1947 von der Kolonialherrschaft unabhängig wurde, war die Kongresspartei die dominierende politische Kraft im Land. Die Ergebnisse dieser Wahl könnten jedoch einen beispiellosen Umbruch bewirken. Sollten die indische Volkspartei (Bharatiya Janata Party oder BJP) unter Führung von Narendra Modi und ihre Bündnispartner gewinnen, würde die national-demokratische Allianz (NDA) die Macht im Einflusszentrum des Landes übernehmen. Modi ist zwar nicht unumstritten, doch seine Erfolge im westindischen Bundesstaat Gujarat, dessen Ministerpräsident er elf Jahre lang war, werden von vielen positiv bewertet. Jüngste Umfrageergebnisse lassen vermuten, dass sich die Inder ähnliche Fortschritte auch für den Rest des Landes wünschen.Poland Upload Demo

Nach einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center ist die Mehrheit der Inder unzufrieden mit den Entwicklungen im Land. Nicht einmal 30% äußerten sich zufrieden.[1] Die Unzufriedenheit zieht sich durch alle Generationen und Einkommensniveaus und beide Geschlechter. Wir werden sehen, wie sie sich bei der Auszählung der Stimmen auswirkt. Interessanterweise belegte die Pew-Umfrage trotz der allgemeinen Unzufriedenheit, dass die meisten Inder die wirtschaftlichen Aussichten ihres Landes positiv beurteilen. Das entspricht offenbar den Erwartungen, dass Indiens BIP-Wachstum mit prognostizierten 5,4% für 2014 und 6,4% für 2015 die Raten der letzten Jahre übertreffen dürfte.[2]

Große Erwartungen in Indien

Besonders optimistisch schätzen indische Anleger den Ausblick für ihren Aktienmarkt ein, aber auch ihre eigenen finanziellen Aussichten. Aus der Franklin Templeton-Umfrage 2014 Global Investor Sentiment Survey (GISS)[3] ging hervor, dass von den 22 berücksichtigten Ländern die Anleger in Indien ihren heimischen Markt am zuversichtlichsten bewerteten. 82% der indischen Anleger gehen davon aus, dass ihr Aktienmarkt 2014 zulegt. Unter den GISS-Befragten äußerten über 50 Prozent der indischen Anleger die Absicht, sich verstärkt in heimischen (indischen) Aktien zu engagieren. Damit zeigen indische Anleger im zweiten Jahr in Folge die größten Hoffnungen auf das Erreichen ihrer Finanzziele.

Als Investoren hoffen wir natürlich, dass sich diese Marktprognosen bewahrheiten, obwohl es dafür offensichtlich keine Garantie gibt. Das indische Problem ist in unseren Augen vor allen Dingen, dass die aktuelle Regierung nicht rasch genug die Reformen zu Wege gebracht hat, die viele als nötig erachten, um das ganze Land voranzubringen. Auf einzelstaatlicher Ebene konnten wir Fortschritte erkennen, auf Landesebene nicht. Wir wir es sehen, besteht in Indien schlicht und ergreifend Reformbedarf nach dem Motto: weniger Korruption, mehr Aktion. Und mit dieser Ansicht stehen wir nicht allein. Der Umfrage des Pew Research Center zufolge halten über 80% der Inder korrupte Politiker und Geschäftsleute in Indien für ein großes Problem. Sie beklagen den politischen Stillstand, der eine Lösung der indischen Wirtschaftsprobleme verhindert.[4]

Zwei Reformbereiche: Bürokratie und Bildung

Zwei Bereiche halten wir für besonders reformbedürftig. Der erste betrifft die enorm hohen Hürden für ausländische Investitionen in Indien. Es gibt viel zu viel Bürokratie. Der Papierkram muss reduziert werden. Der zweite Bereich ist die Bildung. Unseres Erachtens muss das Bildungsniveau der gesamten Bevölkerung gehoben werden. Natürlich gibt es in Indien herausragende Universitäten und viele gebildete, qualifizierte Bürger. Doch unserer Ansicht nach haben viele Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu den Chancen, die Bildung eröffnet. Das bedeutet, dass das Land sein Humankapital nicht ausschöpft.

Als Investoren konzentrieren wir uns auf Unternehmen und Branchen, die das enorme intellektuelle Potenzial der Bevölkerung nutzen beziehungsweise daraus Kapital schlagen. Wir interessieren uns vor allem für Unternehmen, die in Lage sind, dieses intellektuelle Potenzial zu exportieren, und die nicht so stark von den Investitionsbarrieren betroffen sind, wie sie andere Branchen wie Bergbau beeinträchtigen.

Nach unserer Auffassung gibt es auf jeden Fall eine Menge Aspekte, die Indiens Zukunft in positivem Licht erscheinen lassen. Die Sparquote ist in Indien relativ hoch, die junge Bevölkerung sorgt für positive demografische Impulse. Dabei ist der Abhängigkeitsquotient niedriger als in vielen Industrieländern, und die Wirtschaft ist mit einem starken Dienstleistungssektor recht gut diversifiziert. Auch verfügt Indiens Mittelschicht über erhebliches Wachstumspotenzial, was bedeutet, dass das Land ein noch größerer Verbrauchermarkt werden könnte. Bei den aktuellen Wirtschaftswachstumsraten ist davon auszugehen, dass in 20 Jahren rund 291 Millionen Menschen aus der Armut in die Mittelschicht aufgestiegen sind.[5] Diese Art von Wachstum bringt in aller Regel höhere Ausgaben für Konsumgüter und Dienstleistungen mit sich. So hat beispielsweise der Mobilfunk in Indien sprunghaft zugenommen.

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Ein Schlussgedanke

Eine Anmerkung habe ich noch zum Franklin Templeton Global Investor Sentiment Survey. Dass über die Hälfte aller befragten Anleger aus sämtlichen Ländern in diesem Jahr konservativer investieren möchte, obwohl die Ertragserwartungen für das Jahr durchaus optimistisch ausfielen, lässt tief blicken. Natürlich sollte jeder seine Handlungen an seinen Hoffnungen orientieren – doch das gilt für jeden Lebensbereich, nicht nur für die Kapitalanlage!



[1] Quelle: „Indians Reflect on Their Country and the World“, Pew Research Center, Washington, D.C. (31. März 2014).

[2] Quelle: © by International Monetary Fund. „World Economic Outlook Update“, Januar 2014. 

[3] Der 2014 Global Investor Sentiment Survey von Franklin Templeton wurde im Januar 2014 von ORC International online durchgeführt. Befragt wurden 11.113 Anleger aus 22 Ländern.

[4] Quelle: „Indians Reflect on Their Country and the World“, Pew Research Center, Washington, D.C. (31. März 2014).

[5] Quelle: McKinsey Global Institute, „Next Big Spenders: India’s Middle Class.” Mai 2007 © 2014 McKinsey & Company.

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