Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Wie groß sind Schwellenmärkte?

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Statistische Studien zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schwellenländer haben in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht. Anfang April führte eine Neujustierung des nigerianischen BIP durch das Statistikamt des Landes dazu, dass das für Nigeria für 2013 veröffentlichte BIP fast doppelt so hoch lag, wie zuvor. Damit überholte Nigeria Südafrika als größte Volkswirtschaft in Afrika. Im gleichen Monat kündigte das International Comparison Program (ICP), eine von den Vereinten Nationen beauftragte Agentur, die unter Aufsicht der Weltbank tätig ist, die Neujustierung ihrer Berechnungen der relativen Größe von Volkswirtschaften auf Grundlage der Kaufkraftparität (KKP) an. Diese Berechnungen zeigen u. a., dass die chinesische Wirtschaft nicht weit vom Volumen der US-Wirtschaft entfernt ist. Die ICP Berechnungen weisen auch darauf hin, dass Indien, und nicht Japan, nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist.

Natürlich wurden als Folge dieser Meldung die wenigsten Menschen in Nigeria, China und Indien heute unmittelbar reicher und wahrscheinlich wurden die meisten Menschen in den USA, Japan oder Südafrika nicht ärmer. Trotzdem hat diese Meldung eine gewisse Signifikanz. Die Änderung in Nigeria erfolgte, weil die BIP-Berechnungen auf der Wirtschaftsstruktur des Jahres 1990 beruhte. Viele wirtschaftliche Entwicklungen, wie in der mobilen Telekommunikation und bei Internetdiensten, die damals so gut wie nicht existierten, blieben dabei unberücksichtigt. Die Neuberechnung in Nigeria auf der Grundlage von 2010 lieferte ein viel genaueres Bild des Fortschritts, der erzielt wurde.

Die KKP Berechnung dient der Ermittlung theoretischer, relativer Wechselkurse zwischen Ländern, die es möglich machen – egal wo in der Welt – mit einem bestimmten Geldbetrag den gleichen generischen Korb mit Waren zu kaufen. Durch Erfassung der Auswirkungen der häufig niedrigeren Preise für nicht gehandelte Waren und Dienstleistungen, die sich in Niedriglohnländern finden, auf effektive Verbrauchereinkommen und durch Vermeidung der Auswirkungen kurzfristiger Wechselkursschwankungen aufgrund von Kapitalflüssen, gehen wir davon aus, dass die Kaufkraftparität wohl ein genaueres Bild ermöglicht, als die relative Größe der verschiedenen Volkswirtschaften. Berechnungen auf KKP Grundlage weisen Entwicklungsmärkten einen viel größeren Anteil am globalen Gesamtausstoß zu – 2011 fast die Hälfte. Demgegenüber lag dieser Wert bei Berechnung auf Markt-Wechselkurs-Basis bei einem Drittel.

Russland, Brasilien, Indonesien und Mexiko sowie China und Indien liegen laut KKP Berechnungen unter den zwölf weltweit führenden Volkswirtschaften. Wir glauben, diese Revisionen könnten sich auf die Mitgliedschaft in wichtigen internationalen Institutionen auswirken.

Für uns als Anleger ist die KKP Meldung vielleicht von etwas größerer Bedeutung als die Veränderung in Nigeria. Als fundamental, wertorientierte Anleger, die auf Basis individueller Unternehmen arbeiten, waren wir uns der Dynamiken dieser jüngeren Wirtschaftssektoren bewusst. Die Änderung des offiziellen BIP hatte somit nur geringe Auswirkungen auf unsere Einschätzung der Anlagegelegenheiten. Wir beziehen KKP Berechnungen in unsere Investmentmetriken mit ein, denn sie können Informationen über eine relative Unter- bzw. Überbewertung von Währungen zu den Wechselkursen im Markt, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der betrachteten Unternehmen beeinflussen kann, liefern. Da Exportunternehmen oder Unternehmen mit vielen ausländischen Konkurrenten potenziell von unterbewerteten Währungen profitieren können, kann diese Information unsere Beurteilung des langfristigen Umsatzpotenzials und die Bewertungen beeinflussen. Die neuen Daten des ICP könnten darauf hinweisen, dass viele Schwellenmarktwährungen stärker unterbewertet sind, als wir gedacht haben.

Letztlich kaufen und verkaufen wir in echten Dollars, Yuan oder Rupien und nicht deren KKP Entsprechungen. Wir denken, marktbestimmte Wechselkurse werden auch weiterhin kurz- und mittelfristig die Entwicklung im Aktienmarkt beeinflussen. Trotzdem veranschaulichen Maßnahmen wie die KKP Berechnung und die neue Berechnungsgrundlage für das BIP in Nigeria die enormen Fortschritte, die Grenz- und Schwellenmärkte unserer Meinung nach in den letzten Jahren erzielen konnten. Aus diesen und vielen anderen Gründen denken wir, internationale Anleger sollten mehr Aufmerksamkeit auf die Schwellenmärkte richten.

Kommentare, Meinungen und Analysen von Dr. Mobius dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie dürfen nicht als eine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung, in ein Wertpapier zu investieren oder eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen, aufgefasst werden. Da sich Markt- und Konjunkturbedingungen schnell verändern können, gelten Kommentare, Meinungen und Analysen nur für den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags. Sie können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Material soll keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Branche, eine Anlage oder Strategie darstellen.

Wichtige rechtliche Hinweise

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren.

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