Investmentabenteuer in den Emerging Markets

BRICS-Länder zählen

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Im Juli traf sich die politische Führung der fünf Schwellenmarktländer, die „BRICS“ (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) genannt werden, in der brasilianischen Stadt Fortaleza. Im Rahmen des Gipfels wurde die Schaffung einer neuen Entwicklungsbank (New Development Bank; NDB) angekündigt. Interessant und signifikant: Die Ankündigung fiel mit dem Inter70. Jahrestag des Bretton Woods Abkommens zusammen, das sowohl den Internationalen Währungsfonds (IWF), als auch die Weltbank ins Leben rief. Die neue BRICS-Bank bildet eine Finanzierungsalternative zu diesen beiden Einrichtungen. Sie verfügt über ein anfänglich gezeichnetes Kapital von 50 Mrd. US-Dollar für die Finanzierung von Infrastruktur- und nachhaltige Entwicklungsprojekte und über 100 Mrd. US-Dollar als Eventualrücklagen, dem sog. Contingent Reserve Arrangement (CRA). Dieser dient der Unterstützung von Mitgliedsstaaten, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten.[1] Offizielle Vertreter erklärten, erste Kreditvergaben seien für das Jahr 2016 geplant.

Theoretisch könnte die NDB sich als recht positiv für die Weltwirtschaft erweisen. Es bleibt aber abzuwarten, wie sie sich in der Praxis entwickeln wird. Weltbankund IWF werden weitgehend von USA und Europa dominiert. Aus den Schwellenmarktländern wurde daher Frustration über die nicht existierende, umfassendere Repräsentation (einschließlich von Stimmrechten) laut. Obwohl sie zumindest zu Beginn viel kleiner sein wird als der IWF oder die Weltbank, könnte die NDB zu einer Einrichtung für diese Art der Repräsentation werden. Realität ist: Größere Nationen in der ganzen Welt sind über die Dominanz des US-Dollars als Reservewährung und als Währung, in der der größte Teil des Handels in der ganzen Welt abgewickelt wird, besorgt. Diese Dominanz bringt die USA in eine starke, strategische Position, insbesondere im Fall von Sanktionen, wie sich derzeit im Rahmen der Russland-Ukraine Krise beobachten lässt.

Meiner Meinung nach wird diese neue Entwicklungsbank für Schwellenmärkte zunächst zur Folge haben, dass viele Länder Zugriff auf eine neue Finanzierungsquelle für Infrastrukturprojekte erhalten, die sie anderweitig nicht realisieren könnten. Wenn die Bank sich in Zukunft zu einer Clearingstelle für Handelsfinanzierungen in anderen Währungen als den US-Dollar entwickelt, könnte es zur Gravitation zu einer anderen Währungskursgestaltung für den Handel in den Schwellenmärkten kommen. Händler und Anleger werden daher wohl aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Risikomodelle für Währungen überdenken.

Falls es den BRICS-Ländern möglich sein sollte, erfolgreich eine Zweckgemeinschaft zu bilden, könnte die Gruppierung und ihre neue Entwicklungsbank bei der Veränderung der weltweiten Finanzierungslandschaft großen Einfluss gewinnen. Natürlich stellt sich die wichtige Frage, ob es ihnen auch tatsächlich gelingen wird, diese Gemeinschaft zu bilden.

Obwohl die Volkswirtschaften dieser Länder von ihrer Größe her eindeutig nicht gleich sind und einige bisweilen anfälliger (oder dominanter) sind als andere, wird der Kapitalbedarf der Bank unter den fünf Ländern aufgeteilt. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn die reicheren Länder werden aller Voraussicht nach auch dominanter sein. Auch die Tatsache, dass China über die höchsten Devisenreserven verfügt, wird meiner Ansicht nach ein entscheidender Faktor sein. China leistete mit 41 Mrd. US-Dollar den größten Beitrag zum CRA. Es überrascht daher nicht, dass die Bank ihren Hauptsitz in Shanghai haben wird. Im Vergleich zum globalen Banksystem hat die Einrichtung dieser neuen Bank nur ein geringes Volume. Dennoch müssen wir die weiteren Entwicklungen im Auge behalten.

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Können diese so unterschiedlichen Volkswirtschaften einen gemeinsamen Weg finden, um dieses Bestreben zu langfristigem Erfolg zu bringen? Das ist die entscheidende Frage. Die Länder unterscheiden sich stark voneinander, historisch und auch kulturell. Da China das reichste der fünf Länder ist, gehe ich davon aus, es besteht definitiv die Sorge, das Land könnte eine dominante Rolle einnehmen. Anfangs werden China und Indien – der erste Präsident der Bank wird ein Inder sein – aller Wahrscheinlichkeit nach die größte Rolle spielen. Sie können potenziell auch den größten Nutzen aus einem Erfolg ziehen. Zukünftig könnten Russland und Brasilien Einfluss gewinnen. Der erste Vorsitzende des Rats der Gouverneure wird aus Russland kommen und der erste Vorsitzende des Verwaltungsrats aus Brasilien. Das NDB Africa Regional Center wird, laut Erklärung des Sechsten BRICS-Gipfels, parallel zur Einrichtung des Hauptsitzes, in Südafrika angesiedelt. Südafrika verfügt über die beste Infrastruktur in ganz Afrika und das Potenzial, den gesamten Kontinent zur nächsten Wachstumsstufe zu führen.

Es gibt nach wie vor Probleme, die gelöst werden müssen, bevor diese Unternehmung zum Erfolg führen kann, vor allem: Welche Währung wird Leitwährung und welche Ziele wird die Bank im Rahmen ihrer Kreditvergabepolitik verfolgen? Es bleibt abzuwarten, ob diese Bestrebungen sich letztlich als gute oder schlechte Idee erweisen werden. Falls diese Länder zusammen finden und sie die neue Bank zum Erfolg führen, könnten auch viele andere Schwellenmärkte davon profitieren.

Falls mehr Mittel in die Schwellenmärkte – und insbesondere in die BRICS-Länder – fließen, dürfte sich das meiner Meinung nach für alle Länder der Welt, die umfangreichen Handel mit ihnen treiben, als positiv erweisen.

 

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 Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. 



[1] Quelle: Sechster BRICS Gipfel, Erklärung von Fortaleza, Juli 2014.

 

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