Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Die drei wichtigsten Kriterien für Brasilien

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Als langjährige Brasilien-Investoren haben wir die jüngste Präsidentenwahl natürlich mit Spannung verfolgt. Es war ein heißes Rennen, soviel ist sicher! Der Markt reagierte volatil auf die Umfrageergebnisse, die kurz vor der Wahl noch sehr unterschiedlich ausfielen. Viele setzten darauf, dass Brasiliens Wirtschaft – die noch nicht den Boom erlebt hat, auf den viele (wir eingeschlossen) gehofft hatten, und den wir nach wie vor für möglich halten – unter neuer Führung einen positiven Kurswechsel vollziehen würde. Mit einem extrem knappen Wahlsieg setzte sich die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff durch, was dem brasilianischen Aktienmarkt offenbar sauer aufstieß – zumindest für den Moment. Das kommt aber nicht unerwartet, denn viele Anleger forderten aus Unzufriedenheit mit der Entwicklung der brasilianischen Wirtschaft und des Geschäftsklimas lautstark Veränderungen. Wir hoffen, dass Rousseff jetzt konsequent Verbesserungen durchsetzt und nicht nur leere Versprechungen macht.

Dem potenziellen Missfallen des Aktienmarkts hat Rousseff in ihrer Rede nach der Wahl allem Anschein nach Rechnung getragen mit der Äußerung, dass der Umbau des politischen Systems zur Verringerung der Korruption Priorität genieße. Sie sicherte auch einen offeneren Dialog mit ihren Kritikern zu. Überbordende Bürokratie und Korruptionsvorwürfe (vor allem bei Staatsbetrieben) sind große Probleme, die unseres Erachtens Aufmerksamkeit verdienen. Wie die Wahlkampfdebatten und das extrem knappe Ergebnis (Rousseff konnte nur reichlich 51% der Stimmen auf sich vereinen) zeigen, wollen die Menschen Veränderung. Unserer Ansicht nach werden Investoren und das ganze Land gebremst durch eine gewisse Ineffizienz der Reformpolitik sowie durch ihren mangelnden Fortschritt. Wir erkennen zwar verschiedene positive längerfristige Trends, doch die makroökonomischen Indikatoren wirkten in letzter Zeit allgemein schwach.

Die Arbeitslosenquote ist niedrig, was aber zum Teil auf die schrumpfende Erwerbsbevölkerung zurückzuführen ist. Neue Arbeitsplätze entstehen infolge rückläufiger Zahlen in Sektoren wie Bau, Produktion und Transport immer weniger. Die Industrieproduktion tendierte den Sommer über schwächer. Das lag unter anderem an den WM-Veranstaltungen, für die viele Arbeitnehmer und Gastgeberstädte Urlaubstage einlegten. Der Tourismus nahm zwar zu, doch das Sportereignis war kostspielig. Ob sich daraus langfristige strukturelle oder wirtschaftliche Vorteile ergeben, bleibt abzuwarten.

Derzeit taumelt Brasilien am Rande einer Rezession, denn im ersten und zweiten Quartal 2014 ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zurück. Das reale (inflationsbereinigte) BIP-Wachstum dürfte in Brasilien 2014 nur um 0,3% zunehmen. Die Verbraucherpreisinflation wird dagegen voraussichtlich auf bedenkliche 6,3% steigen.[1] Die fundamental schwache Situation Brasiliens ist meines Erachtens nicht allein externen Markteinflüssen zuzuschreiben. Brasiliens Volkswirtschaft ist enorm groß – nach BIP die siebtgrößte weltweit.[2] Brasilien verfügt nach unserer Einschätzung über die nötigen menschlichen und sonstigen Ressourcen, um aus eigener Kraft mehr zu erreichen, ungeachtet der weltwirtschaftlichen Probleme.

Als Anleger achten wir natürlich auf die politische und makroökonomische Gesamtsituation, stützen unseren Anlageentscheidungen aber nicht allein darauf. Wir investieren weiter in Brasilien und wollen uns dort auch künftig auf Einzeltitelbasis nach potenziellen Chancen umschauen. So haben wir beispielsweise beobachtet, dass sich brasilianische Banken in der Krise widerstandsfähig zeigen. Deshalb haben wir ein Auge auf diese Branche. Über den Konsumausgaben schwebt derzeit ein dickes Fragezeichen, denn die Kaufkraft hat gelitten. Korrigiert der brasilianische Markt weiter, werden wir nach potenziellen Schnäppchen fahnden bei Unternehmen, die unseres Erachtens trotz des breiteren politischen oder gesamtwirtschaftlichen Umfelds durchhalten und hoffentlich florieren werden. Wir weisen darauf hin, dass es oft die auf kurze Sicht am wenigsten aussichtsreichsten Situationen sind, die langfristig die besten Anlageergebnisse bringen können, weil schlechte Nachrichten mitunter übertrieben eingepreist werden.

Ferner gehen wir davon aus, dass Brasiliens außergewöhnlicher Reichtum an natürlichen Ressourcen wie industriellen und landwirtschaftlichen Rohstoffen in einer verstärkt industrialisierten, verstädterten und immer wohlhabenderen Welt steigenden langfristigen Wert darstellen könnte, während eine wachsende Mittelschicht im gesamten Lateinamerika längerfristig für deutlich mehr Verbrauchernachfrage sorgen könnte.

Unserer Ansicht nach sollte ein stärker marktorientierter wirtschaftspolitischer Ansatz in Brasilien bei einer Eindämmung der Bürokratie den Bürgern und Investoren im Land zugutekommen. Unsere Investmentkennzahlen lassen jedoch vermuten, dass eine Reihe von Unternehmen mit solidem Management und attraktiver Marktposition potenziell gut aufgestellt ist, um auch dann voranzukommen, wenn alles so bleibt wie gehabt.

Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass Brasilien sein volles Potenzial entfalten kann, wenn es diese drei Kriterien erfüllt: Reform, Reform, Reform!

 

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Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. 



[1] Quelle: IWF, World Economic Outlook, Oktober 2014. © by International Monetary Fund. Alle Rechte vorbehalten.

[2] Quelle: World Development Indicators-Datenbank, Weltbank, 22. September 2014.

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