Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Wachstum zählt

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Einer der größten Vorteile, die die Schwellenmärkte Anlegern bieten, ist unserer Meinung nach ihr starkes Wachstum: Während des letzten Jahrzehnts hat das Wachstum in den Schwellenmärkten das Wachstum in den Industriemärkten um fast das Doppelte übertroffen. Es sieht, laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds, so aus, als würde ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch mindestens noch während der nächsten fünf Jahre das BIP der Industriemärkte übertreffen.[1] Wir werden oft gefragt, warum das Wirtschaftswachstum und die Marktentwicklung in einem bestimmten Jahr nicht direkt korrelieren und warum, wenn das so ist, das BIP-Wachstum eines Landes überhaupt wichtig ist, wenn man in Aktien investiert. Es stimmt natürlich, Wachstum und die Aktienmarktentwicklung weichen bisweilen voneinander ab. Dennoch zählt Wachstum, denn Unternehmenserträge sind vom allgemeinen Wirtschaftswachstum abhängig.

Schaut man sich eine Aufgliederung des Wachstums in Schwellenländern im Vergleich zu Industriemärkten an, erkennt man, dass Schwellenmärkte schon seit vielen Jahren schneller gewachsen sind als Industriemärkte. Im Allgemeinen gilt starkes Wachstum als ein wesentliches Merkmal der Schwellenmärkte. In den letzten 20 Jahren gab es nur ein Jahr (1998), in dem das Wachstum in Schwellenmärkten hinter dem der Industriemärkte zurückgeblieben ist.[2]

BIP Veränderung

 

 

 

 

 

 

 

 

Demografische Vorteile

Die Märkte in Schwellenmarktasien und die Grenzmärkte in Afrika sind in den letzten Jahren sogar noch schneller gewachsen als der Gesamtdurchschnitt der Schwellenmärkte und wir erwarten eine Fortsetzung dieses Trends in diesem Jahr. Rasante technologische Fortschritte haben dazu beigetragen den Wachstumsschub zu verstärken, denn Schwellen- und Grenzmärkte können die technologischen Fortschritte zu ihrem Vorteil nutzen und die Entwicklungsphase überspringen, beispielsweise durch Übergehen von Bankfilialen und eines Parketts für elektronische Transaktionen. Unserer Meinung nach sind die demografischen Trends ein weiterer wichtiger Grund für dieses Wachstum. In Schwellenländern in Asien und Afrika dominieren im Allgemeinen jüngere Altersgruppen die Bevölkerungen. Demgegenüber finden sich in den Industrieländern und sogar in den etablierteren Schwellenländern, wie beispielsweise China, alternde Bevölkerungen. Das Durchschnittsalter in Malaysia liegt so zum Beispiel bei 28 Jahren und in Kenia bei 19 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt hingegen in China bei 37 Jahren und in Japan und Deutschland sogar bei 46 Jahren.[3] Menschen unter 40 treten normalerweise in die produktivsten Jahre ihres Lebens ein, sie verdienen aktiv Einkommen und gründen Familien. Dabei kaufen sie vielerlei Produkte – von Verbrauchsgütern über Autos bis zu Eigenheimen.

Fallstudie: Argentinien

 Das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahr weist nicht unbedingt eine gesteigerte Performance im Aktienmarkt aus, ein sich im Laufe der Zeit verbesserndes Wachstum dürfte sich aber in den Unternehmenserträgen niederschlagen. Das beantwortet aber trotzdem nicht die Frage, warum der Aktienmarkt eines Landes sich oft nicht entsprechend der Wachstumstrends entwickelt. Argentinien ist eine interessante Fallstudie. Trotz unbestreitbarem wirtschaftlichem Dilemma hat der argentinische Aktienmarkt 2014 eine der weltweit besten Entwicklungen aufgewiesen und der Merval Index ist im bisherigen Verlauf des Jahres 2015 bereits um mehr als 30% gestiegen.[4]

 Schaut man sich die diversen Wirtschaftsindikatoren in Argentinien an, sieht man einen Cocktail schlechter Nachrichten. Das BIP-Wachstum war 2014 knapp positiv und wird Erwartungen zufolge 2015 fallen, während die Inflation (auf Grundlage der Verbraucherpreise) Erwartungen zufolge 2015 mehr als 18% steigen wird.[5] Der Staatshaushalt verschlechtert sich und die Regierung verfolgt eine interventionistische Politik: Devisenkontrollen, Kapitalkontrollen und Import- und Exportkontrollen. Als ausländischer Anleger findet man in Argentinien so gut wie alles, was man nicht haben möchte! Und doch entwickelt sich der Aktienmarkt dort gut. Laut unserem Team in der Region liegt das zum Teil daran, dass wohlhabende Privatpersonen in Argentinien ihre Vermögen im Land schützen möchten und sich daher Aktien, Immobilien und Gold zuwenden, die diesen als die komfortabelsten und liquidesten Vermögenswerte gelten.

Außerdem hat wohl auch die Hoffnung auf Veränderungen in Argentinien positiv zur Aktienmarktperformance beigetragen. Viele Anleger hoffen auf politische Veränderungen nach den Parlamentswahlen im Oktober dieses Jahres. Argentinische Aktien waren vor ein paar Jahren im Vergleich zu vergleichbaren Werten in Lateinamerika günstig, aber angesichts der jüngsten Bewegungen ist das nicht mehr generell der Fall. Denken Sie daran – der Markt tendiert zum Blick in die Zukunft. So kommt es zur Inkongruenz mit Wirtschaftsstatistiken, die einen Blick in die Vergangenheit bieten. Wir werden die Wahlen genau auf potenzielle Gelegenheiten zur Erhöhung unseres Engagements im Land beobachten.

Als ich Anfang der 1990er Jahre in Argentinien investierte belief sich die Inflation auf um die 1.000% und es war äußerst schwierig, Ertragsprognosen für Unternehmen zu erstellen. Ich musste auf Grundlage anderer Kriterien Anlageentscheidungen treffen, zum Beispiel indem ich mir das Kurs-Buchwert-Verhältnis anschaute, anstatt des Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Die Leute sagten, ich sei verrückt. Aber manchmal muss man seine Wertorientierung ändern, wenn es in einer Volkswirtschaft zu Verwerfungen kommt. Die Betrachtung des Buchwerts machte es uns möglich, Vermögenswerte zu Preisen zu kaufen, die wir für niedrig hielten, da der Aktienmarkt so gedrückt war.

Damals traf ich mich mit dem Präsidenten einer wichtigen lateinamerikanischen Tageszeitung und Sendeanstalt. Dieser unabhängige Konzern war sehr mutig, denn er stellte sich gegen die argentinische Regierung. Die Regierung wehrte sich und beschränkte sogar die Mittel zum Druck der Zeitungen des Unternehmens. Nachdem wir uns mit der Situation beschäftigt und mit der Geschäftsführung gesprochen hatten, kam ich zu dem Schluss, dass das Unternehmen letztlich überleben würde. Ich fühlte mich mit der Investition daher wohl. Das ist ein Beispiel dafür, wie man, nachdem man seine Untersuchung der Geschäftsführung abgeschlossen und Vertrauen in sie gewonnen hat, eine langfristige Sichtweise einnehmen sollte bis die Situation die schwierige Zeit überwunden hat.

Investmentthemen

 Natürlich haben wir auch mehrere Märkte gefunden, wo geopolitische oder andere Ereignisse Anleger abschrecken,  was zu kurzfristigen Abverkäufen in den Aktienmärkten führt, obwohl das BIP-Wachstum weiter steigt. Da wir nach wie vor denken, dass Wachstum zählt, besteht die Herausforderung für uns darin, wie man bei der Tätigung von Investitionen die Wachstumstrends zu seinem Vorteil nutzen kann. In vielen Fällen konzentrieren wir uns auf den Banksektor, denn Aktien in diesem Sektor spiegeln im Allgemeinen die Gesundheit einer Volkswirtschaft wieder. Ein weiterer Bereich, der für uns von Interesse ist, sind die Konsumgüter – Massenmarktprodukte wie Bier, alkoholfreie Getränke, Snacks, Instantnudeln usw. Das sind die Arten von Produkten, die Verbraucher in Schwellen- und Grenzmärkten zunehmend kaufen, wenn ihnen zusätzliche Barmittel zur Verfügung stehen. Vor ein paar Jahren besuchten wir einen Abfüller von nichtalkoholischen Getränken in Nigeria und fragten, wer sein größter Konkurrent war. Normalerweise kennt man die Antwort – ein rivalisierender Anbieter nichtalkoholischer Getränke. In diesem Fall lautete die Antwort aber: zusätzliche Minuten für Mobiltelefone, was zunächst überraschend scheint, bei genauerer Betrachtung aber Sinn macht. Verbrauchern in diesen Märkten stehen nur beschränkte Geldmittel zur Verfügung, Unternehmen konkurrieren also um bestimmte Geldbeträge. Ein Verbraucher muss möglicherweise zwischen dem Kauf eines nichtalkoholischen Getränks und Telefongesprächszeit entscheiden.

 Wir konnten also feststellen, dass Unternehmen im Bereich Konsum oder Einzelhandel mit einem hohen Marktanteil vom steigenden Konsum und BIP pro Kopf profitieren können. Diese Investitionen sind besonders attraktiv, wenn sich Gewinnspannen verbessern lassen. Wir sehen auch Bereiche des Bauwesens, wie Zement, als in einer direkteren Beziehung zum BIP-Wachstum stehend als andere Arten von Unternehmen. Natürlich gibt es auch in einer schnell wachsenden Volkswirtschaft Verlierer und Gewinner. Wir müssen daher die Unternehmen identifizieren, von denen wir denken, sie verfügen über die Fähigkeit, vom Wirtschaftswachstum zu profitieren.


[1] Quelle: Internationaler Währungsfonds, Economic Outlook Database, April 2015. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich eine Schätzung oder Prognose bewahrheitet.

[2] Ebd.

[3] Quelle: CIA, The World Factbook, Schätzung für 2014.

[4] Quelle: Bloomberg, bisheriger Jahresverlauf bis 22. Juni 2015. Indizes werden nicht verwaltet. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

[5] Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook Database, April 2015. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich eine Schätzung oder Prognose bewahrheitet.

 

Wichtige Hinweise:

Mark Mobius Kommentare, Meinungen und Analysen dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie dürfen nicht als eine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung, in ein Wertpapier zu investieren oder eine bestimmte Anlagestrategie zu verfolgen, aufgefasst werden. Da sich Markt- und Konjunkturbedingungen schnell verändern können, gelten Kommentare, Meinungen und Analysen nur für den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags. Sie können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Material soll keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Branche, eine Anlage oder Strategie darstellen. 

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Ausländische Wertpapiere bringen spezielle Risiken mit sich, darunter Wechselkursschwankungen, wirtschaftliche und politische Ungewissheit. Anlagen in Schwellenländern sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und den nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. 

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