Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Rückblick auf das erste Quartal 2016: Trendwende in den Schwellenmärkten

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Die Templeton Emerging Markets Group deckt ein großes Anlageuniversum ab – Zehntausende von Unternehmen aus nahezu allen Kontinenten. Grundsätzlich sind wir Bottom-up-Anleger, doch es ist immer auch wichtig, die größeren Zusammenhänge zu sehen. In diesem Beitrag erkläre ich, was sich im Schwellenländeruniversum in den ersten drei Monaten des Jahres abgespielt hat; um das Geschehen in einen breiteren Kontext zu stellen, berichte ich dabei auch über einige Schlüsselereignisse, Meilensteine und ältere Datenpunkte. Insgesamt war das erste Quartal 2016 von einer Wende in den Schwellenländern geprägt, sodass sich viele Anleger nach einem schwierigen Jahr 2015 dieser Anlageklasse wieder zuwandten.

Unserer Ansicht nach sind die langfristigen Argumente für eine Anlage in den Schwellenländern aus einer Reihe von Gründen weiterhin gut. Denn diese Länder heben sich im Vergleich zu den Industrieländern durch im Allgemeinen bessere Wachstumsraten, deutlich höhere Devisenreserven und eine niedrigere Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) hervor. Auch wenn sich größere Volkswirtschaften wie Russland und Brasilien in einer Rezession befinden, wird in den Schwellenländern für das Jahr 2016 insgesamt ein Wachstum von 4,3% erwartet – das ist mehr als doppelt so hoch wie die für Industrieländer prognostizierte Wachstumsrate von 2,1%.[1] Zwar bereiten die sinkenden Wachstumsraten in China den Anlegern Sorgen – jedoch ist die Volkswirtschaft des Landes nach wie vor eine der am schnellsten wachsenden der Welt.

Die Schwellenländer umfassen fast drei Viertel der Landmasse der Erde und vier Fünftel der Weltbevölkerung. Zudem bergen sie ein bedeutendes Potenzial in Bezug auf Ressourcen und Demografie und scheinen gut aufgestellt, um von technologischen Fortschritten zu profitieren.[2] Gleichzeitig sollte nicht vergessen werden, dass die Schwellenländer einen hohen Anteil an der Weltwirtschaft und an der Marktkapitalisierung ausmachen. Viele Anleger waren zuletzt unserer Meinung nach an den Schwellenländern unterdurchschnittlich investiert, was riskant sein könnte, zumal die Schwellenmärkte auf der Grundlage der Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnisse gegenüber den Industrieländern unterbewertet scheinen.[3]

Überblick über das erste Quartal

Nach einem schwachen Start in das Jahr 2016 beendeten die Börsen der Schwellenländer dank einer starken Rally ab Mitte Februar das erste Quartal mit hohen Zugewinnen. Die Sorgen der Anleger hatten offenbar nachgelassen, nachdem einige der wichtigen Zentralbanken, vor allem die US-Notenbank, eine gemäßigtere Tonart angeschlagen hatten. Das schwächte den US-Dollar und ließ die meisten Schwellenländerwährungen entsprechend aufwerten. Gleichzeitig kündigte die Europäische Zentralbank weitere Lockerungsmaßnahmen an, die umfangreicher ausfielen als erwartet. So nahm sie sowohl eine Zinssenkung als auch eine Ausweitung ihres Anleihenkaufprogramms von monatlich 60 Mrd. auf 80 Mrd. Euro vor. Die Sorgen um das chinesische BIP-Wachstum und die Abwertung des Renminbi ließen ebenfalls etwas nach. Zusätzlich gestärkt wurde das Anlegervertrauen durch die Aussicht auf einen Politikwechsel in Brasilien. Die Rohstoffpreise setzten gegen Ende des Berichtszeitraums zu einer Rally an, gestützt auf Hoffnungen, dass die Maßnahmen der wichtigsten Energie- und Metallerzeuger zur Produktionssenkung das Überangebot beheben könnten.

Die Aktienmärkte der Schwellenländer entwickelten sich im ersten Quartal deutlich besser als jene der Industrieländer. So verzeichnete der MSCI Emerging Markets Index einen Anstieg um 5,8%, während der MSCI World Index lediglich um 0,2% zulegte (jeweils in US-Dollar).[4] Nach Regionen betrachtet schnitten die Schwellenmarktindizes für Lateinamerika, Europa, den Nahen Osten und Afrika mit zweistelligen Zuwächsen am besten ab, wohingegen sich der asiatische Raum mit einem geringen Plus unterdurchschnittlich entwickelte.[5]

Brasilien verbuchte weltweit eines der besten Ergebnisse, was die Performance des lateinamerikanischen Raums beflügelte. Grund dafür war die gestiegene Wahrscheinlichkeit für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff, was die Anleger auf einen Regierungswechsel noch vor den planmäßigen Wahlen im Jahr 2018 hoffen ließ. Peru und Kolumbien zählten ebenfalls weltweit zu den Märkten, die sich am besten entwickelten. Der peruanische Markt profitierte von der starken Landeswährung und der positiven Stimmung im Vorfeld der für April angesetzten Präsidentschaftswahl, während die kolumbianische Börse durch verschiedene Konjunkturindikatoren, die auf eine positive Dynamik hindeuteten, gestützt wurde.

Die meisten europäischen Märkte verzeichneten zweistellige Zugewinne, die in der Türkei am höchsten ausfielen. Dort verbesserten sich die Markterwartungen aufgrund positiver Wirtschafts- und Wachstumsdaten für das vierte Quartal. Auch russische Aktien zeigten sich robust, was auf den starken Rubel zurückzuführen war, der sich in diesem Quartal so gut entwickelte wie seit vier Jahren nicht mehr. Zudem deuteten verschiedene Konjunkturindikatoren auf eine Verbesserung des Umfelds hin.

Im afrikanischen Raum verzeichnete vor allem Südafrika positive Ergebnisse, getragen durch anziehende Metallpreise und den Rand, der auf ein Rekordhoch kletterte. Verschiedene andere Märkte Afrikas, wie etwa der nigerianische und der ägyptische, notierten im Berichtsquartal hingegen schwächer.

Im asiatischen Raum verzeichneten im Berichtsquartal vor allem die südostasiatischen Börsen (z. B. die thailändische, die malaysische und die indonesische) kontinuierliche Gewinne, gestützt auf anhaltende Mittelzuflüsse aus dem Ausland. Der thailändische Markt profitierte zudem von einer starken Währung, positiven Unternehmensdaten, Anzeichen für eine Verbesserung des Verbrauchervertrauens und einer starken Binnenwirtschaft, hauptsächlich getragen durch staatliche Ausgaben und Steueranreize. Die Börsen in Malaysia und Indonesien profitierten von geldpolitischen Lockerungs- und Stützungsmaßnahmen. Am schwächsten entwickelten sich die chinesische und die indische Börse. Die chinesischen Aktienmärkte setzten zwar im März zu einer kräftigen Rally an, getragen durch nachlassende Sorgen um Wachstum, Kapitalabflüsse und Währungsabwertung. Dennoch beendeten sie das Berichtsquartal aufgrund der ausgeprägten Schwäche zu Beginn des Berichtszeitraums im Minus. Auch am indischen Markt reichten die Zugewinne im März nicht aus, um die Verluste von Januar und Februar wettzumachen.

Länder-Updates in Zahlen

Leser, die sich für die konkreten Zahlen interessieren, finden nachfolgend verschiedene länderspezifische Updates, aus denen sich die Entwicklung der wichtigsten aktuellen Konjunkturindikatoren und -kennzahlen sowie Prognosen ablesen lassen.

China

Die chinesische Wirtschaft im Schlussquartal 2015 gegenüber dem Vorjahr etwas langsamer um 6,8% (nach 6,9% im dritten Quartal). Im Gesamtjahr 2015 entsprach das BIP-Wachstum mit einer Rate von 6,9% den Markterwartungen. Im Vorjahr 2014 hatte das Wirtschaftswachstum noch 7,3% betragen. Die Regierung setzte für das jährliche BIP-Wachstum in den Jahren 2016 bis 2020 einen Zielwert von 6,5% bis 7,0% fest. Im Februar stieg der Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahr von 1,8% im Januar auf 2,3% und erreichte damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahren, was hauptsächlich auf höhere Lebensmittelpreise während der chinesischen Neujahrsfeiertage zurückzuführen war. Die Ein- und Ausfuhren gingen im Februar gegenüber dem Vorjahr um 13,8% bzw. 25,4% zurück (nach -18,8% bzw. -11,2% im Januar). Der Handelsbilanzüberschuss sank in der Folge um fast die Hälfte (von 63,3 Mrd. US-Dollar im Januar auf 32,6 Mrd. US-Dollar im Februar). Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahr verlangsamte sich in den ersten zwei Monaten 2016 von 11,1% im Dezember auf 10,2%. Im Gesamtjahr 2015 stiegen die Einzelhandelsumsätze um 10,7%. Im Jahresvergleich legte die Industrieproduktion im Zeitraum von Januar bis Februar um 5,4% zu (nach 5,9% im Dezember). Gleichzeitig setzte sich in diesem Zeitraum das bereits 2015 verzeichnete Wachstum der Anlageinvestitionen mit einer Rate von 10,2% fort, getragen durch eine Erholung bei den Immobilieninvestitionen. Die Währungsreserven gingen im Februar um 28,6 Mrd. US-Dollar auf 3,2 Bio. US-Dollar und damit langsamer zurück als noch im Januar (-99,5 Mrd. US-Dollar), was auf einen stabilen Renminbi und einen Rückgang der Kapitalabflüsse hinweisen könnte. Die internationale Ratingagentur Moody’s senkte den Ausblick für China von stabil auf negativ, behielt jedoch ihr Länderrating von Aa3 bei.[6]

Südkorea

In Südkorea beschleunigte sich das BIP-Wachstum im vierten Quartal 2015 von 2,7% im dritten Quartal auf eine Rate von 3,0% (jeweils im Jahresvergleich), gestützt insbesondere auf höhere Verbraucher- und Staatsausgaben. Im Gesamtjahr betrug das Wirtschaftswachstum damit 2,6% (nach 3,3% im Jahr 2014). Die Bank of Korea beließ ihren Leitzins im Berichtsquartal auf einem Rekordtief von 1,5%. Der Verbraucherpreisindex stieg im Februar auf 1,3% (nach 0,8% im Januar, jeweils im Jahresvergleich), was hauptsächlich auf höhere Lebensmittel- und Ölpreise zurückzuführen war. Die Ausfuhren gingen im Februar gegenüber dem Vorjahr um 12,2% auf 36,4 Mrd. US-Dollar zurück. Hauptgrund dafür war eine geringe Auslandsnachfrage vor allem aus China, dem wichtigsten Handelspartner Südkoreas. Die Einfuhren sanken gegenüber dem Vorjahr um 14,2% auf 29,0 Mrd. US-Dollar, was einer schwachen Inlandsnachfrage zuzuschreiben war. Dadurch stieg der Handelsbilanzüberschuss im Februar auf 7,4 Mrd. US-Dollar. Finanzminister Yoo Il-ho kündigte ein Paket im Volumen von mehr als 20 Mrd. US-Dollar an, um die heimische Wirtschaft zu stützen. Das Parlament verabschiedete, knapp 15 Jahre nach dem ersten Entwurf, das erste Antiterrorgesetz in der Geschichte Südkoreas. Im Rahmen der Bemühungen um engere bilaterale Handelsbeziehungen gab Südkorea seine Pläne bekannt, 50 Mio. US-Dollar in den Bau eines IT-Parks in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zu investieren. Südkorea und Ägypten unterzeichneten im Februar verschiedene Absichtserklärungen mit dem Ziel, die Handels- und Investitionsbeziehungen zu intensivieren.

Indien

In Indien sank das BIP-Wachstum im Schlussquartal 2015 gegenüber dem Vorjahr um 7,3% (nach einem revidierten Rückgang von 7,7% im vorhergehenden Quartal). Dabei leisteten sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch der Dienstleistungssektor einen positiven Beitrag. Die Landwirtschaft hingegen zeigte sich im vierten Quartal mit einem Produktionsrückgang von 1,0% gegenüber dem Vorjahr schwach. Die Reserve Bank of India beließ im ersten Quartal 2016 ihren Leitzins bei 6,75%. Der Verbraucherpreisindex fiel im Februar gegenüber dem Vorjahr auf 5,2% (nach 5,7% im Januar), nachdem er zuvor sechs Monate lang gestiegen war. Hauptgrund dafür war eine sinkende Lebensmittelinflation. Im Februar gingen die Großhandelspreise gegenüber dem Vorjahr wie schon im Januar um 0,9% zurück, was hauptsächlich rückläufigen Treibstoff- und Energiepreisen zuzuschreiben war. Die Ein- und Ausfuhren gingen im Februar gegenüber dem Vorjahr um 5,0% bzw. 5,7% auf 27,3 Mrd. bzw. 20,7 Mrd. US-Dollar zurück. Damit sank das Handelsbilanzdefizit von 7,6 Mrd. US-Dollar im Januar auf 6,5 Mrd. US-Dollar im Februar. Im Januar besuchte der französische Präsident François Hollande den Premierminister Narendra Modi. Die beiden Regierungschefs vereinbarten bilaterale Handels- und Investitionspartnerschaften und unterzeichneten 16 Vereinbarungen in Bereichen wie Stadtentwicklung oder alternative Energien und in Bezug auf die Initiative „Make in India“. Der indische Haushalt 2016/2017 geht von einem Defizit von 3,5% aus (gegenüber 3,9% für 2015/16), mit einem Schwerpunkt auf höheren Investitionen in Landwirtschaft und Infrastruktur, aber auch in soziale Bereiche und in die Förderung von Stellenwachstum.

Brasilien

In Brasilien ging die Wirtschaft im letzten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,9% zurück, was vor allem auf die schwachen Verbraucher- und Investitionsausgaben zurückzuführen war. Damit sank die Wirtschaftsleistung im Jahresvergleich stärker als im dritten Quartal (4,5%) und das siebte Quartal in Folge. Der BIP-Rückgang im Gesamtjahr 2015 betrug 3,8%. Aufgrund der Sorgen um eine steigende Inflation und Risiken in Bezug auf die einheimische und die globale Konjunktur beließ die Zentralbank in Brasilien im Berichtsquartal den Leitzins unverändert auf einem Neunjahreshoch von 14,25%. Der Verbraucherpreisindex fiel im Februar gegenüber dem Vorjahr zwar auf 10,4% (nach 10,7% im Januar) – was vor allem auf eine rückläufige Lebensmittelinflation zurückzuführen war – liegt damit jedoch weiterhin über der Zielspanne der Zentralbank von 2,5 bis 6,5%. Brasilien und Äthiopien unterzeichneten Absichtserklärungen zur Intensivierung ihrer Handels- und Investitionsbeziehungen. Die internationale Ratingagentur Standard & Poor’s stufte das Länderrating für Brasilien aufgrund erheblicher politischer und wirtschaftlicher Probleme von BB+ auf BB herab, bei weiterhin negativem Ausblick.[7] Auch Moody’s senkte das Länderrating für Brasilien aufgrund der zunehmenden politischen Schwierigkeiten und der wachsenden Verschuldung auf Ba2 (also auf Junk-Status) und stufte den Ausblick auf negativ herab.[8] Finanzminister Nelson Barbosa kündigte Pläne zur Gewährung von Geschäftskrediten in Höhe von 20,4 Mrd. US-Dollar durch staatliche Banken an, um die Wirtschaft während der Rezession zu stützen. Die größte Partei des Landes, die Partei der Brasilianischen Demokratischen Bewegung (PMDB), kündigte die Koalition mit der Regierungspartei auf, was ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff wahrscheinlicher machte. Der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wurde im März zum Stabschef der Präsidentin ernannt.

Südafrika

In Südafrika wuchs die Wirtschaft im Schlussquartal 2015 um 0,6% und damit etwas langsamer als im dritten Quartal (1,0%) (jeweils im Jahresvergleich), was in erster Linie auf einen Rückgang in den Bereichen Produktion, Bergbau und Landwirtschaft sowie eine Verlangsamung des Wachstums im Finanz- und Bausektor zurückzuführen war. Der Landwirtschaftssektor brach im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 14,1% ein, während der Rückgang im verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau weniger als 1% betrug. Auf das Gesamtjahr gesehen wuchs das BIP gegenüber dem Vorjahr um 1,3% (nach 1,4% im Jahr 2014). Die South African Reserve Bank hob trotz der Wachstumssorgen ihren Leitzins im Berichtsquartal um 75 Basispunkte (0,75%) auf 7,0% an. Dabei berief sie sich auf den schwächeren Rand und den höheren Inflationsdruck. Der Verbraucherpreisindex stieg gegenüber dem Vorjahr im Februar auf 7,0% (nach 6,2% im Januar) und damit auf den höchsten Stand seit fast sieben Jahren. Damit liegt der Wert nach wie vor über der von der Zentralbank angestrebten Spanne von 3% bis 6%. Hauptgrund für den Inflationsschub war ein Anstieg der Lebensmittelpreise aufgrund der herrschenden Dürreperiode. Das Leistungsbilanzdefizit sank 2015 auf 4,4% des BIP (nach 5,4% im Jahr 2014), was einem Rückgang des Handelsbilanzdefizits gegenüber dem Vorjahr um 40,9% zuzuschreiben war. Präsident Jacob Zuma traf sich im März in Nigeria mit seinem Amtskollegen Muhammadu Buhari. Er unterstrich dabei die Bedeutung engerer Wirtschaftsbeziehungen in Sektoren wie Landwirtschaft, Tourismus und Bergbau sowie in der Automobilindustrie.

Russland

In Russland ging das BIP im vierten Quartal 2015 den vorläufigen Daten zufolge gegenüber dem Vorjahr um 3,8% zurück. Damit entwickelte sich die Konjunktur etwas besser als noch im dritten Quartal, in dem das BIP um 4,1% gesunken war. Im Gesamtjahr 2015 verlangsamte sich die Konjunktur gegenüber dem Vorjahr damit um 3,7% (gegenüber -0,7% im Jahr 2014). Damit ist die Jahresrate erstmals seit 2009 wieder gesunken, wofür in erster Linie die niedrigen Ölpreise, die Wirtschaftssanktionen und der schwache Rubel verantwortlich waren. Die BIP-Prognosen der Zentralbank gehen für das Jahr 2016 mit einem Rückgang von 1,3% bis 1,5% aus, wohingegen der russische Wirtschaftsminister Alexei Uljukajew 2016 ein Wachstum von 0,7% und 2017 von 1,5% bis 2,5% erwartet. Die Zentralbank beließ ihren Leitzins aufgrund hoher Inflationsrisiken im Berichtsquartal unverändert bei 11,0%. Die Inflation schwächte sich im Februar den vierten Monat in Folge weiter ab, was auf langsamer steigende Preise für Lebensmittel, Wohnraum und Transport zurückzuführen war. Der Verbraucherpreisindex ging im Jahresvergleich von 9,8% im Januar auf 8,1% im Februar zurück. Im Februar sank der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe auf 49,3 Zähler (nach 49,8 Punkten im Vormonat). Damit lag er den dritten Monat in Folge unter der 50-Punkte-Marke. Werte über 50 deuten auf einen Anstieg des Produktionsvolumens im verarbeitenden Gewerbe hin, während Werte unter 50 auf einen Rückgang schließen lassen. Russland und Marokko unterzeichneten bilaterale Kooperationsvereinbarungen in verschiedenen Bereichen wie etwa Investitionen, Umweltschutz, Energie und Tourismus.

Türkei

Die türkische Zentralbank beließ wegen Inflationssorgen im Berichtsquartal den Leitzins bei 7,5%. Im Februar ging der Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahr von 9,6% im Januar auf 8,8% zurück. Grund dafür war ein langsamerer Anstieg der Preise für Lebensmittel und Transport. Damit lag der Index weiterhin über dem mittelfristigen Zielwert der Zentralbank von 5%. Das Leistungsbilanzdefizit sank im Januar auf 2,2 Mrd. US-Dollar (nach 2,4 Mrd. US-Dollar im Vorjahresmonat). Das Leistungsbilanzdefizit verringerte sich von 43,6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2014 auf 32,1 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015, was im Wesentlichen einem niedrigeren Handelsbilanzdefizit zuzuschreiben war. Präsident Recep Tayyip Erdogan bereiste Westafrika, wo er Gespräche mit der Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Guinea führte, um die Handels- und Investitionsbeziehungen zu vertiefen. Dabei kam es mit Guinea zum Abschluss verschiedener Vereinbarungen unter anderem in den Bereichen Tourismus, Energie, Gesundheit und Umwelt, und mit Ghana wurden Absichtserklärungen in den Bereichen IT und Energie unterzeichnet. Die internationale Ratingagentur Fitch bestätigte das Rating der langfristigen Fremdwährungsverbindlichkeiten für die Türkei von BBB- mit stabilem Ausblick.[9] Die Europäische Union und die Türkei bekräftigten ihre Zusage, den Beitrittsprozess zu beschleunigen.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Mark Mobius dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quelle: IMF World Economic Update, Januar 2016. Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Schätzungen oder Prognosen als richtig erweisen.

[2] Quellen: Economist Intelligence Unit; Consensus Economics. Stand: 30.9.2015.

[3] Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Kennzahl zur Aktienbewertung. Es wird berechnet, indem der Marktpreis einer Aktie durch den Jahresgewinn je Aktie des Unternehmens geteilt wird. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) wiederum wird berechnet, indem der aktuelle Aktienkurs durch den Buchwert des Unternehmens (oder den Nettowert) je Aktie geteilt wird.

[4] Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Schwellenländern. Der MSCI World Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Industrieländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit stellt keine Garantie für künftige Ergebnisse dar.

[5] Quelle: MSCI. Der MCSI Latin America Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus fünf Schwellenländern in Lateinamerika. Der MSCI Emerging Markets EMEA Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus zehn Schwellenländern in Europa, Nahost und Afrika (EMEA).Der MSCI EM Asia Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus acht Schwellenländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit stellt keine Garantie für künftige Ergebnisse dar.

[6] Quelle: Moody’s Investors Service, 2. März 2016.

[7] Quelle: Standard & Poor’s, 17. Februar 2016.

[8] Quelle: Moody’s Investors Service, 24. Februar 2016.

[9] Quelle: Fitch Ratings, 26. Februar 2016.

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