Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Asien

Michael Lai aus HK: Chinas „finanzielle Werkzeugkiste“ und wie es mit chinesischen Aktien weitergehen könnte

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Während die Märkte mit den finanziellen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs zu kämpfen haben, überlegt unser Michael Lai, Portfoliomanager, China Equities, Franklin Templeton Emerging Markets Equity, wie eine Erholung aussehen und wie sich diese auf die chinesischen Aktien auswirken könnte. Er berichtet über soziale und wirtschaftliche Entwicklungen vor Ort:

„Investoren auf der ganzen Welt sind zweifellos besorgt über die Unsicherheit, die der neue Coronavirus-Ausbruch den Finanzmärkten bringt. Doch die medizinische Krise, die zunächst in China entdeckt wurde und hier mehr als 80.000 Menschen infizierte, hat sich nach Europa verlagert, wo nun täglich mehr Fälle gemeldet werden als auf dem Höhepunkt der Krise in China.

Da China gestern (Montag, 23. März) über 70 neue Infektionen im Inland meldete, die fast alle importiert wurden, ist das ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Höhepunkt der Krise. Unserer Ansicht nach stellt sich für Investoren in Schwellenländern die Frage, wie es mit dem Aktienmarkt in einem Land weitergehen soll, das die Städte geschlossen und extreme „social distancing“ Maßnahmen praktiziert hat.

Es gibt zwei Seiten der Medaille in Bezug auf die derzeitige Stimmung gegenüber chinesischen Aktien. Die inländische Stimmung war im Vergleich zur ausländischen Stimmung viel widerstandsfähiger. Die chinesische Regierung hat einen klaren politischen Fahrplan herausgegeben und alle geeigneten Instrumente, sei es die Geld- oder die Finanzpolitik, eingesetzt und konnte Ressourcen zur Bekämpfung des Virus umleiten.

Am 13. März senkte die People’s Bank of China (PBOC) die Mindestreserveanforderungen für Banken, um 78,8 Milliarden US-Dollar an Geldern freizusetzen, die die Banken an die am schlimmsten vom Virenausbruch betroffenen Unternehmen ausleihen. Die Zentralbank senkte auch den Mindestreservesatz, einen Mindestbetrag, den die Banken als Reserve halten müssen, um einen weiteren Prozentpunkt.
Zu Beginn gingen einige Marktkommentatoren davon aus, dass das Virus nur das erste Quartal negativ beeinflussen würde, aber nun wird es, trotz aller Maßnahmen, mindestens zwei Quartale dauern, bis wir eine Erholung sehen. China wird sich erholen, aber nicht sehr schnell und auch erst einmal nicht raketenartig.

Corona fördert neue Geschäftsmodelle

Es bleiben Fragen offen, ob wir eine V- oder eine U-förmige Erholung erleben werden. Unabhängig davon, welchen Buchstaben des Alphabets wir zur Beschreibung des Prozesses verwenden, sind wir der Meinung, dass sich die Art und Weise, wie die Menschen auf der ganzen Welt leben, durch die Umsetzung der „social distancing“ Vorgaben grundlegend verändert hat.

Wir haben beobachtet, dass Unternehmen kreative Lösungen einsetzen, um ihre Geschäftsprozesse am Laufen zu halten, was sich insbesondere in der Technologie als Chance erweist. Da beispielsweise immer mehr Unternehmen auf Home Office umsteigen, sind wir besonders an Anbieter von Rechenzentren interessiert, um einen plötzlichen Anstieg der Nachfrage nach Bandbreite zu decken.

An anderer Stelle könnten große On-Demand-Lieferservices profitieren, da sich der Lebensmittelkonsum der Kunden in den letzten Wochen dramatisch verändert hat. Diese Art von Unternehmen hat sich im Zuge des Coronavirus zu einem „kontaktlosen Lieferservice“ entwickelt.

Obwohl es noch zu früh ist, um dies im großen Stil festzustellen, gibt es Anzeichen dafür, dass „Leben“ in einige Unternehmen in China zurückkehrt. Da sich die westliche Welt inmitten dessen befindet, was einige als den Höhepunkt des Coronavirus bezeichnen könnten (oder in einigen Ländern noch nicht einmal dort), wird der Nachfrageschock eindeutig einen Dominoeffekt haben. Zum Beispiel werden die Hersteller von Kopfhörern in China noch nicht die volle Produktion aufnehmen wollen, weil die Nachfrage nach dieser Art von Produkten im Moment sehr gering ist. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Marktkonsolidierung in naher Zukunft fortsetzen wird. Angesichts der derzeitigen Situation glauben wir, dass wir eine noch stärkere Konsolidierung erleben werden, wenn schwächere Unternehmen auf der Strecke bleiben.

Die langfristige Geschichte der chinesischen Wirtschaft bleibt unserer Ansicht nach gleich – die Trends in Technologie, Konsum und Marktkonsolidierung erfahren Gegenwind und sind vor große Herausforderungen gestellt, werden aber nicht verschwinden. Wir glauben, dass diese für Aktienanleger weiterhin relevant bleiben werden.

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