Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektiven

Schwellenländer: Überbrückung der ESG-Defizite in China

Vielen Anlegern werden die ESG-Faktoren Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) – unter anderem auch in Schwellenländern – immer wichtiger. Michael Lai von Franklin Templeton Emerging Markets Equity untersucht die mit ESG-Anlagen und -Reporting in China einhergehenden Herausforderungen und die Frage, wie sich diese wahrscheinlich weiterentwickeln werden.

ESG-Selektionsfaktoren waren zuvor bereits wichtig, spielen inzwischen aber für eine wachsende Zahl von Anlegern eine absolut wesentliche Rolle. Durch die Coronavirus-Pandemie sind Abweichungen bei den ESG-Möglichkeiten zwischen verschiedenen Märkten – darunter auch Schwellenländern – zutage getreten. Ein besonderes Schlaglicht fiel dabei auf China.

Institutionelle und vermögende Anleger kurbeln die Nachfrage nach ESG-Investitionen in China bereits seit einiger Zeit an.[1] Beispielsweise haben sich die Kapitalströme in börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds – ETF) mit ESG-Ausrichtung in China zwischen 2018 und 2019 um 464 % gesteigert. Zu beobachten war auch ein Boom bei einem breiteren Spektrum an „reinen“ ESG-Produkten, die Anlegern verfügbar gemacht wurden. Dies belegt, dass nachhaltiges Investieren heute bereits nichts Außergewöhnliches mehr ist. Die zunehmende Aufmerksamkeit internationaler Anleger für Chancen am chinesischen Kapitalmarkt hat auch das Bewusstsein für ESG-Anlageprinzipien und das Interesse an diesen verstärkt. Eine wachsende Datenverfügbarkeit wird Anlegern dabei helfen, ESG-konforme Unternehmen zu erkennen. Allerdings bleiben bei der Gesamtentwicklung Chinas in diesem Bereich Herausforderungen bestehen.

Trotz erhöhter Aufmerksamkeit seitens aus- und inländischer Anleger bleibt China hinter Industrieländern mit bewährten ESG-Praktiken zurück. Man muss jedoch sagen, dass chinesische Unternehmen lokale Vorschriften und die Auflagen örtlicher Regulierungsbehörden befolgen; nach unserer Beobachtung tun viele von ihnen sogar in etlichen Bereichen mehr, als von ihnen verlangt wird. Im Vergleich zu westlichen Wettbewerbern kann jedoch der Gesamteindruck entstehen, dass die chinesischen Firmen schlechter abschneiden. Das mag zwar allgemein so scheinen, doch mit sich weiterentwickelnden Vorschriften in China werden viele Unternehmen wahrscheinlich Fortschritte im Hinblick auf ihre Rechenschaftspflicht gegenüber einer breiteren Gruppe von Stakeholdern machen.

Steigende Standards

China gilt allgemein als ein eher durch regulatorische Vorgaben geprägter Markt und die dortigen Unternehmen handeln meist nur oder erst, wenn dies von ihnen verlangt wird. Das hat sich unter gewissen Umständen als heikel erwiesen, wenn sich ESG-Drittgutachter bei ihren Beurteilungen ausschließlich auf öffentliche Angaben verlassen. Unserer Erfahrung nach sind Geschäftsleitungen bereit, diese Informationen an uns weiterzugeben; allerdings fehlt es weiter an Klarheit darüber, welche Informationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.

Im Allgemeinen sind chinesische Unternehmen unserer Beobachtung nach weiterhin proaktiv im Hinblick auf ESG-Maßnahmen. Sie zeigen außerdem Engagement, um mehr darüber zu erfahren, was Anleger unter ESG-Perspektive sehen möchten, oder bei der Ausarbeitung von Programmen zur Offenlegung des Einflusses des Nachhaltigkeitsgedankens auf ihre langfristigen Strategien. Unsere Präsenz vor Ort in China erlaubt es uns, diese Gespräche zu lenken, wenn Unternehmen ihre Transparenz bezüglich ESG-Praktiken und deren Umsetzung verbessern wollen. Vor Kurzem haben wir beispielsweise an einer Besprechung mit einer bekannten chinesischen Bank teilgenommen, die genau dieses Anliegen hatte. Dadurch bot sich uns die Gelegenheit, das Gespräch auf eine angemessene Offenlegung zu lenken, anhand derer Anleger die Einhaltung von ESG-Standards messen können.

Das Thema ESG ist in China insgesamt gemischt zu bewerten, scheint sich jedoch in eine positive Richtung zu entwickeln. Viele Unternehmen weisen ein äußerst solides Reporting vor, auf dessen Grundlage Anleger genau erkennen können, wie sich der Bereich Nachhaltigkeit in die jeweilige Gesamtstrategie einfügt und wie das Unternehmen und die Geschäftsleitung ESG-Risiken berücksichtigen. Während sich der chinesische Kapitalmarkt geöffnet hat und die Schranken für ausländische Anleger gefallen sind, wollen heimische Regulierungsbehörden das ESG-Reporting durch Offenlegungspflichten für börsennotierte Unternehmen verbessern, die Ende 2021 eingeführt werden sollen. Unserer Auffassung nach werden diese Schritte den Weg dafür ebnen, chinesische Unternehmen wirklich auf Augenhöhe mit ihren westlichen Wettbewerbern zu bringen.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder auch an den allgemeinen Marktbedingungen. Anlagen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, z. B. mit Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Bei Anlagen in Schwellenländern sind diese Risiken noch ausgeprägter. Hinzu kommen Risiken, die mit der geringeren Größe und Liquidität dieser Märkte zusammenhängen. Sofern eine Strategie sich auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen, Sektoren oder Arten von Anlagen konzentriert, kann sie anfälliger für ungünstige Entwicklungen in solchen Schwerpunktbereichen sein als eine Strategie, die in ein breiteres Spektrum von Ländern, Regionen, Branchen, Sektoren oder Anlageformen investiert. China kann einer erheblichen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Instabilität unterliegen. Anlagen in Wertpapiere chinesischer Emittenten sind mit speziellen Risiken in China verbunden, unter anderem bestimmten rechtlichen, regulatorischen, politischen und wirtschaftlichen Risiken.

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[1] Quelle: Ping An, ESG Investment in China, November 2020.

[2] Quelle: Internationale Energieagentur, Global EV Outlook 2020, Juni 2020.

[3] Quelle: Internationale Organisation für erneuerbare Energien, Renewable Capacity Statistics 2020, März 2020.

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