Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Asia

Indiens „Was immer es kostet“ – Ansatz für COVID-19

Die indische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen getroffen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, und versucht, die Balance zwischen dem Schutz von Menschenleben und der Verhinderung einer wirtschaftlichen Katastrophe zu finden. Vor kurzem verschärfte das Land seinen Kampf und verlängerte den Lockdown für seine 1,3 Milliarden Bürger bis 3. Mai. Sukumar Rajah von Franklin Templeton Emerging Markets Equity gibt seine Einschätzung zu den Auswirkungen.

Sukumar Rajah
Senior Managing Director, Director of Portfolio Management
Franklin Templeton Emerging Markets Equity

Der rasche Wandel der COVID-19-Krise von einer regionalen Epidemie zu einer weltweiten Pandemie ist ein krasses Beispiel für die drastischen Nebenwirkungen einer integrierten Welt. China, das Herkunftsland des Coronavirus, traf eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus, einschließlich eines längeren Lockdowns, der die globale Lieferkette unterbrach.

Auch Indien unternahm mutige Schritte zur Eindämmung des Virus. Es verhängte am 25. März einen vollständigen Lockdown. Die Außengrenzen wurden geschlossen und der Inlandsverkehr eingeschränkt.

Aufgrund der prekären Beschäftigung in Indien löste der Lockdown eine Massenwanderung von Millionen von Arbeitern aus Branchen wie z. B. Bauwesen, Einzelhandel, Textil- und Lederindustrie und Tourismus aus.

Die Regierung verkündete nun, den Lockdown über die anfänglichen 21 Tage hinaus bis zum 3. Mai verlängert zu haben. Diese Ankündigung enthielt jedoch auch den Hinweis, dass die Lage am 20. April neu beurteilt werde, um zur Verringerung der wirtschaftlichen Folgen weitere Ausnahmen zuzulassen. Da die Regierung den Verlauf für jeden Distrikt einzeln überwacht, werden die indischen Bundesstaaten die Beschränkungen vermutlich Distrikt für Distrikt abgestuft nach roten, orangefarbenen und grünen Zonen abhängig von der Anzahl der COVID-19-Fälle und der Übertragungsgeschwindigkeit lockern. Die stufenweise Wiederherstellung von Normalität mit festen Bedingungen wird der Wirtschaft beim allmählichen Neustart helfen.

Auch wenn es vereinzelt Kritik an den Entscheidungen der Regierung gibt, steht die Masse der Bevölkerung im Großen und Ganzen hinter den Maßnahmen. Gemeinhin wird erwartet, dass die Regierung die indische Wirtschaft in mehreren Phasen öffnen möchte. Dies zeigt, dass die Führung versuchen wird, die Balance zwischen dem Schutz von Menschenleben und der Verhinderung einer wirtschaftlichen Katastrophe zu finden.

Überdies schnürte die Regierung als Reaktion auf den anfänglichen Lockdown ein Konjunkturpaket über 1,7 Billionen Rupien (22,6 Milliarden US-Dollar), um Millionen Menschen in Haushalten mit niedrigeren Einkommen zu entlasten. Zu diesen Maßnahmen gehören u. a. eine einmalige direkte Bargeldzahlung und kostenloses Essen und Benzin.

Neue Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus

Zentralbanken weltweit setzen alles daran, die wirtschaftlichen Folgen durch verschiedene geldpolitische Maßnahmen einschließlich von Zinssenkungen abzufedern. Indien bildet da keine Ausnahme.

Die Reserve Bank of India (RBI) erklärte, „alles Notwendige zu tun“, um die Wirtschaft zu stützen, und an ihrem akkommodierenden Kurs festzuhalten. Dies dürfte das Vertrauen an den Finanzmärkten wiederherstellen und die Liquidität steigern.

Die RBI zielte bei ihrer geldpolitischen Reaktion auf drei Bereiche ab: Kreditkosten, Kreditverfügbarkeit und Qualität der vorhandenen Kredite im System.

Die Zentralbank kappte ihren wichtigen Repo-Satz um 75 Basispunkte auf 4,4 %. Dieser Schritt dürfte den Kreditkosten zugutekommen und Wachstum und finanzielle Stabilität fördern.

Darüber hinaus kappte die RBI die Sätze für Reverse-Repo-Geschäfte auf Niveaus, die die Banken davon abbringen sollen, Liquidität in Staatspapieren zu parken. Die gezielten langfristigen Repo-Geschäfte (TLTRO) der RBI helfen den Unternehmen, durch die Coronavirus-Pandemie bedingte Cashflow-Probleme zu bewältigen. Banken können innerhalb eines bestimmten Fensters Kredite für den Kauf von Investment-Grade-Anleihen aufnehmen. Dies ermöglicht dem Anleihenmarkt, fast wieder zur Normalität zurückzukehren.

Bezüglich der Qualität der Kredite hat die RBI zudem sichergestellt, dass Kreditnehmer, die in dieser Phase knapper Liquidität Unterstützung benötigen, einen dreimonatigen Zahlungsaufschub bei Krediten, wie etwa Immobilien-, Bildungs- und Autokrediten, in Anspruch nehmen können. Mit Blick auf die Vergangenheit und das Risiko von Fehlanreizen bei einem Aufschub überlässt es die Zentralbank den jeweiligen lokalen Banken, diesen Aufschub nach eigenem Ermessen umzusetzen.

Finanzierung von Gesundheitsinfrastruktur

In einer Zeit, in der Planbarkeit und Stimmung in der Wirtschaft besonders schlecht sind, legt die indische Regierung den Schwerpunkt auf strenge Kontaktbeschränkungen und fiskalische Maßnahmen zum Schutz der Bürger.

Der indische Premierminister Narendra Modi sagte überdies weitere 150 Milliarden Rupien (2 Milliarden US-Dollar) für die Gesundheitsinfrastruktur zu, u. a. für Testgeräte, persönliche Schutzausrüstung, Isolier- und Intensivbetten sowie Beatmungsgeräte.

Der aggressive Lockdown in Indien ist teilweise auf das im Vergleich zu den Industrieländern schlecht ausgestattete öffentliche Gesundheitswesen zurückzuführen. Zwar gibt es in Indien ein öffentliches Gesundheitssystem, doch die meisten Menschen nutzen in der Regel private Anbieter. Die Mehrheit der indischen Ärzte und Betten befindet sich im privaten Gesundheitssektor, der in Bezug auf die Behandlungskosten enormen Spielraum hat.

Doch seit Beginn des Lockdowns halten private Krankenhäuser in Erwartung steigender COVID-19-Zahlen Betten und Isolierzimmer bereit, und für umfangreichere Tests wurden weitere Diagnoselabors zugelassen. Bis auf weiteres wurden geplante Operationen abgesagt, und der Gesundheitstourismus kam zum Erliegen.

Im Weiteren werden wir die Entwicklungen in Bezug auf Finanzpakete genau verfolgen, denn Indien tritt in die nächste Phase der Coronavirus-Bekämpfung ein.

Sobald die Wirtschaft wieder geöffnet und der Schaden deutlicher wird, erwarten wir zielgerichtetere Konjunkturmaßnahmen. Obwohl die Fallzahlen in Indien insgesamt weiter steigen, deuten aktuelle Äußerungen aus dem indischen Gesundheitsministerium darauf hin, dass mehrere Distrikte im ganzen Land, in denen zuerst COVID-19-Infektionen festgestellt wurden, die Ausbreitung eingedämmt und in den letzten 14 Tagen sogar keine neuen Fälle beobachtet haben.

Modi wies bereits alle Ministerien an, Pläne für die langsame Öffnung der Wirtschaft auszuarbeiten, und verlangte von den Ministern die Vorbereitung einer Liste mit 10 wichtigen Entscheidungen und 10 vorrangigen Bereichen als Schwerpunkt für die Zeit nach der Aufhebung des Lockdowns. Dies zeigt, dass sich die Regierung im Klaren ist, dass die Eindämmung alleine keine langfristige Strategie ist und dass ein schwieriger Ausgleich zwischen der Rettung von Menschenleben und der Begrenzung des wirtschaftlichen Schadens gefunden werden muss.

Aus Anlegersicht wird es darauf ankommen, wann wieder Normalität hergestellt wird. Falls das Virus eingedämmt werden kann, und wir keine zweite Welle von COVID-19-Infektionen mit stärkerer Intensität erleben, dürfte sich die Stimmung ins Positive wenden. Bei Unternehmen ist aus unserer Sicht nun die Solidität der Bilanzen entscheidend, denn die Folgen für die Unternehmen hängen weitgehend davon ab, wann die Wirtschaft wieder geöffnet wird.

Kerala: Eine Fallstudie über die Abflachung der Kurve

Am 30. Januar meldete Kerala als erster indischer Bundesstaat mit einem aus Wuhan zurückgekehrten Studenten einen positiven Fall des neuartigen Coronavirus. In den nächsten zwei Monaten folgten mehr als 350 Coronavirus-Fälle, da weitere Bürger aus dem Ausland zurückkehrten. Die Behörden in Kerala ergriffen sofort Maßnahmen zur Eindämmung. Neben der Untersuchung von Passagieren an den vier größten Flughäfen schlossen die lokalen Regierungsstellen die Schulen und verboten größere Versammlungen, noch bevor in den Industrieländern Lockdowns verhängt wurden. Überdies gaben sie Mittel zur Unterstützung frei, nicht nur für das Gesundheitswesen, sondern auch für Lebensmittellieferungen an Bedürftige, für den Bau von Unterkünften für Wanderarbeiter und die Erhöhung der Internet-Bandbreite für Menschen in Heimarbeit.

In Kerala gibt es keine gemeldeten Fälle von Übertragung innerhalb der Gemeinschaften, denn der Bundesstaat erfasste alle Einreisenden und isolierte die infizierten Personen für einen langen Zeitraum sogar von ihren Familien, deren Kontaktpersonen ebenfalls ermittelt wurden. Die entschlossene Reaktion in Kerala flachte die Kurve dort allmählich ab, und Indien versucht insgesamt, ein ähnliches Szenario in allen anderen Bundesstaaten umzusetzen.

Es gibt jedoch Hürden, die eine Übertragung der erfolgreichen Maßnahmen in Kerala auf andere Bundesstaaten erschweren. Hierzu gehören unterschiedliche Führungsstile, mangelndes Vertrauen der Bürger in ihre Regierung, eine hohe Analphabetenrate in einigen Bundesstaaten, die Kapazitäten lokaler Gesundheitssysteme zur Bewältigung der Krise und die lokale Bürokratie.

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