Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Asien

Update zu Indiens zweiter COVID-19-Welle

Die Coronavirus-Lage in Indien ist dramatisch – im ganzen Land sind die Fallzahlen stark angestiegen. Doch die Antwort auf die zweite Welle kam prompt und die Bevölkerung ist dieses Mal viel vorsichtiger und hält sich an die Hygienemaßnahmen. Murali Yerram aus unserem Team für Schwellenländeraktien erklärt, warum die indische Wirtschaft sich rasch wieder erholen dürfte.

Zweifelsohne wird die aktuelle zweite COVID-19-Welle in Indien der Konjunkturerholung für ein bis zwei Quartale einen spürbaren Dämpfer verpassen. Doch wir gehen davon aus, dass die Beeinträchtigung des Marktes nur vorübergehend ist und sich die Wirtschaft mit Fortschreiten der Impfkampagne wieder aufrappelt.

Indien hat eine der größten und dynamischsten Volkswirtschaften der Welt. Das Land verfügt über eine Reihe struktureller Wachstumstreiber, die die Wirtschaft auf lange Sicht auf solidem Aufwärtskurs halten dürften. Dazu gehören beispielsweise eine auf die Binnennachfrage und Investitionen ausgerichtete Wirtschaft, ein geringer Exportanteil, eine günstige demografische Entwicklung, eine breite Urbanisierung, steigender Konsum und eine hohe Sparquote innerhalb der Bevölkerung.

Die Coronavirus-Lage in Indien ist dramatisch – im ganzen Land sind die Fallzahlen stark angestiegen und die Krankenhäuser sind teilweise überlastet (vor allem jene mit schwacher Infrastruktur, insbesondere außerhalb der großen Städte). Doch die Antwort auf diese zweite Welle kam prompt und die Bevölkerung ist dieses Mal viel vorsichtiger und hält sich an die Hygienemaßnahmen. Beschränkungen wie Lockdowns, die zur Eindämmung des Virus nötig waren, wurden auf regionaler Ebene der Bundesstaaten umgesetzt (anstatt landesweit). Die Maßnahmen tragen Früchte: In den meisten Staaten haben die Fallzahlen ihren Höchststand bereits erreicht. Gemäß den Angaben sind die bestätigten Fallzahlen von ihrem Hoch mit ca. 400.000 im 7-Tage-Durchschnitt auf 255.000 gefallen. Die zuletzt gemeldeten Zahlen lagen bei etwa 220.000.[1] Zudem ist die Positivrate bei Tests von 25 % auf fast 11 % gesunken, was ein gutes Zeichen ist.[2]

Leider ist die kumulierte Todesfallrate auf über 1 % gestiegen – ein Indiz für die Gefährlichkeit dieser Coronavirus-Variante.

Die Impfkampagne hat nach wie vor höchste Priorität. Während die Bevölkerung zunächst zögerte, sich impfen zu lassen, hat die zweite COVID-19-Welle alle an den Ernst der Lage erinnert, und nun werden alle hergestellten Impfdosen voll ausgenutzt.

  • Die Produktion der Impfstoffe Covishield und Covaxin in Indien soll ab Juli ausgeweitet werden.
  • Die Regierung bemüht sich außerdem, Impfungen schneller unter die Leute zu bekommen: Erstens wurde Sputnik V zugelassen und am 1. Mai in Umlauf gebracht; zweitens werden Zulassungsverfahren für die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Johnson & Johnson und Moderna, die in den westlichen Ländern bereits zugelassen sind, beschleunigt; drittens werden Impfungen durch private Akteure, z. B. Privatkliniken oder Unternehmen, erlaubt, um die bundesstaatlichen Gesundheitssysteme zu entlasten.

Es wird damit gerechnet, dass in Indien bis Ende dieses Jahres alle Personen über 18 Jahre vollständig geimpft sind.

Im April versetzten der starke Anstieg neuer COVID-19-Fälle, der Mangel an medizinischer Ausrüstung, neue Lockdowns in den am schlimmsten betroffenen Bundesstaaten (jedoch nicht landesweit) und schwache makroökonomische Daten der Anlegerstimmung einen Dämpfer. Im Mai jedoch erholten sich indische Aktien, gemessen am MSCI India Index: Seit Jahresbeginn bis zum 21. Mai hatten sie um 5 % zugelegt[3] – dies spiegelt vermutlich die Markteinschätzung wider, dass die zweite Welle ihren Höhepunkt erreicht hat.

 

Ausblick

Wir sind der Ansicht, dass die Sorgen um COVID-19 und die Auswirkungen potenzieller weiterer regionaler/nationaler Lockdowns auf die Wirtschaftstätigkeit bereits größtenteils eingepreist sind (und dies schon seit 3–4 Wochen). Der Verlust an Wirtschaftsleistung dürfte im Vergleich zu letztem Jahr wesentlich geringer ausfallen, denn die Eindämmungsmaßnahmen der Regierung waren bei der zweiten Welle nicht so streng wie bei der ersten: Die meisten Produktions- und Bausektoren durften ihren normalen Betrieb aufrechterhalten und andere essenziele Dienstleistungen wie Bankwesen und Onlinehandel sowie die ländliche Wirtschaft blieben ebenfalls erlaubt. Daher glauben wir, dass die Auswirkungen auf das BIP-Wachstum im Geschäftsjahr 2021 durch die zweite COVID-19-Welle bei etwa 1–2 % liegen werden (das Geschäftsjahr in Indien läuft bis März, endete für 2021 also am 31.3.2021).

Verglichen mit dem Geschäftsjahr 2019 rechnen wir mit einem soliden Wachstum. Zum Teil liegt das am Turnaround, den wir bei einigen größeren indischen Unternehmen beobachtet haben, die einen wesentlichen Beitrag zu den Gesamtzahlen des Marktes leisten. Zudem sind die 2020 allgegenwärtigen Kostensenkungen hilfreich bei der Umsatzerholung. Zwar rechnen wir aufgrund der zweiten Welle mit einer Beeinträchtigung der Gewinnprognosen im Geschäftsjahr 2022 in Höhe von 5 %, gehen für die Geschäftsjahre 2022 und 2023 (jeweils bis Ende März 2022/23) aber dennoch von robustem Gewinnwachstum aus. Unserer Ansicht nach ist ein weiterer positiver Aspekt der Erholung, dass manche Sektoren, wie Zement, Infrastruktur und IT-Dienstleistungen, bald den Punkt erreichen dürften, wo ihre Auftragsbücher und Liefervolumina besser aussehen als vor der Pandemie.

Außerdem können sich die Aktienmärkte bereits im Vorfeld des Wirtschafts- und Gewinnwachstums erholen, wenn die Rückmeldungen der Unternehmen positiv bleiben und die Märkte zuversichtlich auf den Verlauf der Geschäftstätigkeit in Indien blicken. Unsere zahlreichen Nachprüfungen vor Ort deuten darauf hin, dass die Unternehmen mit einer Erholung ihrer Gewinne in den Jahren 2021/22 rechnen. Wir können zwar Senkungen der gegenwärtigen Gewinnschätzungen für das Geschäftsjahr 2022 nicht ausschließen, doch erscheint uns eine robuste Erholung der Unternehmensgewinne in den nächsten Jahren wahrscheinlich.

Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, in Unternehmen mit einem guten Management zu investieren, das weiß, wie mit Krisenzeiten umzugehen ist, und die angemessenen Kostensenkungs- und Prozessanpassungsmaßnahmen trifft. Und noch etwas hat sich gezeigt: Solide Bilanzen – entweder dank Netto-Cash-Salden oder niedrigen Verschuldungsniveaus – sollten ebenfalls stets im Fokus bleiben. Nicht alle indischen Unternehmen werden die Krise unbeschadet überstehen, doch im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass viele Unternehmen in diversen Sektoren gestärkt daraus hervorgehen können: mit einem mittel- bis langfristig größeren Wettbewerbsvorteil und dem Potenzial, sich von schwächeren Teilnehmern im Rahmen einer Branchenkonsolidierung weitere Marktanteile zu sichern, was wiederum Kursgewinne mit sich bringen dürfte.

Die Regierung hat Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft getroffen und dabei im Vergleich zu Vorkrisenplänen einen stärkeren Fokus auf Infrastrukturprojekte und Produktionsanreize gesetzt.

Im Großen und Ganzen gehen wir davon aus, dass sich die wirtschaftliche Erholung Indiens im Jahresverlauf 2021 fortsetzen und die Wirtschaftsaktivität allmählich wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen wird. Wir sehen eine Steigerung der Unternehmensgewinne und eine Normalisierung der Einkommen – ein auf den pandemiebedingten Abschwung folgender Trend. Das größte Risiko für den Markt sehen wir in der zweiten Welle der COVID-19-Pandemie.

Des Weiteren gehören zu den wichtigsten Faktoren, die den indischen Markt (wie die meisten anderen Märkte auch) stützen, niedrige Zinsen, hohe Liquidität und fiskalische Anreize – alles Faktoren, die gegenwärtig weiterhin intakt sind. Dennoch behalten wir Risiken wie die anhaltende Viruspandemie, regionale und globale geopolitische Beziehungen sowie den Verlauf der Erholung und der Infektionsraten in anderen Regionen der Welt weiterhin im Blick.

 

Welche Risiken bestehen?

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[1] Quelle: covid19india.org, 24. Mai 2021.

[2] Quelle: Indisches Gesundheits- und Familienministerium, 24. Mai 2021.

[3] Indizes werden nicht gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

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